aus Brunegghorn wird Schöllihorn


Publiziert von WoPo1961 Pro , 8. Oktober 2010 um 06:01.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum: 6 September 2010
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 1 Tage 5:00
Aufstieg: 980 m
Abstieg: 980 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Turtmanntal bis Talende
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Ankunftspunkt = Ausgangspunkt
Unterkunftmöglichkeiten:Turtmannhütte Pensionen in Gruben

"Endlich" mal wieder ein Tourenbericht, wo nix klappt, wie`s klappen sollte! (wenn wir mal ehrlich sind, sind das doch auch die intressantesten Berichte, oderrr?)
Mein(unser) Plan war:
1. Tag Aufstieg zur Turtmannhütte
2. Tag Aufstieg zum Bruneggjoch und über den Nordwestgrat hinauf auf`s Brunegghorn, Abstieg auf dem Normalweg zur Hütte und wieder hinab ins Turtmanntal.
Klingt gut, war es aber nicht! Hier nun mein Bericht:

Hatte beim Mettelhorn ALLES gepaßt, paßte auf dieser Tour nur der Hüttenaufstieg. Aber wie sagte einstmals ein Arbeitskollege zu mir: WoPo, man kann nicht immer nur die Erdbeeren ernten!!
Schönstes Sommerwetter begleitete uns, während wir vom Ende des Turtmanntals zur Turtmannhütte aufstiegen und es gab eigentlich nix zu meckern.
Ok, der Rucksack hatte wie so oft nicht (m)ein Traumgewicht. Aber wenn ich es schon nicht habe, wie soll es dann mein Rucksack haben.
Ok, das Wetter war ne Spur zu schön und hätte sich besser den einen oder anderen Sonnenstrahl für den folgenden Tag aufsparen können.
Ok, der Begleiter der weltbesten Begleiterin sinnierte einmal mehr, welche Gegenstände er denn diesmal vergessen hatte.....,
..., aaaber ansonsten gab es tatsächlich eigentlich nix zu meckern.
Das änderte sich aber schlagartig zu einer etwas späteren Stunde!!!!! Zunächst lief noch alles zur vollsten Zufriedenheit:
Hüttenleute supernett,
leckeres Essen zum satt werden,
intressante und sympathische Gäste
und ein gemütliches kleines Zimmerchen für die Nacht, Platz für maximal 8 Personen..  Laut Angaben des Hüttenpersonals am Nachmittag käme noch ein weiterer Gast zu uns hinein! Unglaubliches Glück!
Klingt gut und  wäre es warscheinlich auch gewesen. Aber im Laufe der folgenden Stunden füllte sich unser gemütliches, kleines Zimmerchen mehr und mehr.
Erst 3,
dann 4,
dann 6,
dann acht
... und jeder Schnarchgeräusche macht.
In der Nacht!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich habe im Laufe von vielen Hüttennächten schon den einen oder anderen Menschen schnarchen hören. Aber was in jener Nacht der Mensch zu meiner linken von sich gegeben hat, ..... ist in  nicht in Worte zu fassen... ehrlich! Irgendwann konnte ich es einfach nicht mehr aushalten und habe um etwas Ruhe gebeten (vornehm ausgedrückt!!). Grundsätzlich respektiere ich den Schlaf eines jeden Menschen. Ich weiß auch, das der Schnarcher an sich, ein lieber und netter Mensch sein kann und für seine Schnarchlautstärke eigentlich nicht wirklich verantwortlich ist. Aber DIESES Schnarchen war echt der Hammer! Das halbe Lager lag wach und litt Qualen, der Rest hatte warscheinlich 7fach verstärkte Ohrstöpsel und konnte deshalb halbwegs etwas Schlaf erhaschen.
Ergänzend möchte ich noch die kleine Gegebenheit erzählen, die sich irgendwann zuvor am Nachmittag ereignet hatte. Ein Mann im leicht fortgeschrittenen Alter fragte höflich den Hüttenwirt, ob er vielleicht ein einzelnes Zimmer haben könnte. Er würde sehr laut schnarchen und damit seine Gruppe stören. Der Hüttenwirt willigte ein und der Mann bekam sein Einzelzimmer.
In der Nacht, während meine Gedanken(weil ich  ja schnarchtechnisch wach gehalten wurde) so umherkreisten, taten sich deshalb  einige Fragen auf:
Warum hatte DER Mensch zu meiner linken nicht nach einem Einzelquatier gefragt?

