Grosser Mythen via Schafweg und Rot Grätli


Published by Chrichen Pro , 2 June 2015, 13h44.

Region: World » Switzerland » Schwyz
Date of the hike:31 May 2015
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: Mythengruppe   CH-SZ   Alptaler Berge 
Time: 4:00
Height gain: 600 m 1968 ft.
Height loss: 600 m 1968 ft.
Route:ca. 5 km
Access to start point:Mit dem ÖV: Zug nach Einsiedeln / Postauto bis Brunni (Talstation LBH) / Seilbahn bis Holzegg
Access to end point:(Gleicher Weg umgekehrt)

Nachdem ich im letzten Herbst am Hoh Brisen schon einmal wenige Meter T5 Luft schnuppern konnte, wollte ich mich schon seit längerem nochmals an einer Alpinwanderung im T5 Bereich versuchen. Die Route über den Schafweg und das Rot Grätli zum Gipfel des Grossen Mythen, welche auch im SAC Führer "Vierwaldstättersee - Zentralschweiz" beschrieben ist, erschien mir dazu geeignet. Sie ist kurz und knackig, durchgehend gut markiert und die Schwierigkeiten steigen allmählich an. Zudem ist sie auf Hikr bestens dokumentiert.
 
Die Wanderung ist beispielsweise sehr gut beschrieben in diesem *Bericht von HBT und *hier von Bergmuzz. Bei letzterem Bericht geben zahlreiche Bilder, teils mit eingezeichneter Route, Aufschluss darüber, was zu erwarten ist und wo es lang geht. Wie bereits erwähnt, ist die Wegfindung dank reichhaltiger Markierung an und für sich unproblematisch. Die Route zweigt ca. auf halbem Mythenweg (T2-T3) ab, um zuerst leicht aufsteigend, dann absteigend nach Westen oberhalb des Geissstock bis unter den Wyss Nollen zu queren. Der Wyss Nollen ist eine Felswand, die sich farblich markant vom rötlichen Gipfelbereich des Grossen Mythen abhebt. Über die Bachruseren gelangt man zur anfangs sanft geneigten Mythenmatt. Diese Wiese ist auf der Landkarte als leicht erkennbares Dreieck eingezeichnet (bis dahin T4, Stellen T4+). Die Mythenmatt verjüngt sich immer steiler werdend zum schrofig-felsigen Rot Grätli, dem NW-Grat des Grossen Mythen. Auf diesem wird der Gipfel über zwei breite Steilaufschwünge erklommen, wobei der zweite direkt zum Gipfelplateau führt (T5).
 
Morgens kurz nach 9 starte ich ab der Seilbahnstation Holzegg in Richtung Grosser Mythen. Dort wo der eigentliche Mythenweg beginnt, macht ein grosses Schild auf die Gefahren dieses bestens ausgebauten und gesicherten Weges aufmerksam. Es wirkt völlig übertrieben, mag aber seine Berechtigung haben aufgrund der grossen Zahl von Wanderern und Touristen, die den Grossen Mythen besuchen. Dem Mythenweg folge ich nun bis zur Kurve 22 (jeweils nummeriert) bei P. 1675, wo eine plattige Runse beginnt, die den Einstieg in den Schafweg zum Wyss Nollen markiert. Die blaue Markierung auf einem Stein am oberen Ende ist vom Weg aus zu erkennen.
 
Ich steige auf der rechten Seite der Runse über gute Tritte im Gras auf, um diese anschliessend über ein schmales Grasband einfach zu queren. Das Terrain ist hier schon relativ steil. Beim Aufstieg neben der Runse werde ich schon zu Beginn zur Vorsicht gemahnt: Beim Griff nach einem grossen und vermeidlich festen Stein löst sich auf Zug eine mehrere Zentimeter dicke Platte ab. In diesem Gelände unproblematisch - ich nehme die Mahnung aber dankend an.
 
Auf der anderen Seite der Runse weisen gut sichtbare Spuren und blaue Punkte den Weiterweg waagrecht über die Wiese. Diese wird zunehmend abschüssig und erreicht gegen Ende eine Neigung von ca. 45°. Dank ausgeprägten Tritten ist das Gras nicht sonderlich schwierig zu begehen, zur Sicherheit habe ich dennoch den Pickel zur Hand. Bei einer kleinen Gruppe von Legföhren beginnt nun der mit zahlreichen Stahlseilen versicherte Weg hinunter zum Fuss des Wyss Nollen. Markierungen und ein kleiner blauer Pfeil bei der Befestigung des ersten Seils weisen den Weg.
 
