Von Wildhaus via Höchst und Sichelchamm nach Flums


Publiziert von 360 Pro , 16. Mai 2013 um 21:19. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:15 Mai 2013
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Alvier Gruppe   Churfirsten 
Aufstieg: 1650 m
Abstieg: 2250 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Wildhaus, Lisighaus
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Flums

Es wird zunehmend schwieriger eine nicht leere Schnittmenge zwischen unbestiegenen Omega3-Gipfeln, unbestiegenen 360-Gipfeln und einer geographischen Zone der Schweiz zu finden, für welche am Mittwoch einigermassen akzeptables Wetter prognostiziert wird. (Damit ich das allgemeine Wetter-Bashing auch noch unterstützen kann: Dies liegt natürlich in erster Linie am schlechten Wetter.) Heute haben wir uns den Sichelchamm vorgenommen, da der Nordosten noch einigermassen gutes Wetter versprach und Omega3 doch tatsächlich noch nie auf diesem wunderbaren, über Walenstadt thronenden Gipfel stand. Damit für mich auch noch etwas Neuland drin lag, beschlossen wir von Wildhaus aus über Niederi und Höchst anzumarschieren und den Sichelchamm via die (im SAC Führen mit L bewertete) Route von Westen anzugehen, um schlussendlich gegen Süden über die Chnorren ins Seeztal abzusteigen.
 
Als wir um 7:20h in cff logo Wildhaus, Lisighus aus dem Bus steigen, ist das Wetter Dank Föhn auch tatsächlich sehr erfreulich. Wir laufen auf dem markierten Weg zum Oberdorf und weiter via Gatter, Germil zur Alt Hütte. Ab hier liegt nun zwischendurch wenig Schnee, welcher sich aber als äussert gutmütiger Trittschnee präsentiert. So stehen wir denn schon bald auf der Niederi und folgen dem markierten (aperen) Weg in der Südflanke hoch zum Gipfel des Höchst, wo wir eine Pause einschalten und unsere geplante Route hoch zum Sichelchamm gut einsehen können. Die Wolkenschicht hat sich inzwischen zwar verdichtet und es verbleiben nur noch vereinzelte blaue Flecken am Himmel, aber es bleibt wenigstens den ganzen Tag über trocken.
 
Vom Höchst folgen wir den Wegspuren und spärlichen blauen Markierungen in dessen Südwestflanke, welche schlussendlich zum Gulms am westlichen Fusse des Sichelchamms führen. Die Wegspuren sind zum Teil nicht sehr deutlich, folgen aber erst in südwestlicher Richtung steil den Hang hinunter und unterhalb von P.1995 hart westlich am Fusse der steil abfallenden Felswand. Diese Passage ist unter den herrschenden Bedingungen (schmierig-feucht und rutschig, vom Schnee und Lawinen platt gedrücktes letztjähriges Gras und praktisch nicht-existenter diesjähriger Grasbewuchs) ziemlich bis sehr unangenehm zu begehen, denn die Abgründe oberhalb der wir uns hier bewegen sind tief und enden sehr ungemütlich. Wir sind froh Gulms unbeschadet zu erreichen. 
 
Dort nun begeben wir uns an den felsigen Fuss des Westgrates. Auf Grund des SAC Führers, der diesen Grat mit einem L veranschlagt, erwarten wir von hier einen verhältnismässig einfachen Aufstieg. Schon die erste 10m hohe Wandstufe sieht aber alles andere als einfach aus. Zwar gibt es blau-weisse Markierungen, die den Weg weisen, mit einem L hat dies aber nichts zu tun. Die Kletterstelle ist fast senkrecht und die Schwierigkeiten sind sicherlich im WS Bereich. Wir versuchen uns war kurz an dieser Stelle, da wir aber nicht so recht wissen, was uns weiter oben noch alles erwartet und keine Lust haben, diese Stelle allenfalls wieder abzuklettern, schenken wir uns diesen Aufstieg zum Sichelchamm. An einem normalen, sonnigen Tag, ohne starken Föhn und an einem Tag an dem wir nicht schon eine knieschlotterfördernde Querung in den Hosen haben, würden wir uns die Sache schon zutrauen, heute scheint aber nicht der Zeitpunkt dafür. Die Schwierigkeitsbewertung L im SAC Führer ist aber sicherlich zu milde angesagt, das T6/II von Delta *hier, trifft die Sache schon viel besser. **
 
