Schrofennas, Tauern und Zunterkopf über'm Plansee: Wanderung hoch über dem "Fjord" der Ammergauer


Publiziert von Vielhygler Pro , 15. September 2015 um 14:46.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Ammergauer Alpen
Tour Datum: 8 September 2015
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1000 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Wenn man die Überschreitung von Ost nach West macht und am Plansee vor dem Hotel Seespitze bei einer Brücke parkt (ohne Gebühr), dann lohnt es sich, bei der Hubertuskapelle Räder zu deponieren.
Unterkunftmöglichkeiten:Unterwegs nichts, sonst Hotels...
Kartennummer:DAV 4/1 Wetterstein- und Mieminger

Die fast durchweg einsamen Berge um den Plansee und den Heiterwanger See herum sind ein wahres Juwel der Ammergauer Alpen. Erklimmt man einen der zahlreichen Gipfel, funkelt  tief unten der fjordartige Plansee in tiefem Blau  und der Heiterwanger See glitzert grün. Auf beide Seen bietet das dreigipflige Tauernmassiv  den wohl schönsten Blick und es bietet sich zudem für eine wunderbare Überschreitung an, die die Vielhyglerin und ich heute angehen wollen...

Das Foto zeigt das kleine Tauernmassiv vom einsamen *Hochjoch (2019 m), einem der westlichsten Gipfel des Danielkammes, aus gesehen. (Das Bild haben wir zwei Tage nach unserer Tauernwanderung gemacht). 


 

Fast wie ein 900 Meter hohes Kreuzfahrtschiff scheint der Bergstock des Tauerns durch die Gewässer von Plansee und Heiterwanger See in einen nebligen Ozean hinauszuzupflügen. Doch zum Glück besteht er aus Stein und ist fest verankert, denn links unter dem Nebelmeer beginnt nämlich gleich Festland: dort liegen in Ufernähe die Ortschaften Reutte und Heiterwang. Viel Platz steht dem Tauern also nicht zur Verfügung. Wie gut, daß er dennoch auf engstem Raum sehr hoch aufragt und somit seine ureigenste Mission als Berg auch für uns Bergsteiger besonders vielversprechend erfüllt. 
Von den drei Tauerngipfeln sieht man auf diesem Bild nur zwei: etwa in der Bildmitte die Schrofennas (1708 m), links davon der Tauern (1841 m), der höchste Punkt, nach dem auch die ganze Gruppe benannt ist. Der wieder etwas niedrigere Zunterkopf (1811 m) liegt verdeckt dahinter.
Der Anstieg vom Plansee aus erfolgt auf der südöstlichen Gratkante, das ist der felsige, schildartige Vorbau im Bild vorne rechts. Erst am höchsten Punkt dieses sogenannten "Gratles" schwenkt der Weg nach Norden zum Hauptkamm. 

Tourenbeschreibungen

gibt es von der Ost- West-Überschreitung schon einige. Sehr informativ fanden wir eine *ältere von felixbavaria und eine *neuere von klemi74. Ob alt oder neu, viel ändert sich am Tauern nicht und das ist ja auch gut so. Details siehe also in den o.g. Berichten. Zusätzlich zu diesen haben wir unsere Fotos an manchen Stellen informativ kommentiert. 
Wir haben uns die Berichte angesehen und uns, was die Überschreitungsrichtung angeht, ganz klar für die Ost-West-Variante entschieden. Da lagen wir richtig, denn die Ostseite ist viel aussichtsreicher und es ist einfach klasse, bei immer besser werdenden Bergblicken den wunderbaren Plansee tiefer und tiefer unter sich zu sehen. Aber auch, was die Wegbedingungen angeht, würden wir es wieder so machen. Der Ostanstieg ist immer gut auffindbar, aber ziemlich verwachsen und steil. Man sieht die glatten Wurzeln und Steine unter dem Gras einfach nicht. Das ist im Aufstieg kein Problem, im Abstieg aber bestimmt etwas nervig. Der Weg nach Westen hinunter ist in seinem mittleren und unteren Teil im Wald nicht besonders steil und wir sind ihn ziemlich rasch hinuntergegangen. Etwas fad war's, dieses letzte Stück, aber was soll's: die zurückliegende Dreigipfeltour ist so toll, daß der Abstieg nichts mehr toppen muß und sich, was die Bereitstellung von Wandergenuß betrifft, vornehm zurückhalten kann.

