Dreigestirn rund um die Landsberger Hütte


Publiziert von Tuppie , 30. Oktober 2016 um 18:23.

Region: Welt » Österreich » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Tour Datum:17 Oktober 2016
Wandern Schwierigkeit: T4- - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: A 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1360 m
Abstieg: 1360 m
Strecke:22,8 Kilometer
Zufahrt zum Ausgangspunkt:zu Fuß ab Tannheim zum Vilsalpsee. Bis hier darf auch bis 10 Uhr mit dem PKW angefahren werden.
Kartennummer:Kompass Nr. 4 "Tannheimer Tal"

17. Oktober 2016: einen Tag nach meiner schönen Vater-Sohn-Tour auf den Schönkahler und Pirschling breche ich nochmals alleine auf: nach meiner Bergtour in die Berge rund um den Vilsalpsee von 2012 wünsche ich mir seit Jahren eine Tour auf das Dreigestirn Lachenspitze – Steinkarspitze – Rote Spitze; die Hüttengipfel der Landsberger Hütte. Heute soll es soweit sein.

Obwohl verschlafen kann ich dennoch um 8:40 Uhr am großen Parkplatz an der Tannheimer Neunerköpflebahn (Kosten: 4 Euro/Tag) starten. Das Wetter ist freundlich, es hat sportliche 4°C und so starte ich gemütlich auf der Fahrstraße Richtung Vilsalpsee. Vier Kilometer sollen es bis zum See sein, als Fußgänger kann man aber teils durch den Wald über einen Fußweg die asphaltierte Straße großteils umgehen und geht so auch eine etwas direktere Linie. So bin ich dann auch nach etwa 35 Minuten und den ersten 3,8 Kilometern am Gasthaus Vilsalpsee auf 1168 m. Hier kostet der Parkplatz für den Tag stolze 7 Euro! Da investiere ich den Differenzbetrag lieber in ein Bier bei der nachmittäglichen Rückkehr.

Da der ostseitige Weg um den See nun wieder offiziell begehbar ist, kann ich guten Gewissens ohne Umwege Richtung Landsberger Hütte starten. 2012 kam es hier an der Blässe zu mehreren mitunter sehr großen Felsstürzen, so dass hinsichtlich der Frage einer Wegsperre keine Frage bestand. Von 2015-2016 wurde der gefährdete Bereich umfangreich gesichert und saniert, so dass Wanderer hier wieder den Weg nutzen können und dies auch dürfen.

Nach fünfzehn gemütlichen Minuten bin ich an der Wegeabzweigung Richtung Traualpe / Landsberger Hütte und beginne den eigentlichen Aufstieg. Auf breit ausgebautem Weg geht es rasch hinauf, mitunter steil, so dass man zügig an Höhe gewinnt. Bis etwa 1300 m Höhe verbleibt man auf diesem breiten Weg, der dann in einen „normalen“ Bergweg übergeht. In vielen Kehren steige ich höher, mit mir sind derzeit nur wenige andere Wanderer auf der Strecke. Aufgrund der Karstufe am Traualpsee sind der See wie auch die Landsberger Hütte von hier nicht zu sehen. Der Blick öffnet sich für mich dann schlagartig, als ich nach einer Dreiviertelstunde Aufstieg die Traualpe und den gleichnamigen See auf 1649 m erreiche. Der See liegt in wunderschöner Berglandschaft zwischen Geierköpfle, Rote Spitze, Lachenspitze und Schochenspitze eingebettet und lohnt an sich schon für einen Ausflug. Im Sommer bietet die Traualpe, nunmehr schon geschlossen, einfache Verpflegung. Ich mache eine kurze Trinkpause und spaziere dann recht flach am östlichen Seeufer entlang zum letzten Felsriegel vor der Landsberger Hütte. Dieser letzte Anstieg überwindet nur noch gut 150 Höhenmeter, die man auf gutem Pfad rasch überwindet. Felsige Stellen sind mit Ketten versichert. Bei Nässe bieten die Ketten durchaus sinnvollen Halt, denn das es hier schon mehrfach zu Unglücken gekommen ist, davon erzählen die Gedenktafeln, von denen gleich drei im Abstand weniger Meter angebracht sind. Etwas bedrückend!

