Bike & Hike mal anders - Alpsteindurchquerung via Säntis Ostgrat (Böseggroute)


Published by schneejogi , 15 November 2020, 16h06.

Region: World » Switzerland » Appenzell
Date of the hike:14 November 2020
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AR   CH-SG   CH-AI 
Time: 1 days
Height gain: 2750 m 9020 ft.
Height loss: 2750 m 9020 ft.
Route:22km Wandern + 18km Bike

Für dieses Wochenende waren wir uns schnell einig, es sollte nochmal etwas großes her - bevor aller Voraussicht nach der Winter zumindest in den oberen Regionen bald Einzug hält. Den ganzen Sommer schon hatten wir eine Alpstein Ost-West Durchquerung im Kopf - möglichst mit schönen Gratkombinationen, aber aufgrund der bereits sehr kurzen Tage, konnte wir nicht ganz so wie wir wollten. Wir haben aber das Beste daraus gemacht, soviel kann ich schon mal verraten :)  

Wir fuhren wie geplant um halb 6 Uhr über die Grenze und machten uns auf den Weg nach Lutertannen, der Alpsteinexperte merkt gleich - hier stimmt etwas nicht, es sollte doch lt. Prolog von Ost nach West gehen, aber so war auch der Plan, den wir deponierten in der Dunkelheit nur kurz unsere MTB´s und fuhren dann rasch weiter Richtung Lehmen. Doch wollten wir nicht zum x-ten mal via Alp Filder aufsteigen, also war der Plan beim Restaurant Wart zu parkieren und einen der letzten uns unbekannten Wanderwege im Alpstein unter die Sohlen zu nehmen. 

Dort angekommen, mussten wir feststellen das es nur Privatparkplätze vom Restaurant gibt. Doch wie der Zufall es so wollte, kam gerade der Besitzer aus einem Schuppen und wir holten uns von ihm das "OK" für eine kostenfreie Parkierung über den Tag, manchmal läuft es einfach :) 

Wir starteten also um halb 8 Uhr Richtung Talstation Gartenwald, eine sehr schöne Alternative zu den sonst so überlaufenen Wegen im Alpstein. Laut manchem Kartenmaterial wird der Abschnitt zwischen dem Gatter und der Talstation Gartenwald "Kuhschnur" genannt - hier bei Hikr findet man die Bezeichnung aber nicht, weis da jemand was? Vielleicht kann ein Local Auskunft geben? :)

Man kommt jedenfalls gleich richtig in Fahrt, es geht ordentlich hoch, die Waden merkt man sofort :)  Wir kürzten den Weg ein wenig ab und bogen schon einige Höhenmeter vor der Gartenalp rechts weg, relativ weglos geht es durch den Wald. Bis man oben an der Skipiste, die von der Skihütte des Skiclubs Appenzell hinunter führt, rauskommt - 1 Stunde später standen wir an eben jener Hütte und suchten uns den geeignetsten Weg hoch zum Kalberen, nach dem Steilhang über der Hütte kam die Sonne das erste mal in unsere Gesichter - es fühlte sich gut an :)

Den Kalberen kennen wir vom Winter her quasi wie unsere Westentasche, da machte es doppelt Spaß das ganze mal im "Sommer" zu beäugen. Kaum verließen wir den Kalberen, waren plötzlich sehr viele Menschen vor und hinter uns, bis dahin sahen wir keine Menschenseele. Vermutlich fuhr die erste Gondel der Ebenalpbahn bereits um 8:30 Uhr, da hätten wir wohl noch früher aufstehen müssen, aber wir waren uns sicher das nach dem Schäfler als bald wieder Ruhe einkehren sollte - was sich auch bestätigte, die nächsten Menschen sollten wir erst wieder an der Wagenlücken sehen :)

Am Schäfler waren wir dann nach 1 Stunde und 40 Minuten angekommen - machten uns aber direkt auf den Weg Richtung Berggasthaus Messmer via Steckenbergsattel, um von dort zur Wagenlücke hochzuziehen. Ab den Messmerkaminen waren dann schon die ersten harten Schneefelder zu bezwingen, es war hier und da möglich diese einfach zu umgehen, aber es gab meist auch gute Tritte im Schnee, so war dies kein Problem. Nach ziemlich genau 10km standen wir 4 Stunden nach dem Start in der Wagenlücke und genossen eine erste kurze Pause in der Sonne, bevor wir uns an die Bösegg Route machen wollten.

Hier kann ich nur den Bericht von Ivo66 empfehlen, gut beschrieben und bebildert, wir haben leider an den Schlüsselstellen keine Bilder gemacht, denn wir waren mal wieder im Tunnelblick der Gratkletterei gefangen :) 

Es war ein wahrlicher Genuss diesen Grat zu begehen, komplett schneefrei und für echte "Ridge"-Enthusiasten eine wahre Freude - man sollte jedoch schwindelfrei und trittsicher sein! 

