Üntschengrat: Wannenberg-Üntschenspitze


Published by quacamozza , 8 December 2014, 18h26.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike: 4 December 2014
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 4:45
Height gain: 1350 m 4428 ft.
Route:Baad-Wannenberg-Hintere Üntschenspitze-Güntlespitze-Üntschenspitze-zurück bis Kreuz Üntschenspitze-Üntschenpass-Stierlochalpe-Bärgunthütte-Panoramaweg-Baad (15,5 km)
Access to start point:Von Oberstdorf ins Kleinwalsertal bis Baad, dort großer P (Tagesgebühr 3 €)
Maps:AV-Karte Bayerische Alpen BY 2 1:25 000 Kleinwalsertal Hoher Ifen, Widderstein

Der Üntschengrat verläuft von Baad in einem auffälligen Halbkreis zur Güntlespitze und bietet für trittfeste Begeher eine genussreiche, leichte Bergtour. Der Grat trägt einige kleine Erhebungen, von denen die nach der südlich unterhalb gelegenen Alpe bezeichnete Hintere Üntschenspitze die höchste und markanteste ist.


Einen bezeichneten Weg gibt es allerdings nicht. Das war wohl auch einmal anders, denn in alten Karten ist sowohl ein Wanderweg von der Stierlochalpe zum Üntschenpass und zur Hinterüntschenalpe als auch ein Weiterweg zur Güntlespitze verzeichnet. Neben zwei alten Seilen auf dem Grat, von denen eines bereits schlapp ist und somit nicht mehr als Hilfsmittel taugt, finde ich im Abstieg vom Kreuz zum Üntschenpass dreimal eine blau-gelbe Markierung. Orientierungsprobleme gibt es dennoch keine.

Der Gipfel der Hinteren Üntschenspitze ist nicht identisch mit dem Standort des "Gipfel"kreuzes. Der Gipfel befindet sich vielmehr gut 400 Wegmeter weiter westlich auf dem Grat und liegt 47 Höhenmeter über dem Punkt, an dem das Kreuz aufgestellt wurde, so dass auch sprachlich eine Unterscheidung getroffen werden muss. Der neue AVF schlägt "Osteck" vor. "Ostschulter" würde auch gehen. Sinnvolle Vorschläge sind willkommen.

Am Kreuzstandort vereinigt sich der Üntschengrat mit der Südrippe, die am Üntschenpass ansetzt und heute meine Abstiegsroute ist.

Die Höhenangaben der beiden Punkte sind sowohl im alten als auch im neuen AVF falsch. Während der Kreuzstandort im dort befindlichen Gipfelbuch korrekt mit 2014m angegeben ist, liegt der Gipfel der Hinteren Üntschenspitze auf 2061m und nicht, wie es in der Literatur steht, auf 2046m.


Kurzfristig ändere ich heute den Tourenverlauf. Statt über den Wannenberg abzusteigen steht dieser Gipfel als erster auf dem Programm, da der Neuschnee der vergangenen Tage noch nicht abgetaut und ein Abstieg über diesen Grat nicht empfehlenswert ist. Für alle Fälle habe ich zwar Steigeisen im Gepäck, aber die hätten mir in diesem Fall nicht viel genutzt. Auch auf die Nordseite der Güntlespitze verzichte ich. Stattdessen wähle ich als Abstiegsroute die Südrippe, die vom Grat zum Üntschenpass abfällt. Der Weiterweg zur Stierlochalpe ist zwar ziemlich sumpfig, aber dafür wenigstens nicht heikel.

Vor einigen Tagen hat alpstein das schöne Wetter bereits zu einer *Rundtour über den Üntschengrat von der Vorarlberger Seite genutzt.

Die Tour ist auch im frühen Sommer mit üppiger Flora eine Begehung wert. Man kann zusätzliche Gipfel dranhängen, was gerne gemacht wird, aber man wird auch, wie es im alten AVF steht, "an einer bescheideneren Gipfelauswahl viel Freude haben".