Nach einem kurzen Abstieg in der Falllinie folgt schon bald die luftige Querung auf einem aus dem Fels gehauenen schmalen Weg, die auch im SAC Führer abgebildet ist. Dank solidem Wegtrasse und Fixseil erweist sie sich als problemlos und man bekommt erstaunlich wenig von der Ausgesetztheit mit. Erst im Rückblick wirkt die Wegführung spektakulär. Konzentriert geht es in der nach wie vor abschüssigen Flanke leicht fallend weiter den Seilen entlang. Eine felsige Rinne wird an Ketten mit Ringen überquert und sogleich geht es weiter mit Stahlseilen. Schliesslich dreht der Weg in die Falllinie und man steigt auf erdigen Tritten steil die Wiese hinab. Ein Fixseil ist kunstvoll an einem Baumstamm befestigt. Weiter unten nimmt die Neigung des Geländes allmählich ab. Hier enden die Seile scheinbar, und ich gehe - zur Sicherheit mit Unterstützung des Pickels - auf den erdigen, hie und da auch ganz leicht feuchten Tritten weiter. Kurz vor dem Wyss Nollen entdecke ich im Rückblick dennoch ein letztes Seil. Offensichtlich habe ich es übersehen.
 
Der Zugang zum Wyss Nollen wird nochmals von einer mit blauen Punkten geschmückten Rinne aus glattem Fels versperrt, die ohne Sicherung überquert werden muss. Sie ist nicht sonderlich exponiert, aber nach all den Seilen ist man etwas verwöhnt. Direkt der Felswand entlang geht es nun hinab zum Nollenbrünnli, einem im Fels verankerten Stahlrohr, aus dem während dem ganzen Jahr Wasser fliessen soll. Berichten zufolge ist in einer Felsspalte das Routenbuch versteckt. Ich mache mir aber nicht die Mühe es zu suchen.
 
Kurz nach dem Nollenbrünnli scheint sich der Pfad zu gabeln. Markierungen (und der Bericht von HBT) weisen darauf hin, dass die untere Spur zu wählen ist. Bevor die schon zum Greifen nah scheinende Mythenmatt erreicht werden kann, muss noch die Bachruseren, eine tiefe felsig schuttige Runse, überwunden werden. Der Weg leitet in eine kurze mit Stahlseilen und Ketten gesicherte Querung direkt oberhalb der Abbruchkante. So wird schliesslich das fast trockene Bachbett erreicht. Dieses wird ohne Sicherung unschwierig überquert. Anschliessend folgt ein etwas unangenehmer Aufstieg über plattige Felsen und Schutt zur Mythenmatt. Eventuell habe ich hier nicht die Ideallinie gefunden.
 
Die anfangs sanft geneigte Mythenmatt lässt sich frei begehen. Mit wachsamem Auge finden sich aber durchgehend Spuren, die an den in Aufstiegsrichtung linken Rand führen, wo die Mythenmatt in die Chrüzplangg abbricht. Die Mythenmatt ist ein wunderschöner Ort für eine aussichtsreiche Pause im gestuften Gras. Mit Vorteil schaut man zweimal auf den Boden bevor man sich hinsetzt, denn hier gibt es eine reichhaltige Fauna mit entsprechenden Seiteneffekten...
 
Von der Mythenmatt aus sieht man bereits hinauf zu den Aufschwüngen des Rot Grätli und zur Gipfelfahne. Von hier sieht der Weiterweg nicht sehr vielversprechend aus. Glücklicherweise wäre der Rückweg ab der Mythenmatt nicht allzu schwierig, wenn man umkehren möchte. Die meisten der anspruchsvolleren Passagen würden in diesem Fall im Aufstieg anstatt im Abstieg bewältigt.
 
Nach gemütlicher Pause mache ich mich guten Mutes immer noch deutlichen Spuren folgend auf den Weiterweg in Richtung Rot Grätli. Sicherheitshalber setze ich den Helm auf. Dies hätte man sinnigerweise schon etwas früher beim Schafweg machen können. Mit steigender Höhe wird die Mythenmatt zunehmend steiler und ausgesetzter, bis sich schliesslich ein schmaler Grat mit Schrofen herausbildet. Griff um Griff, Tritt um Tritt arbeite ich mich hoch - in den grasigen Passagen teils auch mit Unterstützung des Pickels. Das Kraxeln macht grossen Spass, wobei z.T. auf lockere und wackelige Steine Acht gegeben werden muss. Die blauen Punkte sorgen nach wie vor für Seelenfrieden. Meist verläuft der Weg in unmittelbarer Nähe der Gratkante, manchmal etwas in der rechten oder linken Flanke, manchmal direkt auf der Kante.
 
