Pizzo Cramosino, Madom Gröss, Pizzo di Mezzodi und Passo di Piatto


Published by ossi , 30 August 2017, 21h28.

Region: World » Switzerland » Tessin » Locarnese
Date of the hike:29 July 2017
Hiking grading: T6- - Difficult High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-TI   Gruppo Madöm Gross   Gruppo Cima di Gagnone   Gruppo Pizzo Campo Tencia 
Height gain: 1100 m 3608 ft.
Height loss: 2500 m 8200 ft.
Access to start point:Capanna Efra in 3.5 Std. zu Fuss ab Frasco
Access to end point:S-Bahn Lavorgo
Maps:map.geo.admin

Das mit dem Passo di Piatto war eigentlich nicht geplant. Ich wollte über die Bassa della Cognora ins Valle d' Usedi absteigen, Seeger hat der hikr-Welt hierzu einen informativen Bericht geschenkt. Leider betrug in der entscheidenden Phase die Sichtweise sagenhafte 20 Meter, weshalb ich nicht einmal einen zufällig herumstreunenden Airbus A 380 entdeckt hätte, geschweige denn einen schuttigen grauen Übergang in einer ebenso grauen Wolkensuppe.

Capanna Efra - Capanna Cognora (T6-): Teiletappe der Via Alta della Verzasca, wobei man die im Titel feierlich erwähnten Gipfel überschreitet. Die Route ist bestens blauweiss markiert, in den Schlüsselpassagen findet man gut verankerte Stahlkabel und teilweise auch Metallbügel. Wunderbar eindrückliche, vermutlich eher einsame Tour. Für mich persönlich am untersten Rand der T6-Skala, wenn nicht schon darunter. Das tut der Schönheit der Route aber keinen Abbruch.

Anfangs etwas Horizontalwandern zum Aufwärmen, steilt der Weg irgendwo bei Furna in Richtung Pkt. 2503 auf. Hier, nämlich in der Gegend um Pkt. 2503, kann es dem ungeübten Wanderer vielleicht einen Moment lang etwas ausgesetzt vorkommen, anschliessend gelangt man über den flachen Schuttrücken zum Pizzo Cramosino.

Hier erst stelle ich fest, dass die geplanten Gipfelziele alle höher liegen als der Säntis und ich frage mich, ob ich das mit meinen Werten vereinbaren kann: Höher zu steigen als der Säntis klingt irgendwie falsch, unzüchtig, unmoralisch, verwerflich, ich weiss nicht recht...

Auch zum Madom Gröss ist die Route bestens markiert. Der Abstieg in den ersten Sattel ist ohne Verkabelung durchaus anregend, mit Verkabelung sicher und genussreich zu bewältigen. Im Anschluss übersteigt man zwei Türme, die von weitem unnahbar aussehen, zuletzt geht's einfach hoch zum Madom Gröss.

Der Abstieg vom Madom Gröss findet meistens in der Ostflanke statt, man steigt durch ein System von Rinnen und Felsstufen ab und quert erst relativ spät auf den Nordgrat hinaus (alles markiert). Auch dieser Abschnitt ist bestens verkabelt. Bis zum Pizzo di Mezzodi ist aussichtsreiches Wandern angesagt, allerdings verdichten sich heuer die Wolken immer mehr und das Panorama reicht bald nur noch bis zu den Oberschenkeln. Die vielen kunstvoll gestalteten Steinmänner und -frauen erfreuen das Auge ungemein, man sollte hier Eintritt verlangen.

Vom Pizzo di Mezzodi zur Capanna Cognora findet der Freund gut unterhaltenen Bänderriss-Geländes ideale Voraussetzungen vor: Schutt, Schutt und noch mehr Schutt bieten ausreichend Gelegenheit, sich im Stabilisieren der Fussgelenke zu üben. Zum Glück beträgt die Sichtweite immer noch nur spektakuläre 20 Meter, so lassen sich die Dimensionen dieses Hangs nicht ermessen. Weiter unten führt eine gute Wegspur durch Wiesen zur Hütte. Gut markiert, T3.

Die Stimmung ist gut, die Kondition noch besser, das Wetter hellt auf, das Spiel in Lugano ist abgesagt (hehe, zwei Wochen später gewinnen wir das Nachtragsspiel), die Psyche stabil, das Retourbillett gekauft und die Hose sitzt. Es gibt also keinen Grund, die Wanderung mit einem Abstieg nach Sonogno vorzeitig zu beenden.

Capanna Cognora - Passo di Piatto - Chironico - Lavorgo (T3): Ein typischer rotweisser Wanderweg, tolle Wegspur, guter Ausbaustandard. Angeschriebene Wanderzeit gut fünf Stunden. Landschaftlich ist die Wanderung natürlich ein Brüller, Tessiner Bergeinsamkeit in eindrücklicher Umgebung, stundenlang! Eine völlig unerwartet auftauchende, einzigartig zwischen schroffen Wänden gelegene Ebene zuhinterst im Val Chironico ist dann schon fast zuviel für meine zarte Seele, ich breche zusammen wie ein schreiender Teenie beim Anblick eines Justin Bieber.

Von Chironico nach Lavorgo kann man auch den Bus nehmen. Die Strecke hat zwar durchaus seinen Reiz (T1, ein 45-minütiger Spaziergang). Ich wähle die "Zusatzstrecke" aber vor allem deshalb, weil ich keine Stunde auf den Bus warten will. In Lavorgo macht das Warten mehr Spass, es hat nämlich eine Kaffeemaschine am Bahnhof.

Tour im Alleingang.


 

Hike partners: ossi


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