Wetterhorn - Tag 6 und 7 der BEO-Hochtourentage


Published by Nicole , 2 September 2013, 20h24.

Region: World » Switzerland » Bern » Jungfraugebiet
Date of the hike:17 August 2013
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Mountaineering grading: AD
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BE 
Time: 1 days
Height gain: 2500 m 8200 ft.
Height loss: 1300 m 4264 ft.
Route:Hotel Wetterhorn-Ischpfad-Glecksteinhütte-Chrinnengletscher-Willsgrätli-Wetterhorn...Wettersattel Ende
Access to start point:Nach Grindelwald
Accommodation:Hotel Wetterhorn www.hotel-wetterhorn.ch Super freundlich, tolles Essen und Preis-Leistung stimmt!

Als das Gebiet BEO fest stand, hatte ich einen einzigen Wunsch - WETTERHORN. Ich wollte wieder zurück an den Berg der Erinnerung, damit ich ein zweites Mal von meinem verstorbenen Hund Idefix Abschied nehmen kann. Wie es sich heraus stellte - das Wetterhorn ist und bleibt mein SCHICKSALSBERG...

Die Weiterfahrt nach Grindelwald genossen wir und hatten keinen Zeitdruck. Bereits in Kandersteg telefonierte ich ans Hotel Wetterhorn und erfragte nach einem freien Zimmer. Sie hatten glücklicherweise ein Mehrbettzimmer mit Etagendusche - uns war es recht, Hauptsache ein Wasserfall! Gastfreundlich sind sie, die Berner und so auch im Hotel Wetterhorn. Ein herzhaftes Abendessen bei einer Senioren-Portion Spätzlipfanne, die dann doppelt gebracht wurde. Brunos Bärenhunger freute es :-)!

Die Postautobenutzung war als Gast kostenfrei, somit bequemten wir uns die Strecke bis zur Abzweigung Gleckstein mit dem gelben Wagen zu fahren. Der Hüttenzustieg ist für mich, nebst dem zur Almagellerhütte, ein weiteres Highlight. Das kurze, kühlende Nass vom stiebenden Wasserfall des Wyssbach's war willkommen. Unterhalb der Glecksteinhütte setzten wir uns ins Wildgras und schmausten den mitgebrachten Lunch vor der prachtvollen Kulisse des Ober Grindelwaldgletschers und Schreckhorns. JA, so fühlen sich Ferien grandios an!

Angekommen in der Glecksteinhütte die übliche Kaffee-Zeremonie. Wir buchten im Vorfeld ein Komfort-Vierbettzimmer, etwas Ferienluxus ist fein. Wir hatten noch Saft in den Beinen nach 2 3/4 Stunden Hüttenzustieg und begannen den Alpinweg zum Chrinnengletscher mit 1 Stunde Gehzeit. Der Gletscher bereits recht ausgeapert, ersahen wir eine gute Spur bis zum Einstieg in den Sattel. Zurück in der Hütte gab es feine Spagetti mit unterhaltsamer Tischkommunikation eines einheimischen Bergführer und seinen Gästen.

Die Erinnerungen an den 23./24. September 2011 holten mich an jeder Ecke ein. Mein Wunsch war das Wetterhorn mit befreienden Gefühlen zu erleben...es kam anders...

Um 04:00 Uhr waren wir die Ersten welche die Hütte im Stirnlampenlicht verliessen. So früh morgens braucht mein Diesel-Motor eine längere Anlaufzeit. So holten uns zügig eine Zweierseilschaft ein, gefolgt von einer SAC-Tessiner-Gruppe und zwei weiteren Seilschaften. Inzwischen lässt mich solch Gehetze kalt und ich lasse lieber die Eiligen vorbei ziehen. Wieder genau nach 1 Stunde standen wir an der Spur, am Vortag ersehen, und machten uns für die kürzere Gletscherüberquerung parat. Beim Einstieg in den Sattel zum Willsgrätli hatten wir wieder Ruhe. Ich fühlte mich sehr gut und auch die ersten Klettermeter am kurzen Seil auf scho tterigem, abfallenden Untergrund gingen flott. Bruno folgte den meist gut ersichtlichen Steigeisen-Kratzspuren und hatte hierfür ein Feingespür.

