Kaugummiasphalt oder der Gang durch den WE-beruhigten Auhafen (stille Industrie)


Publiziert von Henrik , 30. April 2013 um 18:50.

Region: Welt » Schweiz » Basel Land
Tour Datum:28 April 2013
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BL   CH-AG 
Zeitbedarf: 3:00
Strecke:Durch ein beruhigtes Industriegelände - Gehen, wo andere zaudern!
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV
Zufahrt zum Ankunftspunkt:ÖV
Kartennummer:Im Rucksack mitgetragen

... „gäll, du hesch ebbis, wo me nit im Pflutter muess sich dureschloh?“. Sure, my dear! Stichwort „R[h]einspazier(t)[gang]“ von Bulbiferum und silberhorns Herausforderung „Industriewege“ oder deren Vermeidung....  Dresscode: kein Eispickel noch Biwakausrüstung. Achtung: hier spricht ein Angeber! Wir starten am Aeschenplatz, beim „Hammering-Man“ (Wiki dazu: das Kunstwerk gilt als Symbol für die Arbeit, die Tat und auch als Symbol für die Solidarität mit allen Menschen, die arbeiten) ...noch  sind es nur einige Tage bis zum 1. Mai. Mit der Linie 3 der BVB lassen wir uns zur Station Breite bringen, ein Knotenpunkt mit viel Lärm (Autobahn E 25), Doppelspur Eisenbahn der SBB/DB,  das Tram; dann soll aber doch auch noch herausgestrichen werden, dass man hier leben kann: Einkaufen bei COOP oder Migros, vers. Restaurants, ein Hotel (mit Menschen, die in der Integration stecken) und eine Alterssiedlung. Wir schlendern zum Rhein hinunter, unter der Auto- und Eisenbahnbrücke hindurch zum Birskopf – wo uns Jogger und Biker in erträglichem Masse entgegenspeeden. Hier findet auch ein Kantonswechsel statt – die Birs ein Grenzfluss. Ennet dann Birsfelden/Baselland.
 
... die wenigen Meter bis zur Schleuse sind Erholungsraum für Viele – Augen offen halten, denn wie schon am Birskopf ist  Joggern und Bikern auszuweichen. Dann die seit Jahrzehnten prägende Kulisse des Kraftwerks Birsfelden. Dahinter die Insel, die den Erholungssuchenden eine Ruheoase (silberhorn schreibt: Ein mir lieber und friedlicher Ort) bietet. Wir verbleiben auf dem WW und sollten dann nach rechts abbiegen, um die Hafenanlagen bis Schweizerhalle auszulassen – aber genau das wollen wir wie Markus und Helen auch nicht tun. Ein kolossales Schild weist einen darauf hin, dass die folgende Begehung auf eigene Gefahr erfolgt – das Tor ist weit offen und wir sind nicht die einzigen Spaziergänger, die hier unterwegs sind. Der Birsfelderhafen [... wir sind ja nicht ganz so ab der Welt, mit dem Rhein haben wir Zugang zu den Weltmeeren, das geht oft leicht vergessen] liegt noch auf Gemeindeboden Birsfelden, dort wo der Hardwald fast bis an den Rhein grenzt, stösst die Gemeinde Muttenz an. Der Rheinuferweg, Hartbelag ohne Ausnahme bis Schweizerhalle,  trennt das Spazieren nur wenige Zentimeter vom Wasser – die Kamera bleibt auch aus Gründen eines allfälligen „Falles“ (gäll bulbiferum!) noch im Rucksack, zudem hat Claudia noch etwas zu erzählen – da ist Aufmerksamkeit erforderlich. Aus den Augenwinkeln entgeht mir aber nicht das Besondere der Anlagen hier und auch später: Tanklager, Laufkatzen, Saugrohre und Lagerhallen mit Gefahrengut.
 
