Weisshorn


Publiziert von emely , 31. August 2011 um 17:09.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:17 August 2011
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 2 Tage
Aufstieg: 3100 m
Abstieg: 3100 m

Nachdem eugen und ich am 9.8.2011 so erfolgreich am Nadelgrat unterwegs gewesen waren,
wurden schon bald Pläne für eine neue Tour geschmiedet: das Weisshorn sollte es jetzt sein.
Als Gipfeltag war der 17.8. geplant, genau zwei Tage vor dem Datum der Erstbesteigung vor 150 Jahren durch John Tyndall, Josef Bennen und Ulrich Wenger.
Nun denn, der beste Ehemann brachte Eugen und mich gegen Mittag erst einmal nach Randa (bitte auf dem letzten a betonen, also Randá), damit wir Eugens Sachen verstauen konnten. Nach zahlreichen Ermahnungen, doch bitte vorsichtig zu sein, begann ich den schönen, aber sehr langen, mühsamen Aufstieg zur Hütte. 1500 hm lagen vor mir:  im Wald, der mir Schatten spendete, waren es 27°, in der Sonne aber stieg das Thermometer dann gerne auch auf 35° an. Schon bald wurden die "Belüftungsschlitze" an der Tourenhose geöffnet, dann die Hosenbeine hochgekrempelt, dann, ja dann musste ich so weitergehen, denn auf Schuhe, Top und Rucksack konnte ich leider nicht verzichten. Immer wieder kam der Gedanke:"Warum bist du eigentlich so spät erst losgegangen? Heute morgen wäre es sicherlich besser gewesen!" Schicksalsergeben ging ich Schritt für Schritt weiter, wobei ich ärgerlicherweise auch noch von andernen Tourengängern überholt wurde, denen es nicht so warm war wie mir.
Endlich erreichte ich nach 4 h die Hütte und stürzte mich auf die wohlverdiente, kühle Apfelschorle.Ich setzte mich auf eine Bank hinter der Hütte, genoss jetzt  die Sonne und studierte die Wegbeschreibung. Beim Nachtessen fragte mich einer der Bergführer, mit wem ich denn morgen unterwegs sei und auf meine Antwort, dass mein Partner erst von Brig herjoggen, zur Hütte hinaufeilen um dann mit mir in den frühen Morgenstunden zum Gipfel aufzubrechen, schaute er mich ungläubig an, meinte:"Das ist aber speziell!" und musste sofort den Hüttenwart fragen, ob denn meine Aussage stimmen würde. Anscheinend dachte er, ich würde ihm einen Bären aufbinden.
Wider aller Erwartung schlief ich hervorragend in der überbelegten Hütte. Man hatte in den großen Raum noch vier Matratzen gelegt, sodass jetzt überhaupt kein Platz mehr war.
Wecken um 2 Uhr, frühstücken und um 2.30 Uhr ging es los. Eugen war schon seit über zwei Stunden da und wartete ungeduldig darauf, endlich starten zu können.
Hinter der Hütte ging ein guter Weg Richtung Gletscher, den man horizontal queren musste, um dann im Wasserloch zu Punkt 3145 aufzusteigen. So weit, so einfach, aber plötzlich sah ich überall auf dem Gletscher verteilt  Stirnlampen, wo doch alle nur queren sollten. Auf einmal ging es bergauf, eine Stelle war mit einem Seil versichert und ich dachte:"Na, dann sind wir  richtig!" Weiter ging es aufwärts im Blockwerk. Wie man hier in der Dunkelheit den richtigen Weg finden kann, ist mir schleierhaft: eine Seilschaft musste etwas zurückklettern, weil der Weg sich doch nicht als günstig erwies, die Bergführer schlugen mit ihren Gästen eine andere Richtung ein und übereinstimmend herrschte die Meinung, dass alles  ganz anders aussehe als noch vor Jahren.  Nach ca. 4h erreichten wir den Frühstücksplatz. Mit traurigem Blick fragte mich Eugen, ob ich überhaupt noch Lust habe weiterzugehen, weil wir so langsam unterwegs seien.  