Kreuzbergtraverse ohne Kreuz oder K VIII bis K II


Publiziert von 3614adrian , 5. Oktober 2010 um 23:25.

Region: Welt » Schweiz » St.Gallen
Tour Datum: 3 Oktober 2010
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: ZS
Klettern Schwierigkeit: V (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-SG 
Zeitbedarf: 1 Tage

Die Kreuzberge waren für mich bis jetzt eine gänzlich unbekante Region. Nachdem ich vor zwei Jahren die mitreissenden Berichte der Überschreitung dieser Zacken von Delta und Alpin_Rise las, wusste ich zumindest, dass ich da einmal hin muss. Lustigerweise sind es fast genau zwei Jahre seit deren Überschreitung. Und der Föhn blies auch bei uns - und wie!

Besten Dank Delta und alpin_Rise für die detaillierten Berichte, welche für uns eine grosse Hilfe waren. Ausganspunkt unserer Unternehmung war Nasseel oberhalb Gams, ab dem Grat zwischen Mutschen und K VIII entspricht unsere Route genau deren von oben genannter Prominenz. Einzig am K III wälten wir um Zeit zu sparen die Normalroute und doch reichte es nicht für K I. An die Geschwindigkeit von den beiden Herren kamen wir bei weitem nicht heran.


Trotz unvollendeter Überschreitung war es für uns eine eindrückliche Tour, welche von vielen luftigen Passagen mit tollen Tiefblicken in die Rheinebene und der Abwechslung zwischen alpinem Sportklettern und teilweise heiklen T6-Passagen lebt.

Ich beschränke mich im folgenden nur auf einige ergänzende Hinweise und verweise gerne auf die genannten Berichte. Hier geht's zu den Berichten von Delta und Alpin_Rise


Kreuzberg VIII (T6, II)
Von Nasseel obehalb Gams via Saxerlücke zum Grasgrat zwischen Mutschen und K VIII. Auf der Normalroute auf den Gipfel. Der Abstieg vom Grat zum Einstieg war noch mit einigen ganz kleinen Schneefeldern versehen und feucht. 

Kreuzberg VII (3c)
Wir wählten auch die Biedermannkante, welche wirklich schön und luftig ist.
 

Kreuzberg VI (4a)
Für mich mit Bergschuhen anspruchsvolle unten steile Kletterei, weiter oben schön und leichter. Der Abstieg zur Abseilstelle ist etwas heikel, es könnte aber auch vom Gipfel abgeseilt werden. Den Daumen lassen wir links liegen. Fotogenes abseilen zum Felsloch.
 

Kreuzberg V (III, ZS)
Erweckt der Grat von unten noch einige Bedenken entpuppt er sich tatsächlich als reinsten Genuss. Richtig luftig aber nirgens schwer. Die Abkletterei zur Abseilstelle ist für den Nachhkletterer heikel und recht lang (ca. 1-2 SL). Die Abseilstelle befindet sich links unterhalb des markanten Felsturms. Wir haben vor dessen Umgehung einen Zwischenstand errichtet, da sonst das Seil schlecht eingezogen werden kann.
 

Kreuzberg IV (T5, 5a)
Unserer Meinung nach nicht unbedingt schwieriger als K VI. Für den Vorsteiger lohnt es sich sicherlich die Finken anzuziehen. Für mich als Nachsteiger ging es bis auf eine Stelle vor Erreichen des Grates recht gut mit den Bergschuhen. Die ersten ca. 20 Meter geht die Route nordseitig links des Gratpfeilers hinauf und quert dann nach rechts auf den Grat. Abstieg über die Normalroute südseitig der Gratkante in grasigem, teils rechts abschüssigem Gelände.
 

Kreuzberg III (II)
Wir wählten um Zeit zu gewinnen die Normalroute durch die Rinne, welche bis auf eine Stelle  (II )wirklich sehr leicht zu begehen ist.
Abstieg alles entlang dem immer schmaler werdenden Grat, etwa auf halber Strecke links in die Rinne queren und in dieser oder besser leicht links haltend in grasigem Gelände hinunter. Den nächsten  Gratbuckel überklettert man. Weiter entlang dem Grat bis zum Muniring welcher sich leicht südseitig des Grates befindet.
 

Kreuzberg II (T6, II+)
Das einfache Kamin beginnt direkt in der Scharte oben verzweigt es sich. Wir nahmen dort das rechte Kamin, welches einen auf den Grat führt und weiter leicht auf den Gipfel. Die Abseilstelle ist tatsächlich leicht zu übersehen man findet sie jedoch oberhalb genannter Rinne nödlich des Grates.
 