Wir förderten unsere Kreativität in den einfach Passagen des Grats und fasselten von "Ridge Racer", "Get ridge or die trying", "we have to ridge the top" oder  "wie heißt nochmal dieser Film mit dem Typen von Kevin allein zu Hause? Achja richtig, Ridgie Ridge" ;) In den anspruchsvolleren Passagen galt unsere Konzentration dann aber doch wieder voll und ganz den Tritten und Griffen des Ostgrats :) 

Nach 5 Stunden und 15 Minuten standen wir dann auf der Terrasse des Alten Säntis, ein kurzer obligatorischer Gipfelbesuch und dann ab in den Stollen rüber zur Himmelsleiter. Hier war wirklich in jedem Tritt noch Blankeis und die Drahtseile taten gute Dienste, vor allem wenn man mit Trailrunningschuhe unterwegs ist :) Aber nach der Himmelsleiter war das Eis Geschichte und es tauchten nur ganz vereinzelt Schneefelder auf, aber auch guter Trittschnee und relativ weiche Verhältnisse - es war also kein Problem zügig vorwärts zu kommen. 

Auf dem Weg entschieden wir uns nicht in die Senke abzusteigen um dem Grauchopf noch einen Besuch abzustatten. So konnten wir den ganzen Schnee in den Karrenfeldern und die damit einhergehenden nassen Schuhe bei einer zwingend fälligen Schneerutschpartie umgehen. Und vor allem auch die Menschenmassen auf dem Normalweg ließen sich so gut vemeiden :) Aber auch hier muss man doch das ein oder andere mal die Hände zur Hilfe nehmen und die Beine mit gezielter Spreiztechnik nach oben schrauben - T4 I würde ich sagen, mit ein bisschen Gespür für Wegfindung stellt der Grauchopf kein Problem dar.

Hinter der Tierwies angekommen, machten wir unsere erste richtige Pause, da wir das Geleistete nun doch schon ein wenig in den Beinen merkten. Die Sonne schien uns ins Gesicht, wir besprachen den weiteren Weg und entschieden uns bereits hier keine weiteren Gipfel mehr mitzunehmen, da wir doch noch einen langen Abstieg im Programm hatten. Im August oder September, bei mehr Zeit im Hellen, wäre diese Entscheidung sicher anders ausgefallen :)   

Die lange Rast tat gut, mit neuem Elan machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Lauchwis, unterließen dann wie besprochen den Besuch von Grenzkopf, Silberplatten und Stoos, da wir noch im Tageslicht bei Lutertannen ankommen wollten. Der Weg zieht sich ziemlich und bekanntlich sind die Wege im westlichen Alpstein ja nicht dazu gemacht wirklich zügig voranzukommen :D Dafür war es hier wieder sehr einsam und schön, das Abendlicht zauberte eine wundervolle Stimmung...nach 9 Stunden und 15 Minuten kamen wir schließlich kurz vor dem Sonnenuntergang in Lutertannen bei unseren Bikes an -Punktlandung. 

Die Pflicht war erledigt, nun folgte die Kür mit etwas mehr als 500HM strampeln bei Nacht :)

Mit den Bikes ging es nun, im immer dunkler werdenden Ambiente, hoch zur Schwägalp - hier pausierten wir nochmals kurz auf der Terrasse vom Hotel Säntis. Dann ging es weiter über die alte Passstraße hoch nach Siebenütten, das meiste war nun geschafft - ab hier war es eine wahre Freude, es ging quasi fast nur noch bergab :) Bei der Potersalp machten wir unsere Stirnlampen aus und genossen den überwältigenden Sternenhimmel der sich uns bot - ganz ohne Lichtsmog eine einmalige Szenerie für Menschen die in der Stadt wohnen :) Den restlichen Weg bis Lehmen und letztlich bis zum Restaurant Wart gaben wir ordentlich Gas und vernichteten so die verbleibenden Höhenmeter in nullkommanix mit großer Freude - eine gelungene Alternative zur Nutzung des ÖVs in Zeiten von Corona, befanden wir :D  

Erschöpft aber glücklich verstauten wir unsere Räder und schauten uns noch ein wenig die Sterne an - bevor wir dann auf den Weg in Richtung Heimat machten...

Fazit:
Ein voller Tag mit vielen eindrücklichen Passagen und genialen Ausblicken bei Traumwetter, machten einen äußerst gelungenen (voraussichtlichen) Wandersaisonabschluss perfekt! Vorausgesetzt es hat nicht wieder 20 Grad an Weihnachten, dann werden wir wohl doch nochmal losziehen müssen :) Aber falls nicht, steigen wir hoffentlich bald auf Tourenski um, also Daumen drücken - wobei mir beides Recht wäre, aber gegen einen feinen Pulver hätte ich ganz sicher nichts einzuwenden - mal sehen was die nächsten Wochen bringen :) 



Hike partners: AlpenSim, schneejogi


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Comments (1)


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UrsulaR says: Ihr Käpsele
Sent 16 November 2020, 10h04
Tolle Tour, tolle Leistung.....bin begeistert und beeindruckt!


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