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Die Highlightour im nördlichen Pfälzerwald


Published by Nik Brückner , 16 July 2013, 22h30.

Region: World » Germany » Westliche Mittelgebirge » Pfälzerwald
Date of the hike:22 September 2013
Hiking grading: T1 - Valley hike
Waypoints:
Geo-Tags: D 
Time: 6:00
Height gain: 650 m 2132 ft.
Height loss: 650 m 2132 ft.
Route:16km
Access to start point:Zum Parkplatz in Grethen auf der B37
Accommodation:Zahlreiche Möglichkeiten in Bad Dürkheim

Die absolute Highlightour im nördlichen Pfälzerwald! Highlighttour deshalb, weil sie in knapp sechs Stunden durch 2500 Jahre Geschichte führt: Es geht durch die Kelten- und die Römerzeit über die Germanen ins Mittelalter, ins 18. und 19. Jahrhundert, und auch die Gegenwart kommt nicht zu kurz.


Los geht's auf einem Parkplatz in Grethen (135m, ein Ortsteil von Bad Dürkheim). Er liegt direkt an der B37 (und ist, von Osten kommend über eine eigene Abbiegespur kurz nach der Ampel, zu erreichen). Bei meinen Erkundungstouren lief immer Ele Ypsis' Album "Eksü" - kann ich nur empfehlen.

Vom Parkplatz aus überqueren wir die Bundesstraße an der Fußgängerampel, gehen aber nicht in den Ort hinauf, sondern folgen dem Fuß- und Radweg einige Meter nach Westen, bevor es rechts über Treppen einen Grashang hinauf geht. Oben angekommen folgen wir der Straße weiter nach links (Nord(west)en), und halten aber Ausschau nach einem kleinen Weg, der bald (nach Hausnummer 132) rechts in Serpentinen den Hang hinauf führt. Zwischen einem letzten Häuschen rechts und einem alten Steinbruch links geht es nach oben, auch mal geradewegs auf einem Treppchen. Am Ende der Treppe wendet man sich nach rechts, also südostwärts, leicht bergauf. Kurz vor dem Gelände eines Dürkheimer Krankenhauses (Klinik Sonnenwende) folgt man dann ausladenden Stufen und wendet sich bei der ersten Möglichkeit nach links, hinauf zur Kaiser-Wilhelm-Höhe (282m), die auch angeschrieben ist.

Wir haben das erste Highlight erreicht, ein Türmchen zu Ehren Kaiser Wilhelms I., und genießen die Aussicht übers Isenachtal. Das Türmchen wurde anlässlich des 90. Geburtstags des Kaisers (1797 - 1888) vom Drachenfels-Club errichtet. 1897 wurde zum 100. Geburtstag des Kaiser ein Medaillon angebracht, das aber in Kriegswirren verloren ging. Das heutige Medaillon stammt aus dem Jahr 2003.

Von hier gehen wir nicht nach Norden ins Gelände des keltischen Ringwalls hinein, stattdessen geht es auf der Ostseite des Monuments ein paar Stufen hinunter. Wir gelangen auf einen mit blauem Balken markierten Weg, dem wir leicht bergab folgen. Bei der nächsten Möglichkeit wechseln wir nach halblinks auf einen mehr oder weniger waagrechten Weg und bald noch einmal, diesmal auf einen ziemlich rau gepflasterten, breiten Weg, der uns bergauf bis zum Kriemhildenstuhl (250m) bringt.

Keine Angst, hier hat nicht Kriemhild hingestuhlt, der Name stammt aus dem 19. Jahrhundert, aus der Zeit der Nibelungenlied-Begeisterung. Es handelt sich um einen phantasievoll benannten, von 200 bis 500 n. Chr. betriebenen römischen Steinbruch. Hier arbeiteten Steinbrecher der 22. Legion der römischen Armee, die in Mainz stationiert war. Gebrochen wurden Quader von 1,20m bis 3m Länge, 0,6m bis 1,4m Breite und 0,6m Höhe, aber auch Säulenkapitelle und andere, weiter bearbeitete Steine. Entsprechende Werkzeuge wurden bei Ausgrabungen gefunden. Und auch die Transportrille, in der die Blöcke auf Kufen und Rollen ins Tal geschafft wurden, ist noch zu erkennen.