Vor einigen Wochen war hier noch Winter. Beim Blick auf die Schwarzwasser-Gipfel muss ich zweimal hinschauen. Alles wieder schneefrei. Heute Morgen im Allgäuer Anzeiger das große Thema: Schneemangel und welche Konsequenzen man aus schneearmen Wintern zieht. Auf der anderen Seite haben wir uns im Oktober mit Schneeschuhen in 80 cm Sulzschnee abgemüht.



Zur Schwierigkeit:

Stellenweise T 4. Echte Kletterstellen finden sich im Gegensatz zu den AVF-Angaben keine. Wenn man Lust hat, kann man an zwei oder drei Stellen die Hände zu Hilfe nehmen. Notwendig ist es allerdings nicht. Der Grünhorn-Nordwestgrat etwa ist trotz markiertem Weg noch einen Tick anspruchsvoller.

Der zeitweise steile Aufstieg zum Wannenberg über den Nordgrat ist wegen viel Holz und Moos bei Nässe oder Neuschneeauflage unangenehm.


Zum Zeitbedarf:

Baad-Wannenberg: 1 Std 5 min
Wannenberg-Kreuz Hintere Üntschenspitze: 25-30 min
Kreuz Hintere Üntschenspitze-Hintere Üntschenspitze: 10-15 min
Hintere Üntschenspitze-Güntlespitze: 15-20 min
Güntlespitze-Üntschenspitze: 25-30 min
Üntschenspitze-Kreuz Hintere Üntschenspitze: 45 min
Kreuz Hintere Üntschenspitze-Stierlochalpe: 40 min
Stierlochalpe-Bärgunthütte: 15 min
Bärgunthütte-Panoramaweg-Baad: 25-30 min




Vom Parkplatz Baad (1222m) lässt man die Brücke ins Bärgunttal links liegen und überquert stattdessen die nächste, dahinter liegende Brücke über den Derrenbach. Nun geradeaus zum ersten Gehöft, dann direkt und weglos rechts über steile Wiesen zum bewaldeten Grat.

Der Grat wird ohne große Abweichungen bis auf den Wannenberg (1830m) verfolgt. Dies ist der mühsamste und am wenigsten lohnende Teil der Tour. Man sieht nicht viel außer Fichten. Erst weiter oben tut sich ein schöner Blick zur Unspitze und zur Spitalalpe auf. Das Gelände ist heute eine Qual. Unten liegt nur etwas Neuschnee, weiter oben dann durchgehend und teils auf großen Altschneefeldern. Ich muss vorsichtiger steigen als sonst und brauche etwas länger. Außerdem es ist besser, den einen oder anderen umgestürzten Baum zu umgehen als einen Eiertanz auf dem glitschigen Stamm zu vollführen. 

Auf dem Wannenberg macht eine Gämse keine Anstalten, das Weite zu suchen. Nach Matze und Nik bin ich der dritte hikr in diesem Jahr. Falsch: Ich bin erst der vierte. Wie kann ich bloß die Judith vergessen? Ab dem Wannenberg wird's glücklicherweise deutlich angenehmer. Kein Schnee mehr, der einen behindert, stattdessen weite Ausblicke und ein steiler, aber unschwieriger Grat bis zum Kreuz der Hinteren Üntschenspitze (2014m). Ein schöner Rastplatz mit tollem Blick auf den Widderstein.

Auf dem Grat wartet nun das anspruchsvollste Stück. An zwei kleineren Felsaufschwüngen trifft man auf altes Seilgeländer. Außerdem wird eine scharfe, plattige Felsschneide überquert. Bei guten Verhältnissen aber kein Problem. Danach sind die Schwierigkeiten bereits wieder vorbei, und es geht über den Kopf der Hinteren Üntschenspitze (2061m) leicht hinüber zum schon sichtbaren Wegweiser knapp unterhalb der Güntlespitze (2092m) und in wenigen Minuten über den Gipfelgrat zum Gipfelwegweiser.

