S(t)eil ist geil - Rauti und Wiggis gerade hinauf


Publiziert von PStraub , 2. August 2017 um 19:39.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 2 August 2017
Wandern Schwierigkeit: T5 - anspruchsvolles Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Oberseegruppe 
Aufstieg: 1450 m
Abstieg: 1450 m

"Geiz ist geil", heisst es bei unseren nördlichen Nachbarn. Ich halte es da eher mit dem Weisen, der meinte, von allen Todsünden würden sich nur Völlerei und Unzucht überhaupt lohnen. Und finde darum - wahlweise - "steil" oder "Seil" viel netter. 
In den direkten Nordrouten auf Rauti und Wiggis hat es von beidem: Ausreichend steil ist es und um das Seil ist man zumindest am Wiggis wirklich froh. 
Vor gut zwei Jahren habe ich hier die Rauti-Nordflankenroute unter dem Namen "Trosweg" vorgestellt. Damals wusste ich nicht sicher, wer diese eröffnet, markiert und teilweise gesichert hatte. Nach einem bizarren Gespräch nach dieser Tour, mehr davon unten, und nachdem ich heute das Routenbuch unterwegs gesehen habe, steht fest: Die Ehre gebührt Alt-Wildhüter und Bergführer Hans Fischli. 
 
Beim letzten Mal bin ich via Furggeli aufgestiegen, heute via Alp Tros. Wenn man den Beginn des Weges findet, ist das etwas einfacher. Dafür steigt man am besten auf dem markierten Grapplialp-Weg bis zum Wegweiser hoch, wo der Bergweg wieder in den Fahrweg kommt. Dann dort nicht Richtung Grappli, sondern nach links bis zum höchsten Punkt. Dort, bei P. 1252 gemäss aktueller Karte, beginnt der nicht markierte und nur unzulänglich unterhaltene Weg zur Alp Tros.
"Tros" bezeichnet eigentlich Land, das von Erlen, Legföhren und allerlei anderem unnützen Zeugs überwachsen wurde. Es ist unübersehbar, dass es nicht mehr lange gehen wird, dass genau das mit dem Rest dieser Alp passieren wird.
 
Der Weg zum Einstieg ist von der Hütte nicht zu übersehen, und der weitere "Tros"-Weg wurde bereits mehrfach beschrieben und gelobt. Heute ist mir auch das Routenbuch aufgefallen. Solange der überwiegende Teil der Einträge von Näfelsern ist, scheint die Route noch immer nicht allzu überlaufen zu sein.
 
Ich hatte in HIKR vom Wiggis-Direktaufstieg via Seil gelesen, den wollte ich (ver-)suchen. Auf dem Rautigipfel schloss sich mir spontan eine junge Frau an, die sich kurz vor dem Seil ebenso spontan für die normale Route um-entschied. 
Schon in der Rauti-Route waren fast alle Felsen nass, schliesslich hatten wir fast jeden Tag Gewitter, doch hier kam noch die tückische Schichtung des Steins dazu: Ohne das Drahtseil wäre das heute nicht zu machen gewesen. Doch dank dem Seil blieb der Aufstieg im Komfortbereich. Und ja, es ist weit schneller und direkter als aussen herum.
 
Nach einer echt unangenehmen Rutschpartie auf durchnässter Erde bis zum Höchnase-Sattel hinunter ging es via Geisschappel zurück ins Oberseetal. Wo es in Aeschen, wegen "heute geschlossen", schon wieder kein quasi-isotonisches Erfrischungsgetränk gab. 
 
Epilog:
Ende September 2015 traf ich auf dem Rückweg vom Wissgandstock an meinem Bike-"Parkplatz" Hansueli Rhyner, einen der Autoren des neuen Glarner Führers. Er wolle mit mir reden, sagte er. Schau an, dachte ich, hat er doch noch einen Funken Anstand bewahrt und will sich für die Dreckeleien im Vorfeld der Herausgabe entschuldigen.
Doch Fehlanzeige: Er wollte, dass ich den HIKR-Bericht über den "Trosweg" lösche. Der Bericht sei vom "Besitzer" der Route nicht autorisiert gewesen. 
Nun weiss ich, dass Einrichter von Kletterrouten oft einen Besitzanspruch darauf erheben - und damit meist durchfallen. Bei einer alpinen Route war mir das neu - ich war ob dem absurden Ansinnen so baff, dass ich nur kopfschüttelnd davonfuhr.
Immerhin habe ich heute nachgeholt, was ich vorher in Ermangelung an Info nicht schreiben konnte: Der Einrichter und Markierer der Route war/ist Hans Fischli, ein GeoGuide-Kollege von mir.

Tourengänger: PStraub

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