Wild Geissberg via Schneebändli


Publiziert von Zaza , 16. Juli 2010 um 20:34.

Region: Welt » Schweiz » Obwalden
Tour Datum:16 Juli 2010
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-NW   Östliche Melchtaler Alpen   CH-OW 
Zeitbedarf: 7:15
Aufstieg: 1900 m
Abstieg: 1000 m
Kartennummer:1190, 1210

Der Name ist Programm

Westlich oberhalb von Engelberg zieht sich zwischen dem Jochpass und dem Juchli eine abweisende Wand mit steilen Felsflanken. Und doch gibt es hier mit dem Schneebändli einen Durchschlupf, der gemäss SAC-Führer "zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist". Es handelt sich um eine herbe Route in Abenteuergelände ohne Markierungen oder klar menschliche Spuren. Da man sich auf lange Strecken in reichlich ausgesetztem Gelände bewegt, ist die Route nur sehr erfahrenen und trittsicheren Berggängern zu empfehlen. Sie werden jedoch ihre helle Freude daran haben.

Von Engelberg geht man auf Wanderwegen via Unter Trüebsee (Restaurant) Richtung Trüebsee. Auf etwa 1480 m verlässt man den breiten Weg und steigt direkt rechts über einen steilen Grashang auf, bis von links der Weg daher kommt, der nach Trüebsee Alpelen führt. Von hier über Gras weiter zum Alpelenhörnli, wo die Schwierigkeiten beginnen (bis hier T2/3).

Man geht direkt weiter und überklettert einen grasig-schrofigen Buckel und stösst auf eine Schieferhalde, die man ersteigt bis an eine kleine Felsstufe. Hier quert man rechts raus (Gras) bis an den Rand einer Rinne. Man steigt links der Rinne auf (gut gestufter Fels) bis die Rinne endet. Nun quert man rechts, bis man eine Möglichkeit  erkennt, über sehr steiles Gras leicht links haltend weiter aufzusteigen. Man kommt zu einer kleinen Verflachung, hält kurz rechts, um über steile Stufen in eine gut gestufte Felsrinne zu gelangen. Durch diese Rinne aufwärts bis zum Beginn des Schneebändli.

Das Schneebändli führt ansteigend nach links zu P. 2589. Es handelt sich um ein steiles Band mit teilweise hartem Schieferschutt, der eher unangenehm zu begehen ist. Da sich unter dem Band eine hohe Felsstufe befindet, sollte man einen Ausrutscher vermeiden. Und weil sich Steinwild in der Flanke tummelt, muss man auf Steinschlag achten. Immerhin finden sich da und dort ein Gemswechsel, was das Fortkommen deutlich erleichtert.

Von P. 2589 erreicht man in Kürze das Schwarzhorn. Danach geht es weiter zum Henglihorn, das nicht ganz einfachzu erklimmen ist. Eine kurze Stelle (II) ist recht ausgesetzt, was einem erst beim Abstieg richtig bewusst wird. Weiter über den Grat oder die Flanke links zum Wild Geissberg (P. 2655) und weiter Richtung Rotsandnollen. Ihn erreicht man ohne grosse Probleme, wenn man etwas links vom Grat abweicht.

Nun wäre es natürlich elegant gewesen, die Sache mit der Gratroute Barglen - Hohmad abzurunden. Dazu schauten wir die plattige Rampe rechts des Barglen-Ostgrates an, über die der SAC-Führer so schön sagt: "Vermutlich BG". Das war uns dann doch nicht so recht geheuer, denn vielleicht ist es auch ZS, so stiegen wir zum Sattel zurück und dann Richtung Tannensee (mit Steinmännern markiert) und nach Melchsee Frutt.

Der mühsamste Teil des heutigen Tages war übrigens die Fahrt im grauenhaft überfüllten Postauto nach Sarnen. Da die Lüftung nicht oder nur mangelhaft funktionierte, kam Sauna-Feeling auf.

Material:
Wir hatten Pickel und Steigeisen dabei, aber nur der Pickel kam zum Einsatz. Steigeisen trotzdem zu empfehlen, besonders wenn noch Schnee auf dem Band liegt.

Tourengänger: Zaza


Galerie


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T6- II ZS
T6 WS+ III
T6 ZS- III
WS II
31 Jul 10
Graustock - Barglen · ma90in94
T4

Kommentare (6)


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Henrik Pro hat gesagt: Da frug ich den AM
Gesendet am 17. Juli 2010 um 16:37
doch so gerne, um zu schweifen in nicht allzu Ferne, wie heiss es denn die Berge tun, damit mein Knochen und mein Haupt nicht zu sehr vergluhn...möcht ich doch in meinen freien Tagen, mich in die Berge wagen!

Herzlich

silbervögeli

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 10. November 2010 um 19:32
Erst jetzt bin ich auf den spannenden Bericht gestossen da ich Infos zum Henglihorn suchte welches ich dem nächst besuchen möchte. Den Tourenbericht habe ich wohl übersehen da ich im Urlaub war, schade wäre gerne dabei gewesen...

Gruss, Sputnik

Zaza hat gesagt: RE:
Gesendet am 11. November 2010 um 07:51
Moinmoin,

das war eine der besten Touren des Sommers, sehr schön. Henglihorn im Winter...naja, lieber du als ich! Mir hat's im Sommer gereicht, der eine Schritt ist wirklich nicht ganz ohne.

Gruess, zaza

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 11. November 2010 um 10:03
Warst du das Henglihorn von Norden (P.2589m) angegeangen oder über die Kante aus Süden?

Zaza hat gesagt: RE:
Gesendet am 11. November 2010 um 11:09
Von Norden, P. 2589. Die "schwierige" Stelle ist wirklich nur ganz kurz, aber beim Abstieg hatte ich die Hosen ziemlich voll. Günter (ma90in94) hat auch diese Route gewählt, denke ich. Bei nicht trockenem Fels vermutlich kriminell (vielleicht mit Steigeisen sicherer).

Gemäss dem Führer ist der Anstieg von Süden gleichwertig.

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 11. November 2010 um 11:53
Danke Zaza für die Info. So viel ich bei "Kraxeldani" gelesen habe gibt's oben an der Schlüsselstelle einen Haken. Eventuell lege ich dort ein Fixseil oder opfere eine Schlinge, so wird in Zukunft das Henglihorn einfacher begehbar sein.


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