Wegen der schönen Sicht mache ich noch den bekannten Abstecher zur Üntschenspitze (2135m). Vom Gipfel kommen zwei Wanderer hinab. Es sind die einzigen, denen ich heute begegne. Diese sind vom Bregenzerwald aufgestiegen. Ich genehmige mir lange Pausen auf den Gipfeln. Unten im Nebel ist es sicher nicht so schön.

Bald bin ich wieder am Kreuz der Hinteren Üntschenspitze und verfolge die Trittspuren bis kurz oberhalb des Üntschenpasses, um dann über anfangs steiles Gras ins Tal des Stierlochbaches abzusteigen. Je näher man zur Alpe kommt, desto feuchter wird der Untergrund. Tiefe Wasserlöcher wollen umgangen werden.

Selbst der Weg von der Stierlochalpe (1562m) zur Bärgunthütte (1391m) ist in schlechtem Zustand, auch wenn man zwischendurch über zwei Holzbretter geführt wird. An der Brücke kurz vor der Bärgunthütte trifft man dann auf den luxuriösen Wanderweg.

Die Bärgunthütte ist ab dem 19.Dezember wieder geöffnet. Auf einer Bank lässt sich trotzdem die Aussicht auf den furchteinflößenden Älpeleskopf genießen.

Neben dem Talweg gibt es den Panoramaweg, der an den Widdersteinalpen vorbeiführt. Beide Wege werden im Winter geräumt. Das ist zurzeit noch nicht nötig. Ich entscheide mich für den Panoramaweg. Nach der Brücke steigt der Weg zunächst etwas an. Später erkennt man gegenüber das Walmendinger Horn mit dem Ochsenhofer Grat. Kurz hinter der Äußeren Widdersteinalpe (1286m) treffen beide Wege aufeinander. Ich tauche in die zähe Nebeldecke ein. Von Baad trennen mich nur noch wenige Minuten.






Hike partners: quacamozza


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Comments (14)


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frmat says:
Sent 8 December 2014, 18h49
Sehr schön mein Lieber,

da kommen gute alte Erinnerungen auf. Ein Skandal lediglich, dass du dir nicht die schöne Grasflanke gegönnt hast....

quacamozza says: RE:
Sent 8 December 2014, 20h56
Hallo Matze,

die Gipfel werden dieses Jahr so stark behikrt, dass man das Gefühl hat, dass die Gegend nächstes Jahr zum Sperrgebiet erklärt wird.

Naja, diesen exklusiven Grashang lasse ich lieber den Profis...zumindest dieses Jahr...

frmat says: RE:
Sent 8 December 2014, 21h01
Jaja, hab mir schon gedacht, dass dir das zu heftig ist... ;)

alpstein Pro says:
Sent 8 December 2014, 19h00
Das Rätsel, wo die Hintere Üntschenspitze nun wirklich liegt und wie hoch sie tatsächlich ist, ist ja nun gelöst. Ich hab's in meinem Bericht vermerkt.

Danke und Gruß
Hanspeter


quacamozza says: RE:
Sent 8 December 2014, 21h06
Hallo Hanspeter,

keine Ursache...ich denke, so ist es schon besser als vorher.

Gruß zurück
Ulf

Nic says:
Sent 8 December 2014, 19h52
Schöne Tour! Da wäre ich glatt mitgegangen. Hab ich eh schon lange vor. Jetzt fehlen nur noch Rosskargruppe und Hornbachkette, dann hast du das Allgäu bald durch. :-)

LG

quacamozza says: RE:
Sent 8 December 2014, 21h14
Hallo Nico,

das war jetzt ausnahmsweise eine spontane Tagestour. Sehr selten dieses Jahr, aber ich konnte leider Freitag nicht mehr...da war's ja genauso super.
Aber SO könnten die Verhältnisse ruhig den ganzen Winter über bleiben.