So ganz abschreiben möchten wir den Sichelchamm für heute aber doch noch nicht. Schliesslich gibt es da ja auch noch den Normalaufstieg von Norden über ein Band, welches die Nordflanke durchzieht und im SAC Führer ebenfalls "nur" mit einem L bewertet wird. So schauen wir uns denn diese Route noch etwas genauer an. Dazu müssen wir allerdings etwa 100 Hm hergeben und rutschen diese auf dem Schnee ab. Danach queren wir über eine kleine Rampe auf dieses Band. Zwar liegt in der Nordflanke des Sichelchamms noch verbreitet Schnee, welcher den Aufstieg zum Teil etwas heikel macht, allerdings ist dieser Schnee erfreulich gut zu begehen, sodass es bald beschlossene Sache ist, den Angriff auf den Gipfel via dieser Route doch noch zu versuchen. Der Aufstieg ist ziemlich logisch, ab und zu mit ein paar blauen Farbtupfern verzieht und anstatt viele Worte zu verlieren, verweise ich auf dieses Routenbild. Der Schlussaufstieg über 100Hm des Westgrates ist dann wieder komplett schneefrei und Plaisir pur.
 
Über den Gipfelerfolg freuen wir uns natürlich besonders, denn vor 1 1/2h am Fusse des Westgrates waren wir uns nicht mehr so sicher, ob dieser heute überhaupt noch Tatsache werden würde. Trotz des starken und kühlen Föhns machen wir es uns auf dem Gipfel etwas gemütlich, bestaunen die diversen Aus- und Tiefblicke und füllen unsere Mägen. Der Abstieg über die Chnorren ist wunderbar. Allerdings macht der starke Föhn die Sache etwas abenteuerlicher als gewollt. Der Grat ist bekanntlich über weite Strecken sehr ausgesetzt und wenn man nicht so recht weiss, ob einem die nächste Böe aus dem Gleichgewicht wirft, läuft man diesen Grat ein wenig wie auf Eiern. Unterhalb von P. 2043 wird der Adrenalinausschuss dann aber drastisch reduziert. Wir folgen der deutlichen Pfadspur zum Büchel und weiter zum Kurhaus Sennis. Von dort geht es dem etwas zu stark mit Hartbelag "verschmutzten" Wanderweg entlang zum Bahnhof cff logo Flums, wobei wir kurz vor der Lourdes-Grotte wegen "nicht-eine-Stunde-auf-den-nächtens-Zug-warten-Wollens" eine etwas abenteuerliche Abkürzung durch die Bärlauch-Büsche direkt zum Bahnhof nehmen.


** Dank fachkundigem Hinweis von Greigler weiss ich nun, dass die blau markierte 10m Kletterstelle am Fusse des Westgrates wohl nicht deckungsgleich mit der im SAC Führer beschriebenen Route ist. Um die effektiv einfachere SAC-Route zu finden, steigt man rechts etwas ab und folgt dem Wandfuss bis man zu einem steilen aber einfachen Grashang kommt und dann entlang diesem aufsteigt und später wieder links hält. Damit kann diese verhältnismässig schwierige blau markierte T6/II Wand effektiv "L-mässig" umgangen werden.

Tourengänger: Omega3, 360

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Kommentare (2)


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chaeppi Pro hat gesagt: Mittwoch
Gesendet am 16. Mai 2013 um 21:53
habe mich noch gewundert dass ich dich am HB nicht getroffen habe. Da habt ihr aber besseres Wetter als ich gehabt.

VG, chäppi

360 Pro hat gesagt: RE:Mittwoch
Gesendet am 16. Mai 2013 um 22:10
5:25h ab ZHHB, wenn's in die alte Heimat geht. Der erste Churer IC und Deine Mittwochswahlregion war aber auch hoch im Kurs, hat aber schlussendlich den Kürzeren gezogen.
Das mit dem besseren Wetter täuscht wohl etwas, denn ich habe lediglich jene Bilder ins Netz gestellt, welche einigermassen akzeptables Wetter zeigen :-)

Gruss, 360


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