Sibe Hängste und Sigriswiler Rothorn Traverse


Publiziert von Delta Pro , 23. Mai 2014 um 22:35.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Berner Voralpen
Tour Datum:22 Mai 2014
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 7:15
Aufstieg: 1720 m
Strecke:22 km

Über zwei Bergketten - eine eindrückliche Wanderung mit vielen Höhepunkten

Die Verbindung der Traverse der Sieben Hengst und der Rothorn-Kette drängt sich geradezu auf. Dennoch scheint dies noch kein Hikr verwirklicht zu haben. Die Wanderung ist weit, aber absolut lohnend. Trittsicherheit ist an einigen Stellen angezeigt, aber wirklich schwierig wird es nirgends.
Zusammen mit dem Auftakt am Abend zuvor (Hohgant-Überschreitung) ergab sich doch eine recht lange und strenge Tour, eine bestechende Querung vom Emmental zum Thunersee, immer der äussersten Voralpenkette folgend. Der eigentlich Höhepunkt des Tages waren aber nicht das Dutzend Gipfel, sondern die fantastische Morgenstimmung in den Hochmooren des Seefelds. 


Mit dem ersten Licht wandere ich los und durchquere mit den ersten Sonnenstrahlen das Hochmoor unter den Sieben Hengsten. Eine wunderschöne Stimmung! Beim Mittleren Seefeld nehme ich den markierten Pfad zum Tropfloch, einer einfach zugänglichen Karsthöhle. Trotz Stirnlampe schaffe ich es aber nicht die - gemäss Info-Tafel - "941 m des Labyrinths" abzugehen. Nach den ersten ca. 50m kommt man nur noch kriechend in den engen Gängen weiter und mit den vielen Seitenarmen kann man schnell die Orientierung verlieren.

Vom Höhleneingang nun weglos weiter gegen die Hengste. Dabei muss an geeigneter Stelle über einige Felsstufen abgestiegen werden, bevor der Weg frei ist zum relativ selten besuchten Ostgipfel Pt 1952 der Sibe Hängste. Auf einem hübschen Pfad wandert man anschliessend durch die Karrenfelder meist leicht unterhalb der Kante (T3). Einige der Gipfel werden auch überschritten - ob's nun wirklich 7 waren habe ich nicht gezählt. Freiwillige "Schlüsselstelle" ist das tiefe Loch unterhalb des westlichen Hauptgipfels (Pt 1952), auf Hikr als Sichle (?) bezeichnet. Man könnte das Loch einfach links umgehen. Da ich mir den Gegenanstieg ersparen wollte, stieg ich nahe des Abbruches nach Westen in den Spalt ab und sprang über diesen auf einen Felsvorsprung in der gegenüberliegenden Wand. Von dort kann man wieder hochklettern - nette Turnaktion. Der höchste Gipfel der Hengste, Pt 1955, Schiben, wird wahrscheinlich selten besucht. Auf jeden Fall fand ich auf dem unbedeutenden Grasgupf weder Steinmann, noch sonst etwas.

Ein nicht markierter Pfad vermittelt den Übergang von den Sieben Hengsten zur Sichle. Dieser setzt in der Scharte südlich der Schiben an, ist zwar steil, aber gut begehbar. Nach einigen Kehren leitet der Weg auf ein schmales Band unmittelbar unter den senkrechten Wänden und führt auf diesem zuerst horizontal, dann absteigend zur Sichle (T4). Für den Gegenaufstieg zum Burst folge ich zuerst einem selten begangen, aber spärlich markierten Wanderweg (von der Sichle zuerst etwas auf dem Kamm hoch, dann auf einem Gemspfad queren bis man den Weg erreicht). Wo der Wanderweg (bis dorthin T3) links in die Flanke abzweigt (1780 m.ü.M.) steige ich geradeaus weiter durch recht steile, aber erstaunlich gut gestufte Grashänge zum Burst, dem Eckpfeiler der Rothorn-Kette. 

Gemäss den Beschreibungen von Lokalmatador Zaza ist die komplette Überschreitung der Schaflägerzähne nur etwas für starke Nerven. Somit wollte ich dem Grat, wie hier beschrieben, nur bis zum höchsten Punkt, Pt 1952, folgen und dann nach Süden zum Schäferhüttli-Weg absteigen. Der Grat ist durchaus schön, teilweise etwas exponiert, aber überall gut zu begehen (T5). Auf dem Gipfel sehe ich Zazas Grasflanke nicht, der Grat sieht jedoch weiterhin nett aus. Also folge ich ihm noch rund 200m weiter, bis die erste giftige Scharte kommt. Keine Lust! Kommt man auch hier zum Weg runter? Die von mir gewählte Route entspricht wohl nicht der vorgeschlagenen, den sonst hätte der Kollege wohl was von den zwei eher mühsamen Felsstufen (T6) geschrieben...

Vom Schäferhüttli Gegenanstieg zum Geyerhorn - hier gibt's neben einem Geier ein perfektes Gipfelbuch: Ein ganzes Etui mit kompletter Farbpalette wartet auf den Schreiberling. Erster Eintrag im 2014. Weiter zum Mittaghorn und in ganz netter Kraxelei (T4-T5) über den Grat. Nun steige ich zum Nordgrat des Rothorn-Nebengipfels auf. Anfangs in der Ostflanke, im steilsten Bereich entlang der Kante. Ich bin fast etwas enttäuscht: Der Aufstieg sah schwieriger aus. Auf dem recht oft begangenen Weg ist's gerade mal T4. Weiter zum Sigriswiler Rothorn, wo ich den einzigen anderen Wanderer der gesamten Überschreitungstour treffe. 

Der letzte Abschnitt führt mich zur Merra. Dieser nette Grat kann komplett überschritten werden (Stellen T5). Der Steinmann steht nicht auf dem höchsten Punkt, sondern vorgelagert auf dem letzten Kopf des Grates. Als würdigen Schlusspunkt gönne ich mir noch die Spitzi Flue, ein auf Hikr schon zur Genüge beschriebener Felszahn. Die Normalroute ist tatsächlich nicht schwierig zu klettern (II+), wenn man ohne Seil hochgeht (alles komplett mit Bohrhaken eingerichtet), muss man sich aber schon sicher sein. Genialer Ausblick! Abstieg auf den Wanderwegen nach Sigriswil, wo ich 22 Stunden nach dem Start im Kemmeriboden (mit 10 Stunden Nacht-Pause) diese schöne Traverse abschliesse. 


Durchgangszeiten:
Arni (Biwak): 6:05
Siebe Hängste (Ostgipfel): 7:35
Burst: 9:00
Sigriswiler Rothorn: 11:10
Sigriswil: 13:15

Tourengänger: Delta

Galerie


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Kommentare (1)


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Tobi hat gesagt: Tolle Kombinationen
Gesendet am 24. Mai 2014 um 10:42
Hallo Delta

Eine tolle Kombination hast du da hingezaubert! Diese Überschreitung schwirrt schon länger in meinem Kopf herum.
Gäbe es eine Unterkunft in der Nähe des Grünebergpasses, ergäbe die Kombination aus Schrattenfluh, Hohgant und dieser Überschreitung eine herrliche Dreitagestour. Oder eine gewaltige Monstertour. Beides liesse sich mit Pilatuskette - Schimbrig - Schafmatt als Vorspeise noch beliebig ausdehnen...

Wünsche weiterhin tolle Touren,

Gruss Tobi


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