Den Steinbruch sollte man sich mit Hilfe einer Infotafel auf jeden Fall ein bisschen genauer ansehen. Das Herumsteigen über die Felsblöcke auf der Suche nach römischen Inschriften und Ritzungen lohnt sich! Es finden sich mehrere römische Inschriften, sowie bildliche Darstellungen, darunter v. a. Pferde, Menschen, Legionszeichen und natürlich Phalli und Vulven. Männer halt.


Über einen steilen Zickzackweg an der Nordseite des Kriemhildenstuhls geht es nun hinauf zu den eindrucksvollen Überresten einer keltischen Ringmauer auf dem Kästenberg, die um 500 v. Chr. errichtet wurde. Wir kommen an einem Wanderhüttchen vorbei zunächst zu einem 1:5-Modell der ursprünglichen Mauer.

Die so genannte "Heidenmauer" ist ein insgesamt 2,5km langer Ringwall, der um das Jahr 500 v. Chr. von Kelten als Mauer ("Murus Gallicus") errichtet und nicht lange danach wieder niedergelegt wurde. Sie verläuft rings um ein auf der flachen Kuppe des Kästenbergs errichtetes Oppidum und umschließt ein Areal von 26 Hektar.

Reichhaltige Keramikfunde ermöglichen eine genaue Datierung: Das Oppidum wurde am Ende der Hallstattzeit (um 500 v. Chr.) durch eine nicht näher identifizierte keltische Gruppe errichtet. Die Bewohner trieben den Fundstücken zufolge Handel mit Oberitalien und vor allem Griechenland. Als die Griechen zu Beginn der Latènezeit ihre Handelsrouten zur Iberischen Halbinsel und den Inseln des westlichen Mittelmeers hin verlegten, verloren die Bewohner der Anlage ihre Lieferanten. Wohl deshalb wurde die Siedlung nach lediglich einer Generation bereits wieder aufgegeben. So findet sich heute eine nur knapp 20cm starke Siedlungsschicht über dem Naturboden, und kaum Ausbesserungen der Mauer. Auch Brand- und sonstige Kriegsspuren fehlen, was zusätzlich für eine friedliche Aufgabe der Siedlung spricht. Die Mauer wurde dann beim Verlassen niedergelegt, dadurch verhinderte man, dass ein Konkurrenzstamm die Anlage nutzen konnte.


An dem Modell wenden wir uns nach rechts und queren die heute nur noch als Wall erhaltene Anlage an einer geeigneten Stelle weglos hinunter auf ihre Außenseite. Dort über einen Graben und nun nach links, entgegen dem Uhrzeigersinn auf einem (nicht immer gut sichtbaren, aber mit einem grünen Kreis gut markierten) Weglein dem Wall entlang, der hier besonders eindrücklich ist. An einer Kreuzung queren wir Weg 6 und wandern gleich darauf direkt in den hier noch gut erhaltenen Graben hinein.

Vor dem nordwestlichen Mauerabschnitt zieht sich ein fast 500m langer und bis zu 15m breiter Graben hin, der offenbar den hier auf der Bergseite geringen Niveauunterschied zur Mauerkrone vergrößern sollte. Zudem diente er zur Ableitung des Wassers bei Starkregen, was nötig war, um eine Unterspülung der Mauer vorzubeugen. Lustiger ist allerdings die sagenhafte Deutung der Dürkheimer Bevölkerung: Der Raubritter Hans von Trotha ("Hans Trapp", um 1450–1503), Burgherr auf dem Bertwartstein, soll in dem Graben einen riesigen Wurstvorrat deponiert haben. Deshalb heißt er im Volksmund auch "Wurstgraben".

Nachdem wir uns an einer Infotafel über die Geschichte der Anlage informiert haben, folgen wir bei der nächsten Gelegenheit einem kleinen Weg nach rechts (Norden). Eine Kreuzung überqueren wir geradeaus und immer leicht bergab. Bald kommt von links der mit einem blauen Balken markierte Wanderweg herauf, dem wir nun folgen. Es geht hinauf zum Teufelsstein (317m).

