Biwak am Felshore 2'782


Publiziert von Camox , 12. August 2012 um 22:12.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum:11 August 2012
Wandern Schwierigkeit: T3 - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Strecke:Kandersteg - Üschenetal - Tällisee - Rote Chumme - Felshore - Rote Chumme - Schwarenbach - Spittelmatte - Waldhus - Kandersteg

Schon lange wollte ich wieder einmal eine Biwak-Tour unternehmen.  Dies Wochenende passte alles optimal, da Samstagmorgen und Sonntagnachmittag verbucht waren und somit ein ideales Zeitfenster noch frei war. Ferner schnuppen die Sterne derzeit, was das Zeug hält. Einer Nacht unter freiem Himmel stand somit nichts mehr im Wege.
 

Als Gipfelziel habe ich mir das Felshore ausgesucht, welches ich schon von allen Seiten beobachtet habe, aber noch nie oben war. Erstaunlich, dass es nur einen Berg in der Schweiz gibt, der so heisst (zumindest auf Hikr). Und überhaupt erstaunlich, dass gerade dieser Berg so genannt wird, da es ja noch so manch‘ anderen gibt, der von felsiger Erscheinung ist. Item.
 

Gestartet bin ich am Samstag, kurz vor 16:00 in Kandersteg am Bahnhof. Im Dorf war an diesem Tag reges Treiben auszumachen: in der Luft die Gleitschirmler am Spiralen drehen, am Boden zahlreiche Pfadfinder, welche ich in ihrer jeweiligen Sprache zu grüssen versuchte. Bei Eggerschwand verlasse ich diese Szenerien und beginne den Aufstieg hoch ins Üschenetal. Eine tolle Wolkenstimmung hat sich seither eingestellt, welche mir an diesem noch heissen Abend willkommene Schattenmomente bescherte. Das Tal muss man grösstenteils auf der Fahrstrasse durchlaufen, was mir den Vorteil brachte, zügig voran zu kommen. Bei Underbäche beginnt dann der Aufstieg auf einem schönen Pfad hoch in Richtung Schwarzgrätli. Hier findet sich eine üppige Flora, welche einem den ohnehin kurzweiligen Aufstieg noch angenehmer gestalten lässt. Bei Walliswang folge ich dem Weg weg vom Schwarzgrätli Richtung Tällisee. Diesen erblickt man erstmals von oben her kommend in mitten einer grossräumigen Mulde. Erst wollte ich bereits hier biwaken, doch noch immer schien die Sonne neben den Chindbettihore durch und ich bekam Lust noch ein paar Höhenmeter zu absolvieren. Ich suchte mit dem GPS nach dem Wanderweg, der von hier weiter führt (der eine Weg endet abrupt bei Punkt 2‘458). Dann ging‘s noch etwa eine halbe Stunde hoch auf die Rote Chumme (gemäss Wanderwegzeichen „Kumme“). Es war kurz nach 19:00 als ich diesen Übergang erreichte und ich konnte noch ein paar Minuten die letzten Sonnenstrahlen geniessen. Dann gab es einen ziemlich heftigen Temperaturwechsel, der mich relativ schnell in meinen Schlafsack zwang. Ein Steinbock ganz in der Nähe liess sich von meinem hektischen Treiben nicht beirren. Nach einem Z’Nacht und dem Beobachten der eindunkelnden Landschaft schlief ich ein. Fürs erste.
 

Später vermochten folgende mehr oder weniger angenehmen Dinge mir den Schlaf zu rauben: i) die Kälte, welche ich auf dieser Höhe trotz windgeschützter Lage ziemlich unterschätzt habe; ii) ein Tier (war es der Steinbock von vorhin?), das in regelmässigen Abständen in der Umgebung Schutt niederriesen liess; iii) ein traumhaft schöner Sternenhimmel mit zahlreichen Sternschnuppen (will doch schwer hoffen, dass all die aufgezählten Träume in Erfüllung gehen J); iv) der später aufkommende Mond, der trotz seiner schlanken Erscheinung für ziemliche Helligkeit sorgte. Nach einer längeren Schlafphase wachte ich ohne Wecker kurz vor 6:00 wieder auf. Gerade rechtzeitig, wie sich später herausstellen wird. Mit ziemlicher Überwindung machte ich mich an den Aufstieg zum Felshore. Dieser ist von der Roten Chumme aus nicht schwierig zu begehen (im einfachsten Fall T2). Dazu folge ich über Karstgestein mehr oder weniger direkt dem Felsrücken, der einem zum Punkt 2‘756 führt. Von dort nur noch leicht steigend auf den höchsten Punkt. Von der Roten Chumme hatte ich kaum eine halbe Stunde bis auf den Gipfel, wo das Sunrise-Spektakel gerade in die spannende Phase kam. Um 6:38 war dann das Felshore an der Reihe zur Erleuchtung zu kommen. Die Wärme war herrlich. Ebenso die Aussicht vom Gipfel mit seinen westseits eindrücklichen Felsabhängen.
 

Zahlreiche Fotoaufnahmen später machte ich mich an den Abstieg. Kurz musste ich mein Biwak suchen, das sich irgendwo zwischen diesen Steinblöcken befinden musste. Dann packte ich meinen Rucksack, beobachtet von einem Paar Alpenbraunellen, welche mich aufgeregt umflogen. Auf dem Wanderweg gings nun runter nach Schwarenbach. Dabei umgeht man den Daubensee nordwestlich. Der Weg führt aber dennoch durch eine attraktive Landschaft, in der ich auch die hier oben typischen Schafherden zu sehen bekam. Von Schwarenbach folge ich dem Weg zur Spittelmatte, dann weiter auf dem abwechslungsreichen Weg ins Gasterental und von dort wieder runter nach Kandersteg.
 

Fazit: Ich sollte öfters biwakieren..

Bemerkung: Das Biwakieren in Jagdbanngebieten ist untersagt. Siehe dazu http://map.geo.admin.ch, Layer "Jagdbanngebiete". Eine solche Schutzzone grenzt direkt an die Rote Chumme, also schön brav auf Berner Seite übernachten.. Weitere Informationen auf einem Merkblatt des SAC's gibt's hier.


Tourengänger: Camox

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Kommentare (2)


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Gelöschter Kommentar

Camox hat gesagt: RE:
Gesendet am 15. August 2012 um 11:40
Ja.. Es ist traurig, wie selten ich derzeit in die Berge komme.. :-(((( Aber Hikr verfolge ich trotzdem regelmässig. Auch deine Touren, die dieses Jahr ziemlich an Höhe und Ferne zugelegt haben :-).

Gruess
Markus


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