Piz Linard 3411m, Nordostgrat


Published by whannes , 29 August 2008, 11h00.

Region: Monde » Switzerland » Grisons » Basse Engadine
Date of the hike:27 August 2008
Waypoints: Chamanna Marangun 2025m. 6642 ft. (2) Piz Linard 3411m. 11188 ft. (7) Chamanna dal Linard CAS 2327m. 7633 ft. (4)
Geo-Tags: Piz Linard-Gruppe   CH-GR 
Time: 5:00
Height gain: 1400 m. 4592 ft.
Height loss: 2000 m. 6560 ft.
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Mountaineering grading: AD
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Access to start point:Mit ÖV bis Lavin, anschliessend zu Fuss in max. 2h bis zur Chamanna Marangun.
Access to end point:Wie Ausgangspunkt
Accommodation:Chamnna Marangun, Chamanna Linard
Maps:Silvretta 1198

Der Piz Linard ist mit 3411m der höchste Gipfel der Silvrettagruppe und besticht von Norden her durch seinen Pyramidenartigen Aufbau. Unzählige Routen von WS bis SS führen über alle Grate und Wände auf den Gipfel. Allen gemein ist,  dass sie durch äusserst brüchiges und steinschlägiges Gelände führen.

Wir entschieden uns über den längsten der Grate, den Nordostgrat (ZS), aufzusteigen und anschliessend über den Südostgrat (ZS) wieder abzusteigen. Letzteres unterliessen wir dann aber nach einer  unangenehmen Bekanntschaft mit dem instabilen Gelände und entschieden uns, über die einfachste Route, durch die Südwand (WS), abzusteigen.

Start war um 6:00 in der äusserst gemütlichen, unbewarteten Hütte Chamanna Marangun auf 2025m im landschaftlich sehr reizvollen Val Lavinuoz. Gemäss Führer (Stand 1985) soll man mühsam dem tobelartigen Aufbau Richtung Val Muntanellas folgen und bei geeigneter Stelle in den Grat einsteigen. Nach vorabendlicher Besichtigung entschieden wir uns aber, zuerst rechts dieses Tobels über Gras und durch Alpenrosen aufzusteigen und dann weiter oben (ca. 2300m) auf die andere Seite zu queren. Der Einstieg in den Grat erfolgte sogleich, wobei dieser im unteren Teil noch nicht so sehr ausgeprägt ist.

Es folgten 1100m Aufstieg in leichter Kletterei (I-II Grad) unterbrochen durch einzelne Stellen im III-Grad (welche man in der Regel aber auch hätte umgehen können) und mühsame Schutt- und Geröllfelder. Hindernisse wurden östlich umgangen.

Während des ganzen Aufstiegs konnten wir keine einzige menschliche Spur entdecken. Der Nordostgrat ist sehr einsam, nur Gämsen boten uns gelegentlich etwas Gesellschaft an. Untermalt wir der Aufstieg durch das Rauschen herunterrasselnder Steine, deren Auslösung ein unvermeidbares Übel des ganzen Aufstiegs darstellt. Überhaupt ist das Gelände sehr brüchig und man tut gut daran, Tritte und Griffe sorgfältig zu prüfen, bevor sie belastet werden.

Nach fünf Stunden erreichten wir den Gipfel, welcher eine grandiose Aussicht über die ganze Silvretta und das Berninamassiv bot.

Für den Abstieg planten wir, über den Südostgrat wieder ins Val Lavinuoz zur Hütte abzusteigen. Ungefähr 200m unterhalb des Gipfels löste sich jedoch ein Steinblock und viel mir an das Fussgelenk. Wegen des  unübersichtlichen, brüchigen Geländes und der leichten Verletzung entschieden wir uns, zurück auf den Gipfel zu steigen um anschliessend die Route durch die Südwand anzugehen. Diese ist problemls und durchgehend mit Wegspuren versehen. Schneefelder konnten wir umgehen oder abrutschen, die Steigeisen hatten wir nach Absprache mit vorgängigen Besteigern in der Hütte gelassen.

Der Abstieg via Südwand hatte allerdings zur Folge, dass wir bis nach Lavin ab- und anschliessend wieder zur Hütte aufsteigen mussten (wo sich noch unser Materialdepot befand),  insgesamt also 2200m Auf- und Abstieg.

Fazit: Eine landschaftlich äussert reizvolle und sehr einsame Tour. Der Fels ist brüchig und während des Aufstiegs löst man unvermeidbar Steinschlag in Richtung Ostwand aus.  Für den Abstieg via Südwand nimmt man besser Steigeisen und Pickel mit, es können sich vor allem im Frühsommer auch noch einzelne steile Schneefelder in der Route befinden. Seilsicherung ist kaum verantwortungsvoll möglich und meiner Meinung nach wenig sinnvoll.

Hike partners: whannes

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Comments (4)


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goppa Pro says: Bravo zur Linard-Überschreitung
Sent 29 August 2008, 21h39
... wenn auch nicht alles nach Plan gelaufen ist. Aber mit den einsamen Routen ist es eben so eine Sache, niemand hat den Schotter vor einem runtergeräumt. Bin bisher auch nur SO, SW und Normalweg auf den Linard gestiegen - ein herrlicher Gipfel übrigens - aber die Brüchigkeit des Gesteins verfolgt dich dort überall!
Weiterhin viel Glück

KFV says: Gratulation zum höchsten Silvrettagipfel...
Sent 2 September 2008, 11h44
... und das ihr heil (bis auf deinen Knöchel) rauf u. und runter gekommen seit - bei dieser allseitig ganz schön steinschlägigen Pyramide .
Mußtet ihr ganz bis Lavin absteigen oder gibt's (mittlerweile) einen Steig 'um die Ecke' ins Val Lavinouz ?
Schade übrigens, dass Du keine Gipfelbilder hereingestellt hast - ich bin auf der Suche nach aktuellen Aufnahmen vom gegenüberliegenden Chapütschin (3232 m) - auch Plattenhörner, Vadret Saglains, La Cudera u. Piz Fliana wären interessant.

Ciao.

urs says: Gipfelbilder
Sent 3 September 2008, 18h39
Ich habe auf einer Wanderung über die Jöriseen einige Fotos gemacht, schau mal unter: http://www.gyseler.net/gallery2/main.php?g2_itemId=30628

whannes says: RE:Gratulation zum höchsten Silvrettagipfel...
Sent 6 September 2008, 19h43
Wir sind bis Lavin abgestiegen. Wahrscheinlich könnte man sich schon irgendwie über den Ausläufer des Südostgrates kämpfen.

@Bilder: Ich habe noch zwei Gipfelaussichten hunzugefügt ;-)


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