Warum lag ich mit der weltbesten Begleiterin in einem vollgestopften  (und vollgeschnarchten) Zimmer, während ein Einzelner den vollen Luxus eines Einzelzimmers (oder sogar Einzelsaales) genießen durfte??

Warum lagen wir überhaupt mit all den anderen, die erst gegen 7 Uhr geweckt wurden, in einem Zimmer, während wir schon um 3.45 Uhr aufstehen würden ( was der Hüttenwirt definitiv wußte)???

Warum bin ich eigentlich nicht eher auf den Gedanken gekommen, vielleicht auch den Hüttenwirt zu fragen, ob es nicht noch mehr Einzelzimmer für, WoPos und weltbeste Begleiterinnen gäbe????

Warum stelle ich mir so viele Fragen, will ich nicht eigentlich schlafen?????

Ach nein, geht ja nicht, DA SCHNARCHT JA JEMAND!!!!!

Nachdem ich meinen Nebenmenschen unsanft gerüttelt bzw ihn zur Ruhe ermahnt hatte, hielt sich sein Geschnarche jedenfalls so lange in Grenzen, bis auch ich noch etwas Schlaf in diesem Zimmerchen fand.
3:45 Uhr -  nie war das Aufstehen schöner als am 6. September 2010! Ursprünglich wollte ich rein zufällig meinen schweren Rucksack auf den Schnarcher kippen lassen (dieser frevelhafte Gedanke kam mir irgendwann in der Nacht bei des Schnarchers Schnarchhöhepunkten), aber meine Erziehung oder aber die mahnenden Blicke der weltbesten Begleiterin haben mich davon abgehalten. (aber zumindest in meiner Phantansie hab ich einen Riesenrucksack kippen lassen, aber Hallo!)

Pünktlich um 4.30 Uhr zogen wir die Hüttentür leise zu (für "meinen" Schnarcher in Gedanken natürlich laut scheppernd :-))! Stirnlampe an und los ging es. Der Weg war uns einigermaßen bekannt, sind wir doch 2009 schon einmal in Richtung Barrhörner losgezogen. Erst den Quergang ohne großartig Höhe gewinnend Richtung Südosten zum Gässi (ein kleines auffälliges Couloir). Wie immer vorsichtig durch eben dieses Gässi hinauf (weil, viele, viele kleine und große Steine dort mir nichts, dir nichts herumliegen) . Unsere Stirnlampen geben ihr Bestes, aber wir können trotzdem nur einige Meter weit schauen. Für den markanten großen Steinmann reicht der Lichtstrahl wohl aus. Leider reichen diese paar Meter aber nicht aus, um hier den Abzweig in Richtung Gletscher auf ca 2900 Meter zu erkennen. Warum nicht auch einfachkeitshalber einmal vorher den Hüttenwirt nach dem richtigen Weg fragen? (Hinterher hab ich mich dann "mal" erkundigt!!! Der große auffällige Steinmann auf ca 2900 Meter ist exat die Abzweigung, die wir benötigt hätten :-)))) Schön, das man hinterher schlauer ist)
Komisch, der folgende Satz kommt mir irgendwie beklannt vor. Warum einfach, wenn es auch schwierig geht. Oder besser gesagt, .....gar nicht geht.

