Hoher Göll (2522 m) - Berchtesgadener Paradeberg


Publiziert von 83_Stefan , 13. September 2011 um 22:47.

Region: Welt » Deutschland » Alpen » Berchtesgadener Alpen
Tour Datum:11 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: I (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: D   A 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 1600 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Über Dürreckstraße (ehemals B319) bis zur Kurve vor dem kostenpflichtigen (2 €) Parkplatz Hinterbrand. Dort am Einstieg zum Alpeltal kostenlose Parkmöglichkeit.
Unterkunftmöglichkeiten:Carl-von-Stahlhaus (1734 m, OeAV-Sektion Salzburg).
Kartennummer:Bayerisches Landesamt für Vermessung und Geoinformation UK50-55 - Berchtesgadener Alpen

So eine Aussicht wie vom Hohen Göll gibt es kein zweites Mal! An klaren Tagen offenbart sich am Gipfel eine Schau, die vergeblich Ihresgleichen sucht. Auf der Grenze zwischen Bayern und Salzburg gelegen, reicht der Blick über Ober- und Niederösterreich, die Steiermark, Kärnten und Tirol bis an die Grenze Südtirols. Sozusagen ein Acht-Länderblick - wenn man nicht miteinbezieht, dass man an klaren Wintertagen bestimmt noch den Höhenzug des Bayerischen Waldes und damit Tschechien sehen kann. Einfach fantastisch! Auf diesem Gipfel MUSS man einfach gewesen sein! Wenn man kein Fan überlaufener Klettersteige ist, wählt man als Ausgangspunkt Hinterbrand und erlebt dann eine wahrlich eindrucksvolle, abwechslungsreiche Rundtour.
In der Kurve vor dem großen Parkplatz Hinterbrand führt ein Steig in den Wald hinauf (beschildert). An einer Felsstufe quert man auf markantem Felsband seilversichert ein deutliches Stück nach links, um den Eingang des Alpeltals zu erreichen. Noch einmal weicht der Steig nach rechts aus, um danach endgültig ins Alpeltal zu leiten. Abwechselnd über steilere Stufen (bis I) und flaches Gelände geht's weiter hinauf. Das Gelände wird zunehmend karstig und man erreicht schließlich das ausgedehnte, flache Karrenfeld "Umgäng". In einigem Auf und Ab kraxelt man über Felsen (bis I), umgeht Blöcke und wandert zwischen tiefen Löchern und Spalten hindurch - äußerst kurzweilig! Auch die Aussicht über's Berchtesgadener Becken wird immer besser. Zwischenzeitlich wird das Gelände kurz erstaunlich lieblich. Auf dieser grünen Insel mitten im Karstmeer lässt es sich ausgezeichnet pausieren. Dann wieder ohne großen Höhengewinn über Karrenfelder, zuletzt schließlich steil ansteigend hinauf zum Sattel zwischen dem Vorgipfel des Hohen Göll und den Archenköpfen.
Auf der anderen Seite des Kamms tut sich ein toller Blick nach Osten auf. Nach links geht es im Schutt nach oben und mit jedem Schritt werden die Aussichten noch besser. Schon bald nach dem Sattel keimt Hoffnung auf: Ist etwa das Gipfelkreuz schon zu sehen? Wenige Schritte später folgt die Ernüchterung, denn das Kreuz ziert nur den Vorgipfel. Hier zeigt sich der Hohe Göll zum ersten Mal. Weit ist es trotzdem nicht mehr. Zwischen Vor- und Hauptgipfel kann man selbst im Herbst noch Altschnee bestaunen, der im Grund der tiefen Dolinen liegt. Nach dieser Attraktion geht es zum Gipfelsturm: Unschwierig erreicht man über Schutt das sehenswerte Gipfelkreuz mit Kristall.
Aber die phänomenale Aussicht stiehlt dem Kreuz jede Schau. Die Aussicht ist kaum in Worte zu fassen:  Im Norden schaut man durch das breite Salzachtal und über den Untersberg hinaus ins flache Oberland, im Osten liegen Osterhorngruppe und Totes Gebirge zu Füßen - selbst die weit dahinter gelegenen Gebirgsgruppen sind klar zu erkennen. Hinter dem plateauförmigen Tennengebirge setzt das markante Dachsteingebirge einen Akzent. Im Süden begrenzt die lange Tauernkette das Bild: Im Osten die Niederen und im Westen die Hohen Tauern mit ihren glitzernden Eishäuptern. Ein Teil der Hohen Tauern ist durch die Übergossene Alm mit dem Hochkönig und das Steinerne Meer verdeckt, aber Großglocker und Großvenediger sind klar zu erkennen. Nach Westen schließen sich Hundstod, Watzmann, Hochkalter und Reiteralpe an. Mit den östlichen Chiemgauer Alpen und dem Tiefblick in den Berchtesgadener Talkessel schließt sich die Runde. Das muss man einfach gesehen haben!
Der Abstieg verläuft auf dem Anstiegsweg, bis der Steig nach rechts vom Kamm hinunter in die Umgäng führt. Man bleibt am Kamm und ersteigt weglos über grasdurchsetzten Fels die Archenköpfe (bis I, nur wenig ausgesetzt).
Dem Kamm auf der anderen Seite bergab folgen, bis in der Scharte vor dem Brettriedel der markierte Weg von rechts aus der Umgäng dazustößt. Über einen Kamin wird der Kamm wieder erreicht. Der Weg folgt im Großen und Ganzen dem Kamm hinauf zum Brettriedel (bis I, teils versichert) und weiter zum Hohen Brett mit seiner weiten Gipfelfläche.
Ein Stück nach Westen hinunter, bis am sogenannten Jägerkreuz eine Rinne hinunter in die steile Südflanke des Hohen Bretts leitet. Über grasdurchsetzte Schrofen geht es steil, teils seilversichert, hinunter in sanftes Grasgelände. Nachdem man die Pfaffenkegel überschritten hat, ist man bald am Torrener Joch, wo das Stahlhaus steht. Eine Einkehr lohnt, denn der Rückweg ist noch weit.
Auf breiter Versorgungsstraße geht's gemeinsam mit den vom Jenner kommenden Seilbahntouristen an Schneibsteinhaus und Königsbergalm vorbei in Richtung Königsbachalm. Noch vor der Alm folgt man der Ausschilderung nach Hinterbrand nach rechts über eine Brücke. Westlich unter dem Jenner querend (Gegenanstieg!) leitet der breite Weg über die Mittelstation der Jennerbahn zurück zum Parkplatz Hinterbrand. Noch ein kurzes Stück auf der Straße weiter, dann erreicht man die Kurve am Eingang zum Alpeltal.