Am Teufelsstein, einem ca. 2,5 Meter hohen Monolithen, der wohl einmal rituellen Zwecken gedient hat, gedenken wir dann der geilen jungfräulichen Blutopfer... - die auf dem Stein aber vermutlich nie dargebracht wurden. Man liest das aber immer wieder gern :-)

Auf den Felsen führen fünf eingehauene Stufen hinauf. Dort befinden sich mehrere Vertiefungen, die gern als Opferschalen für religiöse Riten, vermutlich der Kelten gedeutet werden und von denen aus Rinnen nach unten verlaufen, die mindestens ebenso gern "Blutrinnen" genannt werden. Allerdings steht der Stein mitten im Wald, unter Bäumen, und wie jedermann weiß, hölt steter Tropfen den Stein. Zahlreiche eingehauene Symbole, die aus verschiedenen Zeiten stammen, nähren allerdings den saftigen Mythos. Zu sehen sind Sonnenräder, Runen, römische Ziffern sowie Steinmetzzeichen des Mittelalters - oder etwas, was diesen sehr ähnelt.

Netter ist die Sage, die sich um den Teufelsstein rankt: „Einst, als auf dem Berg gegenüber dem Teufelsstein das Kloster Limburg errichtet wurde, missbrauchten die Mönche den Teufel als Bauhelfer. Sie hatten ihm weisgemacht, ein Wirtshaus bauen zu wollen, und ihn auf diese Weise bewogen, die riesigen Steinquader aufeinanderzutürmen. Erst als nach Fertigstellung der Anlage die Glocken zur feierlichen Weihe der Basilika riefen, bemerkte der Teufel den Betrug. Voller Grimm wollte er auf dem gegenüberliegenden Berg den gewaltigen Felsblock ergreifen und auf das neue Kloster schleudern. Doch Gott beschützte die Mönche, der Stein wurde weich wie Butter. Da setzte sich der Teufel darauf, und sein Hintern, seine Füße und sein Schwanz hinterließen Abdrücke, die noch bis zum heutigen Tag sichtbar sind...“


Von hier aus folgen wir weiter dem Wanderweg bis zu der großen Wegspinne "Schlagbaum" (288m). Diese überqueren wir geradeaus und folgen nun einige hundert Meter einem breiten Waldweg (Markierung 11) bis zur Ruine des 1790 von einer Räuberbande niedergebrannten Hofes Weilach (340m) am oberen Ende einer langgezogenen Lichtung.

Die Hofruine Weilach, auch "Das Alte Haus" genannt, wurde erstmals 1381 als "Weilacher Hof" urkundlich erwähnt. Damals befand er sich im Besitz der Grafen von Leiningen. Der Hof wurde anfänglich von Verwaltern bewirtschaftet und später verpachtet. 1490 wird mit Peter Klein zum ersten Mal ein Hofmann namentlich genannt, 1785 war Johannes Becker der letzte in dieser Reihe.

Der Hof bestand aus einem Wohnhaus und einem Hirtenhaus, mit einem Hof dazwischen, in dem sich ein Brunnen befand. 1790 wurde er von einer Räuberbande überfallen und niedergebrannt, seither ist er eine Ruine. Die Räuber konnten immerhin gefasst werden: Die Tochter des Hofmannes hatte sich in einer Hundehütte versteckt und erkannte unter den Tätern den Schmied des Nachbardorfes Leistadt.


Wir gehen nach links, geradewegs durch die Anlage hindurch, und folgen drüben einem im Hang ansteigenden Pfad bergauf nach links. Sobald dieser auf einen weiteren, direkt vom Schlagbaum heraufkommenden Pfad trifft, wenden wir uns nach rechts, immer weiter ansteigend. Es geht in einen Tobel hinein. In diesem Tobel verlassen wir nun den Pfad bergwärts und steigen einige Meter weglos den Tobel hinauf. Bald stoßen wir auf Reste eines Serpentinenwegs und kürzlich wieder freigelegte Sandsteinstufen. Diesen folgen wir nun den Tobel hinauf. Es geht an Felsen und einer mit einer Tafel bezeichneten Quelle ("Felsenbrünnchen", ca. 400m) vorbei. Weiter oben steigen wir bis zu einem breiten Waldweg hinauf. Diesem folgen wir kurz nach links, um ihn gleich wieder zu verlassen: Es geht rechts auf dem Wanderpfad weiter ansteigend zum Gayersbrunnen (455m) am Gipfelhang des Peterskopfes.

