Piz Sesvenna 3204m, von Süden ohne Gletscherbegehung


Publiziert von bulbiferum Pro , 11. August 2009 um 18:50.

Region: Welt » Schweiz » Graubünden » Unterengadin
Tour Datum: 5 August 2009
Wandern Schwierigkeit: T3+ - anspruchsvolles Bergwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: Sesvenna-Gruppe   CH-GR   I 
Zeitbedarf: 12:00
Aufstieg: 1500 m
Abstieg: 1500 m
Strecke:S-charl - Val Plazer - Cruschetta - Praviert - Piz Sesvenna
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem PW nach S-charl, es hat eine grossen Parkplatz vor dem Ort, zentrale Parkuhr, Fr. 5.- pro Tag Von cff logo Scuol geht das erste Postauto erst um 7:37 und kommt um 8:15 in cff logo S-charl an. Der letzte Kurs zurück ist schon um 17:15
Kartennummer:1219 - S-charl

Auf die Sesvenna wollte ich schon lange einmal. Jetzt während unserer Ferien in Ftan wollte ich die Gelegenheit nutzen. Die meisten Besucher wählen die Route von Norden über den Gletscher und gemäss den Einträgen im Gipfelbuch während der Skitourensaison. Im Sommer und Herbst sind die Einträge eher spärlich. Weil ich Gletscher nur sehr ungern in einer Zweierseilschaft begehe, wählten wir die Route von Süden her. Sie ist durchgehend rotweiss markiert. Es sollte eine lange Tour werden.
Bei unserer Fahrt nach S-charl sprang uns ein Reh vor das Auto. Dank einer Vollbremsung kamen wir beide mit dem Schrecken davon. Das Reh war in Panik und rannte mehrmals hin und her, bis ich endlich daran dachte die Scheinwerfer auszuschalten. Erst dann fand es den Weg in den sicheren Wald zurück.
Wir marschierten zuerst zügig die Alpstrasse entlang bogen später in das Val Plazer ab. Nach der Alp erreichten wir einen Bereich, wo viele Mutterkühe mit ihren Kälbern grasten. Die Tiere beäugten uns sehr aufmerksam und Einige scharten mit einem Bein am Boden, wenn wir zu nahe kamen. Ich war mir nicht sicher wie ich das deuten sollte aber sicherheitshalber machten wir einen Bogen, wenn ein Kalb auf dem Weg stand.
Bei der Cruschetta beschlossen wir dem Weg zu folgen und stiegen bis zur Alp Praviert ab. Von da ging es eigentlich erst richtig zur Sache. Der erste Aufstieg ist sehr steil und die Sonne heizte schon kräftig. Gras- und felsdurchsetztes Gelände wechselten sich ab. Die Route, mit Farbflecken markiert, durch den Geröllkessel wurde immer steiler und die Sonne war gnadenlos. Schliesslich erreichten wir den Grat und stellten wider Erwarten fest, dass wir noch lange nicht auf dem Gipfel waren. Mir waren schon klar, dass noch ein Gratstück folgen würde, hatte es in meiner Planung aber unterschätzt.
Das Wetter war aber sehr stabil, Gewittergefahr herrschte keine und so spielte der Zeitfaktor keine grosse Rolle. Die Kletterei über den Blockgrat war dann der schönste Teil der ganzen Route. Man kann es sich hier  je nach Gusto einfach oder auch schwieriger machen. Das hängt ganz von der Routenwahl ab. Wir verbrachten über eine Stunde auf dem Gipfel. Er bietet eine prächtige Rundumsicht. Diese wird vom Ortler und der etwas weiter entfernten Berninagruppe dominiert.  Für den Rückweg wählten wir wieder bis auf eine Höhe von 2500m die gleiche Route. Dann querten wir aber direkt zur Cruschetta hinüber.
Beim Bach war es endlich an der Zeit unsere Füsse zu kühlen. Beim Inspizieren derselbigen stellte ich fest, dass an meinem kleinen linken Zeh die Haut in Fetzen herunterhing. In den Schuhen hatte ich davon gar nichts bemerkt.  Da war offensichtlich die Schnürung zu locker, denn normalerweise bekomme ich keine Blasen. Der Weg zurück nach S-charl zog sich dann hin und weil es schon 18:00 war als wir dort eintrafen, liessen wir den Heidelbeercoupe aus. Wir planten für diesen Abend sowieso edel auswärts zu essen.
Es war eine schöne aber sehr lange und einsame Tour. Sie führte über schönes Alpgelände, wilde Geröllhalden und einen abwechslungsreichen Blockgrat. Wir haben, ausser auf der Alp im Val Plazer, keinen Menschen angetroffen. Inklusive Pausen, Gipfelrast und der vielen Unterbrüche für Fotos waren wir 12 Std. unterwegs.
Route:
Von S-charl folgt man zuerst der breiten Alpstrasse in südwestlicher Richtung. Das erste Etappenziel, der Übergang Cruschetta ist bereits hier auf den Wegweisern markiert. Kurz nach Punkt 1984 biegt eine weitere Alpstrasse nach links ab. Ihr folgen wir und passieren die Alp bei Punkt 2091. Von hier führt der Pfad dann weiter durch das Val Plazer auf die Cruschetta oder S-charljoch. Man könnte hier abkürzen indem man weglos die mit Blöcken durchsetzten die Hänge quert und auf ca. 2500m Höhe auf die rotweiss markierte Route trifft die von Praviert heraufkommt.
Man kann aber auch 150 Hm bis zur Alp Praviert 2128 absteigen und dort beim Wegweiser mit dem Hinweis Piz Sesvenna nördlich abbiegen. Nun geht es auf deutlichen Spuren einen steilen Hang hinauf dann wird es ein wenig flacher. Die nächste Steilstufe überwindet man auf der rechten Seite. Ab einer Höhe von ca. 2600m dominiert dann das Geröll. Die Route ist dank der vielen rotweissen Markierungen unübersehbar. Nach einer sehr steilen Passage und einer Querung erreicht man den Grat westlich der Foratrida. Das Gipfelkreuz ist von hier schon gut zu sehen, aber es dauert noch einen Moment bis man es erreicht. Auf dem Blockgrat steigt man in westlicher Richtung in die Scharte bei Punkt 3081 ab. Dann folgt hübsche Gratkletterei im unteren II Grad über den Blockgrat bis zum Gipfel. Auch hier gibt es viele Markierungen.  
 
Tour mit Helene

Tourengänger: bulbiferum

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Kommentare (2)


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Löxli hat gesagt: Herrlich!
Gesendet am 11. August 2009 um 21:22
Wow, was für schöne Bilder. Gratuliere zu der schönen Tour.
Herzliche Grüsse vom Gempen nach Aesch :-)
Löxli

bulbiferum Pro hat gesagt: RE:Herrlich!
Gesendet am 12. August 2009 um 11:07
Auch liebe Grüsse zurück nach Gempen.

Markus


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