Direkte Überschreitung Ladholz-, Winter- und Erbithore


Publiziert von alpensucht Pro , 14. Mai 2013 um 00:55. Text und Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum:30 September 2012
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   Niesenkette 
Zeitbedarf: 13:00
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:siehe Wegpunkte, kurz vor Otterepass auf Talweg bis Achseten - insges. ca. 8km

Heute machen wir unsere erste gemeinsame Tour. Über einen Teil der Niesenkette soll es gehen. Wir schauen auf das Ladholzhorn und sehen dann, wie weit wir weiter kommen. Zwei von uns sind bereits einmal unterhalb des Grats hinüberzum Otterepass gequert. Vormittags ist die Wettervorhersage regnerisch und später soll es auflockern.

7:45 Uhr. So starten wir also zu viert in Achseten. Bergfreund Jonas hat den interessanten Aufstieg über den Ritzgrat vorgeschlagen, bei dem er sich vor einigen Jahren etwas fürchtete (:
Den peilen wir an, in dem wir zum Rinderwald und weiter über die Fahrstraße und Wiesen bis zum Beginn des Grats aufsteigen (T1-2). Am Gratbeginn tritt man gerade aus dem Wald und wir auch kurz zuvor glücklicherweise aus dem Nebel heraus. Auf dem Punkt, den ich als Ritzgrat markiert habe, befindet sich ein Kreuz mit der Inschrift "Jesus ist Sieger". 9:40 Uhr.

Ritzgrat- und Ladholzhorn-Überschreitung
Das Grätli ist wirklich bei weitem interessanter, als irgendein Wiesenhatscher. Links und rechts fällt der Hang zuweilen etwas steiler ab und wir kommen auch etwas Fels unter die Stiefel (T3). Am Ende läuft er in einen sanften Almsattel aus, wo wir an einer klapprigen Holzhütte ein Päuschen einlegen. Danach führt unsere Route kurz auf der gleichen Höhenlinie hinüber östlich zum Südostgrat des Ladholzhore (T2). Der ist unschwierig zu bewältigen, evtl nimmt man mal die Hände an den Fels (T3+). Am Gipfel ist es 11:50 Uhr. Wir halten uns nicht lange auf, denn das Wetter hat sich gebessert, der Fels ist weitgehend trocken und der weitere Gratverlauf zum Winterhore sieht äußerst interessant aus. Wir steigen ab.

Wir überwinden grasdurchsetzte Schrofen und kleine Felsabsätze (T5, I-II). Die am wenigsten Erfahrene rutscht an einer Stelle beinahe aus (ein Wackler) - uns stockt der Atem und das Herz bleibt fast stehen... wir werden vorsichtiger und ruhiger. Kurz vor dem Sattel müssen wir mehrere sehr ausgesetzte Gratzacken überwinden. Das kostet Überwindung, ist aber gut machbar (meist II). Wir helfen uns an einigen Stellen auch jeweils von oben und unten mit Tipps für die nächsten Tritte. An einer Stelle (WS, II) hängt Jonas, unser Vorsteiger, eine 10m Reepschnur mit eingeknüpften Schlingen zum halten ein. Das hilft besonders unseren weniger erfahrenen Mädels. Mir hilft sie an der Stelle mental sehr, da man sie notfalls schnell verwenden könnte. Für Fälle, wie hier eignen sich Reepschnüre hervorragend, weil sie sehr leicht sind und nicht dynamisch belastet werden. Etwa 13 Uhr sind wir im Ladholzsattel.

Winerhore Überschreitung
Der nun folgende Aufstieg entpuppt sich als wesentlich leichter, als es bis hierher im Abstieg war und als erwartet. Einige Schrofen sind unschwierig zu erklimmen und häufig gibt es "Gehgelände" (T4, viel I und leichter). Das Wetter ist auch gut geworden - wir sind guten Mutes, gelangen auf unseren höchsten Gipfel für heute - und pausieren ausgiebig. 13:50 Uhr.
Auch beim Abstieg in Richtung des nahen Erbithore gibt es nur zwei unspektakuläre I-er, sonst Gehgelände (T4-).