Um 10:45 Uhr bin ich an der Landsberger Hütte auf 1805 m angekommen und genieße einen grandiosen Blick auf die Nordwand der Lachenspitze. Eine beeindruckende Kulisse für den Klettersteig, den man hier angebracht hat. Die Hüttentür steht offen, doch die Saison ist vorüber: gestern war der letzte Tag der Saison, heute wird winterfest gemacht. Ich mache mich also nach kurzem Stopp auf den weiteren Weg, Steinkarspitze und Rote Spitze vor Augen. An der nahen Weggabelung gehe ich geradeaus Richtung Westliches Lachenjoch (lt. Kompass-Wanderkarte. In der Zumstein-Karte heißt die gleiche Scharte Kastenjoch) – die Rote Spitze soll mein erstes Ziel für heute sein. Der Weg leitet in mäßiger Steigung angenehm höher, man genießt herrliche Rundumblicke auf die Berge der Hütte und nach 25 min. habe ich das Joch auf 1978 m (lt. GPS) erreicht. Es tut sich ein wunderbarer Blick Richtung Hornbachkette, Hochvogelgruppe und Rauhhornzug auf.
Von hier leitet ein erdiger Steig die Rote Spitze hinauf, die rund 150 Höhenmeter sind mit großzügigen 40 min. Gehzeit ausgeschildert. Keine Ahnung, wie die angegebenen Gehzeiten zustande kommen: am Vilsalpsee ist die Landsberger Hütte mit drei (drei!) Stunden ausgewiesen. Im AV-Führer liest man deutlich realistischere 1,5 Std. Gehzeit. So oder so, nach einer Viertelstunde stehe ich ganz alleine auf dem Gipfel der Rote Spitze und kann meinen ersten Gipfelmoment genießen. Der Aufstieg von der Scharte hat ähnlichen Charakter wie der Aufstieg vom Himmeleck zum Schneck-Vorgipfel. Ein schlichtes Kreuz schmückt den schönen Aussichtsgipfel. Ich schaue in die Runde und freue mich, dass es trotz bedecktem Himmel ein wenig Sonne hat. Sogar den Schweizer Tödi erblicke ich in der Ferne. Es ist einigermaßen mild und praktisch windstill. So lässt sich die schöne Rundschau ganz genussvoll aufnehmen. Nach 15-minütiger Pause geht es den guten Steig, der bei Nässe sicher schmierig werden kann, in zehn Minuten zur Scharte hinab und gleich weiter zur Steinkarspitze. Das nahe Kreuz ist mit 30 min. Aufstiegszeit angegeben. Auf leicht bröseligem, aber gutem Weg steige ich in zehn Minuten auf den Gipfel der Steinkarspitze. Die letzten Anstiegsmeter kann man wahlweise in leichter Kraxelei auf direkter Linie oder auf dem Steig, den Gipfel südseitig umgehend, überwinden. Ein hübsches Kreuz ziert den 2067 m hohen Gipfel, die Aussicht ist freilich der ersten Rundschau recht ähnlich. Von hier hat man allerdings einen guten Einblick auf den südseitigen Anstieg auf die Lachenspitze. Auch den zweiten Gipfel des Tages kann ich in absoluter Ruhe genießen. Es herrscht dank der Windstille eine ungewohnte, wohltuende Stille, einfach herrlich. Für einen Stadtmenschen immer wieder absolutes Balsam für die Seele. Gestern war freilich das Wetter besser, dafür sicher auch der Menschenandrang deutlich größer als heute.