Nein, nein, ich habe noch nicht mal die Hälfte der Allgäuer...Biberkopf steht z.B. auch noch aus...

Lieben Gruß zurück
Ulf

Andy84 Pro says: RE:
Sent 9 December 2014, 00h57
Da muss ich dir leider widersprechen. Du bist mittlerweile bei über 2/3 aller Allgäuer Gipfel.
Lässt es ja ganz schön krachen in letzter Zeit.

Nik Brückner says: RE:
Sent 9 December 2014, 15h51
Sehr sehr schöne Tour, Quacamozza! Gratu!

Den Nordpfeiler der Üntsche, den musste mal gehen! Ist ne geile Tour auf nem schönen, scharfen Grat. Grad das Richtige für so positiv Verrückte wie Dich!

Grüßle vom

Nik

quacamozza says: RE:
Sent 9 December 2014, 18h41
Hallo Nik,

ganz interessant wäre wegen der tollen Sicht ein Abstieg über den Westgrat gewesen. Leider wäre ich dann im falschen Tal gelandet, aber die zwei Grate könnte man wirklich noch irgendwann mal kombinieren.

Gibt aber auch ansonsten mehr als genug Touren in dieser schönen Gegend.

Lieben Gruß
Ulf

Nik Brückner says: RE:
Sent 9 December 2014, 20h11
Yep, Abstieg über West und Aufstieg über Nord wäre ne schöne Runde! Ach, genieße die Tage, solange noch nicht alles im Schnee versinkt!

Herzlichs Grüßle,

Nik

quacamozza says: RE:
Sent 9 December 2014, 18h47
Im Sommer ist ja gar nichts gelaufen, aber bei dem schönen Herbstwetter macht's richtig Spaß.

Für die nächsten fünf Jahre gibt's noch genug Touren im Allgäu...wiederhole bestimmt auch die eine oder andere.

Kauk0r says: Gipfelhöhe Hintere Üntschenspitze
Sent 14 September 2015, 21h57
Hallo Ulf,

danke für deinen Exkurs zur Gipfelhöhe der Hinteren Üntschenspitze, mich würde noch interessieren, woher die Höhe 2061 Meter kommt, gibt es dafür eine offzielle Quelle?

Meine billige Höhenmesseruhr hab ich auf dem Wannenberg korrigiert, er zeigte mir dann die korrekte Höhe auf dem Osteck an, auf dem Gipfel der Hinteren Üntschenspitze dann 2055 Meter. Die Scharte vor der Güntlespitze war dann auf 2006 Meter. Jedenfalls ein deutlicher Hinweis auf die vorhandene Eigenständigkeit der Hinteren Üntschenspitze und auch im Prinzip übereinstimmend mit den Höhenlinien der Österreichkarte.

Dankend und grüßend!
Kauk0r

quacamozza says: RE:Gipfelhöhe Hintere Üntschenspitze
Sent 15 September 2015, 23h14
Hallo Kauk0r,

nein, eine offizielle Quelle gibt es dafür nicht. Es wird, wenn überhaupt, die falsche Angabe 2046m genannt.

Ich bin mit GPS und Smartphone los und am Gipfel zweimal vorbeigekommen. Dabei habe ich bei jedem bekannten Wegpunkt zwischendrin, sofern nötig, verglichen. Meistens musste ich nicht neu stellen, weil der Luftdruck an jenem Tag sehr konstant war. Ergebnis: dreimal 2061, einmal 2060m.

Bisher habe ich eine Rückmeldung, die (auch) auf 2060m kam. Jetzt Du mit 2055m. Bei der nächsten Besteigung schaue ich nochmal genau hin, aber wie es aussieht, wird sich an der Höhe nicht sehr viel ändern.

Danke für Deinen Kommentar, Grüße zurück
Ulf


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