Das Highlight: Erbithore Überschreitung
Doch wenn man vom Sattel aus nun stets auf der Gratschneide bleibt, hat man sich wirklich etws für die Nerven vorgenommen! Es wird sehr ausgesetzt und häufig werden uns grasdurchsetzte, sehr ausgesetzte II-er abverlangt. Nach der langen Zeit empfinden wir das als sehr anregend. Nur der letzte große Gendarm vor dem Gipfel des Erbithore lässt uns alle kräftig schlucken...

Nach ein paar Späßen an den toilettenartigen Felsspalten geht es ans Eingemachte.

Ein schmaler, etwas bröckeliger Felsgrat, führt an den Aufbau des Gendarms. Dann wird ihm direkt über die Schneide (bzw. in einem kurzen West-Ost Bogen) auf die Schulter gestiegen (II+) und anschließend ostseitig über übelstes Steilgras erklommen (T5+). Zum Glück gibt es oben eine Felsplatte, an der Jonas die Reepschnur befestigen kann. Die hilft mir als zweiten wirklich sehr und diesmal verwende ich sie auch herzensgern. Oben stell ich mich dann mit dem Fuß auf den Teil der Schnur, der am ehesten bei Belastung hinausrutschen könnte und Jonas steigt zu den Mädels um Hilfestellung zu leisten. Das alles dauert lange, ist aber insgesamt eine recht sichere Aktion und den Zeitaufwand absolut wert (WS+ wegen der Schnur)! Dieser Gipfel muss also wirklich erkämpft werden, wenn man den direkten Grat wählt. Wir erreichen ihn um 17 Uhr.

Der folgende Abstieg ist nun wieder das typische Standart-Alpinwandergelände (T4 mit Stellen I). Noch vor dem Otterepass geröllige Südostflanke, um schneller auf den Weg ins Tal zu gelangen. Als wir den Weg etwa bei P.1920m erreichen, wissen wir, dass es überstanden ist. Der Abstieg erfolgt über den Weg vorbei an der Otternalp und wieder hinein in den Rinderwald bis nach Achseten, wo wir um etwa 20:45 Uhr hochzufrieden ankommen.

Wer etwas an der WS+ Bewertung auszusetzen hat, weil wir nur eine Reepschnur hatten und nicht richtig gesichert haben, möge es bitte im Kommentar schreiben. Sicherlich gibt es in der gesamten Niesenkette noch ein paar anspruchsvollere Abschnitte (Gsür und Co.), doch für uns war das heute mehr als genug. Wir wissen nun, dass wir uns gegenseitig mental und technisch aufeinander verlassen können. Das war das wichtigste Ziel für den heutigen Tag. Ansonsten sei diese Runde jedem zu empfehlen, der die "gehobenen" Alpinwanderungen liebt, auch weil es häufig die Option zur Umgehung in der (zwar mühsamen aber) deutlich weniger schwierigen Flanke gibt. Gerade der frühe Beinahe-Ausrutscher ermahnte uns zu erhöhter Vorsicht. Der Tag ist rundum gelungen. Zur Eingehrunde gestern waren ja leider nur 3/4 der Gruppe dabei...

Meinen tollen Tourenpartnern Laura, Deborah und Jonas danke ich für den schönen Start in die Tourenwoche im Berner Oberland.








Tourengänger: alpensucht

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Kommentare (2)


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Aendu hat gesagt: Falsche Überschrift...?
Gesendet am 14. Mai 2013 um 11:06
...kann es sein, dass die Unterüberschrift Ladholzhorn Überschreitung falsch ist und eigentlich Winterhore Überschreitung stehen sollte oder bin ich falsch?

P.S: Wunderbare Überschreitung - Gratuliere!! Eine T6-Bewertung wäre sicher auch nicht übertrieben...

Gruss, Aendu

alpensucht Pro hat gesagt: RE:Falsche Überschrift...?
Gesendet am 14. Mai 2013 um 12:16
Danke für den Hinweis. Hab die Unterüberschrift geändert.

Gruß, Alpensucht


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