Die Querung (Markierung mit grossem, rotem Pfeil) hätten wir fast verpasst und stiegen leicht höher ein. Die abwärts gerichteten Schieferplatten brachten mir ein paar Schweisstropfen auf die Stirn. Querungen im Gebrösel wie auch steilen Schneefeldern gehören nicht zu meinem Lieblingsterrain. Die erste ernsthafte Kletterstelle (III) ist mit einer Sicherungsstange entschärft. An viele Passagen konnte ich mich äusserst gut erinnern, auch an den luftigen Übergang mit beliebtem Fotosujet. Insgesamt fühlte ich mich gut und doch waren mentale Spannungen in mir...

Angekommen am Ende des Willsgrätli und nahe am Wettersattel P3508, zogen wir instinktiv die Steigeisen an für das aufs teilende Restschneefeld. Bereits kamen uns die vorgängigen Seilschaften entgegen. Der weitere Aufstieg ging absolut problemlos und auch die vorhandenen Sicherungsstanden mussten nicht eingesetzt werden. Die Gipfelwechte kam in Sicht...

Ankommend am Gipfel (10:15 Uhr) übermannten mich die Emotionen, es flossen Tränen. Ich stand wieder auf dem Wetterhorn und konnte Abschied nehmen. Wir hatten den Gipfel für uns und genossen das prominente Panorama. Gestärkt mit Proviant begannen wir den Abstieg. Um etwas Zeit zu sparen, seilte mich Bruno an den Sicherungsstangen ab. Der bröselige Untergrund lässt mich noch immer tapsig im Abstieg gehen, leider durch den Steinschlag vergangenen Jahres im Hinterkopf eingebrannt.

Ankommend am steilen Schnee-Eisfeld wollte Bruno die Steigeisen nicht anziehen aus Gründen einer guten Spur und aufgeweichtem Schnee. Ich liess mich überreden und lief zu. Je weiter wir nach unten kamen wurde die Schneeauflage dünner und dünner. Zagg...und ich rutschte 2-3 Meter auf Eis weg in Richtung Gletscher und riss Bruno mit. Wir kamen zum Stillstand aber in Bruchteil einer Sekunde waren alle Erlebnisse gefühlt präsent. Der miterlebte Unfall von Fenek, die Emotionen bezüglich Idefix, der Steinschlag am Morteratsch...meine Nerven waren zerschlissen.

Zitternd, hyperfen tilierend und in keiner Weise mehr Herr meiner Physis oder Psyche konnte ich mich nicht mehr bewegen. Beim Versuch auf Eis aufzustehen, nun mit Unterstützung von Bruno, ergab ein nochmaliger, kleiner Ausrutscher. Wie auf rohen Eiern tapste ich Richtung rettendes Felsplateau - geschafft. Ich konnte mich nicht mehr richtig beruhigen, meine Sinne wieder schärfen. Meine Beine waren wie Gummi beim Versuch in den Klettereinstieg - das Vertrauen in mich und mein Können weggeblasen. Mein einziger Gedanke "WIE KOMME ICH BLOS DA RUNTER"! (Zeit 11:45 Uhr)

Die Zeit verging, wir überlegten Alternativen. Über den enorm spaltenreichen Rosenlauigletscher in einer Zweierseilschaft am Nachmittag zu gehen, ersahen wir als unglücklichen Um- oder Ausweg aus der Situation. Ein weiterer Versuch zu Klettern scheiterte...es ging einfach nicht und enormer Druck kam in mir auf. Was nun?...REGA!...ich winkte erst ab...wir können doch nicht die Rega rufen! Bruno überzeugte mit Argumenten, dass die Rega auch für Blockaden am Berg da sei und ich keinerlei schlechtes Gewissen haben müsse. JA - ich hatte Angst beim Klettern auszurutschen und uns beide in Gefahr zu bringen. Alle Schuld- und beschämende Gefühle nützen nichts, es war DIE EINZIGE ALTERNATIVE.