Tja, so liefen sie denn weiter. Weiter und weiter.... auf der Seitenmoräne Richtung Schöllijoch, später  über Schrofen und leichte Felsen....und als sie denn so weiterliefen, kamen sie endlich ins Joch. Leider ist, wie wir wissen, Joch nicht gleich Joch. Und das Schöllijoch ist nicht das Bruneggjoch.... wo die Beiden  eigentlich hingemußt hätten.
Natürlich wußten wir schon etwas früher, daß wir uns auf dem  Holzweg befanden. Aber diese Klarheit auch als Tatsache erkennen zu müssen, war für unsere Bergsteigerseelen schon ein hartes Brot. Gut, das Bruneggjoch hätten wir trotzdem noch erreichen können, aber dies wäre schon etwas zeitintensiver geworden.
Nach dem Motto joch, jöcher, am jöchsten (ok, ich geb es zu, dieses Motto gibt es eigentlich gar nicht, hört sich aber dennoch nicht übel an) hat jeder Haken, ist er auch noch so schlecht, auch seine positive Seite.
Denn 1. war das Wetter an diesem Tage mehr schlecht als recht (es fielen sogar ein paar Schneeflocken) und für ne Hochtour mit Gratkletterei nur bedingt geeignet.
2. Gab es dort oben mächtiges Gepuste, will sagen, es stürmte recht ordentlich. 
So kamen wir einstimmig zu dem Entschluß, das wir bisher alles richtig gemacht hatten. (ein Beispiel für Schönschwatz auf höchstem Niveau!)
Bei den Witterungsbedingen hatten wir nichts auf dem Nordwestgrat des Brunegghorns zu suchen und das Schöllihorn wurde spontan zum Tagesziel auserkoren. Wobei das Tagesziel vom Schöllijoch in 30 Minuten zu schaffen ist. 
Selbst für uns!!
Oben auf dem Schölliplateau gab der Sturm nochmal volle Kraft vorraus und wir mußten uns ziemlich dagegen stemmen, um einigermaßen gesittet vorwärts zu kommen. Ansonsten hätte es ausgesehen, wie ein Kneipennachhausegang mit  1,5 Promille im Blut.
Auf dem Schöllihorn eine kurze Gipfelumarmung, 2-3 Fotos und dann im Schweinsgalopp hinab in wärmere und windstillere Gefilde. Ne, dies war heute wirklich kein Hochtourentag und somit hielt sich der Ärger über die verpaßte Verzweigung Richtung Gletscher in Grenzen.
Im Abstieg blickten wir in einige recht erstaunte Gesichter, denen wir am Vorabend noch von unserem Bruneggjoch- und Brunegghorn-Tourenplan erzählt hatten und denen wir nun vom Schöllijoch kommend begegneten. Gut, das keiner fragte, warum wir nicht aus Richtung Bruneggletscher kommen, es wäre nicht gerade einfach gewesen, DAS  zu erklären. (Anm. d.Red.: im Zweifel war's eh des Schnarchers Schuld... ;)

Nachsatz:
Die eigentlich geplante Tour über den Nordwestgrat auf`s Brunegghorn bin ich schon 1997 mit meinem Freund Reinhard gegangen.  Leider habe ich 1. nur 2 Fotos von dieser Tour und 2. nur wenige Erinnerungen bezüglich des Nordwestgrats. So wollte ich meine Erinnerungslücken etwas auffrischen, brauchbare Fotos machen und einen noch brauchbareren Tourenbericht für alle Hikr-Leser schreiben. Aber knapp daneben ist auch vorbei, selten passte dieses Sprichwort so gut, wie oben geschildert!

Freu mich schon drauf, wenn wir 2011 vielleicht endlich Hand an diesen Fels legen können. Denn nun wissen wir ja endlich, wo es zum Gletscher geht :-))))





 


Tourengänger: WoPo1961, webeBe


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Kommentare (4)


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Baldy und Conny Pro hat gesagt: grosser Genuss
Gesendet am 8. Oktober 2010 um 08:28
wie immer Deine Berichte zu lesen
Gruss Angelo

WoPo1961 Pro hat gesagt: RE:grosser Genuss
Gesendet am 9. Oktober 2010 um 11:27
Hallo Geniesser,
danke schön fürs kommentieren. Freu mich immer, wenn`s gefällt!
sonnige Grüße aus Flachlandhausen
WoPo

phil23 hat gesagt:
Gesendet am 8. Oktober 2010 um 10:27
Hallo WoPo,

ein sehr schöner Bericht. Ich musste seeehr schmunzeln .....toll

Viele Grüsse
Phil

WoPo1961 Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. Oktober 2010 um 11:36
Hi Phil, wenn man's liest, liest es sich ganz witzig. Aber die Nacht war die Hölle. Das Schnarchen war echt ne Körperverletzung!! Aber es freut mich, wenn mein Bericht gefallen hat.
geräuschlose Flachllandgrüße vom
WoPo


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