Sichelchamm - 1A Aussichtspunkt vor Churfirsten und Alvier-Kette


Publiziert von Nobis , 22. November 2012 um 14:06.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum:21 November 2012
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-SG   Alvier Gruppe 
Zeitbedarf: 5:00
Aufstieg: 1275 m
Abstieg: 1275 m
Strecke:12.3km; Lüsis/P1327 - P1258 - Bruch - Sennis - östl. Chnorren P2043 - Sichelchamm - Chnorren P2043 - Verachta
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Tscherlach - Lüsis - Punkt 1327 (ab da Fahrverbot, einige P)

Der Sichelchamm weist vor allem im Winter seine markante sichelähnliche Bänderzeichnung auf. Im Sommer besteigt man ihn am einfachsten über den langen Südgrat über den Chnorren, wobei "einfach" in diesem Fall ein exponiertes T5 auf schmalem Grat und steilen Flanken bedeutet. Solotour im Spätherbst, der sich in diesem Jahr schön lang hinzieht.

Der Aufstieg wird mit einer genialen Aussicht belohnt: der Sichelchamm befindet sich etwas vor dem weiten Gebirgsbogen, der vom Leistchamm über die Churfirsten und Alvier bis zum Gonzen reicht. Wegen der südausgerichteten Lage kann der Sichelchamm häufig bis in den Spätherbst bestiegen werden - falls kein Schnee liegt und das Gras trocken ist.

Ich startete meine Tour mit dem Auto, dass mich von Walenstadt/Tscherlach die ersten 900 Höhenmeter auf einer engen und steilen naturbelassen Fahrstrasse bis oberhalb Lüsis überwinden liess - 4WD ist von Vorteil, obwohl ich die Strasse in bestem Zustand angetroffen habe. Das Fahrverbot liegt bei Punkt 1327.

Man folgt nun der Fahrstrasse unter Verlust von 135 Höhenmeter und 50 Höhenmeter Anstieg bis zum Hüttendorf Verachta. Im Oktober 2012 ging ein Erdrutsch bei Bruch nieder und riss die beiden Wegspuren von Verachta nach Sennis weg. In der Folge wurde der Wanderweg von Lüsis nach Sennis gesperrt. Wann er wieder eröffnet wird, ist mir nicht bekannt. Ich schaute mir die Sache vom Wanderweg her aus der Nähe an und befand ebenfalls, dass die Sperrung aus gutem Grund geschah - der Weg ist weg, der steile Schutt wirkt noch labil. Da ich schon mal hier war, wollte ich nicht einfach so Kleinbei geben und stieg einer Rippe entlang die 70 Höhenmeter auf die untere Wegspur ab (weglos, Waldboden, T4). Hier konnte ich den Auslauf des Erdrutsches problemlos queren, wenn auch besonders rasch, schliesslich hing noch einiges an Material oben... Weitere Stellen im Bruch sind erdrutschgefährdet, und sogar auf dem nachfolgenden steilen Anstieg nach Sennis weisen Risse im Boden auf das instabile Gelände hin.

Auf rund 1500 Meter Höhe tritt man aus dem Wald auf den westlichsten Spickel der grossen Weideebene von Sennis. Rund 250 Meter später verlässt man den Wanderweg und steigt nordwärts zum alten Viehweg, der nach Falggelen führt. Nun führt eine schmale, nahezu durchgehende Wegspur im Zickzack durch die Heidelbeerstauden, Erlen und Kiefern aufwärts bis an den Fuss des Chnorren, wobei die Stöcke wegen der Vegetation fast nicht zum Einsatz kommen konnten. Damit ist die Fliessarbeit vorerst beendet, endlich folgt der interessante Teil!

Über erdige Tritte kann um die Felsplatten südlich des Chnorren gestiegen werden, wobei auch die Platten selber eigentlich gut begehbar sind. So steigt man bis wenige Meter unter Punkt 2043 auf. Entweder können die Felsköpfe zu Beginn des Grats direkt überstiegen werden (ich habe Punkt 2043 erst im Abstieg erklommen), oder auf schmalen Tritten in einer sehr steilen Grashalde exponiert in der Ostflanke umgangen werden. Durch eine sandige Rinne steigt man Felsen entlang steil zurück auf den Grat, den man in der Folge praktisch nicht mehr verlässt.

Nach der exponierten Traverse kann man vorerst durchatmen: der Grat führt relativ breit aufwärts, geschmückt von einer guten Wegspur. Bald schon sind einzelne Felsköpfe entweder direkt zu überklettern oder es führen Tritte in der Ostflanke um sie herum. Im Aufstieg fand ich mich einmal in der Westseite im Schnee, im Abstieg vermied ich diese Umgehung.

Der Grat wird schmaler, und gerade dort, wo die grasig-erdige Gratschneide nur 20, 30 Zentimeter breit wäre, hielten sich noch Schneereste - teilweise gefroren, teilweise nass - höchste Konzentration war da angebracht; der Pickel vermittelte etwas Sicherheit.

So ging es weiter aufwärts, bis der eigentliche Gipfel über die Ostflanke erklommen werden kann. Hier waren kleine Schneereste besonders nass, die Wegspur deshalb etwas feucht, aber das Gipfelkreuz und damit der Sichelchamm im Nu erreicht.

An diesen schönen Spätherbsttag wurde der Sichelchamm auch von Gulms her erklommen, Ich stieg aber auf selbem Wege wieder ab, wobei ich wiederum die Traverse östlich des Chnorren (Punkt 2043) als heikelsten Abschnitt empfand, dicht gefolgt von den schneebedeckten Abschnitten der Gratschneide (T5).

Bis oberhalb Sennis waren Stöcke vorteilhaft, vom Chnorren bis Sichelchamm hatte ich einen Pickel in der Hand, die Steigeisen durften im Rucksack bleiben. Gegenüber dem Aufstieg von Berschis via Kurhaus Sennis hat der Ausgangspunkt Lüsis den Vorteil, dass er weniger weit ist und weniger Höhenmeter zu überwinden sind. Die Querung des Bruch zeigte sich allerdings als etwas unberechenbar - da lohnt es sich, sich telefonisch vorab zu informieren, ob der Wanderweg Lüsis-Sennis geöffnet ist.

Tourengänger: Nobis

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