Schwierigkeiten:
Aufstieg über Alpeltal und Umgäng: T3, I.
Abstieg über Hohes Brett zum Stahlhaus: T3+, I (der weglose, leicht anspruchsvollere Abschnitt an den Archenköpfen kann nordwestseitig am Weg durch die Umgäng umgangen werden, dann T3, I).
Zurück vom Stahlhaus nach Hinterbrand: T1.

Fazit:
Ein Aussichtsgipfel wie es nicht viele gibt - absolut lohnend! Der Anstieg führt durch interessantes Karstgelände, der Abstiegsweg aussichsreich über den meist breiten Kamm hinüber zum Torrener Joch. Dort weiter auf breitem Wanderweg. Eine phantastische 5*-Tour. Wenn man auf eine Einkehr im Stahlhaus verzichten möchte, kann man nach dem Abstieg vom Hohen Brett noch vor Erreichen des Pfaffenkegels nach rechts auf nicht markierter Spur direkt über die Mitterkaseralm nach Hinterbrand absteigen.
Noch ein Hinweis: Die Tour ist nur bei guter Sicht zu empfehlen. Wer sich bei Nebel in den Karrenfeldern verläuft, hat bestimmt keinen Spaß an der Suche nach dem Weg.
Wer gerne auf (gut besuchten) Klettersteigen unterwegs ist, wird an einer Kombination der beiden nordseitigen Anstiege - Salzburger Steig und Mannlgrat - seine Freude haben.

Tourengänger: 83_Stefan

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