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Erlebnisreiche Schrattenflue-Gesamtüberschreitung


Published by Tobi , 24 November 2011, 21h10.

Region: World » Switzerland » Luzern
Date of the hike:23 November 2011
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: Schrattenflue-Gruppe   CH-LU   CH-BE 
Time: 7:45
Height gain: 1450 m 4756 ft.
Height loss: 1550 m 5084 ft.
Route:16km
Access to start point:cff logo Kemmeriboden
Access to end point:cff logo Flühli LU, Post
Maps:1189 Sörenberg

Die Schrattenflue hat viel zu bieten: Wilde Karstlandschaft, hüglige Weiden, ausgesetzte Gratabschnitte und jede Menge Militäranlagen. Bei meiner Gesamtüberschreitung von A wie Achs bis Z wie „zum Schluss noch den Bärsilichopf“ bin ich in den Genuss all dieser Facetten gekommen. Dazu hat es noch ein überraschendes Treffen mit einem berühmten Hikr-Urgestein gegeben…
 
Wie schon letzte Woche entlädt mich das Postauto pünktlich kurz vor neun Uhr beim cff logo Kemmeriboden. Auf dem Wanderweg Richtung Schneebärgli ergibt sich ein kurzer Schwatz mit einem älteren Wanderer. Sein Ziel ist auch die Schrattenflue und er zeigt plötzlich unerwartetes Interesse an meiner direkten Aufstiegsvariante über die Achs. Da ich die weder Route und insbesondere ihre Schwierigkeiten, noch die Fähigkeiten meines Gegenübers kenne, habe ich kein grosses Verlangen an einem gemeinsamen Weiterziehen. Ich verabschiede mich und schlage mein zügiges Tempo an. Beim Abzweiger zum Hirschwängiberg beginne ich mit dem direkten und weglosen Aufstieg über die steile Weide zur Achs. Anfänglich ist das Gelände gut gestuft (den Kühen sei Dank), später nimmt der Bewuchs an jungen Tannen zu und es wird auch felsdurchsetzter. Direkt an der imposanten Westwand der Achs (1701m) werden die letzten Höhenmeter auf diesen ersten Gipfel erklommen. Im Aufstieg sind mir einige Schiessscharten und militärische Bauten aufgefallen, oben kann ich aber nur den Eingang zu einem kurzen Stollen finden. Die Suche nach einem weiteren Stollen, welcher zur Tür und Guckloch inmitten der Felswand führt, muss ich nach einem ausgesetzten Abstieg über einem etwa 4m hohen Wändchen aufgeben. Vermutlich fehlt dort inzwischen eine Leiter für den Zugang…
 
Von der Achs sehe ich plötzlich einen anderen Wanderer meinen Spuren folgen. Ich bin etwas irritiert und denke, dass mir nun der ältere Wanderer doch gefolgt ist und dies noch in einem beachtlichen Tempo. Auch beim weiteren Aufstieg auf den Schibegütsch (2037m) durch das Stollenloch über die Leitern, bleibt mein „Verfolger“ dran.
 
Nun beginnt die eigentliche Gratwanderung. Für die Überschreitung des Türstehäuptli (2029m) verlasse ich kurz den Wanderweg. Der Aufstieg von Süden ist etwas schwieriger (T6 II) als der folgende Abstieg nach Norden (T5). Auf dem Gipfel ist seit Ende September ein Gipfelbuch deponiert, ich darf mich gleich unter Domino verewigen.
 
Auf dem höchsten Punkt der Schrattenflue, dem Hengst (2092m), holt mich mein „Verfolger“ ein. Es ist doch nicht der ältere Wanderer. Während er sich eine längere Pause gönnt, mache ich mich auf den Weiterweg. Nach einem kurzen Abstecher ins eisige Heidenloch peile ich den nächsten Gipfel an. Diesmal zweige ich auf der Tierweid rechtzeitig vom Wanderweg ab und erreiche über die wirre Karstlandschaft die Hächle (2091m). Hier schalte ich eine etwas längere Mittagsrast ein und geniesse ausgiebig das Panorama an diesem herrlichen Spätherbsttag: Deutliche Fernsicht bis zum Alpstein, einfach gigantisch. Schon kommt auch der andere Wanderer wieder anmarschiert. Auch er will die Gesamtüberschreitung machen, wir tauschen uns etwas über die geplante Routen aus. So rasant wie er gekommen ist, wandert er bald darauf schon wieder weiter. Wir haben uns wohl nicht das letzte Mal am heutigen Tag getroffen…
 
