Genusskraxeln auf dem Grauchopf(2218m)


Publiziert von Kaj , 28. August 2016 um 06:57.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum:26 August 2016
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AR   CH-SG 
Zeitbedarf: 5:30
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1000 m
Strecke:9km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit Auto via A1/77 Winkeln nach Herisau, dann über Urnäsch zum Parkplatz Schwägalp (kostenlos)

In der Mittagshitze gestartet und mich nach dem steinigen Hochstapfen vor der Überhitzung/Kobenfresser in den allerersten Schatten (~1600m, nach 250Hm) unterhalb der Musfallen(1750m) geflüchtet. Anderen späten TierwisAspiranten ging es auch nicht viel besser - aber wir haben es geschafft. Unterwegs traf ich noch milan, der vom Hüenerberg zurückkam & den ich nur von hikrFotos kannte.
Ich habe eine Leidenschaft entdeckt - Kraxeln im I-II (UIAA)-Bereich. Dies ließ sich im Schratten-Platten-Parcour dem Grauchopf(2215m) bestens ausleben. Es hat Zeit gekostet, aber auch großen Spass gemacht.
Nun ein ersthaftes Thema: Güssel/Müll. Seit ich vor nur 5 Jahren begann Plasik- & MetallAbfall auf den Wegen einzusammeln, ging der Eintrag immer mehr zurück. Fand ich 2014 in der SchrennenHütte noch 4 leere Getränkedosen von ausgewiesenen AlpenSchweinen (* siehe ganz unten) hat es heuer fast nur noch BonbonPapiere, PapierTaschentücher (lass ich meist liegen) & kleine Stücke VerpackungsFolien. Aber das kleine Zeugs ärgert mich. Dafür muß ich keine PlastikTüte mit mir herumschleppen - dafür reicht auch eine Hosentasche. Außerdem rentiert sich das Kleinzeugs kaum; 1mal Bücken ist Arbeit, wie 0,5Hm. Also liebe Alpenschweine: schmeißt den Güssel am Stück in die Botanik oder steckt euch die Fitzelchen selbst in den Hosensack.
In banger Sorge um das Aussterben dieser nicht so hellen Spezie & um drohende Arbeitslosigkeit - euer AlpenschweinHirte;-)

PS: als Entschädigung für entgangenen PrivatMüll habe ich an den StromMasten ~1 Pfund EisenSchrott eingesackt, der da herumlag.

Tour:
An der Gabelung P.1353m hatte es an der AlpGmeinenwisen frisches Wasser - so konnte ich 0,5l trinken & wiederauffüllen. Überhaupt sollte Wasser an diesem Tag ein Thema sein. Die 2,5l waren bereits im Abstieg vor den Musfallen aufgebraucht. 3l wären besser gewesen.
Desweiteren gibt es an dieser Stelle ein Schild über die Aktivitäten des Schweizer Millitärs am Schiessplatz SäntisAlpen & welche Strecken gesperrt sind. Ich glaube, daß dies im Sommer & an Wochenenden kein großes Thema ist. Vorgängig habe ich unterhalb der Lauchwis hunderte von rostigen GranatSplttern & neuere Trümmer aus Alu gesehen. Das sollte man vor dem Beschreiten des GrossBand bedenken.
Nun den NormalWeg im Schutt hoch, bis kurz vor der Musfallen (MäuseFalle) der erlösende Schatten kam (T2-). Diese SteilStufe wird an der linken, südlichen Flanke einer SchrofenRinne gewonnen (T3). Dann wird das GrossBand (gerölliger SchuttFuß) gequert, bis ich am Ellenbogen(1929m) fast Fallinie in engen Kehren an die ~20m-Wand unter der TierwisHütte gelangte (T2). Hier hat es einen kurzen gesicherten, felsigen Steig (T3).
Nach einer kurzen Einkehr in der Tierwis(2085m) stieg ich hoch Richtung Säntis, um nach knapp 100m am ersten (Alu)Drahtseil den WanderWeg zu verlassen & nach links in ein schuttiges Band mit TierSpuren zu queren. Diesem folgte ich, leicht aufwärts haltend, unter den Wänden des Grauchopf bis das Band unter dem Gipfel in einer steilen Rinne endete bzw ich keine Musse verspürte da hinunter zu steigen (T6/II?). Damit endete auch die vage Hoffnung einen machbaren Durchschlupf von NW auf den Grauchopf zu finden (T4+). Diesen (unnötigen) Abstecher habe ich aus der Bewertung der Tour ausgeklammert.
Wieder zurück am markierten Weg verließ ich diesen noch vor der Herz-Markierung (erwähnt von alpstein) in einer Kehle 1 2.
Hier ging´s im Gras/Fels-Mix hoch (T3/I) zum Grat & auf diesem zum Gipfel (mit SteinMann) des Grauchopf(2215m).
Der ganze Berg besteht aus SchrattenkalkPlatten mit Rillen, Kanten, Blöcken, Löchern & tiefen Karstlöchen/Dolinen! - richtig fester Fels mit 40-50° Neigung.
Apropos Berg; die Schartenhöhe zum Girenspitz(2448m) hin sind wahrscheins weniger als 50Hm - damit ist der Grauchopf eigentlich eine Graterhebung eines NebenGipfel des Säntis. Egal - solche DefinitionsFragen sind oft überhaupt nicht wichtig.
Mein Plan war, immer auf dem Grat bis zur Säntisbahn Stütze 2 zu krabbeln. Wobei der Grat oft auch die Kante einer ~50m hohen recht steilen Wand entspricht; Nervenkitzel inclusive. Das habe ich auch geschafft - außer an 2 Stellen kurz vor den StromMasten. Da bin ich auf einen Reitgrat gestiegen, links 50m-Wand rechts 10m tiefe Doline, bis ich die Stufe mit dem Klemmblock sah. Also bin ich, auf dem ausgesetzten Wändchen hockend, mühsam umgekehrt & wieder zurückgehoppelt (T6-). Die 2. DolinenWand hab ich dann nur noch angeguckt.
Zur Routenwahl: bis ~100m nach dem Gipfel (Richtung NO) folgt der Kamm/Grat einer halbwegs geraden Linie. Dann ging es querend in wildem auf/ab zur übernächsten Platte (Richtung SO). Diese läuft widerum einigermassen linear (Richtung SO) bis zum Fuß des Girenspitz(2448m).
Es gibt 2 Stellen, wo man sinnvollerweise durch-muß, weil ein Plattenwechsel ansteht. Diese Stellen schätze ich T3+/I+ ein. Ansonsten hängt es vom eigenen Gespür ab, wo die Führe langgeht. Es geht stetig auf & ab, was anstrengend ist, mir aber große Freude bereitete. Erst am Schluß war ich über das Ende nicht unglücklich.
Ein Nachteil des GrauchopfGrats (und dem Aufstieg bis Tierwis) ist der Lärm, den Autos, Töffs/Motorräder & Busse verbreiten. Erst mit beginnender Dämmerung wurde es rasch ruhig - richtig schön.
SchwierigkeitsBewertung der GratTour auf dem Grauchopf: T4 sollte beherrscht werden und da Stürze, auch niedrige ob der scharfen Kanten, gefährlich sind, empfehle ich KraxelFähigkeit im II-Bereich. Gute Sicht ist zwingend, da die Landschaft (Stichwort Karrenfeld) unübersichtlich ist & mindestens 10 tiefe hungrige Löcher auf Futter warten. Mit T4-/I+ ist dieser RoutenAbschnitt zu schaffen.
Nun runter, an der Tierwis vorbei zur Musfallen. Hier habe ich im SteilStück eine Abkürzung näher an der Kehle der Rinne verwendet (T3+).
Dann weiter bis zum  Abzweig Nettenfeld. Diesen WegPunkt habe ich in die Karte eingefügt, weil hier ein Weg mit alten wrw-Markierungen abzweigt. Er geht rechts vom Sendeturm vorbei, den Schlepplift kreuzend nach Nettenfeld. Damit umgeht man gelenkschonend einen großen Teil des GeröllFächer-Hatsches hinunter nach P.1353m.