Bruno übernahm netterweise die Anrufe an die Rega. Um 15 Uhr kam sie vom Rossenlauigletscher her angeflogen, aufgrund der dicken und verhüllenden Wolkenfetzen. Mit meiner Signalfarbe ROT wies ich die Rega ein, dann ging alles blitzschnell...Türe auf und rein, Bruno mit den Rucksäcken hinterher, Türe zu, anschnallen und Start. Der Flug zur Glecksteinhütte dauerte wohl keine 2 Minuten, ich entschuldigte mich beim Flugbegleiter. Aufgesetzt bei der Glecksteinhütte erwarteten uns bereits schaulustige Tagesgäste und Alpinisten. Am liebsten wäre ich in den Boden versunken und die gefühlten tausend Augen auf mir - suchend wo nun die Verletzungen sein könnten - gaben den Rest zur Schmach. Personalien aufnehmen und somit war für die Crew erst mal ein Kaffee-Päuschen in der Hütte angesagt, selbstverständlich spediert von mir. Ich konnte mich nicht an den Küchentisch setzten, brauchte erst einen ruhigen Ort um den Tränen, dem Schock freien Lauf zu lassen.

Nach den Tagen der Distanz war es die richtige Entscheidung. Auch führte ich lösende Gespräche mit einem guten Freund, der Rega-Einsätze kennt und auch mit der Rega zusammen arbeitete. Es seien "schöne" Einsätze wenn die Geborgenen aus dem Heli selber steigen können und nicht mit dem schlimmsten Fall, einem Tuch über dem Körper.

Wir hatten eh noch eine Hüttennacht gebucht und blieben. Die Nacht war geprägt von Alp- und Wachträumen, unruhig und mit Tränen. Am Morgen sieht alles bekanntlich anders aus, das war bei weitem nicht so, dennoch entschieden wir uns an den nahen Kletterrouten sich etwas zu bewegen. Es tat erstaunlicherweise gut, ging auch gut und ich schöpfte Hoffnung das Erlebte rasch zu verarbeiten. Nach einer bodenständigen Käseschnitte entschlossen wir uns zum Abstieg zurück zum Hotel Wetterhorn mit einer erneuten Übernachtung.

Gedanken
Ich überlegte viele Tage, soll ich diesen Bericht wahrheitsgetreu schreiben oder einfach so tun als wäre alles wunderschön gewesen. Wer meine Berichte liesst weiss, ich schreibe mit Bergherz- und Seele, authentisch und mit meinen Empfindungen.

Dieses Erlebnis hat Spuren hinterlassen...aber dies ist eine neue Hikr-Geschichte...







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T3 AD- III
AD
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5 Sep 12
Wetterhorn 3692m · marc1317

Comments (30)


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Sent 2 September 2013, 20h50
Kompliment für den Bericht und den Mut zur Veröffentlichung

Es ist gut zu Wissen das auch die REGA in solchen Fällen zur Stelle ist,
bin sehr oft allein unterwegs in den Bergen und seit Jahren Gönner als Nicht-Schweizer
Alles Gute wünscht Euch Michael

Nicole says: RE:
Sent 2 September 2013, 21h09
Danke Michael!

Ich hoffe du kommst nie in solch eine Situation trotz langjähriger Gönnerschaft der Rega.

Viele, schöne Bergerlebnisse wünsche ich dir
Nicole

Linard03 Pro says:
Sent 2 September 2013, 21h14
Liebe Nicole,
ein schöner und ehrlicher Bericht hast Du geschrieben!
Ich kann Dir gut nachfühlen bezgl. REGA anrufen. Ob Du's glaubst oder nicht; nach der Finsteraarhorntour war ich so fertig, dass ich kurz darüber nachdachte, mich mit der REGA von der Hütte ausfliegen zu lassen ...

Alles Gueti, heb dr sorg!
Richard

Nicole says: RE:
Sent 2 September 2013, 21h28
Herzlichen Dank lieber Richard!

Deine kürzlich erlebten, wahnsinnigen Touren lassen mich Hoffnung schöpfen...

