Weissmies (4017 m) Überschreitung - erster 4000er bei top Bedingungen


Publiziert von boerscht Pro , 9. Oktober 2018 um 14:38.

Region: Welt » Schweiz » Wallis » Oberwallis
Tour Datum:29 September 2018
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS+
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-VS 
Zeitbedarf: 3 Tage
Aufstieg: 2450 m
Abstieg: 1750 m
Strecke:18,0 km
Kartennummer:https://map.geo.admin.ch

Nach dem super Start in den Tag auf dem Gipfel des Oberaarhorns, soll morgen die Weissmies Überschreitung anstehen. Über den SE Grat hoch und Normalweg runter, noch dazu mein erster 4000er. Gegen 16:30 treffen wir allerdings erst in Saas-Almagell ein. Das wird wohl hart bis zum Abendessen auf der Almagellerhütte zu sein.

Tag 1:

Saas-Almagell - Almagelleralp - Almagellerhütte T2; 2,5 h:


Da die Beine und der Kopf nach der Tour zum Oberaarhorn heute Morgen doch mittlerweile etwas müde sind, muss es im Supermarkt in Saas-Almagell erstmal noch eine Stärkung geben. Das Abendessen wartet schließlich erst 1200 Höhenmeter weiter oben auf uns. Der Wegweiser zeigt 4 Stunden zur Hütte an, wenn wir so lange brauchen gibts aber sicher kein Abendessen mehr, oder mindestens Ärger vom Hüttenwart. Also mit Vollgas die Serpentinen durch schönen Nadelwald hinauf bis zur Almagelleralpe. 1:20 h bis hier, na das passt doch. Hier gibts nochmal was zuckerhaltiges zu Trinken und dann weiter zur Almagellerhütte, welche wir gegen halb 8 erreichen. Die Hütte ist mäßig besucht. Es ist der letzte Tag an dem sie diese Saison offen hat. Die anderen sind alle schon beim Dessert, wir bekommen jedoch noch Essen, alles kein Problem. Zu unserem Erstaunen bekommen wir sogar ein Lager ganz für uns alleine, wohl der Winterraum der Hütte. Top, schon wieder ruhiger Schlaf auf einer Hütte.

Tag 2:

Almagellerhütte - Zwischenbergpass T4:

Nach ziemlich spärlichem Frühstück auf der Hütte gehts gegen 5 Uhr mit etwa 20 anderen Leuten hinaus in die Dunkelheit. Der Weg zum Zwischenbergpass ist bestens markiert und einfach zu finden. Zunächst gehts über einen guten Weg, dann über leicht schräge, glatt geschliffene Platten und zum Ende hin noch über feinen Schutt. Der Weg folgt noch etwas dem SE-Grat Ausläufer des Weissmies und zweigt dann ab. 

Weissmies SE-Grat - Weissmies II; 2,5 h:

Alle Seilschaften folgen direkt dem Grat, über das ziemlich ausgeaperte Firnfeld östlich des Grates geht niemand. Ist auch besser so, hier fliegen fast dauerhaft Steine runter. Der Weg über den Firn ist daher bei diesen Bedingungen definitiv nicht zu empfehlen und sollte gemieden werden. Die Seilschaften, welche unterwegs sind verteilen sich bestens am Grat, sodass man sich nirgends in die Quere kommt. Sehr entspannt, hier werden Fotos von den anderen gemacht und Nummern ausgetauscht um diese später zu schicken. So eine Atmosphäre am Berg hat man doch viel lieber als Hetzerei und unnötige Überholungen, liegt vielleicht auch daran, dass fast niemand hier mit Bergführer unterwegs ist und das Wetter und Verhältnisse Perfekt. Der Grat ist komplett trocken und es liegt kein Schnee.
Der rote und weiße Turm werden jeweils links umgangen. Die Wegführung ist durchwegs logisch und gut zu erkennen.
Bald folgt eine kurze II er stelle, wir gehen jedoch weiterhin alles ohne Seil, das scheint uns eher hinderlich als hilfreich in diesem Gelände. Noch im unteren Teil des Grates geht die Sonne auf und taucht die hohen Gipfel auf der gegenüberliegenden Talseite in schönes Morgenlicht. Hier vertrödeln wir ziemlich viel Zeit mit Fotos machen und sind nun fast die letzten am Grat, naja was solls, das Wetter ist ja stabil heute.
Etwa auf höhe des Beginn des Firnfeldes unterhalb des Grates folgt die einizige etwas kniffligere Kletterstelle, welche normalerweise wohl umgangen wird. 2 Kleinere Grattürme müssen hier abgeklettert werden II. Der restliche Weg bis zum Gipfel ist wirklich ein Genuss, der Fels ist fest und immer wieder wechselt sich Gehgelände mit anregender Kraxelei ab, meist nicht wirklich ausgesetzt. Die Höhe merke ich etwas, indem ich einfach mehr schnaufe als sonst, geht aber trotzdem gut.
Am Ende des Felsgrates legen wir Steigesen und Pickel an und es geht auf den ersten Firngrat. Der Grat hat eine gute Spur und ist fest gefroren, somit kein Problem. Auf Seil verzichten wir auch hier. Es folgt nochmals eine kurze, unproblematische stelle im Fels, dann stehen wir auf dem schmalen, doch ausgesetzten Firngrat zum Gipfel. Hier ist nochmals volle Konzentration gefragt. Auf 2-3 Meter passen keine 2 Füße nebeneinander. Stolpern verboten.