Auch hier: Fotopause, ein wenig Stärkung und genussvolle Blicke in die Runde. Gegen 12:25 Uhr steige ich Richtung Steinkarjoch ab: vom Gipfel geht es zunächst recht steil und bröselig abwärts, mit bedachtem Schritt erreiche ich jedoch bald flacheres Gelände und steige in die nahe Scharte hinunter. Die in der Kompasskarte Nr. 4 (Blatt „Tannheimer Tal“) vermerkte Höhe von 2015 m ist definitiv falsch: laut GPS liegt die Scharte 1956 m tief. Zunächst ostwärts geht es recht flach leicht ansteigend höher, bis der Weg dann an der Abzweigung Lachenspitze/Krottenkopfscharte deutlich steiler wird und man über grobes Geröll rasch an Höhe gewinnt. Mit Holzbrettern wird ein unnötig starkes Hangrutschen des Gerölls vermieden und der Aufstieg angenehmer gestaltet.
Nach etwa zwanzig Minuten Aufstieg habe ich die Lachenspitze gegen 13 Uhr erreicht und kann endlich den berühmten Dreiseenblick genießen: Vilsalpsee, Traualpsee und Lache auf einen Blick: sehr schön! Aber auch sonst lohnt der Ausblick von hier oben. Da es noch früh ist und das Wetter nach wie vor angenehm und fast windstill ist, gönne ich mir eine 40minütige Pause. Besonders beeindruckend ist der Blick auf die nahe Leilachspitze und die wilden Krottenköpfe. Beeindruckende Hauptdolomitbastionen, die so gar nicht in das Klischeebild des Allgäus passen möchten.

Um 13:40 Uhr mache ich mich an den Rückweg zur Landsberger Hütte. Zunächst steil, dann flacher werdend geht es zurück zur Scharte und in einem weiten Bogen sehr angenehm und schön zu gehen runter zur Hütte. Für dieses Stück brauche ich dann auch die ausgewiesenen 50 Minuten, sicher auch, weil ich unterwegs für eine Vielzahl von Fotos Halt mache und immer wieder begeistert bin, wie sehr sich der Anblick der Lachenspitze mit jedem abgestiegenen Meter wandelt. Ist man eben noch die recht zugängliche und flache Südflanke abgestiegen, steht man dann wieder vor der abweisenden Nordwand, die man an der Landsberger Hütte bestaunen kann.
An der Hütte wird das Wetter nochmals tatsächlich freundlicher. Nach einer kurzen Pause nehme ich den Abstieg unter die Füße, bringe das erste Stück rasch hinter mich, mache am Traualpsee nochmals kurz Pause, genieße die Sonne und steige dann zügig Richtung Vilsalpsee ab. Nach etwa 35 min. Abstieg bin ich wieder an der „Vilsalpseestraße“ und wenig später am noch immer recht gut besuchten Gasthof Vilsalpsee. Zeit, meine Parkplatzersparnis in etwas Trinkbares umzusetzen. Nach einem leckeren Bier nehme ich den Rückweg in Angriff und spaziere zurück nach Tannheim. Nach einem kurzen Besuch der schönen Mariahilf-Kapelle bin ich nach knapp 8,5 Std. wieder am Auto. Der Himmel hat sich inzwischen recht zügig zugezogen, wenig später fallen die ersten Regentropfen aus den dunklen Wolken: gutes Timing.

Fazit: eine wunderschöne, stressfreie Tour auf drei einfach erreichbare Gipfel. „Dank“ der geschlossenen Landsberger Hütte eine relativ einsame Tour, die man so eher genießen kann als in der Hochsaison. Das Geierköpfle werde ich bei meinem nächsten Besuch der Landsberger Hütte besteigen und mit der Kalbleggspitze zu einem Übergang Richtung Schrecksee und Hinterstein verbinden.

Durchgangszeiten: (Rastpausen & zahlreiche Foto- und Videostopps inklusive):
08:40 Parkplatz Tannheim
09:15 Vilsalpsee
09:30 Webabzweigung Richtung Landsberger Hütte
10:15 Traualpsee
10:45 Landsberger Hütte
11:12 Lachenjoch
11:30 Rote Spitze (gute Viertelstd. Pause)
11:58 Lachenjoch
12:08 Steinkarspitze (gute Viertelstd. Pause)
12:45 Steinkarscharte
13:02 Lachenspitze (40 min. Pause)
14:30 Landsberger Hütte
15:55 Vilsalpsee
17:00 Parkplatz Tannheim

Tourengänger: Tuppie

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Kommentare (1)


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anneliese hat gesagt:
Gesendet am 31. Oktober 2016 um 23:18
Hallo thomas
toller bericht und danke für die info das die sperrung wieder aufgehoben ist !
Da werd ich dann mal im nächsten bergsommer wieder ne tour vornehmen !!!
gruß Anne


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