Gatschkopf 2945m und Parseierspitze 3036m


Publiziert von Sputnik Pro , 17. November 2008 um 21:15.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Lechtaler Alpen
Tour Datum:16 November 2008
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 2220 m
Abstieg: 2220 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von Landeck oder Innsbruck mit der Bahn nach Landeck-Zams. Von dort mit dem Bus nach Grins. Achtung: Am Sonntag fährt kein Bus !
Zufahrt zum Ankunftspunkt:analog Zufahrt zum Ausgangspunkt.
Unterkunftmöglichkeiten:Augsburgerhütte DAV (48 Plätze; Winterraum immer offen; Tel: 0043 - 664 - 950 21 65.
Kartennummer:www.austrianmap.at

PARSEIERSPITZE - EIN MÄCHTIGER KRAXEL-DREITAUSENDER DER SCHWINDELFREIHEIT VERLANGT.

Gegen Ende Oktober kam ein Wintereinbruch und es sah so aus, dass es nun mit den Sommertouren auf 3000er definitiv zu Ende ist. Also plante ich die unglaublich kecke Parseierspitze fürs kommende Jahr 2009. Doch dann wurde das Wetter im November wieder wärmer, der Oktoberschnee schmolz und im nördlichen Tirol fiel nur noch wenig Neuschnee in höheren Lagen - so entschied ich spontan doch noch auf die Parseierspitze zu gehen. Ich fragte Dominik und Roger die auch sofort dabei waren. Und es wurde auch eine  lustige "bomboastische Schlumpfentour" die nach einer Wiederholung schreit. Auf der Hütte machten wir uns bei Bier und einem grossen Topf Suppe gemütlich. Dabei musste ich den Gaskocher mitnehmen, da der Ofen in der Küche kaputt ist - Dominik versuchte trotzdem den Holzofen in Gang zu bringen, leider mit wenig Erfolg und wir wurden wie Würste geräuchert. Nach einer kalten Nacht in der wir einige Lagen Wolldecken benötigten starten wir um fünf Uhr in der Früh, doch dazu weiter unten. Übrigens kann man eine heisse Teeflasche bestens zum Füsse wärmen umfunktionieren...

Die Parseierspitze in der höchste Gipfel und einzige 3000er der Lechtaler Alpen. Die Schartenhöhe beträgt 1243m was ihn als sehr selbständigen Gipfel auszeichnet. Der Gipfel (wie auch der Gatschkopf) besteht aus bräunlichen Mergeln die gegen Erosion sehr empfindlich sind. Jedoch besitzt die Parseierspitze unterhalb vom Gipfel ein rotschwarzes Gesteinsband aus verwitterungsbeständigem Aptychenkalk der den Berg vor grösserer Erosion schützt. Aus diesem Grund ist der Berg deutlich höher als seine Trabanten die keine Aptychenkalkkappe haben. Die Besteigung der Parseierspitze ist technisch nicht anspruchsvoll, doch die Normalroute durch die schnell ausapernde, 200m hohe Südwand ist durchwegs Absturtz gefärdendes Gelände. Die Durchschnittneigung ist 55° und stets Kraxelgelände I+ mit zwei Stellen II (Einstieg und Platte in halber Höhe) - T6 Liebhaber werden hier ein Juwel entdecken können! Leider ist die Wand und die Gasillschlucht steinschlaggefährdet, besonders wenn viele Berggänger unterwegs sind. Für den Aufstieg nimmt man deshalb besser den Umweg über den Aussichtsgipfel Gatschkopf (2945m; T4) zum Grinnerferner unter der Südwand. Der Abstieg durch die Gasillschlucht unterhalb des Grinnerferner ist dann ein letztes Highlight der Tour. Zu den Felsabbrüchen wird er von oben kommend immer Steiler und man überwindet die steilen Stellen klettersteigartig mit Tritten und Drahtseilen (T5).

Gatschkopf (2945m): Über einen sehr abwechslungs- und aussichtsreichen Steig erreicht man die auf einem Felsbalkon gelegenen Augsburgerhütte (2289m). Der untere Teil des Weges führt durch ausgedehnter Latschenkieferwald. Wir hatten das Pech, dass Nassschnee auf den Nadelbäumen lag; dadurch bogen sich die Äste so dass sie oft den Weg versperrten und wir Schnee in den Nacken abbekamen. Doch nach 3½ Stunden war die schöne Hütte erreicht und wir wurden mit einer schönen Abendstimmung belohnt. Müde ging es am anderen Morgen weiter auf den Gatschkopf. Der bestens markierte Weg führt im Zickzack stets nach Oben. Eine steilere Felspassage wird auf Kalkbändern umgangen wobei man auch kurz die Hände benötigt. Kurz vor Erreichen des Gipfels erlebten wir wieder einmal einen prächtigen Sonnenaufgang. Und so wanderten wir über die oberste Schutthalde in wärmendem Sonnenlicht auf den geräumigen Gipfel mit Kreuz und Steinmann auf dem höchsten Punkt. Die Aussicht ist schon auf dem Gatschkopf ausserordentlich weit - doch wie wird sie wohl von der im Westen stehenden, wuchtigen Parseierspitze sein?