Das Verständnis berührt...DANKE!

Henrik says: "....nach der Tour war ich
Sent 5 September 2013, 13h14
so fertig, dass ich kurz darüber nachdachte...mich ausfliegen zulassen"!

Wo kommen wir denn hin, wenn sich dieses Verhalten alle erschöpften Berggänger egal auf welcher Schwierigkeitsstufe leisten würden?

"I ma nümm, I bi müed, I ha gnue, I wott mini rueh" "I ha ja nes App" "REGA chömed mi ga hole".....ich persifliere absichtlich.

Linard03 Pro says: RE:"....nach der Tour war ich
Sent 5 September 2013, 21h24
hast Recht; alles Weicheier ... ;-) !!
Es lag ja auch nur daran, dass ich das REGA-App nicht dabei hatte ... ;-)

Im Ernst, der Gedanke war im ersten Moment da. Glücklicherweise konnte ich nochmals eine Nacht drüber schlafen - dann sah es bereits wieder anders aus ...

Andere haben keine Möglichkeit, auf bequemer Matratze darüber nachzudenken - ich hoffe, dass ich nie in die Situation kommen werde, die REGA in Anspruch nehmen zu müssen. Egal, was die Ursache sein möge; Verletzung, Selbstüberschätzung, etc. ...

TomClancy says: Kopf hoch
Sent 2 September 2013, 21h17
Hey Nicole!

Auch solche Erlebnisse gehören zur Bandbreite des Bergerlebens. Wer sich nach solchen Erlebnissen wieder aufrappelt, kann stolz auf sich sein und ehrlich darüber zu berichten ist für mich ein Teil der Verarbeitung. So bin ich einfach froh, dass Du wieder heil unten bist und weiterhin mit Freude in die Berge gehst, auf dass ich noch oft virtuell an Deinen Bergtaten teilnehmen kann!

Sportliche Grüsse und frohes Touren!

TC

Nicole says: RE:Kopf hoch
Sent 2 September 2013, 21h30
Die Berge - unsere stillen Meister - der Weg zu ihnen eine Seelenreise...

Auch an dich ein grosses DANKESCHÖN und ja die virtuellen Bergtaten folgen und schön werden sie so aufmunternd gelesen.

Herzlichen Gruss an dich TC

maawaa Pro says:
Sent 2 September 2013, 22h15
Hi Nicole,

Euer Entscheid die Rega zu rufen war sicher richtig, ich finde es toll das Ihr Euch so entschieden habt ! Und das Du am nächsten Tag schon wieder klettern warst, zeigt doch das Du mit dem Erlebten gut fertig wirst, und wieder mit Freude in den Bergen unterwegs bist !

Kopf hoch RED - HOT - CHICKEN !!! ;)

Ganz liebe Grüsse, Marco

Nicole says: RE:
Sent 2 September 2013, 22h23
Auch dir Marco danke - die schönen Kommentare geben Mut...für die Bergzukunft und tun gut, doch richtig entschieden zu haben.

Merci und an liaba Gruass us Chur
Nicole

Sputnik Pro says:
Sent 2 September 2013, 22h41
Hej Nicole,

Sieh es positiv, das nächste mal ziehst du die Steigeisen an wenn du dich unsicher fühlst und dann passiert so ein Erlebnis nicht mehr. Hauptsache es ist gut ausgegangen und du kannst weiterhin die Berge geniessen. Übrigens hatte ich auch einmal am Schuflen ein Erlbnis und kam nicht mehr alleine runter, seitdem nehm ich auf unbekannte Voralpentouren im T6 bereich stets ein Seil mit...

Ich finde es auf jedenfall toll von dir dass du den ehrlichen Bericht veröffentlichthast!

LG, Andi

Nicole says: RE:
Sent 3 September 2013, 07h54
Heja Andi

Ich brauchte da wirklich ein paar Tage...war unsicher ob ich den Bericht schreiben soll. Die tollen Kommentare zeigen mir indes, es war richtig.

Ganz klar - lieber Steigeisen anziehen oder sich ans Seil einbinden und etwas Zeit investieren!