Kreuzberg I (nicht erreicht)
Von Fusse von K II eine Gratkante links umgehen (Haken) und etwas exponiert zum markenten Felstümchen mit vielen Schlingen. Aufgrund fortschreitender Tageszeit und dem nicht gerade ermutigendem Anblickes der Überwindund der Gratschneide, entscheiden wir uns zum Abseilen und damit zum Schlusspunkt unserer Überschreitung (man seilt durch die Gratschneide über die alte Abseilpiste ab). Will man rüber zu KI seilt man wohl am einfachsten ca. 5 Meter ab und schwingt sich an die gegenüberliegende Wand, wo man mit etwas Glück im Flug einen Express in einen Bohrhaken einhängen könnte. Der weitere Aufstieg sieht dann aber recht ungemütlich aus und der Nachkletterer muss ja auch noch rüber - wohl tatsächlich mit dem im Führer erwähnten zu errichtenden Seilbähnli...


Nachtrag: In der alten Abseilpiste in der Scharte zwischen KII und KI hat sich eines unserer Seile verklemmt. Es ist schon ca. 10 jährig, doch falls da jemand plant hinzugehen soll er es doch bitte mitnehmen und sich bei mir melden - Danke!
-->mein Seilpartner hat das Seil am 09.10.2010 wieder nach Hause geholt! Human powered von St. Gallen in 3h20min auf den K II, dann noch rüber und zur Scharte und schlussendlich mit dem Bike wieder nach Hause. Klasse Leistung und besten Dank!


Tourengänger: 3614adrian


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Kommentare (6)


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Delta Pro hat gesagt: Gratulation
Gesendet am 6. Oktober 2010 um 07:58
zum Husarenritt über die Kreuzberge! Eine wahrlich lohnenswerte Tour!
Gruss Delta

mde hat gesagt: Cool!
Gesendet am 6. Oktober 2010 um 10:45
Das muss ich auch mal machen!

Alpin_Rise hat gesagt: Ein Kreuz in der todo Liste!
Gesendet am 6. Oktober 2010 um 12:12
Well done!
Die mühsame Scharte ist mir immer noch ein Rätsel. Am ehesten wird der Erste abgelassen, klettert die Gegenwand technisch (oder VI? VII?) hoch und hängt die unteren Sicherungen wieder aus, der zweite folgt dann per Bähnchen. Oder der erste lässt die Sicherungen drin und man entfernt diese anschliessend im toprope wieder. Auf jeden Fall viel Brainwork mit müden Gliedern und kaum schneller als unsere Variante.

Für die ambitionierten Sportkletterer wie mde gäbs noch andere Ziele in den Kreuzbergen (Hägar, Rainbow Warriors, Elysium... oder Klassiker wie Velo oder Gummi...)
G, Rise

mde hat gesagt: RE:Ein Kreuz in der todo Liste!
Gesendet am 6. Oktober 2010 um 14:33
Jajaja, Ziele gibt's noch (fast) unendlich, und an den Kreuzbergen war ich noch nicht viel (diese Ostroute mit dem grossen Kamin am K1, und die Südwandverschneidung am K2). Die Elysium würde mich sehr reizen, ist schon eine tolle Wand dort. Aber eben auch die Überschreitung, u.U. auch von Ost nach West, die legendäre Passage mit dem Daumen klettert man ja nur dann, oder?

Anyway, zur Scharte, ohne Kenntnis der Begebenheiten, mein Vorschlag: Seilerster wird abgelassen, überwindet die Scharte so bald/hoch wie möglich pendelnd, spreizend oder springend, Sicherungen können durchaus eingehängt werden. Wenn der Vorsteiger den Stand erreicht hat, bindet sich der Nachsteiger in der Mitte des Seils ein (so nahe am Vorsteiger wie möglich) und lässt sich am Seilschwanz selber in die Scharte ab. Wenn er unten ist und die andere Wand erreichen kann, Seilschwanz lösen und "normal" nachsteigen.

Mit Halbseilen würde man es vom Ablauf her ähnlich machen, seiltechnisch gäbe es da noch gewisse Alternativen, z.B. dass der Nachsteiger eines der Seile abzieht und zum Abseilen verwendet anstatt den Seilschwanz zu nehmen.

Alpin_Rise hat gesagt: RE:Ein Kreuz in der todo Liste!
Gesendet am 7. Oktober 2010 um 14:17
Ja, von Ost nach West passt die Daumen Ostwand (Rheintaleregg) perfekt in die Linie. Allerdings gibts dort nahe zusammen etwa drei parallele, gleichwertige Linien, welche das "historische" Rheintaleregg ist, wurde mir nicht ganz klar.

Deine Anleitung für die Scharte tönt logisch, nur raufkommen auf der anderen Seite müsste man so oder so...
G, Rise

3614adrian hat gesagt: RE:Ein Kreuz in der todo Liste!
Gesendet am 7. Oktober 2010 um 15:54
Gemäss einem Ortskundigen (den wir in der Lücke K III/IV mit seinem 3! jährigen Sohn, welcher alles selber gelaufen sei, angetroffen haben) sei es gut machbar, zwar nicht einfach, ein 'alter Vierer' eben...


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