Piz Plavna Dadaint 3167m


Publiziert von Cubemaster , 7. September 2011 um 18:18.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum: 1 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Plavna-Gruppe   CH-GR 
Zeitbedarf: 12:00
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m

Schon häufiger hatte ich die schroffen Hänge des Piz Plavna Dadaint aus der Ferne gesehen und über die Zeit reifte in mir der Wunsch, einmal dort oben zu stehen. Da ich fast alle anderen Berge der Sesvennagruppe schon im Alleingang bestiegen hatte, machte ich mich am 1.8. 2011 dann auf den Weg.

Um 7 Uhr 15 startete ich am Parkplatz oberhalb von Tarasp Fontana und folgte erstmal in mittlerem Tempo der Beschilderung zur Alp Plavna. Diese erreichte ich nach ungefähr 3 Stunden und stellte erfreut fest, dass sie bewirtschaftet war. Ich konnte mich hier also nochmal mit Getränken versorgen, was bei der Länge der Tour nicht unwichtig war!

Von der Alp Plavna aus folgte ich zuerst dem Flussbett in südlicher Richtung. Da zwischen dem Fluss und den Hängen des Berges ein Wald aus Latschenkiefern wächst, folgte ich dann wiederum einem Bach, um in das südlich vom Piz Plavna gelegene Kar zu gelangen. Dieses weist in der Mitte eine Stufe auf, die ich an der rechten Seite durch ein Geröllfeld umging (relativ mühsam und zeitaufwendig, vielleicht ist es an der anderen Seite besser). Oben angelangt legte ich das letzte einfache Stück dieser Tour zurück: Es geht über einen mäßig steilen Wiesenhang immer Richtung Gipfel.
Danach beginnt der anstrengende Teil: Zuerst geht man über das breite Geröllfeld Richtung Gipfel. Dabei ist es vorteilhaft links um die kleine Felsrippe herumzugehen, da man dann direkt am Einstieg der Rinne herauskommt. (Ich musste oben mühsam den Hang queren.) Diese zieht in nordwestlicher Richtung bis zu einer Scharte im Südwestgrat hinauf. Sie ist ziemlich steil und brüchig, außerdem gibt es einige kleine Stufen, die in leichter Kletterei zu überwinden sind. Bei Altschnee in der Rinne würden hier Steigeisen und Eispickel benötigt,  doch ich hatte Glück. Nur ganz am Ende war noch etwas Schnee, den ich rechts in einer sehr engen Lücke zwischen Wand und Schnee umgehen konnte. Als ich die Scharte erreicht hatte, war ich schon ziemlich erledigt und so deponierte ich meinen Rucksack hier.

Auch wenn es an diesem Punkt zuerst so aussieht, als wäre Schluss oder man müsste jetzt senkrechte Wände erklimmen, zeigt doch ein (sehr verblasster, aber noch erkennbarer) Pfeil in der Scharte unmissverständlich in Richtung einer kleinen Lücke, welche die soeben zurückgelegte Rinne mit einem leichten Knick fortsetzt. In diese geht man hinein und steht kurz darauf vor der Schlüsselstelle: Die Rinne ist durch einen ca. drei Meter hohen Felsen versperrt. Die einzige Möglichkeit, diesen zu erklimmen bietet ein Kamin, der durch den Felsen selbst und die Wand an der linken Seite gebildet wird. (Diese kurze, nicht ausgesetzte Kletterei würde ich mit II bewerten, es ist allerdings extrem brüchig und muss hinterher auch rückwärts wieder abgeklettert werden!)
Kurz danach steht man wieder an einer etwas weiter oben gelegen Scharte des Südwestgrates und ein Steinmännchen zeigt nun an, dass man hier in die Westflanke des Berges queren muss. Das geht aufgrund einer guten Steigspur problemlos. Ein großer Pfeil (genauso verblasst wie der Andere) zeigt nun in die letzte Rinne, die man zu bewältigen hat. Diese ist ähnlich steil wie die erste und zieht zuerst Richtung Gipfel empor, verzweigt sich aber ca 50hm unterhalb nochmal in drei kurze Rinnen, von denen man die linke nehmen muss.
An dieser Stelle wäre meine Tour fast noch an Zeitmangel gescheitert, denn ich vermutete ganz richtig, dass sich der Gipfel leicht rechts befinden müsste, ich ging also zuerst in die recht Rinne hinein. Diese endet aber in einem kleinen Plateau unter einer Steilwand und ich musste zurück. Nach einem Blick in die mittlere Rinne, war mir klar, dass es dort viel zu steil ist und ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich nicht mehr viel Zeit hatte. Doch ich wollte wenigstens noch sehen, was an der anderen Seite ist und die linken Rinne führte mich dann zum Gipfelgrat.
Dort muss zuerst noch eine ca zwei Meter hohe, wegen einer kleinen Scharte unmittelbar davor recht ausgesetzte Felsstufe erklommen werden (II, aber verhältnismäßig fester Fels) und dann geht es den kurzen Grat bis zum Gipfel in leichter Kletterei entlang. Ausgesetztheit ist immer schwierig zu beurteilen, doch ich denke, wer bis hierhin gekommen ist, wird vermutlich mit der Stelle zurechtkommen. (Man könnte den Felsen wohl auch etwas weiter rechts, weniger ausgesetzt aber schwieriger erklimmen.) Es ist jedoch zu beachten, dass die Tour sehr lang ist. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon sehr erschöpft und musste mich sehr anstrengen, um dazu die nötige Konzentration aufzubringen.
Nach 8 Stunden, also um 3 Uhr 15 (eigentlich viel zu spät) saß ich dann am sehr schmalen Gipfel (Der Platz am höchsten Punkt reicht wirklich nur für eine Person!) und genoss kurz die herrliche Aussicht.
Wegen der fortgeschrittenen Zeit machte ich mich dann aber doch schnell auf den Rückweg, der noch einmal 5 Stunden dauerte. Die Alp Plavna hatte dicht, ich musste also durstig das Tal hinauslaufen. In der letzten Abendsonne erreichte ich schließlich müde aber zufrieden den Parkplatz.

