Hächlengrat - Bützistock - Spitzmeilen


Publiziert von Delta Pro , 11. Juni 2014 um 11:29.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 8 Juni 2014
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-SG   Spitzmeilengruppe   Schilt-Mürtschengruppe 
Zeitbedarf: 10:00
Aufstieg: 2540 m

Von Glarus nach Flums – wunderschöne Zweitages-Weitwanderung über 22 Gipfel (1. Tag)
 

Eine Tour mit vielen Etappen und unterschiedlichem Charakter stand heute auf dem Programm. Der erste Teil führte sglider und mich über den sehr lohnenden Hächlengrat auf den Hächlenstock über Ennenda und dann weiter auf den Gufelstock. Nach diesem gemütlichen Auftakt zog ich alleine weiter über Grate und Gipfel gegen Osten bis ich am Fusse des Wissgandstöckli mein Biwak aufschlagen konnte. Mit gut 2500 Höhenmetern war dies doch eine recht lange, aber wunderschöne Tour in meiner Heimatregion.
 

Hächlengrat (T5)
Erstaunlicherweise gibt es wenig Beschreibungen vom Hächlengrat, dem langen, einladenden SW-Kamm des Hächlenstocks, nur einen Kurzbericht von justus. Gemäss Alpinführer ist die Route ein T4, die Ausführungen sind aber so knapp, dass man nicht einmal genau versteht, wo es lang geht. Der Aufstieg bietet tatsächlich keine grösseren Schwierigkeiten, ist stellenweise aber doch steil und erfordert etwas Gespür für die richtige Route. Insgesamt aber eine absolut lohnende, landschaftlich sehr schöne und aussichtsreiche Linie.

Vom Bärenboden auf dem Wanderweg zum Älpeli, wo wir die vielen anderen Wandervögel hinter uns lassen. Aufstieg am Schluss durch steileres Gras zum Grat, den man etwa auf 1900 m.ü.M. erreicht. Der Grat weist im Anschluss drei felsige Höcker auf, welche man allesamt in der Westflanke umgeht. Den ersten und dritten könnte man auch übersteigen. Nach einer Scharte stellt sich ein recht happiger Aufschwung in den Weg. Dieser könnte an verschiedenen Stellen exponiert erklettert werden (T5-T6). Nach einigem rumprobieren entscheiden wir uns auch hier zur Umgehung, queren aufsteigend in der W-Flanke und finden schliesslich eine Grasrampe, die steil, aber gut gestuft zum Grat zurückführt (braves T5). Weiter alles einfach über den Grat zum Gipfel.
 

Hächlenstock – Gufelstock (T4)
Die Überschreitung vom Hächlenstock über Heustock, die beiden Höchs zum Gufelstock ist schon vielfach beschrieben und gehört zu den schönsten Gratwanderungen im Glarnerland. Obwohl die Route nicht markiert ist, wird der Pfad oft begangen (kaum T4). Die Absicherung mit einer Kette und die grosszügigen Umgehungen in der Flanke wirken fast etwas übertrieben. Am schönsten folgt man strikte der Gratschneide, so wie ich das schon bei meiner letzten Begehung vor 10 Jahren gemacht hatte, als die Route noch nicht so ausgetreten war. Dort gibt es ab und zu leichte Kraxelei (T4+), die aber durchwegs sehr angenehm ist.
 

Bützistock-Traverse (T5+, II)
sglider begibt sich auf den Rückweg zum Bärenboden und für mich beginnt der zweite Teil der Tour. Eine ideale Schneefeld-Abfahrt bringt mich durchs Chlotel (im Sommer T5 mit etwas Kraxelei, jetzt durchgehend Schnee) in 10 min zur Widdersteiner Furggel. Anschliessend Aufstieg über den langen W-Grat zu Rottor und Bützistock. Dieser weist in seiner Mitte eine trotzige Felsbastion auf, die ich letztes Mal (im Nebel einen Abstieg suchend) weit ausholend in der Nordflanke umgangen hatte. Nun liegen dort steile Schneefelder und ich knacke den Aufschwung über ein unscheinbares Grasband, das unmittelbar nach der ersten Stufe ansetzt (Gamstritte, T5, etwas exponiert). Weiter zum Rottor, wo ich den ersten Gipfelbuch-Eintrag im 2014 mache. Der Bützistock ist immer wieder eine Wucht aus dieser Perspektive. Abstieg in die Scharte über gut gestuften Fels und über den doch recht schmalen Grat zum kurzen aber ausgesetzten Aufschwung zum Bützistock (T5, II). Mein Gipfelbuch (nass) und mein Steinmann sind beide dahin (wie auf Hikr schon früher berichtet). Da die Gamelle noch intakt ist, muss ich davon ausgehen, dass sie einmal jemand offen gelassen hat.