Der Gayersbrunnen wurde 1874 vom Drachenfels-Club als Ehrung für Prof. Karl-Johann Gayer (1822-1907) errichtet. Gayer war Revierleiter in Weisenheim, Dozent an der Forstlehranstalt Aschaffenburg und Professor für Forstwissenschaft an der Uni München. Sogar zum Rektor der Universität hat er es gebracht. Seine Grundsätze einer ökologisch orientierten Waldwirtschaft finden noch heute Anwendung. 2002 wurde hier eine Sitzgruppe aufgestellt, 2003 wurde der brunnen neu gefasst.

Den Schillerfelsen erreicht man am Besten von der kleinen Anlage am Geiersbrunnen aus: Dort nach rechts auf einem Pfaderl direkt unterhalb des markierten Wanderwegs in den Hang hineinsteigen, etwa 50 Meter weiter ist der Schillerfels (454m).

Der Fels wurde 1859 von den späteren Gründern des Drachenfels-Clubs nach dem Dichter Friedrich Schiller (1759 - 1805) benannt. 1860 und 1864 wurden hier an der "Schillerruhe" zwei Sandsteintische aufgestellt und eine Bank aus dem Felsen gehauen.

Hinter dem Schillerfelsen auf ein paar Stufen links hoch und zurück zum Wanderweg, dem man nun nach rechts bis zum Bismarckturm auf dem Peterskopf (493m) folgt.

Der Bismarckturm ist ein 36m hoher, 1903 errichteter neoromanischer Aussichtsturm auf dem Gipfel des Peterskopfs. Er wurde mehrfach restauriert und steht seit 1986 unter Denkmalschutz. Von mehreren Plattformen aus ist ein weiter Blick über die mehr als 400 m tiefer gelegene Oberrheinische Tiefebene möglich, mit ihren prominenten Städten Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg. Dahinter die Hügelkette des Odenwalds mit Melibokus und Felsberg, Weißem Stein, Heiligenberg und Königsstuhl, weiter südlich ist noch die Hornisgrinde im Schwarzwald zu erkennen. Dann schweift der Blick über den mittleren Pfälzerwald und im Westen hinauf, bis der Rundblick am Donnersberg endet, der sich im Norden prominent erhebt.

Hier im Turm gibt es übrigens wochenends eine kleine Einkehrmöglichkeit, es gibt Getränke und selbstgebackenen Kuchen!


Sollte man hier nicht verpflegt werden, braucht man sich nicht zu sorgen: Ganz in der Nähe befindet sich das Wandergasthaus Lindemannsruhe (465m).

Dort bestünde auch die Möglichkeit, die Tour noch zu verlängern: Wer an der Lindemannsruhe die Straße überquert, hat Anschluss zum „Historischen Rundwanderweg Leistadt“, der rund um den Gipfel des Weilerskopfs zu römischen Steinbrüchen, römischen Wagenspuren, einer Teufelsmauer und einigen anderen historisch bedeutsamen Attraktionen führt.

Wir folgen aber einem breiten, nicht markierten Weg (zwei runde Sandsteintische rechts liegenlassend) die Kuppe des Peterskopfes hinunter und hinüber zum Sendemast (485m), den wir in ein paar Minuten erreichen. An dessen Zufahrtsweg angekommen, gehen wir direkt gegenüber auf einem kleinen Pfad (Markierung 9/11) wieder in den Wald hinein. Wir folgen dem Pfad weiter geradeaus.

Rechts abseits des Wegs befindet sich unter ein paar Nadelbäumen das Grab des Oberforstmeisters Ludwig Graf und seiner Frau Katharina.

Auf dem Pfad geht es weiter geradeaus, bis zum Heidenfels (496m), einer Bergkante hoch über dem Isenachtal, wo man über einige Treppen munter zwischen den und über die Felsen herumkraxeln kann. Ein schönes Bouldergebiet - und als höchster Punkt des Tages eine ideale Stelle für eine Pause!

