Mürtschenstock - Überschreitung


Publiziert von Delta Pro , 3. Juli 2006 um 19:16.

Region: Welt » Schweiz » Glarus
Tour Datum: 2 Juli 2006
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Hochtouren Schwierigkeit: S
Klettern Schwierigkeit: IV (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: CH-GL   Schilt-Mürtschengruppe 
Zeitbedarf: 11:30
Aufstieg: 1700 m
Abstieg: 1700 m

Das ist DIE Bergtour der Voralpen schlechthin! Grandiose Überschreitung der Mürtschenstöcke von Nord nach Süd in landschaftlich eindrucksvoller Umgebung, wildester Natur und völliger Einsamkeit.

Allgemeines: Der Mürtschenstock ist ein wilder, unnahbarer Berg dessen Routen von weitem ziemlich verwegen Aussehen. Ist man aber einmal in diese eigene Welt aus Schuttbändern, -rinnen und Graten eingetaucht eröffnen sich immer wieder neue Durchschlupfe, Wege und Risse, die zum Ziel führen - ein Weg durch ein Labyrinth aus Kalkstein. Der Fels ist oft erstaunlich fest, allerdings liegt tonnenweise Schutt herum, der nur darauf wartet, vom Bergsteiger in die Tiefe getreten zun werden. Deshalb ist es einem am wohlsten, man ist alleine am Berg. Viele Routen lassen sich mit T6 bewerten, am Stock (kurze Stellen) und am N-Grat zum Ruchen muss aber geklettert werden (IV). Es stecken einige alte Schlaghaken. Am Ruchen sind ein paar Stände neu eingebohrt. Auf jeden Fall selbst Sicherungsmaterial mitnehmen.

Start um 4.15 beim Talalpsee nach gemütlichem Biwak mit Blick in Sterne. Zügiger Aufstieg in die Hohmatt, wo wir pünktlich zum Sonnenaufgang eintreffen. Wieder einmal wunderschön! Aufstieg über steile Grasflaken gegen den Mürtschenstock, T5 und zum winzigen Biwak. Dann in der Morgensonne über Stufen und auf Grasbändern zum Schussplatz. Hier verabschiedet sich die Vegetation und es geht durch viel losen Schutt zur Jägernase. Eine SL III auf das Bös Band und eine SL IV durch den Fingerriss (Haken). Dann einfach auf den Stock.
 

Abstieg, Abseilen über den Fingerriss und den Steinmännern nach gegen den Fulen. Landschaftlich sehr schön! Auf Schuttbändern und durch Rinnen (T6). Besonders eindrücklich ist das Gipfelplateau mit eigenartig braunem Kalkstein - man ist auf dem Dach der Welt! Schliesslich einfach über ein kleines Grätchen auf den Gipfel des Fulens
 

Abstieg in die Scharte zwischen Fulen und Ruchen auf mit Steinmännchen markiertem Pfad und Querung auf Schuttband in Westflanke. Von dort ziemlich gerade bergauf in steilen Rinnen, Rissen und am Schluss über den Kopf eines recht coolen Gendarms zum Ende des steilen Grataufschwungs (ca. 8 SL, davon 4-5 im dritten-vierten Grad). Einige Gratköpfe westlich umgehend auf den Gipfel des Ruchen.
 

Abstieg über den Südgrat auf durchgehend kenntlichem Pfad, oben meist T5, mit einer etwas schwierigeren Stelle (T6; das ZS im Führer ist für diese Route nicht zutreffend) und durch langes Couloir, erst auf Schneefeldern, dann im Schutt abrutschend. Auf dem Wanderweg zurück zum Talalpsee und direkt in diesen hinein!


Tourengänger: Delta, Alpin_Rise

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Kommentare (4)


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Alpin_rise hat gesagt: Perfekt!
Gesendet am 4. Juli 2006 um 00:58
Danke Delta für deinen brillianten, wahrheitsgetreuen Bericht - vielleicht solltest du mal Führerautor werden. So wie du Gendarmen von Osten ersteigst und nach Westen verlässt... toll!

zrihorn hat gesagt: Weitere Informationen
Gesendet am 13. Juli 2007 um 15:15
Kann den Kommentar von Alpin_rise nur unterschreiben! Besten Dank!
Ich würde die Tour auch gerne machen und hätte dazu noch zwei Fragen:
1. Weisst Du, ob die Biwackschachtel jedermann offensteht resp. bei wem man um Erlaubnis fragen soll?
2. Sind die Kletterpassagen problemlos mit den Bergschuhen zu machen oder gibt es auch plattige Stellen, wo Kletterfinken gute Dienste leisten würden?

Besten Dank für die Antwort!

zrihorn hat gesagt: Weitere Informationen
Gesendet am 13. Juli 2007 um 15:17
Kann den Kommentar von Alpin_rise nur unterschreiben! Besten Dank!
Ich würde die Tour auch gerne machen und hätte dazu noch zwei Fragen:
1. Weisst Du, ob die Biwackschachtel jedermann offensteht resp. bei wem man um Erlaubnis fragen soll?
2. Sind die Kletterpassagen problemlos mit den Bergschuhen zu machen oder gibt es auch plattige Stellen, wo Kletterfinken gute Dienste leisten würden?

Besten Dank für die Antwort!

Delta Pro hat gesagt: RE:Weitere Informationen
Gesendet am 13. Juli 2007 um 15:47
Ciao!
Die Biwakschachtel steht offen (so wars diesen Mai). Sie ist allerdings privat. Es wird von den Erbauern erwartet, dass man sie wieder in gleichem Zustand verlässt, wie sie vorgefunden wurde. Decken und Wasser (Regen) vorhanden.
Die Kletterstellen sind weitgehend problemlos mit den Bergschuhen zu machen. Es gibt nirgends Passagen, wo sich Kletterfinken eignen würden, da es sich oft um kombiniertes Kletter-Geh-Gelände handelt.
Gruss und viel Glück auf dieser "Königstour" der Ostschweizer Voralpen.
Delta


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