vergessene Pfade, Wilderness und Bütlasse


Publiziert von babu , 26. August 2013 um 22:43.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Jungfraugebiet
Tour Datum:15 August 2013
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Strecke:Griesalp - Gspaltenhornhütte - Gamchibalm - Bütlasse - Sefinafurgga - Obere Dürreberg - Griesalp

Also ich geb's ja zu, ausgetretene Pfade sind nicht so mein Ding... Eigentlich eher aus Zufall bin  ich eines Tages auf ein interessantes Bild der Bütlasse gestossen, welches die verschiedenen möglichen Zustiege zum höchsten Punkt derselben Gipfels aufzeigt. Und da ist mir gleich eine Route ins Auge gestochen, welche auf den ersten Blick doch eher unkonventionell aussieht. Aha, via Südwestflanke ist der Nachbar des Gspaltenhorns also auch besteigbar? Schnell sind die nötigen Informationen im Online-Datenhighway zusammengetragen und die Puzzleteile zum neuen Projekt "büschelet".... Sieht alles im Rahmen des Möglichen aus, nun fehlt nur noch die Zeit und die Musse für die Umsetzung.

Heute soll's also sein, die Begehung des vergessenen Pfades. Wir starten bei der urtümlichen Gspaltenhornhütte. Die Besteigung der Bütlasse wäre auch in 1 Tag machbar, wir gehen's jedoch gemütlicher an. Gegen einen Sonnenuntergang mit Hüttenromantik ist schliesslich nichts einzuwenden. Leider nur waberte der Nebel bereits am Nachmittag knüpeldick ums Hauseck und so war nichts mit dem tiefroten Sonnenuntergang und dem verträumten Blick gen Horizont.... ;-).

Die Nacht war ruhig und ausnahmsweise doch etwas länger. Die Gspaltenhornaspiranten hüpften um etliche Minuten früher aus den Federn. Wir begnügen uns mit dem Wanderer-Frühstück und sind demzufolge erst um 8 Uhr startklar.

Rund 150 Höhenmeter können auf dem Gspaltenhornpfad zurückgelegt werden. Wir profitieren möglichst lange von dieser Spur, queren schliesslich auf mühsamen und steilem Geröll auf halber Höhe das erste Schneefeldes (Klick) . Der Schnee ist pickelhart, das sichere Traversieren bedingt entweder das Montieren der Eisen oder das Schlagen von Tritten mit dem Pickel. Wir wählen die 2. Variante, da es sich um ledigliche 8 Meter handelt. Die ersten Schweisstropfen drängt es trotzdem auf unsere Stirne, den ein Ausrutschen ist an dieser Stelle absolut tabu! Weiter gehts aufwärts im steilen und losen Gelände querend zum ersten Felsgürtel der Flanke. Unsere Vermutung für die Ortung des Einstieges ist goldrichtig, eine Punktelandung sozusagen. Wir fühlen uns kurzzeitig wie Seefahrer aus längst vergangener Zeit, welche mit Fernrohren den Horizont absuchen und schliesslich das heissersehnte Festland erspähen... Die Markierung ist sehr vergilbt, ursprünglich war das wohl mal ein knallroter Pfeil (Klick). Die Spannung steigt, wollen wir doch wissen weshalb dieser Aufstieg so in Vergessenheit geraten ist.

Der Einstieg wischt gleich alle Skeptik vom Tisch, der Felsen ist bombenfest (kein Vergleich zum doch etwas mühvollen Aufstieg bis zum Wandfuss). Nach 5 steilen Klettermetern lehnt sich das Gelände bereits wieder zurück und in genussvollem Gekraxel gehts zuerst in einem Trichter und dann rechtshaltend auf einem Kalkband stetig aufwärts. Über uns türmen sich die mächtigen Felswände. Die weissen Einschlagspuren im grauen Kalk zeugen von steinschlägigem Gelände. Wir steigen deshalb zügig aufwärts, immer mit neugierigem Blick nach oben gerichtet. Die Wegfindung gestaltet sich nicht als allzu schwierig, Wegspuren oder dergleichen sind hier jedoch Mangelware (höchstens 2 - 3 ausgeblichene Pfeile sind zu entdecken). Liebhaber von wilden Aufstiegen mit dem gewissen Etwas kommen hier voll auf ihre Kosten. Wir sind begeistert.

Bald einmal drehen wir uns wieder nach links zum Grat und erreichen denselben beim Punkt 2'946. Der Blick wird frei zum Kiental und die Sonne grüsst uns mit ihren Strahlen. Nun ist's nicht mehr allzu weit bis zum Gipfel. Wir folgen dem Westgrat und verlassen diesen erst bei etwas 3'000müm. Die Kletterei hart am Grat ist wunderschön, der Fels ist kompakt und die Aussicht bahnbrechend. Die letzten 150 Höhenmeter legen wir auf dem kurzweiligen Nordgrat der Bütlasse zurück. Um diesen zu erreichen queren wir das harte Firnfeld und ziehen hierfür die Steigeisen an. So können wir doch die gesamte Hardware einsetzen und haben keinen "Ladenhüter" im Rucksack.

Der Gipfel steht zentral und prominent in einer gewaltigen Alpenarena, wir können uns kaum sattsehen und lassen uns ein bisschen vom Charme der Blüemlisalp verzaubern...;-). Item, nach längerem Aufenthalt auf dem höchsten Punkt gehts auf dem Normalweg wieder in tiefere Gefilde. Das Couloir zur Überwindung des vorderen Bütlassen-Felsgürtels ist dann doch eher wieder etwas zum Abgewöhnen, praktisch jeder Handgriff muss beim Runtersteigen geprüft werden. Der Schotter liegt sehr lose und jeder Tritt kann Aufstiegsaspiranten in Bedrängnis bringen. Nach der letzten Hürde dieses Tages sind wir uns einig: der einsame Südwest-Anstieg ist im Gegensatz zum Normalaufstieg via Couloir um ein Vielfaches schöner!

Via Sefinenfurgge erreichen wir schlussendlich ziemlich müde aber um eine wunderschöne Besteigung reicher wieder die Griesalp. Die Rundtour wird mit dem obligaten Weissbier gebührend abgeschlossen, mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht...;-).



Tourengänger: BaumannEdu, babu, hebu


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Kommentare (2)


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Ursula hat gesagt: wunderbar!
Gesendet am 10. Mai 2014 um 19:34
Hallo Babu

Diese Tour werden wir mit Vergnügen bei passender Gelegenheit nachsteigen. Tuusig Dank für den tollen Bericht.

liebe Grüsse, Ursula

babu hat gesagt: RE:wunderbar!
Gesendet am 12. Mai 2014 um 14:20
Sali Ursula
Gern geschehen...:-). Die Tour ist wirklich etwas spezielles, bin dann gespannt auf eure Eindrücke.
Grüessli, Andrea


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