Fless Gruppe integral - einsame Gipfel im Unterengadin an einem prächtigen Spätsommertag


Publiziert von 360 Pro , 24. September 2010 um 14:27.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum:22 September 2010
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Fless-Gruppe   CH-GR 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Röven
Zufahrt zum Ankunftspunkt:cff logo Lavin

Schon lange hatte ich die Fless Gruppe im Visier. Von cff logo Röven aus sollte es eigentlich möglich sein alle vier Gipfel der Gruppe in einem Tag zu besuchen. Das Studium der Karte, des SAC Führers, sowie hikr liess ein wenig Unsicherheit für den Übergang vom Piz Valtorta zum Piz Fless offen. Anna und Stani haben Teile dieses Grates (bis P. 2961) schon einmal begangen, sind dann aber aus Zeitgründen wieder umgekehrt. Der SAC Führer selbst erwähnt vorallem, dass der Piz Valtorta "im Osten schärfer und gestuft" und die Schwierigkeit ein WS sei. Also nichts wie hin und mal schaun...

Der Bus von cff logo Susch nach cff logo Röven (zuschlagspflichtig) ist an diesem Morgen nicht gerade überfüllt. Ausser mir sind gerade mal 2 Fahrgäste mit dabei. In Röven steige ich aus und mache mich sofort auf den markierten Weg zur Alp Fless Daduora. Dort kann ich meinen Pullover ausziehen und im T-Shirt weiterwandern und muss diesen bis zum Ende meiner Tour nicht mehr anziehen. Weiter gehe ich zuerst auf dem Weg Richtung Alp Fless Dadaint, verlasse diesen aber nach der kleinen Brücke über einen Seitenfluss. Von dort wandere ich mehr oder weniger in der Diretissima hoch zum P. 2955 des Piz Valtorta; zuerst über Alpenwiesen und etwas Geröll, weiter oben durch ein auffälliges nach rechts gekrümmtes, rötliches Schutt-Couloir (T4). Beim P. 2955 des Valtorta hat es so was wie einen Steinmann mit einem Holzstab, auf dem eigentlichen Gipfel (P. 2975) finde ich gar nichts.

Die Gratwanderung respektive Kraxelei zum Piz Fless entpuppt sich dann als äussert interessant und abwechslungsreich. Alle grimmig aussehenden Abbrüche lösen sich in Wohlgefallen auf. Alles in allem folge ich fast ausnahmslos dirket der Gratschneide. Die Schlüsselstellen befinden sich nach P. 2961 und insbesondere nach P. 2982, wo es zwei grosse Abbrüche etwas exponiert abzuklettern gilt (T5, II oder WS, siehe auch dieses Bild). Der Fels ist gutgriffig und auch nur bedingt brüchig. Der letzte Aufstieg zum Piz Fless über den Westgrat ist dann verhältnismässig einfach.

Auf dem Piz Fless steht ein ausgewachsener Steinmann mit Gipfelbuch, welches seit fast 20 Jahren dort liegt und gerade mal 16 Seiten gefüllt hat. Es ist lieblich verpackt und in ausserordentlich gutem Zustand. Hier mache ich eine Mittagspause und studiere meinen Weiterweg zum Piz Murtera. Um diesen zu besteigen wähle ich eine Route durch die Westflanke. Zuerst rausche ich über Geröll zur Mulde westlich von P. 2892 hinunter und quere anschliessend unter den Abbrüchen von P. 2997 hindurch und von dort hinauf etwas unterhalb die Lücke bei P. 2916. Das erste grosse schuttgefüllte Couloir linkerhand führt steil hoch zu den Abbrüchen des Nordgrates. Zum Schluss mache ich eine kurze Querung mit ganz wenig Höhenverlust hinüber zu einem weiteren Couoir direkt in der Gipfelfalllinie und gelange so am Schluss etwas kraxelnd zum Gipfel des Piz Murtera (insgesamt T4+).

Auch dieser Gipfel weist ein Gipfelbuch auf, welches von derselben Person wie jenes auf dem Piz Fless deponiert wurde. Auch hier herrscht eher Ruhe, wenn auch dieser Gipfel etwas öfter besucht wird. Ich geniesse die Aussicht und die warme Sonne und liebäugle kurz mit dem Abstieg direkt über den Westgrat zum Piz Chastè. Dieser sieht von hier (zumindest jener Teil den man einsieht) weniger grimmig aus als noch vom Piz Fless). Falls die Kletter-Schwierigkeiten zu derb wären, gäbe es nördlich des Grates wohl relativ einfache Umgehungen, denn dort tummeln sich gerade mehrere Gämsen herum. Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit entscheide ich mich aber für die einfachere und schnellere Variante: die Querung zu P. 2793 in der Südflanke.

Dazu steige ich erst ein steiles Schuttcouloir östlich des Südgrates zur grossen Geröllhalde hinunter und quere anschliessend möglichst ohne Höhenverlust rüber zum P. 2793. Der verbleibende Aufstieg zum Piz Chastè verläuft dann wieder dem Grat entlang und bietet nochmals die eine oder andere Möglichkeit Hand an den Fels zu legen (insgesamt T4). Auf dem Gipfel geniesse ich ein weiteres Mal die Aussicht und warme Sonne bevor ich mich auf den Abstieg mache. Das Gipfelbuch hier wurde vor kurzem ersetzt was darauf hinweist, dass dieser Gipfel der Fless Gruppe eindeutig am häufigsten besucht wird, führt doch ein markierter Weg auf diesen Gipfel und er bietet exzellente Tiefblicke ins Unterengadin.

ivo66 hat sich über den markierten unteren Teil des Weges zum Piz Chastè *beklagt, allerdings gibt es von und bis zum Suot Chastè (P. 2341) durchaus interessante Alternativen und das geht z.B. so: Vom Gipfel steige ich zuerst mehr oder weniger dem markierten Weg folgend (eher direkter, T4) zum eben besagten P. 2341. Dort wende ich mich linkerhand durch die Lawinenverbauungen hindurch hinunter zum deutlich erkennbaren Wald-Einschnitt Palü. Diesem folgend, Erlen ausweichend und einen Jäger aufschreckend (!!!) bis an dessen Ende und jetzt leicht links haltend den steilen Wald hinunter zum Kiessträsschen, welches bei Pradè die Aua da Sagliains überquert. Von hier nun folge ich der Kies- und zwischendurch Teerstrasse zum Bahnhof cff logo Lavin. Dort habe ich noch genügend Zeit um meine Füsse im Brunnen abzukühlen und die Bergschuhe durch Teva Sandalen auszutauschen, bevor der Zug ins Unterland eintrifft.


cff logo Röven - Alp Fless Daduora - P. 2064 - P. 2465 - P. 2955 - Piz Valtorta - P. 2961 - P. 2982 - Piz Fless - P. 2916 - Piz Murtera - P. 2862 - P. 2793 - Piz Chastè - P. 2580 - Suot Chastè (P. 2341) - Palü - Pradè - cff logo Lavin

Tourengänger: 360


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