Segnas, Sardona und durchs Martinsloch zurück


Publiziert von MatthiasG , 19. Oktober 2017 um 13:09. Fotos von den Tourengängern

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum:17 Oktober 2017
Wandern Schwierigkeit: T5+ - anspruchsvolles Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: WS-
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   CH-SG   Segnas-Vorabgruppe   CH-GR 
Aufstieg: 2000 m
Abstieg: 2000 m
Strecke:21km gesamt

Nachdem ich meinen Kameraden, den Siebenschläfer nur zur zweiten Bahn um 8:20 überreden konnte, geht es in Sonnenaufgangsstimmung zum Segnaspass. Während dem Aufstieg wirft das Martinsloch einen kreisrunden Antischatten auf die gegenüberliegenden Hänge. (Hier kann man berechnen, wann die Sonne durch das Loch auf die Kirche von Elm scheint.) Im unteren Teil ist der Weg T3, obenhin ein wenig steil, T4+ wegen hartgefrorenem Schnee. Ging aber noch gut ohne Steigeisen.

Dann endlich Sonne. Wir machen ein wenig Pause und frühstücken. Dann geht es steil nach unten. Es hat nicht wenig Schnee, und man kann die Metallstiege, die hier den senkrechten Teil entschärft, nur noch vereinzelt erahnen. Nach wenigen Metern schon wieder Gehgelände und an schneefreien Stellen eine gute Wegspur.

Dann steilt es langsam auf, und im oberen Teil der Südflanke des Segnas brauchen wir sogar einmal kurz die Hände (T5, I), da wir aufgrund von kritischen Schneefeldern nicht immer die optimale Route nehmen konnten. Man sah teils eine schwache Wegspur unter der Schneedecke verschwinden und später wieder hervorkommen.

Der Grat zum Gipfel ist dann einfach (T4-). Oben setzt alledings schon eine leichte Wächtenbildung ein. Aufgrund von starkem Wind machen wir nur kurz Rast, und gehen dann gleich weiter Richtung Surenstock (Gehgelände). Es geht mehrmals über schöne Firnhänge abwärts, und Paul kann sogar ein Stück weit auf seinem Plastiksack rodeln. Ich bin an einer Stelle über meine eigenen Füße gestolpert und der Länge nach, Gesicht voraus auf den Firn gefallen. Kam sofort ins Rutschen, und habe fast 5 Meter gebraucht um mich wieder mit den Beinen nach unten auszurichten, um den Pickel einsetzen zu können. Sehr lehrreich.

Im Surenjoch verfolgen wir ein stückweit eine Aufstiegsspur, da wir später durch die Segnas Sura gehen wollen, aber es zeigt sich, dass diese Spur über einige Meter in senkrechter Eiskletterei auf den Gletscher führt. Dafür haben wir nicht die richtigen Pickel mit, und überhaupt wollen wir den Gletscher meiden. Also weiter zum Surenstock.

Auch dort halten wir uns nicht lange auf. Noch haben wir Hoffnung, die letzte Talfahrt zu erreichen. Dann wollen wir entlang der Kantonsgrenze zum Sardonapass absteigen, finden aber keine Spur und werden schließlich doch zur weiter nördlich gelegenen Kante geleitet, die auf den Sardonagletscher führt. Die Kante ist ein wenig ausgesetzt, aber recht gut mit Stahlseil versichert (T5-, I). Wunderschöne Genusskraxelei, trotz leichter Vereisung unproblematisch.

Kurz bevor wir ganz unten sind kürzen wir über eine Felsrinne (T5, I) ab, um ein paar Höhenmeter einzusparen. Die Randkluft ist hier mit Schutt aufgefüllt, so dass wir leicht auf den Gletscher gelangen. Genau das wollten wir eigentlich vermeiden, aber nun haben wir halt auch  keine Lust mehr umzukehren, also folgen wir einer Skispur mit großem Sicherheitsabstand. An einer Stelle kommt mir die Schneedecke etwas verdächtig vor, und als ich den Pickel einsteche, bemerke ich, dass es hier wohl tatsächlich eine Spalte hat. Also mit einem großen Schritt über die Stelle - alles gut ausgegangen.

Nach kurzer Zeit erreichen wir den Sardonapass. Von hier weg übersichtliches, einfaches Gelände, und bald stoßen wir auch auf den Weg. Dass wir die letzte Bahn nicht mehr schaffen werden, lässt sich aber inzwischen nicht mehr leugnen, also rufe ich den Betreiber an, und erkläre ihm, dass wir noch auf der Bündner Seite sind. Ich vermute, dass wir ein bis zwei Stunden Verspätung haben werden, und frage, ob er eine Sonderfahrt für uns macht. Er meint, das sei kein Problem, kostet halt 20 Fränkli extra.

Nachdem das geklärt ist beschließen wir, das Martinsloch auf jeden Fall noch anzugehen. (Aufstiegsroute ist auf dem Foto markiert, außerdem auch hier sehr gut beschrieben.) Dazu steigen wir den ätzendsten Schutthang meines Lebens auf (T5+). Abwechselnd hartgefrorener Kies, so dass man keine Tritte machen kann, dann wieder so lose, dass tonnenweise Material abrutscht, und so steil, dass man stellenweise nur mit Schwung verhindern kann, mit dem Geröll wieder nach unten zu gehen. Zudem ab und an auch mal Steinregen aus der Höhe - zum Glück kam nichts großes runter.

Nach ausgiebigen Flüchen erreiche ich den Felsrand, wo man dann recht gut die letzten 30m zum Felsriss queren kann. Dort steige ich nochmal sehr unangenehme ca. 15m ab (T6, hätte man aber auch etwas einfacher haben können), wo Reste eines Stahlseiles in der Rinne sind. Dann auf der gegenüberliegenden Seite der Rinne wieder nach oben, und es wird zum Glück einfacher. Ein paar Meter auf dem Fels nach oben, dann eine Querung, die mit Kette versichert wäre. Leider liegt die Kette stückweise unter dem Schnee, aber dieser hält zum Glück.

Erleichtert erreiche ich das Martinsloch, und nach einem kurzen Aufenthalt steigen wir auf der Glarner Seite wieder ab (T5-). Dort hat es deutlich mehr Schnee, aber dieser ist inzwischen zum Glück nicht mehr so hartgefroren wie am Morgen. Außerdem ist der Weg hier an allen kritischen Stellen mit Seil versichert (gute Verankerungen). Das Seil lag trotz Schnee großteils noch frei.

Dann genussvolles Surfen über Schnee und später Schutt, schließlich Querung über einfaches Gehgelände bis wir den Weg wieder erreichen. Ein Rudel Gams - schon ganz dunkel gefärbt - beobachtet unser Treiben skeptisch aus großer Entfernung.

Der Betreiber der Tschinglenbahn ruft besorgt an, und fragt uns ob alles OK ist, und wir eh Stirnlampen dabei haben. Ja haben wir - drei sogar, und Ersatzbatterien. Schließlich erreichen wir mit nur einer Stunde Verzögerung die Bergstation, und kurz danach das Auto. Schön wars, aber nächstes Mal würde ich weniger Gepäck mitnehmen. Trotz vieler Fotos würde sich dann auch die letzte Bahn gemütlich ausgehen, vor allem wenn man morgens die erste nehmen würde ;)

Tourengänger: MatthiasG, paul_sch

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Kommentare (1)


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Schlomsch hat gesagt:
Gesendet am 22. Oktober 2017 um 21:25
Schöner Bericht mit super Fotos von einer mir bestens bekannten Gegend. Vielen Dank.
Gruss Schomsch


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