Einige kurze Bemerkungen:
Zur Ausrüstung: Das einzige, was ich mitgenommen habe, war ein Helm. Ich habe zwar keinen Steinschlag gehört oder gesehen, doch in solchen steilen Rinnen empfiehlt es sich immer, einen Helm zu tragen. Sollte Altschnee vorhanden sein (und das ist in diesen steilen Schluchten auch im Spätsommer durchaus möglich), muss man wohl in voller Montur mit Steigeisen und Eispickel anrücken.
Zu meinem Alleingang: Optimal wäre es wohl zu zweit, ich würde aber auf jeden Fall davon abraten, mit mehreren Personen zu gehen, da das Steinschlagrisiko zu groß ist, insbesondere an den Stufen in den Rinnen.
Zum Zeitbedarf: Ich habe 8 Stunden bis zum Gipfel benötigt. Ohne die Verhauer schätze ich es aber auf ca. 7 Stunden.
Zu meinem Bericht: Ich habe leider keine Fotos, da ich meine Kamera im Rucksack gelassen habe, die wichtigsten Stellen konnte ich also nicht fotografieren. Da zur Zeit meines Berichts aber kein weiterer Besteigungsbericht vorlag, habe ich mich dennoch entschlossen immerhin diese detaillierte Beschreibung einzustellen. Ich hoffe, sie ist einigen Leuten hilfreich, die diesen schönen und einsamen Berg einmal besteigen wollen.

Zu den Änderungen vom 7. September 2015: Vielleicht ist jemandem aufgefallen, dass ich vier Jahre nach meiner ersten Veröffentlichung einige kleinere Änderungen vorgenommen habe. Das liegt im Wesentlichen daran, dass dies mein erster hikr-Bericht war und ich seitdem viel mehr Bergerfahrung gesammelt habe. So kam mir z.B. die Schlüsselstelle damals recht schwierig vor, so dass ich III für angemessen hielt, was sich nach vielen ähnlichen Touren nun aber relativiert hat. Auch einige andere Sachen würde ich heute nicht mehr so beschreiben wie damals. Da dieser Bericht weiterhin der einzige auf dieser Seite ist und insbesondere die Bewertung III vielleicht eine Menge Leute abschrecken könnte, war es mir wichtig, diese Ergänzungen vorzunehmen.


Tourengänger: Cubemaster

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Kommentare (2)


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Marius hat gesagt: Gratulation...
Gesendet am 8. September 2011 um 18:13
...zu diesem Gipfel und dem ersten Bericht dazu hier auf hikr.org! Einer toller, aber auch Respekt erheischender Berg, den ich bisher erst aus der Ferne bestaunen konnte.

Cubemaster hat gesagt: RE:Gratulation...
Gesendet am 3. September 2012 um 21:11
Danke, ich kann die Tour auch durchaus empfehlen. Keine allzu großen objektiven Gefahren und eine verwinkelte Route, die wirklich Spaß macht, wenn man kein Problem mit brüchigen Geröllrinnen hat. Nur der lange Anmarsch ist etwas lästig.


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