Hatte ich, denn ich war mit meiner Leistung  zu diesem Zeitpunkt wieder ganz zufrieden, zumal die anderen Menschen auch nicht gerade schneller waren. Außerdem fühlte ich mich viel besser als am Tag zuvor, wo mir die Hitze beim Aufstieg doch stark zu schaffen gemacht hatte. Ob es nun an dem Stück Käse lag, dass ich auf Eugens Geheiß hin essen musste, oder ob mir das Gelände, das Tageslicht oder sonst etwas geholfen hatte: es lief auf einmal wieder alles besser. Das Blockwerk bei Nacht lag hinter mir und ich durfte klettern. Recht bald kam der Lochmatterturm, den Eugen souverän im Vorstieg meisterte. Ich kam gut dahinter, war aber froh, dass oben sowohl ein Ring zum Sichern war als auch ein Seil, an dem ich mich hochwuchten konnte. Wie schon am Stüdlgrat fragte ich mich, was ich wohl ohne diese Hilfe gemacht hätte. Aber jetzt benutzten alle dieses Seil. Der wirklich ausgesetzte Grat wird fast immer auf dem Gratfirst erklettert, aber die Felsen sind fest und es machte viel Spaß. Nach dem letzten Gendarm beginnt der Schneegrat. Leider, oder zum Glück konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht erkennen, wie lange und vor allem wie steil das letzte Stück werden sollte. Nachdem wir schon eine Weile unterwegs waren und ich fragte, wie lange wir noch brauchen würden bis oben, meinte Eugen ermutigend:"Das ist noch weit bis zum Gipfel! Weißt du eigentlich, dass wir den ganzen Weg auch noch zurückgehen müssen?" Ach so, nein,das war mir bis dahin nicht klar. Nach einer kurzen Kletterpassage  standen wir um 9.30 Uhr auf dem Gipfel des Weisshorns! Da wir mittlerweile verschiedene Seilschaften hinter uns gelassen hatten, waren wir erst ganz alleine auf dem Gipfel und konnten so das herrliche Panorama genießen und genügend Fotos machen. Das hätte ich am Morgen wirklich nicht für möglich gehalten!
Nach 20 Minuten Pause, es war mittlerweile auch noch eine andere Seilschaft angekommen, stiegen wir ab. Im Firn durfte ich wieder an Tempo zulegen und bald kreuzten wir den Weg mit dem Bergführer, der tags zuvor so ungläubig reagiert hatte. Bewundernd schaute er auf Eugen, gratulierte uns zum unserem Gipfelerfolg und schon trennten sich die Wege. Auf dem Grat selber wurde mir wieder einmal klar, wieviel Zeit man mit einer geschickten Seilführung sparen kann, denn auch hier waren wir schneller unterwegs als andere Seilschaften. Am Frühstücksplatz machten wir erst einmal richtig Rast und Eugen aß die von seiner Frau Ingrid verordneten hartgekochten Eier und die obligatorische Wurst.
Der Weg vom Frühstücksplatz zum Ausstieg zog sich hin, war aber jetzt bei Tageslicht besser zu erkennen. Einmal kamen nicht weit von uns eine Menge Steine herunter, was mir wieder zeigte, dass der Permafrost auch nicht mehr das ist, was er früher einmal war. Den Rückweg nahmen wir wirklich gemütlich, unterhielten uns mit zwei Franzosen, die die Überschreitung gemacht hatten und mit anderen Berggängern und kamen so am Nachmittag am sogenannten Wasserloch an. Sollte ich mich am Morgen noch über den Namen gewundert haben, so wusste ich jetzt warum. Es galt hier nicht ein kleines Rinnsal zu überspringen, nein, das Wasser lief in Kaskaden die Wand hinunter und der Weg führte geradewegs hindurch. Mehrmals, weil man in den Bergen immer in Serpentinen absteigt. Ich war besonders vorsichtig, denn ich wollte auf den letzten Metern der Tour nicht noch auf nassen Steinen ausrutschen und den Rest des Weges im Wasser auf dem Hosenboden zurück legen.
Was bleibt noch zu sagen? Nach dem obligatorischen Bier auf der Hütte machten wir uns an den Abstieg. Eugen hatte den Hüttenwart, der vom Heli abgeholt wurde,  leider nicht überzeugen können uns ins Tal mitzunehmen, was den Rückweg deutlich verkürzt hätte. Nun ging es eben nochmals 1500 hm hinab und wir waren 2,5h später wieder in Randa.
Eine lange und anstrengende Tour ging zu Ende: 3100hm hinauf an zwei Tagen und das ganze an einem Tag hinunter, das spürte ich schon gut in den Beinen. Bei Eugen kam noch das Joggen von Naters hinzu, also 750 hm auf ca. 37 km Strecke. Zum Schluss schwächelte er dann doch und war froh, dass er mit dem Auto zum Bahnhof gebracht wurde. Vielleicht sollte er das Training dahingehend optimieren.
Die Tour war über weite Passagen anspruchsvoll und auf Grund der Ausgesetzheit am Grat musste man sehr konzentriert klettern. Ich war wirklich heilfroh, dass ich mich um Wegfindung und anderen "Kleinkram" nicht kümmern musste, um so höher ist die Leistung meines Partners einzuschätzen, der das ganze Programm in Ruhe und Souveränität meisterte.