Nach einem kurzen fast flachen Teilstück wird der erste Steilaufschwung erreicht. Er wird anfangs mehr oder weniger "von vorne" in Angriff genommen, dann quert man ausgesetzt ein wenig nach rechts, bevor es wieder zur Gratkante geht. Von Nahem musste ich die Markierungen zunächst suchen, finde den Weg dann aber nach genauerem Hinschauen problemlos. Verglichen mit dem fast durchgehend verdrahteten Weg bis zur Mythenmatt ist das Rot Grätli nur spärlich abgesichert. Der erste Aufschwung weist an ausgewählten Stellen kurze Ketten mit grossen Metallringen zum Festhalten auf. Die Querung nach rechts ist an einer kurzen Stelle etwas anspruchsvoll, da es nur schwach ausgeprägte Tritte gibt. Eine der erwähnten Ketten hilft. Insgesamt halten sich die Anforderungen aber in Grenzen.
 
Nachdem der erste Aufschwung überwunden ist, führt ein fast flacher und eher schmaler mit Gras bewachsener Verbindungsgrat zum zweiten Steilaufschwung - eine willkommene Verschnaufpause. Von hier lässt sich der weitere Weg über den Kamin zum Gipfel gut einsehen: Zuerst geht es rechts der Gratkante bis zum Beginn des eigentlichen Steilstücks, dann eher links haltend ein klein wenig weiter hinauf und schliesslich über eine mit einer kurzen Kette versicherte exponierte Querung nach rechts zum Fuss des Kamins. Er ist relativ eng, und muss anfangs mit einem kräftigen Zug bezwungen werden. Danach stellt der restliche Kamin aber keine allzu grosse Schwierigkeit mehr dar. Nach bewältigtem Kamin geht es noch wenige Meter unschwierig bis zum Gipfel. Hier finde ich mich plötzlich in einer völlig anderen Welt wieder. Nachdem ich während dem ganzen Ausflug über Schafweg und Rot Grätli keinem einzigen Menschen begegnet bin, herrscht oben auf dem Grossen Mythen Hochbetrieb…. Es ist schliesslich Sonntag.
 
Mehr oder weniger ohne Pause mache ich mich sogleich an den begegnungsreichen Abstieg auf dem Mythenweg. Es ist viel los und die modische Bandbreite ist gewaltig. Unten angekommen kraxle ich noch schnell zum P.1491 hoch, wo ich eine letzte gemütliche Pause mache. Nach kurzem Warten fährt die Seilbahn von der Holzegg hinunter nach Brunni und mit gewohnt suboptimalem Postautoanschluss geht es weiter in Richtung Einsiedeln.
 
Fazit: Zugegebenermassen hatte ich recht grossen Respekt vor dieser Wanderung, insbesondere vor dem Rot Grätli. Einige der Fotos in verschiedenen Berichten auf Hikr und im Internet sehen schon spektakulär aus, so beispielsweise dieses, dieses, dieses, dieses und dieses. Es ist aber zu beachten, dass sich Schwierigkeit und tatsächlich erlebte Exponiertheit auf Fotos nur sehr schlecht einschätzen lassen. Ich fühlte mich während der ganzen Begehung sicher und nie ausserordentlich ausgesetzt. Das mag daran liegen, dass die Route keine grossen technischen Schwierigkeiten aufweist und es eigentlich immer etwas zum Festhalten gibt. Für mich war die Wanderung sehr befriedigend als erstes "richtiges" T5 Erlebnis. Fordernd aber nicht überfordernd. Es bleibt natürlich noch zu sagen, dass die Cracks auf Hikr dieselbe Route meist in drei Zeilen als Teil der Mythen-Trilogie abhaken, und das im Abstieg :-).
 
Von der Ausrüstung her ist ein Pickel sehr zu empfehlen, wobei ich ihn sicherlich öfter als notwendig verwendet habe. Bei trockenen Bedingungen geht es wohl auch ganz ohne. Helm ist sicher selten verkehrt, nicht zuletzt für den Fall dass man von der Aussichtsterrasse her mit einem abgekauten Apfel beworfen werden sollte. Schnee oder Nässe ist eher ein No-Go. Für eine Begehung mit Seil gibt zahlreiche Haken und andere Sicherungsmöglichkeiten.

Hike partners: Chrichen


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T5 II
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T6
24 Jun 17
Mythen-Trilogie im Nebel · Tzimisce

Comments (2)


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Alpinist says:
Sent 2 June 2015, 19h20
kuul, gratulierä zum Rotgrätli.
Auch wir waren am Mythen unterwegs, Überschreitung Haggenspitz - Chli Mythen - Gross Mythen via Wiss Wändli.

Mersi fürs verlinken :-)

Gruäss

Chrichen Pro says: RE:
Sent 2 June 2015, 21h21
Das sind eben die Cracks!! Gratuliere!
Eine Leistung von der ich wohl noch weit entfernt bin :-)


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