... wir nähern uns dem ersten Zwischenhalt, eine Beiz im Auhafen, die wohl kaum einer kennt, ausser Töff-Fahrer und US-Cars-Liebhaber.  Feinste Küche und mit sehr viel Sorgfalt aufmerksam serviert, möchten wir dieses Lokal empfehlen. Das kleine, feine Haus ist originell eingerichtet und hat Stil. Unter der Woche wird hier ein Tagesmenu für unter 15 Franken angeboten!
 
... im weiteren Verlauf unseres Rheinuferspazierganges kommen wir an wuchtigen Krananlagen vorbei, an „wolkenkratzenden“ Silos, an strammen Tauen, die Tankschiffe an den Poldern festhalten und an Strassenzügen mit unzähligen Schlaglöchern, wohl das Ergebnis von Millionen Tonnen Schwergut auf Lastern und Caterpillars. Ob die den Kaugummiasphalt kennen?

... Schweizerhalle – dazu gibt es gleich mehrere Stichworte, die ich aber nicht ausführlich behandeln möchte. Wer hier Nachbar ist, und das ist Basel und Umgebung, hat seine Erfahrungen gemacht. Dass es am Uferweg aber so viel Natur gibt, erstaunt uns erneut – sind wir hier vor Jahren hin und wieder mit dem Rad vorbeigekommen. Am Rothus führt der WW im Zickzack durch deren Garten und zurück zum Wasser. Als nächstes fallen uns die Fischerhäuschen auf, die doch zahlreich wie an einer Perlenkette uns bis zum Kraftwerk Augst begleiten. Zwei sind offen, aber nicht öffentlich! Aufgefallen sind uns auch die unmittelbar am Wasser platzierten nummerierten Holzbänke, deren Nummerierung uns den Hintergrund nicht eröffnen? Im weiteren Verlauf halten wir inne an geschichteter Nagelfluh bzw. Kiesbändern, die das Ufer des Rheins ausmachen – Erdgeschichte zum Anfassen.
 
... die Rheinstrasse ab Schweizerhalle bis nach Augst soll nach dem Willen des Kantons Baselland hin zur Autobahn verschoben werden – ein Investitionsprogramm mit einer wieder sehr langen Laufzeit (...) möchte dem Erholungscharakter am Rheinufer Rechnung tragen, für den Langsamverkehr – eine entsprechende Note vom 15. Januar 2013 liegt als Interpellation vor!
 
... wir gelangen an die nächste Staustufe beim Kraftwerk Augst-Wyhlen – im vergangenen Jahr konnte das Zwillingskraftwerk seinen 100. Geburtstag feiern. Statt hier den Weg fortzusetzen, auch weil schon 16 Uhr ist, schlage ich den geregelten, ruhigen Rückzug vor – gerade verpassen wir den Bus nach Basel. Schlendern ein wenig am Ortsrand herum, beobachten die rege genutzte Kreuzung zum Autobahnzubringer und zur Kantonsstrasse, die den Ort durchschneidet. Die Ergolzmündung haben wir also ausgelassen, in dessen Mittellauf ja Biber zu entdecken sind. Mit dem Niederflurbus der Linie 81 fahren wir zurück zum Aeschenplatz – durch den Hardwald, in dem die Stadt Basel einen beträchtlichen Teil des gefilterten Rheinwassers zu Trinkwasser werden lässt, führen mehrere Gefahrenströme hindurch bzw. entlang: die Rheinschifffahrt und die Hafenanlagen liegen am Rand, an denen wir gerade entlang gewandert sind, die mehrspurige Autobahn, die alte Betonpiste bzw. Kantonsstrasse und in unmittelbarer Nähe die Risiko-Chemie! Ohne die wir nicht mehr den Alltag bestreiten können (1986)!
 
... der „Hammering-Man“ tut was er tun darf und muss: er arbeitet Tag und Nacht. Wir haben auch etwas gearbeitet, vor allem haben wir unsere nähere Umgebung wieder mal entdeckt, haben lokal gegessen und haben uns lokal transportieren lassen. Wir sind immer noch sogenannte Urban-Locals. Und das Gegenteil davon ist? 

Gourmessa und Spaziergang mit Claudia

  

Tourengänger: Henrik

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