Weissmies - Weissmies Normalweg - Hohsaas WS+, T4; 3,5 h:

Yeah und dann ists auch schon geschafft, mein erster 4000er. Auch von Niklas wars der erste 4000er und erst die 2. richtige Hochtour, nicht schlecht. Die Aussicht hält sich leider etwas in Grenzen, da schon einige Wolken aufgezogen sind.
Am Gipfel sind wir zu Beginn noch mit etwa 6 anderen Leuten, welche jedoch alle bald aufbrechen und wir somit Ruhe haben das scheint auf dem Weissmies ja schon fast was besonderes zu sein.
Nach Mittagspause am Gipfel machen wir uns an den Abstieg über den Normalweg. Eine breite Spur ist durchwegs vorhanden. Teilweise über recht steilen, harten Firn gehts den Westgrat entlang nach unten.
Vor P. gehts nach rechts ab und es werden weiter Höhenmeter vernichtet, bisher ohne Spalten. Dann wirds spannend. Der Weg durch den eindrucksvollen Gletscherbruch steht an, welcher nicht ohne ist.
Eine erste verdammt schmale, abschüssige Stelle, an der man sich oberhalb von wohl ziemlich tiefer Gletscherspalte entlangquetschen muss ist oben mit 2 roten Stangen markiert, an denen ich von oben Niklas noch sichere. Zügig gehen wir unter den großen Eisabbrüchen weiter. Wenn hier mal ordentlich Sonne drauf scheint will man sicherlich nicht mehr durch. Auch wir konnten vor uns einen großen Eisabbruch beaobachten, in dessen Schusslinie wir später genau durch sind.
Dank montierten Fixseilen und Eisenstangen ist eine weitere, steile Querung für uns überhaupt noch machbar. Ohne Fixseile, oder falls diese zugeschneit sind ist das definitiv kein WS mehr. Die Fixseile enden natürlich genau vor dem blödesten Stück, wieder ein schmales Stück oberhalb einer Spalte, gerade einen Fuß breit. Auch hier sichern wir an der letzten Eisenstange über die Stelle. Der Rest über den nun flachen Gletscher ist klar und einfach zu gehen.
Im groben Geröll nach dem Gletscher legts mich doch glatt noch hin, da ein Stein locker ist, zum Glück nix passiert. Den Steinmännern folgend dann einfach zu den Liftanlagen Hohsaas.

Hohsaas - Weissmieshütte T3-, 1 h:

Vom geschlossenen Bergrestaurant Hohsaas und den dortigen Liftanlagen gibt es mehrere Möglichkeiten zur Weissmieshütte abzusteigen. Wir wählen die Variante über den Rücken der südlichen Moräne. Der Weg ist gut mit Steinmännern markiert und führt aussichtsreich direkt über die Seitenmoräne. Gegen ende geht es in kleinen Serpentinen auf feinem Sand direkt zur Weissmieshütte hinunter.
Am Gipfel wurde uns klar gemacht, unbedingt den leckeren Apfelstrudel dort zu essen. Leider gabs davon aber nur noch ein Stück, wäre fies wenn das einer dem anderen vorkaut, also gibts nur normalen Kuchen und verdientes Bier.
Die Wettervorhersage für Morgen und heute Nacht sieht ziemlich mies aus, 10 cm Schnee sind gemeldet. Eigentlich wollten wir in der Hütte übernachten und morgen aufs Lagginhorn. Da wir nichts anderes geplant haben und keine Lust auf Zelten oder Biwak irgendwo übernachten wir trotzdem in der Hütte. Auch hier haben wir weider ein eigenes Lager für uns und sind mit einer Familie die einzigen Besucher auf der sehr schönen Hütte mit nettem Hüttenwart. Am Abend gibts noch Steinbock Besuch, welche sich nicht stören lassen wollen.
In der Nacht und am nächsten Morgen schneit es ordentlich, so verwerfen wir das Lagginhorn und fahren gegen 8 Uhr mit dem Trottibike, welches günstiger als die Bahn ist, in strömendem Regen hinunter nach Saas-Grund. Die Rucksäcke kommen mit der Bahn runter, sehr praktisch.

Tourengänger: boerscht


Galerie


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Kommentare (4)


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Schwebbes hat gesagt: Glückwunsch zum 1sten
Gesendet am 9. Oktober 2018 um 15:11
Hallo Adrian,

herzliche Gratulation zum 1x 4000er.
Hab die Tour im September 2017 in gleicher Richtung wie du gemacht. Vor einem Jahr waren noch keine Fixseile und Stangen angebracht.

P.S.: Das Lagginhorn rennt dir nicht weg. War vor 4 Woche alleine oben. Die Weissmiesüberschreitung hat mir persönlich besser gefallen. Fletschhorn mit Nordgrat aufs Laggin würd mich noch reizen.

Ich wünsch dir was.
Grüsse vom "Exbergsträssler"

Stefan

boerscht Pro hat gesagt: RE:Glückwunsch zum 1sten
Gesendet am 9. Oktober 2018 um 17:37
Hi Stefan,

danke dir, ja die Fletschhorn/Lagginhorn Kombination ist sicher interessanter als der Normalweg. Hatte ich auch schon überlegt.

Gruß Adrian

maenzgi Pro hat gesagt: Gratuliere
Gesendet am 10. Oktober 2018 um 09:41
zum 1 4000er. Dieser lässt bei mir noch etwas auf sich warte.

Dazu wie immer von dir die schönsten Fotos zur Tour.

Geniess es weiterhin und beste Touren wünsche ich dir

Gruss Manu

boerscht Pro hat gesagt: RE:Gratuliere
Gesendet am 17. Oktober 2018 um 14:46
Hi Manu,
vielen Dank, freut mich ! Ist ja eigentlich nur eine Zahl, aber irgendwie schon was besonderes mal über 4000 m zu stehen.

Dir auch schöne Touren noch.

Gruß Adrian


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