Herzlichen Dank auch an dich und lieben Gruss zurück.

Nicole

tricky says:
Sent 3 September 2013, 11h36
Danke für den Bericht. Immer gut so was von der Seele zu schreiben.

Nicole says: RE:
Sent 3 September 2013, 13h11
...das war und ist so wie auch hilfreich für die Verarbeitung und Kraft für neue Bergerlebnisse...

Danke

Felix Pro says: so schlechte Anteile an der Tour ...
Sent 3 September 2013, 18h12
so bravourös, dass du - nach wohl langem Abwägen - diesen, deinen, Bericht veröffentlicht hast. Ich durfte ja bereits persönlich von dir davon Kenntnis nehmen - super; auf weitere erfolgreiche, glückliche Touren, nach einer guten Verarbeitung der Geschehen!

Ich denke, dass gerade auch solche Dokumentationen sehr hilfreich sind für Berggänger, wie wir es sind ...

ganz herzlich

Felix

Nicole says:
Sent 3 September 2013, 19h40
...das tut gut!!!!!!

Und das letzte Wochenende auch - ohne Druck, dafür mit viel Verständnis die Bergwelt zu erleben, zu erfühlen...

DANKE lieber Felix

Aendu says: Zum Glück...
Sent 3 September 2013, 20h36
...ist nichts passiert! Wenn Du selbstkritisch zurückschaust, was denkst Du über die fast 8h Aufstiegszeit? Gem. deinem Bericht 04.00 Uhr abmarschiert und um ca. 11.45 Uhr auf dem Gipfel. Normalerweise sollten hier ca. 5h genügen...waren die Verhältnisse schlecht?

Könnte dies auch einen Einfluss gehabt haben...Kräfteverschleiss...?

Ich wünsche Dir auf jeden Fall weiterhin schöne Touren!

Gruss, Aendu

Nicole says: Zeiten Rekapituliert...
Sent 3 September 2013, 21h17
...und selbstkritisch zurückgeschaut.

Hallo Aendu
Stichwortartig habe ich mir die Zeiten in Grindelwald aufgeschrieben. Um 11:45 Uhr waren wir wieder am Wettersattel. Eine Stunde später riefen wir die Rega an.

Bekanntlich bin ich im Aufstieg etwas "schneckiger" unterwegs und wir hatten gute 6 Stunden im Aufstieg mit drei Pausen, auch etwas länger als üblich.

An der physischen Kraft lag es nicht, denn ich bin öfters 8 bis sogar 11 Stunden unterwegs.

Die Verhältnisse waren sehr gut. Trockener Fels, angenehme Temperaturen begleitet zwar von Wolkenfetzen.

Danke auch an dich und lieben Gruss
Nicole

El Chasqui Pro says: red woman in red helicopter
Sent 3 September 2013, 21h59
Zwei Mal richtig gehandelt: Rega gerufen und ehrlichen Bericht geschrieben. Ich wünsche Euch weiterhin tolle Touren!
Grüsse aus Züri

Nicole says: RE:red woman in red helicopter
Sent 4 September 2013, 08h30
Danke Urs!

TeamMoomin says: Hej
Sent 4 September 2013, 00h19
Nicole, schön ging es gut aus und es ist nie ne Schande die rega zu rufen!
Ich finde solche Berichte wichtig damit man auch die andere Seite des Bergsteigen sieht und wir hier nicht nur ein glorifiziertes Bild auf Hikr haben. Auch solche Erlebnise gehören dazu und ich hoffe für dich dass du es gut verarbeiten kannst, was je nach Mensch mehr oder weniger schwer fällt.