Bemerkungen 

*Alles was seit Jahrzehnten - immer wieder auf das lächerlichste umformuliert - über den Tauern im AV-Führer steht, kann man getrost vergessen! Weder ist der Tauern "vollkommen isoliert" noch ist der Westanstieg "der einzig sinnvolle Aufstieg". Auch  der ominöse "topographische Zusammenhang" des Tauerns mir dem recht weit entfernten Thaneller wird gar nicht weiter erläutert. "Topographisch" dad i song, hängt leicht was zamm, oder a net... wenigstens fangen die Namen beider Berge mit " T " an...
*Der Zunterkopf hat ein nagelneues Gipfelkreuz. Wir fanden es recht wuchtig und viel zu hoch, aber das ist natürlich Geschmackssache.
*Verhauer? Kurz vor dem höchsten Tauerngipfel haben wir uns einmal verhauen (dann:  I+ und eher T5), wir hätten aber auch gleich und leicht korrigieren können. Wenn's schwieriger wird als T4-, dann ist man falsch.
*In der Ost-West- Richtung lohnt sich ein Bike-Depot an der Hubertuskapelle, so erspart man sich etwa 35 Minuten faden Latscher zur Seekapelle zurück.
*Einsam? Wir haben heute (Werktag) überhaupt niemand getroffen, aber der schon etwas abgetretene, durchgehend markierte Westanstieg zum Zunterkopf wird sicher viel gemacht. Es wird gerade Herbst und die "Kolonne 3. Oktober" packt schon die Rucksäcke und bevorratet sich für den Stau! Aber um die Jagdhütte am Gratle und die Schrofennas herum ist es wohl fast immer einsam.

Bewertung

Tolle und gar nicht lange Tour! Den besten Plansee- und Bergblick hat eindeutig der Ostanstieg über die Jagdhütte zur Schrofennas. Außerdem ist dieser unmarkierte Pfad durch lichten Bergwald mit Kiefern,  Wiesen, Latschen und den Ausblicken einer der schönsten, den wir hier in den Ammergauern überhaupt kennen. Die kleine Jagdhütte ist ein feiner aussichtsreicher Rastplatz. Die Gipfel sind alle frei und die Aussichten und Stimmungen durchweg top. Der Westabstieg: landschaftlich im Wald eher flop, dafür aber schnell.
Tip: Da die Tour nicht sehr lang ist, empfehlen wir die Therme in Reutte zum Chillen. Klein, aber fein...  


Tourengänger: Vielhygler


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Kommentare (2)


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klemi74 hat gesagt: Topographischer Zusammenhang
Gesendet am 15. September 2015 um 16:50
Ich habs ja an anderer Stelle schon mal beschrieben, wie das gemeint ist: In der Regel läuft es bei der Einteilung der Gebirgsgruppen so, dass die Täler die Grenze zwischen den Gruppen darstellen. Grenze zwischen Lechtaler und Ammergauer Alpen ist die Talfurche bei Lähn und Bichlbach. Hier fließt der Bach in den Heiterwanger See, dann in den Plansee und nördlich des Tauern hinab nach Reutte. Somit wäre der Tauern - streng nach üblicher Einteilung - ein Lechtaler. Ist in der Praxis aber (bestenfalls) totaler Käse... Gefühlt verläuft das Tal ab Heiterwang dort, wo auch die breite Straße ist. Der Tauern mit seinen Schrofen und Latschen passt auch vom Typ Berg, der er nun mal ist, viel besser in die Ammergauer Alpen.
Auch nett, dass du den gleichen Verhauer ins T5-Gelände hingelegt hast, wie er mir auch passiert ist. Schön, dass man sich bei der Rückkehr zum Grat an den abgestorbenen Latschen festklammern kann, gell?

Gruß,
Karsten


Vielhygler Pro hat gesagt: RE:Topographischer Zusammenhang
Gesendet am 15. September 2015 um 17:22
Ja, genau, den Latschen tut man oft unrecht..sogar dürre Äste sind oft noch relativ zugbelastbar.
Der Tauern: ein "Gefühlsammergauer" pur! Da darf man es nicht zu streng nehmen. Zum Glück sind wir alle Wanderer und keine Politiker...


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