Geschenk der Eiszeit, Schwindelfreiheit und Morgenberghorn


Publiziert von babu , 12. September 2011 um 21:38.

Region: Welt » Schweiz » Bern » Frutigland
Tour Datum:11 September 2011
Wandern Schwierigkeit: T6- - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-BE 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 1200 m
Strecke:Saxeten - Schiffli - Morgenberghorn - Renggli - Ramsermatten - Saxeten
Zufahrt zum Ausgangspunkt:mit PW oder Bus nach Saxeten

Das Morgenberghorn - ein wuchtiger Berg mit grandioser 360-Grad-Rundumsicht. Als Aufstieg bieten sich mehrer  Varianten an. Beliebt ist zum Beispiel als Ausgangspunkt das Suldtal. Der Weg führt via Alp Brunni und Westgrat unschwer zum Gipfel (T3). Oder es bietet sich von Suld über den Rengglipass, mit anschliessendem Südgrat-Aufstieg eine Überschreitung an. Felspassagen sind gut mit Drahtseilen gesichert. Dem Genuss steht also praktisch nichts im Wege...;-). Wir wählen für unsere heutige Exkursion den markanten und ausgesetzen Leissiggrat aus. Dieser sonnige Kamm ist ein Geschenk der letzten Eiszeit und bietet abwechslungsreiche Gratkletterei, gewürzt mit eindrücklichen Tiefblicken. Die Begehung ist nicht zu unterschätzen, der brüchige Fels und die zum Teil schmalen Gratpassagen fordern absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Wir starten in Saxeten und folgen dem gut markierten Wanderweg anfangs im schattenspendenden Wald zur Alp Usserberg. Hier könnte man bereits ziemlich direkt und weglos in steilen Grashängen dem Grat emporsteigen. Wir wählen, in der Hoffnung einen angenehmeren Aufsteig zu finden, die Traverse zur Alp Mittelberg. Die Fortsetzung gen Himmel präsentiert sich ab hier in unveränderter Steilheit, deshalb versuchen wir uns in weglosen Zickzackers den Aufstieg möglichst angenehm zu gestalten. Zwischen dem Punkt 1'934 und dem Schiffli erreichen wir schliesslich schwitzend den Grat, dem steilen Gras konnten wir leider kein Schnippchen schlagen...

Ab jetzt beginnt die lange Gratwanderung Richtung Morgenberghorn. Die vorhandenen Wegspuren auf dem Kamm verlieren sich selten in die Abhänge links oder rechts, es ist und bleibt eine konsequente Gratbegehung. Kurz vor dem ersten Aufschwung, dem Schiffli, werden die ersten Felspassagen überklettert. Bereits hier wird dem geschätzten Alpinwanderer die Ausgesetztheit schonungslos präsentiert. Steht man auf dem langgezogenen Schifflirücken erblickt man die Fortsetzung des Grates bis zum Gipfel. Die Schlüsselstelle ist unschwer zu erkennen, von weitem schätzen wir diese Passage nicht wirklich als "BG" ein (gem. Taxierung des Voralpenführers). Der Pickel trohnt zum Glück auf unseren Rucksäcken, man weiss ja nie... Tapfer schreiten wir weiter, der Grat lässt nie Langeweile aufkommen und die Konzentration sollte wahrlich in diesen Momenten nicht in den Seilen hängen - das Gelände lässt es definitiv nicht zu...

Bald befinden wir uns vor dem sich aufbäumenden Schlussaufstieg und staunen über die mögliche Begehung im Alpinwanderstil. Und kaum stehen wir in der Schlüsselstelle müssen wir einmal mehr erkennen: der Schein trügt oft beim Einschätzen des Geländes wenn sich die "Passage clé" sprichwörtlich vor der Nase präsentiert. Kaum bewegt man sich im schwierigen Gelände offenbart sie sich ihres wahren Charakters und die anfängliche Skepsis löst sich in Wohlgefallen auf... Wir steigen in gut gestuftem aber steilen Gras dem 1 Felsturm entgegen. Wegspuren sind vorhanden (bei Nässe heikel!). Der Turm wird nicht direkt überklettert sondern man steigt kurz davor auf den Grat und folgt den Spuren zu einem 2 Meter hohen Felswändchen. Dieses wird via Spalt erklettert (II) und alsdann steht man vor dem Schlussaufstieg. Der schwierigste Teil ist nun vorbei und jetzt folgt nur noch die Kür. Das Gratwandern zieht sich jedoch konsequent bis zum Gipfel durch.

Was für eine Tour! Wer herausforderndes Balancieren schätzt und den Gleichgewichtssinn auf die Probe stellen will, kommt hier voll auf seine Kosten! Das Panorama sucht seinesgleichen und rundet diese imposante Tour krönend ab. Für den Abstieg wählen wir den Südgrat (T3) und erreichen via Renggli wieder Saxeten.


Tourengänger: BaumannEdu, babu, hebu

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Kommentare (2)


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Aendu hat gesagt: Gratuliere!
Gesendet am 14. September 2011 um 08:24
Wunderbarer Aufstieg! Sieht recht schmal aus...:-)

Gruss, Aendu

babu hat gesagt: RE:Gratuliere!
Gesendet am 14. September 2011 um 19:40
Danke dir!
Die Tour kann ich sehr empfehlen. Einsamkeit und uneingeschränkte Panoramasicht auf beide Seiten ist garantiert...;-).
Gruss, Andrea


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