Ich versuche nun weiter dem Grat zu folgen. Vor dem Ostgipfel der Hächle (2088.7m) erwartet mich eine tiefe Scharte (II). Die folgenden Einschnitte im weiteren Gratverlauf können durch Ausweichen nach Osten gut umgangen werden. Messerscharfe Karstfelder müssen überwunden werden, ein Stolperer könnte blutig enden. Der Grat endet nun wie erwartet abrupt, ich stehe vor dem dritten Hächlenzand. Zeit dem Grat untreu zu werden. Dazu quere ich auf Pfadspuren etwas zurück nach Süden, vorbei an der markanten kleinen Hächlennadel (Hächlenzand IV). Etwas südöstlich dieses rund 20 Meter hohen Felsturms führt ein Grasband mit Trittspuren hinunter zum Bergweg.
 
Auf diesem rot-weiss markierten Weg wandere ich unter den Hächlenzänd durch. Ich liebäugle mit einer Besteigung des einfachsten Zackens, dem ersten Hächlezand. Doch nach ein paar unmotivierten Kletterzügen im Dreckloch breche ich den Versuch ab. Ich könnte mich wohl durch diese IIIer-Stelle durchmogeln, aber runter käme ich dann so ganz ohne Ausrüstung nicht mehr. Da möchte ich mein klettertechnisches Pulver nicht schon verschiessen, das spare ich mir lieber für die folgenden Stellen auf…
 
Es folgt der direkte Aufstieg auf dem SW-Grat (T4, I) auf den Strick (1946m). Die fix montierte Kette an der Schlüsselstelle ist bei Nässe sicher hilfreich. Auf dem Grat zum Nordostgipfel treffe ich wieder auf den bekannten Wanderkollegen. Ihm ist der direkte Abstieg vom NE-Gipfel zu ausgesetzt gewesen, er bevorzugt nun den Abstieg auf dem blau-weiss markierten Bergweg. Ich folge weiter auf dem Grat dem Strick Nordostgipfel (1913m) entgegen. Die felsigen Zähne werden dabei links umgangen. Auch nach dem Gipfel steige ich weiter auf dem Grat ab. Die Scharte vor dem letzten Felskopf erreiche ich durch Ausweichen in die steile und grasige Westflanke. Von diesem Einschnitt aus entdecke ich Wildspuren, die durch eine Grasrinne in die Ostflanke führen. Diesen folge ich und erreiche über heikles, kiesbedecktes, grasiges Schrofengelände (T6, II) den markierten Bergweg. Diesem folge ich bis zum Aufschwung zur Tälle.
 
Bevor ich in diesen luftigen Grat einsteige, inspiziere ich noch kurz die Militäranlagen auf der Südseite. Gerade bereit für den Aufstieg, kommt der andere Berggänger wieder herrunter. Er sei vor einer etwa fünf Meter tiefen, senkrechten Scharte nicht mehr weiter gekommen. Dies kommt mir bekannt vor, da ich zur Vorbereitung Deltas *Bericht studiert habe. So weiss ich auch um den alternativen Zugang durch das Couloir auf der Nordseite. Wir begeben uns gemeinsam auf die Suche nach diesem. Den richtigen Einstieg zu finden, ist von unten gar nicht so einfach. Wir entscheiden uns für die einladenste Rinne und liegen damit richtig. Genau im Sattel vor dem Gipfel erreichen wir den Grat (T6). So stehen wir kurze Zeit später glücklich auf dem höchsten Punkt der Tälle (1812m).
 
Nach diesem Abenteuer kommen wir ganz zufällig auf das Thema Berichte schreiben und damit auf hikr.org zu sprechen. Und so stellt sich heraus, dass ich nun mit keinem geringeren als der Hikr-Grösse lorenzo auf dem Gipfel stehe. Was für eine Ehre für mich!
 
Während ihm der weitere Gratverlauf zu grimmig ausschaut und zu wenig erfolgversprechend scheint, möchte ich noch den Ostgipfel erreichen. Über einen ausgesetzten Wildwechsel kann ich den folgenden Felskopf umgehen (T6) und stehe anschliessend neben einem Felsentor. Über einen Riss kann ich wieder zurück auf den Grat klettern (II) und diesem weiter folgen. Das Gipfelkreuz ist schon zum Greifen nah, da stehe ich plötzlich vor einer etwa fünf Meter tiefen Scharte. lorenzo hat mich noch davor gewarnt und hätte ich den Führer genauer studiert, hätte ich schon von diesem sogenannten Tällengässchen gewusst. Verzweifelt laufe ich vor dem Einschnitt hin und her auf der Suche nach einer Schwachstelle. Doch eine Solche ist nicht zu finden. Ein vorsichtiger Versuch, an der einfachsten Stelle abzuklettern (gemäss Führer IV), gebe ich nach zwei Metern auf. Ich kann es kaum glauben, dass ich nun so kurz vor dem Ziel aufgeben muss. Da kommt mir eine wahnwitzige Idee…
 