Der Heidenfels ist ein teilweise verstürztes Felsmassiv aus Buntsandstein. Der Drachenfels Club hat die Felsen 1874/75 durch die Anlage von Treppen zugänglich gemacht, die gefunden werden wollen. Der Zugang zum unteren Teil der Felsen ist nicht leicht zu finden!

Wir gehen nun einige Meter auf dem Bergrücken zurück und folgen von hier aus dem roten Punkt hinunter Richtung Tal. Auf halber Höhe verlassen wir den roten Punkt und wechseln zum weiß-blauen Balken. An einem Parkplatz im Talgrund überqueren wir die Bundesstraße und wandern auf der gegenüberliegenden Talseite hinauf zur Ruine Hardenburg (208m), einer der größten Burganlagen der Pfalz (13. - 18. Jh.).

Die Hardenburg wurde vermutlich irgendwann zwischen 1205 und 1230 von den Grafen von Leiningen in etwa 200 Metern Höhe über den Tal der Isenach errichtet, um den Zugang zur Rheinebene kontrollieren zu können. Zu diesem Zweck eigneten sie sich widerrechtlich Gelände an, das dem Kloster Limburg gehörte, als sie als Schutzvögte des Klosters fungierten. Als Gründer der Burg gilt Graf Friedrich II. von Leiningen, 1317 entstand bei einer Erbteilung die nach der Burg benannte Linie Leiningen-Hardenburg.

Nach Verhängung der Reichsacht gegen Graf Emich IX. im Jahr 1512 wurde die Hardenburg durch den pfälzischen Kurfürsten belagert. Die Leininger übergaben die Burg, und erhielten sie bereits sieben Jahre später zurück. Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts erweiterten sie die Burg, und befestigten sie noch stärker, damit sie dem neu erfundendenen Geschützfeuer standhalten konnte. Zwischen 1560 und 1725 war die Hardenburg so zum Hauptsitz der Leininger geworden, und wurde nach und nach zum Residenzschloss ausgebaut. 1725 verlegten die Grafen ihre Residenz dann in das nahegelegene Schloss Dürkheim, das heute nicht mehr existiert.

Die Burg überstand den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697), im Zuge dessen nur die Festungswerke zerstört wurden. 1794 wurden die Wohngebäude dann von französischen Revolutionstruppen in Brand gesteckt, wobei die kostbare Innenausstattung vernichtet wurde. Danach verfiel die Burg zur Ruine. Seit 1820 befindet sie sich in öffentlichem Eigentum, sie gehört heute dem Land Rheinland-Pfalz.

Die Hardenburg ist eine der mächtigsten Burgen der Pfalz. Sie umfasst eine Grundfläche von 180×90 m. Die schwer befestigten Geschütztürme, insbesondere das Westbollwerk mit seinen sieben Meter dicken Mauern, verhinderten über Jahrhunderte die Eroberung der Burg. Darum ist heute vergleichsweise viel noch erhalten, darunter Verteidigungs- und Wohnbauten mit schönen Treppentürmen und geschmückten Fenstern und Portalen. Zahlreiche Innenräume haben bis heute überdauert.


Die Burg kann besichtigt werden, und wird darüber hinaus für Kulturveranstaltungen genutzt. In ihren Mauern finden Konzerte und ein Mittelaltermarkt statt. Im sanierten Tor-Rondell befindet sich ein Besucherzentrum mit archäologischen Funden, Filmpräsentation und Multimedia-Führung. Auf dem Westbollwerk befindet sich eine Aussichtsplattform, von der aus sich ein aufschlussreicher Blick auf das Isenachtal und bis hinüber zur Klosterruine Limburg bietet.

Nach der Besichtigung der Ruine, die man keinesfalls ausfallen lassen sollte, wenden wir uns nach Süden und folgen dem blauen Balken oder einem Naturlehrpfad bis zu dem Fischteich Schlangenweiher (175m). Kurz unterhalb geht es dann rechts hinauf zu der Klosterruine Limburg (260m).