Parseierspitze (3036m): Auf Firnfelder rutschten wir vom Gatschkopf schnell in die Patrolscharte (2848m) ab. Etwas mühsam über Platten und Geröll gelangten wir anschliessend auf den Grinnerferner unter der Parseierspitze Südwand. Wir querten unter der Wand bis zu dessen Mitte wo man eine rotes Kreuz erkennt. Die Route durch die Wand ist mit so vielen mit roten Punkten markiert, so dass man sich kaum verirren kann! Wie schon beschrieben ist die Wand nicht besonders schwierig aber man muss absolut schwindelfrei sein. Ein Seil nützt hier wenig, denn es gibt nahezu keine Sicherungsmöglichkeiten. Der Fels ist bis auf den Einstieg überraschend fest und Freunde von solchen Routen werden hier ihre Freude haben. In der Wand hatte es noch einige Restschneefelder und Dominik fühlte sich deshalb nicht so sicher. Er stieg schon im unteren Wandteil wieder ab - schade, ich hätte ihm gerne auf dem Gipfel gratuliert.  Aber manchmal ist's besser rechtzeitig Umzukehren wenn die Tagesform nicht passt, um später mit neuen Erfahrungen wieder zu kommen und auf dem Gipfel zu stehen... So kletterten Roger und ich genüsslich weiter bis wir unerwartet das Gipfelkreuz wenige Meter oberhalb erblickten. Oben konnten wir uns bei stahlblauem Himmel kaum satt sehen, doch wir mussten wieder ins Tal. Dank dem Abstieg über die spannende Gasillschlucht waren wir bald auf der Augsburgerhütte wo wir unser zurück gelassenes Material einpackten und ins Tal wanderten wo inzwischen die Latschenkiefern schneefrei waren.

Genaue Route: TAG 1: Grins - Freibad - Homerskreuz - Gasillboden - Muesmannruhe - Augsburgerhütte. TAG 2: Augsburgerhütte - Gatschkopf - Patrolscharte - Grinnerferner - Parseierspitze - Grinnerferner- Gasillschlucht - Augsburgerhütte - Muesmannruhe - Gasillboden - Homerskreuz - Freibad - Grins.

Tourenbericht von Dominik: http://www.hikr.org/tour/post9693.html
Tourenbericht von Roger: http://www.hikr.org/tour/post9696.html


Tourengänger: Sputnik, Schlumpf, Bombo

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T4 I
16 Nov 08
Gatschkopf 2945m · Bombo
T6 WS- II

Kommentare (10)


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Tef Pro hat gesagt: Gratulation!
Gesendet am 17. November 2008 um 21:31
toll gemacht! mit Spannung haben wir den Bericht erwartet, da es ja auch unser Ziel ist. Leider waren wir Samstag Abend verplant, aber der Bericht macht Lust auf nächstes Jahr! Und es gibt ja noch andere Ziele, die man mal gemeinsam packen kann (z.B. der Patteriol?). Beste Grüße
Tef

Sputnik Pro hat gesagt: Patteriol 3058m
Gesendet am 18. November 2008 um 09:39
Salü Tef,

Danke, schade dass ihr keine Zeit gehabt hattet - es war echt eine geniale Tour. Wünsch Euch jetzt schon viel Spass bei der Parseiertour!

Für nächstes Jahr habe ich noch 3 A-Gipfel vor: Hoher Riffler mit Ski sowie Patteriol und Kuchenspitze im Sommer. Ich werde die Touren sicher in die Community eintragen, wäre genial wenn eine kleine Hikr-Tour daraus wird :-)

Viele Grüsse !

Sputnik

Fenek hat gesagt: Beeindruckend...
Gesendet am 17. November 2008 um 21:55
....eure Tour. Auch von mir Gratulation!
Da habt ihr grad den richtigen Tag erwischt, die Fotos sprechen für sich.

Grüsse
Fenek

Sputnik Pro hat gesagt: Danke Fenek !
Gesendet am 18. November 2008 um 09:40
Bis bald mit Ski im Berner Oberland, freue mich darauf! :-)

Grüsse Zurück!

Sputnik

goppa hat gesagt: Herrliche Bilder ...
Gesendet am 17. November 2008 um 22:46
... wie bei dir üblich, deine Berichte sind deshalb immer ein Genuß. Schöner 3000er - es ist schon einige Jahre her, als ich dort war. Überschreitung der Parseierspitze über Ostgrat und Südwand.

Sputnik Pro hat gesagt: Parseierspitze Ostgrat
Gesendet am 18. November 2008 um 09:42
Danke!

Der Ostgrat hätte mich auch gereizt. War mir aber ohne Seil nicht sicher den zu versuchen. Hast Du Fotos von deiner Tour?

Gruss,

Sputnik

goppa hat gesagt: RE:Parseierspitze Ostgrat
Gesendet am 18. November 2008 um 21:47
Servus! Fotos habe ich leider keine, es war noch vor der digi-Zeit. Wir sind es damals in einer 3-er Seilschaft gegangen, mit Schwierigkeit 2-3 im trockenen Fels ein Genuß, bei der derzeitigen Schneelage aber ohne Seil sicher nicht empfehlenswert, wie du selbst festgestellt hast. Wäre wieder mal ein Ziel...

Löxli hat gesagt: Wow Jungs!
Gesendet am 17. November 2008 um 23:05
Gratuliere zu der genialen Tour. Da wird man ja grad neidisch :-). So schöne Bilder...

Äs liebs Grüessli
Miri

Sputnik Pro hat gesagt: Heje Miri :-)
Gesendet am 18. November 2008 um 09:43
Danke, das nächste Mal kommste einfach mit! :-)

LG zurück !

Sputnik

bergclaus hat gesagt: Gratulation
Gesendet am 20. November 2008 um 15:09
Ich habe Deinen schönen Bericht mit Freude gelesen.
Am 02.09.2008 habe ich mit einem Spezl die Tour genauso wie Du sie beschrieben hast, durchgeführt. Das war natürlich nix besonderes und auch nicht so schwierig, aber auch wir waren quasi allein. Es ging keiner auf den Gipfel an diesem Tag.
Nochmals Glückwunsch und weiterhin schöne Touren


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