An der schmalsten Stelle ist der Einschnitt etwa zwei Meter breit. Wieso nicht darüber springen? Geeignete Stellen für den Absprung und die Landung wären vorhanden. Ein Sprung über zwei Meter, dazu noch mit einem Gefälle von etwa einem halben Meter, ist schliesslich keine grosse sportliche Leistung. Aber der tiefe Abgrund darunter lässt mich doch zögern. Nach einigem Hadern und Abwägen setzte ich doch zum Sprung an. Die Landung ist zielgenau und sicher, ich stehe auf der anderen Seite. Keine Ahnung ob diese Aktion alpinistisch korrekt gewesen ist, jedenfalls ist so das Problem gelöst. Ohne weitere Hindernisse wandere ich die letzten Meter zum Gipfelkreuz des Ostgipfels der Tälle hoch.
 
Über den breiten Rücken steige ich nach Osten ab. Weideland und Karst wechseln sich ab. Ich versuche mich an die nördliche Kante zu halten und treffe bald auf Wegspuren und vereinzelte Steinmännchen. Diese führen hinunter zum Bärsiligrat. Auf diesem erreiche ich mit den letzten Sonnenstrahlen auch den letzten Schrattenflue-Gipfel: den Bärsilichopf (1578m). Nach einem kurzen Abstecher zum vorgelagerten Kreuz laufe ich auf dem Grat wieder zurück.
 
Von Pt 1545 erfolgt der Abstieg auf dem Bergweg zur Alp Ämmetal (1298m) zunächst steil über unzählige Stufen der Felswand entlang und dann ziemlich direkt in der Falllinie den rot-weissen Markierungen entlang. Auch der weitere Wanderweg hinunter nach Flühli (884m) ist bestens markiert und beschildert. Im Dorf angekommen freue ich mich auf einen Kaffee im Restaurant Fürstei, doch dieses hat ab heute Betriebsferien. Aber auf die Bäckerei mit integrierten Dorfladen bei der Post ist Verlass. Zu meiner Freude treffe ich davor wieder auf lorenzo. Beim gemeinsamen Kaffee lassen wir die Erlebnisse des heutigen Tages nochmals Revue passieren.
 
 
Fazit: Die Schrattenflue hat einiges mehr zu bieten als die oft besuchten Gipfel. Insbesondere die doppelgipflige Tälle hat es in sich gehabt und hat mental nochmal alles abverlangt. Für Nachahmer empfehle ich die Mitnahme von Abseilmaterial!
Es hat mich natürlich ausserordentlich gefreut, die Hikr-Bekanntheit lorenzo zu treffen. Nochmals herzlichen Dank für das Kaffee (mit Kuchen) und deine nette Gesellschaft!


Hike partners: Tobi


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Comments (5)


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Henrik says: ...beinahe gefrierend....
Sent 24 November 2011, 22h07
> Wieso nicht darüber springen?

....aber Sprünge anderer Art stehen uns ggf. ja noch bevor...lukullische und in vino veritas....I'm looking forward!

Herzlich

silbervogel

Tobi says: RE:...beinahe gefrierend....
Sent 25 November 2011, 07h45
Gerne!
Aber bitte mit Geschirr ohne Sprünge und zum Kaffee vielleicht ein Friandisli von Lindt & Sprüngli...

Bis bald wieder mal, Gruss Tobi

lorenzo says: Leichtfüssig und behende
Sent 24 November 2011, 23h25
Nochmals meine Gratulation! Aber etwas mulmig war mir schon, bis Du zum Glück schon bald in in Flühli aufgetaucht bist!

Pass immer gut auf Dich auf!

Herzlich

lorenzo

Tobi says: RE:Leichtfüssig und behende
Sent 25 November 2011, 07h49
Vielen Dank für deine Gratulation.
Keine Angst, die Aktion an der Tälle war an meinem oberen Limit. Grimmigeres würde ich wohl ungesichert nicht machen...

Gruss Tobi

Hurluberlu says: Saute-mouton
Sent 28 November 2011, 20h36
Une rando à saute-mouton, avec des bonds..de II


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