Das Kloster Limburg ist eine ehemalige Benediktinerabtei, die vom 11. Jahrhundert bis zur Reformation bestand. Sie zählt zu den größten und bedeutendsten Denkmälern der frühsalischen Baukunst.

An der Stelle des Klosters befand sich einst eine keltische Höhensiedlung. Im 9. Jahrhundert legten dann die Salier hier eine Burg an, von der aus sie das Isenachtal kontrollierten (die militärische Funktion dieser Burg übernahm später die unweit errichtete Hardenburg). Ab 1025 wurde die Limburg dann zum Hauskloster der Salier umgebaut. Als erster Baumeister ist der Benediktiner Gumbert überliefert, der 1035 auch für kurze Zeit als dritter Abt amtierte, und dessen Grabplatte erhalten ist.


Eine erste Weihe (dreier Altäre in der Krypta) in Anwesenheit Kaiser Konrads II. ist für 1035 überliefert, die Weihe der gesamten Kirche erfolgte 1042. Bis 1056 wurden hier die Reichskleinodien aufbewahrt, später machten sie auch auf der Burg Trifels bei Annweiler Station.

Unter Abt Einhard II., der ab 1060 auch Bischof von Speyer war, wurde Limburg dem Bistum Speyer unterstellt, und Einhard ließ den Klosterschatz nach Speyer abtransportieren. Als das Kloster 1120 wieder unabhängig wurde, wurden seine materiellen Verluste aber nicht zurückerstattet. Auch später hatte das Kloster immer wieder unter Verlusten zu leiden. 1206 oder 1237 wurden die Grafen von Leiningen als Nachfolger der ausgestorbenen Salier Schutzvögte des Klosters. Sie nutzten diese Stellung, um in den 1220er Jahren auf Klosterbesitz ihre Hardenburg zu errichten. 1364 und 1376 wurde das Kloster dann in den leiningischen Fehden stark beschädigt. 1470/71 kam es im Zuge einer Erbauseinandersetzung im Haus Leiningen zu einem Krieg, in dem Leiningische Truppen das Kloster plünderten. Doch der Pfälzische Kurfürst trug den Sieg davon, und die Leininger mussten ihm die Vogtei über das Kloster abtreten. Das führte zu ständigen Auseinandersetzungen zwischen den Leiningern und dem Kloster, die ihren Höhepunkt 1504 erreichten, als Graf Emich IX. das Kloster niederbrannte.

Kloster Limburg wurde nur teilweise wieder aufgebaut, und 1525 im Bauernkrieg erneut zerstört. Damals lebten kaum mehr als 10 Mönche auf dem Berg, deshalb wurde im Anschluss nur noch der Chor der Klosterkirche wiederhergestellt, der für den Gottesdienst ausreichte. Dabei wurden die gotischen Fenster eingebaut, die Mauerhöhe reduziert, und ein Gewölbe eingefügt. Das Kirchenschiff aber blieb Ruine. Der Verfall setzte sich im Zuge der Reformation fort, als Kurfürst Ottheinrich 1556 den römisch-katholischen Gottesdienst verbot, und die Aufnahme neuer Mönche untersagte.

Im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs versuchte die katholische Seite, das Klosters wieder an sich zu bringen, und 1621 konnte ein neuer Abt ernannt werden. Weil aber die lutherischen Schweden in der Folge die Oberhand gewannen, wurde er wieder vertrieben. Erst 1645 wurde der Abt vom bischöflichen Generalvikar in Speyer wieder eingesetzt, allerdings fiel die Abtei im Zuge des Westfälischen Friedens erneut an die Kurpfalz, und der Abt wurde erneut vertrieben. Die Anlage wurde danach als Steinbruch genutzt.

Im 19. Jahrhundert kaufte die Stadt Dürkheim die Ruine, und ließ auf dem Berg einen romantischen Landschaftsgarten anlegen, in den die Klosteranlage einbezogen war. Im Zuge dessen wurden auch erste Erhaltungsmaßnahmen ergriffen.


