Crispalt 3076m und Piz Giuv 3096m


Publiziert von Bergamotte Pro , 7. Mai 2018 um 16:59.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Surselva
Tour Datum: 6 Mai 2018
Ski Schwierigkeit: ZS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GR   CH-UR 
Zeitbedarf: 5:15
Aufstieg: 1650 m
Abstieg: 2220 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Oberalppass
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Dieni
Kartennummer:256S (230a/b, 231a)

Die gute Erschliessung der Region Oberalppass mit Bahn und Skiliften ermöglicht tolle Routenkombinationen. So steige ich heute ab Passhöhe durchs Val Val zum Piz Giuv auf, um anschliessend in die Surselva nach Dieni abzufahren. Angesichts der perfekten Frühlingsverhältnisse konnte ich meine Motivation kaum im Zaun halten und habe ausser Plan noch den Crispalt mit seinem spannenden Fussaufstieg mitgenommen. Nach diesem gelungenen Tourentag sind meine Ansprüche an die Wintersaison eigentlich gestillt... Sommer bitte kommen!

Bereits am Vorabend bringe ich mich auf dem Oberalppass (2044m) in Stellung und bin damit nicht alleine. Bei meiner Ankunft ist der Himmel bereits sternenklar und gute Verhältnisse gewiss. Endlich, bin ich geneigt zu sagen. So kann ich's mir entspannt und vorfreudig auf dem Autositz "bequem" machen. Am nächsten Morgen kurz vor halb sechs breche ich auf ins Val Val. Die Unterlage ist griffig und trägt praktisch ab Beginn. Die Harscheisen bleiben vorerst im Rucksack, auch in der steilen Querung bei Tgombras. Prinzipiell ist hier aber Vorsicht angebracht, bewegt man sich doch oberhalb eines Felsbands. Hier fällt nun definitiv der Entscheid, den Crispalt mitzunehmen. Die Idee war mir beim Erwachen angesichts der tollen Frühlingsverhältnisse ganz spontan gekommen. So drücke ich auf die Tube, um nicht völlig aus dem Fahrplan zu geraten.

Der Gipfel lässt sich ideal mit meiner Aufstiegsroute verbinden, zumindest was die Höhenmeter anbelangt. Geschenkt wird er trotzdem nicht. Zunächst steige ich aus dem Talboden recht steile über eine beinharte Unterlage - Harscheisen nun zwingend - Richtung Fuorcla da Crispalt (2943m) hoch. Wenige Meter unterhalb deponiere ich die Skier und mache mich mit Pickel und Steigeisen an den recht weiten Fussaufstieg. Man folgt entweder direkt dem Grat oder weicht in die geröllige Nordflanke aus, welche um diese Jahreszeit grösstenteils aper ist. Bei winterlichen Verhältnissen würde ich von dieser Tour abraten, der Fussaufstieg dürfte schnell heikel werden. Im Gipfelbuch auf dem Crispalt (3076m) hat es übrigens noch Platz für Jahrzehnte. Mein Eintrag ist der vierte in dieser Saison. Eine Gruppe deutscher Heeresbergführer in Ausbildung war diesen März schon oben, hoffentlich nur mit Pickeln bewaffnet...

Ich pausiere nur kurz und steige zügig zurück zum Skidepot. Bei guten Verhältnissen wie heute könnte man übrigens aus der Lücke direkt ins Val Giuv abfahren, was bei meiner Runde durchaus etwas Zeit eingespart hätte. Doch mich reizt die klassische Route rund ums Giuvstöckli. An dessen Südfuss quere ich nun, ohne viel Höhe zu verlieren. Trotzdem nehme ich die Felle ab, auf der harten Unterlage hätte ich sie glatt ruiniert. Anschliessend kurzer, aber heute recht anspruchsvoller Wiederaufstieg (bis 40°) zum Verbindungsgrat Brichplanggenstock - Giuvstöckli. Das ist vor Ort alles offensichtlich, wobei es oben zwei Ausstiegsvarianten gibt. Das Giuvstöckli (3061m) ist von hier fast geschenkt, man erreicht es dessen harmlose Nordflanke. Das Gipfelchen gibt aber in jedem Fall auch ein selbständiges Tourenziel ab, zum Beispiel als Kulminationspunkt der beiden Talrouten.

Von der Fuorcla da Giuv (2956m) folgt die erste Abfahrt auf ca. 2650m in den Kessel zwischen Piz Giuv und Piz Nair. Die Osthänge zeigen sich schön aufgefirnt - lohnend! Hier überhole ich eine Dreiergruppe, welche auf meiner späteren Abfahrtsroute aufgestiegen ist. Man kann um diese Jahreszeit mit dem Auto bis Mulinatsch hochfahren. Der Wiederaufstieg erfolgt zunächst über die Hänge südlich vom Hälsigrat. Diese erhalten spät Sonne, was mir sehr gelegen kommt. Für die ostexponierte Gipfelflanke gilt das leider nicht mehr. Sie ist bereits arg aufgeweicht und ein zweiter Solist ist froh, mir die Spurarbeit überlassen zu können. Die Skier deponiere ich oben am Nordgrat und folge ihm unschwierig bis zum Piz Giuv (3096m). Das nächste Mal würde ich sie vielleicht mitnehmen, denn man kann vom Gipfel direkt abfahren.

Das Panorama hier oben ist schlicht grossartig, vor allem in die Urner Bergwelt. Mich interessiert vor allem der Kessel um die Etzlihütte, den ich noch nie besucht habe. Entsprechend fliegen mir die Tourenideen nur so zu... Beim Skidepot pausiere ich zum ersten Mal etwas länger und führe dringend benötigte Kalorien zu. Um halb elf geht es an die Abfahrt. Natürlich wäre früher besser gewesen, aber zumindest die Hänge südlich vom Hälsigrat sind herrlich zu fahren. Anschliessend das weite Val Giuv hinaus, möglichst auf der Ostseite haltend. Mit ein paar Schlittschuhschritten über die Ebene vor Mulinatsch, wo ich auf eine Gruppe Wanderer stosse. Wandern heisst es nun auch für mich:Skier an den Rucksack und gutgelaunt in nicht mal dreissig Minuten nach cff logo Dieni runter.

Zeiten
2:15  Crispalt
0:50  Giuvstöckli
1:10  Piz Giuv
0:55  Dieni

PS. Mit besten Wünschen an den rekonvaleszenten Belrob.

Tourengänger: Bergamotte


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Kommentare (1)


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Felix Pro hat gesagt:
Gesendet am 10. Mai 2018 um 18:25
super, Bravo!


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