- Tour im Alleingang
- Abstecher unterhalb des Grauchopf nur in Beschreibung & GPS-Track berücksichtigt

- Wetter: heiß (~27°C), trocken
- Sicht: gut, Fernsicht leicht diesig
- WegeZustand: trocken, gut markiert (Schild am  Abzweig Nettenfeld fehlt)
- Varianten/Optionen: von Stütze 2 weiter auf den Girenspitz(2448m) oder Traversierung unter dem Gipfel
- Beschreibungen/hikr: zB hier von Ivo66
- Karte: Ausdruck von map.geo.admin.ch
- GPS-Track: hat Ungenauigkeiten; in den Pfad zum Nettenfeld bin ich ob der Dunkelheit etwas zu tief eingestiegen
- Panorama: zif hat (auch am Fr 26.8.) ein KugelPano vom Grauchopf erstellt
- Empfehlung/Fazit: gut für Kraxler - mir hat die GrauchopfTraverse gefallen
-> SchwierigkeitsBewertungen beziehen sich, wegen der Vergleichbarkeit, auf trockene/gute Verhältnisse.

* Das Alpenschwein
Seit einigen Jahren hat sich hier
in unserer schönen Alpenwelt
zu Steinbock, Gams und Murmeltier
ein Säugetier gesellt.
Zwar wirds von ersteren gemieden
und das leuchte jedem ein,
es ist halt gar zu verschieden -
gemeint ist hier das Alpenschwein.
Es kommt bepackt mit Fressereien
an Wald und Berg sich zu erfreuen
setzt sich dann hin am schönsten Platz
und stopft sich alles in den Latz.
Geht es dann weiter - vollgefressen
sieht man es genau, wo es gesessen.
Einkaufstüten, Büchsen, Flaschen,
ColaDosen, Plastiktaschen
das alles liegt am Berg herum
man sieht, das Alpenschwein ist dumm.
Es trägt bergauf gern voll und schwer
bergab wär´s leichter, weil ja leer.
Das jedoch geht dem Alpenschwein
nicht in seinen Schädel rein.
Im Sommer drauf, am selben Fleck
setzt es sich in den eignen Dreck!

Neue Tierart: Das Alpenschwein - Gefunden Reithalm und Steigbachtobel

Tourengänger: Kaj


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Kommentare (2)


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zif hat gesagt: Kugel-Panorama Grauchopf
Gesendet am 28. August 2016 um 09:38
Hallo Kaj, ich war am gleichen Tag auch auf dem Grauchopf. Allerdings gegen Mittag. Habe dort noch ein Kugel-Panorama aufgenommen. Gruss zif

Kaj hat gesagt: RE: Kugel-Panorama Grauchopf
Gesendet am 28. August 2016 um 21:13
Hoi zif,
das passt ja wunderbar, dein KugelFoto & mein aufmunternder Beschrieb - zumal Grau nicht die attraktivste Farbe ist & der kecke GratSpitze im Schatten einiger bekannterer Gipfel steht.
Es war vorgestern sicher klug früh hochzusteigen - meine alten Knochen hatten ganz schön zu kämpfen.
Auch schön - dein FotoApparat macht bessere Fotos, als wie meiner
ciao Kaj


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