Klöntaler Trilogie


Publiziert von Bergamotte Pro , 7. Januar 2018 um 19:21.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 6 Januar 2018
Ski Schwierigkeit: WS+
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Oberseegruppe 
Zeitbedarf: 4:45
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:PW bis Schwändeli (im Winter kein ÖV ins Klöntal)
Kartennummer:236S (R. 109, 110, 111)

Auf der Nordseite des Klöntalersees findet sich eine ganze Reihe spannender Gipfel. Im Winter erhalten sie kaum Besuch. Das überrascht nicht, denn der Zustieg ist recht weit und mit Flachlauf sowie kurzen Gegenanstiegen verbunden. Dafür trumpft dieses Gebiet gegenüber der Glärnisch Nordwand mit seiner wilden Schönheit auf. Und Einsamkeit ist hier fast schon garantiert.

Um 7:30 laufe ich vom Schwändeli (1030m) Richtung Längenegg los. Die Skiroute folgt über weite Strecken der Alpstrasse, es sind aber verschiedene Abkürzungen möglich. Empfehlenswert ist insbesondere der Direktaufstieg durch die Waldschneise nach Raatlis. Wenn denn genug Schnee liegt im Südwesthang. Heute hat's noch gereicht. Bis Chängel (1468m) ist meist gespurt, denn die sonnenverwöhnte Alp geniesst bei einheimischen Schneeschuhgängern eine gewisse Beliebtheit. Anschliessend ist man aber fast garantiert alleine unterwegs. Deshalb war ich - im Gegensatz zu den meisten Skitürlern dieses Wochenende - nicht unglücklich über die (tragende) Harschkruste. Denn die zehn Kilometer zum Chli Gumen alleine anzuspuren wäre eine üble Plackerei. 

Zunächst steht aber der Twiren (1774m) auf dem Programm. Vor Ort ist die ideale Route nicht ganz offensichtlich, auf der Landeskarte hingegen schon. Der bis 40° steile Hang kann auf seiner Nordseite über eine markante Schneise sicher begangen werden. Oben in Gratnähe wird das Gelände etwas unübersichtlich, aus der Nähe haben sich aber elegante Durchschlüpfe ergeben. Ich pausiere nicht lange und fahre zurück ins Schattenloch der Alp Unterlängenegg (1559m). Nun folgt die recht flache Etappe zum namenlosen Pässchen am Nordfuss des Mättlistocks. Bei meinem letzten Besuch kam mir die Strecke aufgrund der Spurarbeit endlos vor - heute geht das ganz flott. Und sowieso wartet hier als Belohnung der herrliche Blick auf den Dejenstock und die Alp Dejen, welche fernab jeglicher Zivilsation scheint. Übrigens, das enge Tal sollte nur begangen werden, wenn die beidseitigen Steilflanken entladen sind.

Bis nach "Dejen" (P. 1730) verliert man einige Höhenmeter, anschliessend hat der Flachlauf endlich ein Ende. Im kurzen SW-Hang nach Auf den Schijen kratzt man erstmals an den 30°. Und im anschliessenden Aufstieg zum markanten Rücken des Chli Gumens erreicht man - wiederum recht kurz - 35°. Hier musste ich die Harscheisen montieren, der Hang war stellenweise richtiggehend vereist. Das galt auch für den langgezogenen Rücken, die Sonne ist im Moment einfach noch zu schwach. Auf dem Chli Gumen (2247m) öffnet sich endlich auch die Sicht nach Norden auf die Gipfel des Wägitals und der Oberseeregion. Und in der Ferne Speer, Mattstock und Säntis. Auf der anderen Seite hingegen blickt man direkt in die riesige Glärnisch-Nordwand, welche keine fünf Kilometer entfernt liegt. Der Südwind bläst zum Glück nur mässig, so dass eine halbstündige Gipfelrast drinliegt. Zu schade auch, ich könnte das Rundumpanorama an diesem Prachtstag nicht ausgiebig bewundern.

In der Abfahrt zurück nach Dejen sind gute Kanten von Vorteil... Wobei ich zuletzt noch einen Firnhang erwische. Spontan entscheide ich, den Mättlistock (1910m) anzuhängen; nochmals anfellen musste ich ohnehin. Das sind nur 150Hm extra und die Beine weiterhin frisch. Wie bereits am Twiren ist auch hier mit geschickter Routenwahl viel gewonnen, ganz vermeiden lassen sich kurze Steilstellen aber nicht. Wiederum ruppige, pistenähnliche Abfahrt zurück zur Aufstiegsroute. Talauswärts kommt mir die harte Unterlage nun zugute, denn ich schaffe es mit Stöckelei und etwas Treppeln bis zum Türliboden. Normalerweise muss nochmals angefellt werden. Anschliessend über aufgeweichte Hänge zurück ins Klöntal.


Zeiten
1:30  Twiren
2:00  Chli Gumen
0:50  Mättlistock
0:30  Schwändeli

Tourengänger: Bergamotte


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Kommentare (2)


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joe hat gesagt:
Gesendet am 8. Januar 2018 um 21:21
Du findest immer wieder tolle Touren. Gratulation.

Gruss. joe

Bergamotte Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. Januar 2018 um 16:17
Danke. Ich fand die Tour auch toll, aber gefällt sicher nicht jedermann.


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