Rundgang

Die Kirche ist von beachtlichen Ausmaßen: Ohne Vorhalle 73 Meter lang, und mit Querhaus 38 Meter breit; Vierung, Querhausarme und Chor beschreiben im Grundriss jeweils ein Quadrat von 12 Metern Seitenlänge. Und sie ist vergleichsweise gut erhalten: Die Umfassungsmauern stehen noch bis zur Höhe der Mauerkrone. Die Kirche ist eine dreischiffige romanische Säulen­basilika mit quadratischem Chor. Unter dem Chor liegt die rekonstruierte Krypta. Sie bezieht Mauerwerk mit ein, das aus der älteren, salischen Burg stammt.

Die Langhausarkaden und die darüber liegenden Wände sind eingestürzt. Allerdings hat man einige der Säulen wieder aufgerichtet, und weitere Stellen, an denen Säulen standen, durch Bäume markiert. Das trägt heute ungemein zur Atmosphäre der Ruine bei.

Wie der Westteil der romanischen Anlage ausgesehen haben mag, ist heute nicht mehr bekannt: Es gibt aber eine Reihe von Rekonstruktionsvorschlägen: Einige nehmen eine Dreiturmfassade, andere eine Doppelturmfassade an. Und Georg Dehio hat eine Vorhalle mit Paradies vermutet.

Der romanische Südwestturm stürzte im 13. Jahrhundert ein. Der heutige Turm ist ein Wiederaufbau des 14. Jahrhunderts in gotischen Formen. Der Turm ist zu besichtigen. Im dritten Obergeschoss befindet sich ein Relief, eine Stiftergruppe mit Kaiser Konrad II. und einem Modell der Klosterkirche.

Auch von den anderen ehemaligen Klostergebäuden ist einiges erhalten: die gotischen Reste des Kreuzgangs, des Kapitelsaals und des Winterrefektoriums stehen noch, außerdem das Sommerrefektorium im Stil der Renaissance, und unter der modernen Betondecke ein historisches Kellergewölbe.



Sagen und Geschichten

Die Klosterruine ist von mehreren Sagen umwoben. Einer Erzählung zufolge soll Kaiser Konrad II. persönlich an ein und demselben Tag sowohl den Grundstein des Klosters wie auch den des Kaiserdoms zu Speyer gelegt haben. Und tatsächlich besteht ein Zusammenhang zwischen den beiden Gebäuden: Die Eckabschlüsse von Querhaus und Chor der Limburger Kirche sind mit Ornamenten verziert, die sich in der Krypta des Speyerer Doms wiederfinden.

Aber es gibt auch andere Geschichten rund um das Kloster. Eine davon stammt von niemand geringerem als von James Fenimore Cooper, dem Autor des „Lederstrumpf“. Der bereiste 1831 die Pfalz, und beschrieb in seiner Novelle „The Heidenmauer“ (auf deutsch „Die Heidenmauer oder Die Benediktiner“ die Zerstörung des Klosters Limburg.


Das Kloster sollte man sich unbedingt ansehen. Es ist eines der größten und bedeutendsten Denkmäler der salischen Baukunst in Deutschland und eignet sich zudem perfekt als Pausenort: Im ehemaligen Kreuzgang befindet sich einer der im Pfälzer Wald äußerst dünn gesäten schönen Biergärten. Die Atmosphäre hier ist unvergleichlich - und es gibt dankenswerterweise mal nicht nur Saumagen und die Sieben Schnitzel - eine Seltenheit im wanderkulinarisch eher unterentwickelten Pfälzerwald.

Man verlässt das Kloster sodann durch die Kirchenruine und hält sich dem blauen Balken folgend links, überquert den Parkplatz der Klosterruine ebenso wie die mit zweifelhafter Kunst bestückte Wiese dahinter, und steigt nun auf dem markierten Wanderweg bis hinunter nach Grethen (135m). In dem hübschen Ortskern angekommen, folgt man der Straße nach links hinunter, und kommt an der Fußgängerampel heraus, an der die Tour begonnen hat.

Wer nun noch Zeit und Lust hat, der kann im Dürkheimer Ortsteil Seebach die ehemalige Klosterkirche St. Laurentius besichtigen, die gegen 1140 erbaut wurde und stilistische Bezüge zum Wormser Dom aufweist.

Hike partners: Nik Brückner


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