Tourengänger: eugen, emely

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Kommentare (6)


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eugen hat gesagt: WH von randA aus
Gesendet am 31. August 2011 um 18:13
Ich liebe es, mit Leuten in die Berge zu gehen, die so schöne Berichte schreiben. Am nötigen Schalk fehlt es der Schreibenden auch nicht. Wenn ich die Bilder genau studiere, stelle ich fest, dass ich schon auf dem Gipfel einen zermürbten Eindruck machte. Sonst gelang uns aber die Tour von A (wie Aufstieg) bis Z (wie zrug auf sicherem Boden) fast einwandfrei. Nächstes Jahr werden wir sicher das ZRH, das OGH, den L, die BHü, den P und den C miteinander machen.

Liebe Grüsse aus N von breu

CarpeDiem hat gesagt: RE:WH von randA aus
Gesendet am 10. Oktober 2011 um 14:38
und wie stehts mit dem D und der DS ? Erst im 2013 ? Oder sind sie zu einfach ;-)))))

Grüsse aus B von dac

eugen hat gesagt: RE:WH von randA aus
Gesendet am 10. Oktober 2011 um 15:19
Salü
Nein, den Distelberg habe ich schon bestiegen - oder meinst Du etwa den Dom? (den auch).
Was Du bist in B(rig) und kommst nicht auf einen Schwaz vorbei!
Gruss aus V(isp)
Eugen

CarpeDiem hat gesagt: kommst nicht auf einen Schwaz vorbei...
Gesendet am 10. Oktober 2011 um 20:12
...sehr gerne, wenn ichs mal bis nach B schaffe und Du nicht gerade im Schulzimmer in V bist.
Uebrigens, dass Du den Dom schon bestiegen hast, hätte ich eigentlich wissen müssen. Mea culpa ;-))

Salutations aus der verregneten Romandie, Anne-Catherine

Leutch hat gesagt: RE:WH von randA aus
Gesendet am 13. Juli 2012 um 10:28

Wow respekt! Nach dem foto könntest du mein Vater sein.... Aber von Brig rauf Joggen? Nie im leben schaffe ich dass! Tja das zeigt mir leider dass ich noch sehr viel trainieren muss :-(

CarpeDiem hat gesagt: Gratuliere!
Gesendet am 9. Oktober 2011 um 19:46
Auch das eine tolle Leistung. Respekt!! Merci für den schönen Bericht der mich bei diesem Regenwetter echt zum schmunzeln brachte...

Grüsse, Anne-Catherine


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