Lg und weiterhin Spass in den Bergen

Oli und Moomin

Nicole says: RE:Hej
Sent 4 September 2013, 08h33
Oli - schön auch dein Kommentar...der Bericht tat einiges dazu zur Verarbeitung aber geschämt habe ich mich trotzdem....

wünsche dir und natürlich Moomin auch viele, schöne Bergmomente

äs Griässli ;-)
Nicole

Henrik says: Reichlich dekadent, der
Sent 4 September 2013, 09h27
Kommentar-Titel "Red woman in red helicopter"...ich habe gezögert, auch noch einen Kommentar beizusteuern, aber das muss jetzt doch raus: auch wenn die REGA tatsächlich erschöpfte Berggänger in misslichen Lagen herausholt, ist der Grundgedanke der Gründeraera ziemlich durcheinander gekommen. Die REGA als Teil des Konsumationswahn und eigentlich für alle erschwinglich - das ist bei den Rettungsdiensten auf der Strasse nicht ganz so einfach, und das ist eben der Unterschied: in den Berichten "schmückt" sich der "müde, erschöpfte" Protagonist, ausgeflogen worden zu sein, einer Trophäe gleich....der von der Strasse oder aus dem Heim oder von sonstwo ist meist elender dran, ein echter Notfall, den ich täglich auf der NFS oder schliesslich auf der IPS/IMC zu behandeln und zu pflegen habe.....

Alles ist ja machbar, erschwinglich und grenzenlos, almost free of charge!

Deine Berichterstattung sei damit in sich nicht geschmälert.....aber ein zweites Mal infolge "Emotionen" sich ausfliegen zu lassen, dann schon eher peinlich!

El Chasqui Pro says: RE:Reichlich dekadent, der
Sent 4 September 2013, 18h53
...in der Tat ist der Titel eher unglücklich / unüberlegt gewählt, aber Deine Vorwürfe sind auch nur bedingt gerechtfertigt. Das war einfach nur Risikoverminderung; auf der Strasse könnte man langsamer fahren oder das Auto stehen lassen, in den Bergen geht das halt nicht immer so einfach...

Alpin_Rise says: RE:Reichlich dekadent, der
Sent 5 September 2013, 12h13
Gut, dass mal kritische Worte zu lesen sind.

Gerade an bekannten Bergen zur Hauptsaison sind viele Leute unterwegs, die dem Berg nicht gewachsen sind und über eine schlechte Selbsteinschätzung verfügen. Beides kombiniert ist eine schlechte Lebensversicherung, vom Genuss am Berg ganz zu schweigen...
Ein denkwürdiges Beispiel hab ich neulich miterlebt: am Zinalrothorn haben wir matt wirkende Bergsteiger in der Gabel gekreuzt. Nach dem Befinden erkundigt und uns kritisch zu ihrem Gipfelgang geäussert. Sie liessen sich dann einige (!) Stunden später vom Gipfel (!) ausfliegen, um munter und gesund in der Hütte ihre Siebensachen zu Packen und wurden dann vollends ins Tal chauffiert!

Ohne jetzt die "früher war alles besser" Leier zu spielen: Wurden vor 50 Jahren auch so viele Berggänger unverletzt ausgeflogen? Oder hat man kritischer (selbst)beurteilt, im Wissen um die unsichere Rettung? Oder hat man mal eher auf die Zähne gebissen?
Hier wäre eine Statistik gerade im Zusammenhang mit neuen Errungenschaften wie der Rega-App sehr interessant.

Was hilft, ist die ständige kritische Überprüfung der Gehzeit und Befindlichkeit. Wenn bedeutend mehr als die Richtzeit benötige, stimmt etwas nicht und ich muss ggf. auf den Gipfel verzichten oder einen andere Route/Abstieg (z.B. zur Dossenhütte) wählen. Ganz kritisch ist auch die Entscheidung Steigensen ja/nein. Mit "ja" verlieren viele Seilschaften ganz viel Zeit, mit "nein" wirds schnell gefährlich.

Nichts desto trotz: in eurer Situation eine nicht leichtfertige Entscheidung, mutige Berichterstattung und sicher ein "Lehrblätz". Einige Zeilen dazu wären wertvoll; ich denke für euch persönlich habt ihr das sicher gemacht.

G, Rise

Bertrand Pro says:
Sent 5 September 2013, 14h11
Merci de ton récit, on peut discuter du bien-fondé de chaque secours mais l'honnêteté et le courage d'en parler mérite le respect. Déjà monté 2 fois (bon en 25 ans...) dans un hélico contre mon gré, je sais bien qu'en montagne chacun fait un jour des bêtises, plus ou moins grosses, plus ou moins excusables, pas toujours facile à anticiper quand on prend le départ...

