Gaishorn-Überschreitung: NNW-Grat zum Gaiseck und Südflanke


Published by Kauk0r , 21 June 2022, 22h39.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike:19 June 2022
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Height gain: 1280 m 4198 ft.
Route:17 Kilometer
Access to start point:Parkplatz Kienzen / Tannheim-West mit 5€/Tag und Toilettenlage.

Wetter heiß prognostiziert. Es war die Rede von "Gluthitze". Tatsächlich maß man wohl in Deutschland 39,2°C. Was also tun? Freibad? Besser nicht, da sind alle. Berge? Gute Idee! Ein Freund möchte nochmal los zum Abschluss des Urlaubs, mir gehts nicht anders. Er hatte unter der Woche eine Runde übers *Schattwalder Dreigestirn aus dem Jahr 2019 wiederholt und dabei immer wieder vom Gaishorn gelesen. Das erschien ihm eine Tour wert. Ähnlich wie 2019 gehe ich aus nostalgischen Motiven natürlich gerne mit, ein kleines Jubiläum ist es mit der fünften Besteigung für mich auch.

Den NNW-Grat zum Gaiseck habe ich 2011 schonmal begangen, damals hab ich meine Mutter da hochgenötigt, dieses mal muss der Freund dran glauben...ein wenig Spannung soll es schon sein. 2011 begleitete uns dabei eine große Menschentraube und fromme Gesänge vom Gipfel her: Das neue Gipfelkreuz bekam seinen Berggottesdienst zur Einweihnung. Dieses Mal ist es trotz bestem Wetter recht ruhig am Gaishorn, für einen Sonntag sicherlich außergewöhnlich. Nirgends Stau, keine Probleme, sowohl am Grat als auch in der Flanke.Auch am Gipfel sitzen wir mit nichtmal zehn Menschen zusammen. Vom Köllesattel aus kann man sich schonmal auf die "Gratwanderung" (der Weg verläuft allermeist in den Flanken unterhalb der Grathöhe) einstimmen. Es wird teils etwas schmal zwischen Abgrund und Latschen, etwas müssen die Hände an den Fels, von Kletterei kann man bei ein paar Eisenstufen aber noch nicht sprechen. Jedoch sollte man den Grat nicht in Angriff nehmen, wenn man sich hier bereits unwohl fühlt! (Habe ich das aus aktuellem Anlass eingefügt oder hätte ich es sowieso geschrieben?! Möglicherweise beides.) Danach geht es gemütlich über Weidegelände unterm Zererköpfle hindurch zum Beginn der Felsen. Die Route ist ausreichend meist mit roten Markierungen versehen, selten ist es weiß-blau-weiß. Ein gewisses Orientierungsvermögen im Allgäuer Brösel schadet aber nicht. Jedenfalls braucht man eine solide Trittsicherheit und am besten Schwindelfreiheit. Eine genaue Routenbeschreibung ist nicht zielführend. Zunächst verläuft die Route in der westlichen Seite unter dem Grat zu einer ersten versicherten Rinne (I). Von Fern sieht sie noch steil aus, löst sich aber gut gestuft auf. Oben wird das Gelände etwas leichter, man geht über einen Felskopf und steigt kurz zu einer schmalen Stelle am Grat hinab, hier ist man für einen Schritt "auf der Schneide". Danach gehts über einen breiteren Gratrücken in leichter Kletterei (I) hinauf, der Steig wechselt jetzt er auf die Ostseite, während die Flanke nochmal tief zur Skitourenroute abfällt. Kurz vor dem Gaiseck kommt noch eine zweite versicherte Rinne mit Eisentritten (I). Diese Rinne wäre ohne die Tritte wesentlich anspruchsvoller als die erste Rinne, so geht es aber auch ganz passabel. Nun deutlich leichter aufs Gaiseck, eigentlich kein eigenständiger Gipfel, eher ein letzter Zacken, an dem sich der lange Gipfel-Grat des Gaishorns nach Westen teilt. Über diesen in leichtem Auf-und-Ab auf einem Steig zum Gaishorn-Gipfel (2247m). Abgestiegen sind wir dann aus diversen Gründen über die Südflanke. Der Abstieg ist durchgehend recht steil, einzig in der Querung gegen den Sattel zum Rauhhorn wird etwas länger gequert. Anstatt aus der Vorderen Schafwanne den ausgeschilderten Wanderweg-Zacken rauszulaufen gehen wir den in den Karten eingezeichneten Steig direkt hinab. Ich denke da bin ich vor 10 Jahren mal aufgestiegen. Inzwischen wird die Abkürzung nicht mehr instand gehalten, vor allem im unteren Bereich. Gerade bei freuchten Verhältnissen würde ich von einer Begehung abraten. Bei ca. 1400 Meter erreichen wir die Hitze, sobald keine Wolke oder kein Windhauch wehen wird es spürbar. An der Alpe wartet aber eine kühle Erfrischung und das Ende vom Frühschoppen mit zünftiger Live-Musik. Anschließend hatschen wir noch das Vilstal hinaus und gehen am Wanderweg vorbei an der Lourdeskapelle von Tannheim zurück zum Auto.

Fazit: Schöner Tag am ausichtsreichen Gaishorn. Wenn auch in der diesigen Luft im Gegenlicht nur wenig zu sehen ist, kommen beim Panorama viele Erinnerungen an tolle Bergtouren. Einfach schön die Allgäuer Alpen! Gerne komme ich hierher zurück!

(Erstmals publiziert habe ich diesen Bericht auf alpic.net).

Hike partners: Kauk0r


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