Unangenehmer Abstieg durch die Südflanke bis auf einem Gemswechsel wieder gegen den Heustock aufgestiegen werden kann. Ziemlich erstaunt erblicke ich hier einen anderen Alpinwanderer, der im Begriff abzusteigen über der Schlüsselstelle sitzt und wartet bis ich den luftigen Schritt beim verstürzten Gamspfad vorgemacht habe (T5+). Anschliessend über den Heustock und durch die Nordflanke absteigend (T5) an den Fuss der Tristelhoren. Deren schmalen, höchsten Turm hatte ich schon zwei Mal bestiegen. Beim letzten Besuch hat es auch mit der Überschreitung geklappt, allerdings von Nord nach Süd (für mich klar T6, für PStraub ein T5). Diesmal gehe ich über den wackeligen Grat nur zum höchsten Punkt und schenke mir die mühsame Steilstufe dahinter.
 

Wissmilen / Spitzmeilen (T4, II)
Vorbei an den Chammseen an den Fuss des Ruchsitenstöckli, das ich überschreite (Abstieg T4). Anschliessend muss man den Grat verlassen, da der Magerrain eine Sackgasse auf dem Weg nach Osten ist. Ich steige in die Mulde der Hängeten Böden und dann über das schneefreie Hüenderplänggli zum Wissmilenpass. Im wunderschönen Abendlicht, das die farbigen Felsen ideal in Szene setzt über den Wissmilen und zum Spitzmeilen. Das Aufstiegscouloir ist zwar steil, der Fels aber gut gestuft und es sind durchgehende Fixseile vorhanden (T4, II). Ich wandere vorbei an der Schönbielfurggel in die weite Ebene von Schaffans, wo ich einen idealen Biwakplatz mit Abendsonne finde.

Dank den warmen Temperaturen und meinem neuen Biwak-„Rucksäckli“, das ich für 19.90 bei Aldi (…) gekauft hatte und nach wenigen Eingriffen mit den Schere das stattliche Gewicht von 290 Gramm (!) erreicht, ist meine Camping-Ausrüstung noch einmal leichter geworden.
 
Am nächsten Tag weiter über Wissgandstöckli und Hochfinsler zur Schönhalde
 

Durchgangszeiten:
Bärenboden: 9.15
Gufelstock: 14.15
Bützistock: 15.35
Wissmilen: 18.20
Schaffans (Biwak): 19.20


Tourengänger: Delta, sglider

Galerie


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Kommentare (2)


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justus Pro hat gesagt: hächlengrat
Gesendet am 12. Juni 2014 um 07:28
der hächlengrat ist wirklich eine geradezu verkannte alternative im schiltebiet. glückwunsch zu eurer tour.

der bericht ist zwar etwas kurz geraten, aber hier habe ich den grat einmal beschrieben. ist dies der aufschwung, den ihr umgangen habt? der ist ziemlich exponiert aber einfach. auf diesem bild sieht man den aufstieg gut.
/justus

Delta Pro hat gesagt: RE:hächlengrat
Gesendet am 12. Juni 2014 um 17:11
Danke für die Info. Deinen Bericht hatte ich verpasst. Mein Text ist nun angepasst.
Die beste Route über die Steilstufe war uns schon klar. Wir waren am Einstieg, es sah aber doch arg ausgesetzt aus. Mit der Umgehung lässt sich diese Stelle aber einfach knacken.
Gruss Delta


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