Nicole says: RE:
Sent 5 September 2013, 15h09
Bertrand,

je vous remercie pour votre commentaire - mon français est malheureusement un rouillé, je suis désolé.

Tout le meilleur dans les montagnes
Nicole

Bertrand Pro says: RE:
Sent 5 September 2013, 15h12
Nicht so schlimm...Hauptsache ist : alte Liebe (zu den Bergen !) rostet nie !

Nicole says: Auch eure Kommentare haben Berechtigung.
Sent 5 September 2013, 15h47
Lieber Henrik, lieber G. Rise

Eure Kommentare und Sichtweisen sind berechtigt – hierfür DANKE - und mit Kritik musste und habe ich auch gerechnet. Auch dies war eine Entscheidung den Bericht wahrheitsgetreu zu verfassen oder aber nur über die tollen Momente zu berichten und das „ungemütlich“ weg zu lassen.

Im Nachhinein habe ich mich mit einem Crew-Mitglied der Haldensteiner REGA-Basis unterhalten. Die Antwort war klar „lieber anrufen und gesund retten, als hätte der eigene Stolz schlimmeres produziert“.

Ich stehe dazu, dass ich (wir) die Hilfe als langjährige Gönner-Mitglieder in Anspruch genommen haben und nach der Distanz gesehen war es die richtige Entscheidung, mit aller Abwägung von Alternativen, z.B. zu Zweit über den sehr spaltenreichen Rosenlauigletscher zur Dossenhütte in der Erwärmung am Nachmittag zu laufen und einen Spaltensturz zu riskieren.

Die Vorwürfe der schlechten Selbsteinschätzung, Überschätzung, Überforderung und Erschöpfung lehne ich ab. Seriös habe ich (wir) mich auf diese BEO-Hochtourentage vorbereitet, mit vorgängigen Touren im gleichen Level. Bereits vor zwei Jahren bin ich das Willsgrätli hoch und auch wieder runter geklettert. Die Zeitangaben sind Richtlinien, aber wer schreibt denn vor, dass man genau in 5 Stunden auf einem Gipfel stehen muss wenn es die Bedingungen zulassen, diesen auch in 6 Stunden zu erreichen?

Den „Lehrblätz“ mich nicht von meinem Tourenkameraden überreden zu lassen die Steigeisen nicht anzuziehen – JA DEN SCHREIBE ICH MIR WIEDER HINTER MEINE OHREN. Aber dies ist ein Vorwurf den ich an mich selber richte und zu tragen habe, nicht an Bruno.

Nochmals Danke für eure kritischen Worte und viele schöne Momente auf euren Unternehmungen, ein jeder in seinem Level.

Alpin_Rise says: RE:Auch eure Kommentare haben Berechtigung.
Sent 16 September 2013, 17h16
Freut mich, dass du kritikfähig bist, so passieren einem zukünftig sicher weniger Fehler.
Ich bin immer noch geprägt vom Erlebnis am Zinalrothorn; jene Zeitgenossen waren wenigstens am Berg wenig kritkfähig...

Jeder auf seinem Level weitergehen & über seinem Level mit Freude und einem guten Gefühl umkehren. Braucht viel Fingerspitzengefühl und ich hoffe, dass es möglichst vielen gelingen möge ;-)

G, Rise

PS: ich hab vor zwei Wochen just das Willsgrätli aus den Tourenoptionen meiner Partner gestrichen, zu dritt wären wir höchstwahrsch. zu langsam und schwerfällig gewesen; vor dieser Tour hab ich irgendwie grossen Respekt. Wenn ich all die Touren zählte, zu denen ich gar nicht erst aufgebrochen bin... und jedesmal gesund zu Hause geblieben oder von anderswo zurückgekehrt ;-)
Und wenn ich erst an die "bêtises" in meiner Jeunesse denke... Glück gehört dazu!


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