Via Schäfler auf die Altenalptürm


Publiziert von Bergamotte Pro , 9. November 2015 um 20:35.

Region: Welt » Schweiz » Appenzell
Tour Datum: 7 November 2015
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: Alpstein   CH-AI 
Zeitbedarf: 6:15
Aufstieg: 1800 m
Abstieg: 1800 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:cff logo Wasserauen
Kartennummer:1115 Säntis

Auf meiner Alpstein-Tourenkarte finden sich nach wie vor zahlreiche schwarze Flecken. Hundstein? Hoher Kasten? Saxerlücke? Alles Fehlanzeige. Immerhin konnte ich diese Saison einige der Wissenslücken füllen. Und heute stehen mit Äscher, Ebenalp und Schäfler drei der bekanntesten Wander ziele auf dem Programm. Um der eher abgelatschten Runde den nötigen Pfiff zu verleihen, besuche ich  im Anschluss alle drei Altenalptürme. So wird aus dem gemütlichen Touribummel im Handumdrehen die wohl rassigste Unternehmung in diesem Jahr.

Für einmal bleibe ich etwas länger liegen und laufe erst um 9:00 in Wasserauen (868m) los. Ausschlafen in allen Ehren, doch die Stunde wird mir am Abend fehlen. Und auf der Ebenalp gerate ich prompt in die Hauptverkehrszeit der Schäfler-Prozession, obschon das Berggasthaus bereits im Winterschlaf liegt. Immerhin die Passage zum Äscher kann ich in Ruhe absolvieren. Nach einer kurzen Verschnaufpause auf der Ebenalp (1640m) reihe ich mich in den Strom ein, besuche aber unterwegs noch Zisler (1745m), Chalberer (1700m) sowie den Ostgipfel der Filderchöpf (ca. 1770m, nicht kotiert).

Östlich vom Schäfler (1925m) wird es ruhiger, dafür steigt die Nervosität. Als ich unterhalb der Läden traversiere, baut sich plötzlich der östliche Altenalpturm vor mir auf. Dessen Nordflanke ist steil, aber das Schrofengelände meist gut gestuft. Einen Pickel kann ich empfehlen, gerade bei Restnässe. Es gibt keine zwingende Linie, zahlreiche Varianten sind möglich. Beim unauffälligen Vorgipfel erreicht man schliesslich den Grat. Es verbleibt das kurze Gipfelgrätchen, wobei die ersten Schritte sehr luftig sind. Anschliessend wieder angenehmer rechts der Gratschneide die letzten Meter zum Ostturm. Bewertung: durchgehend T5 bis T6-. Man geniesst von hier oben einen herrlichen Blick auf die Läden und den Schäfler. Furchteinflössend hingegen der messerscharfe Reitergrat, welcher zum Mittelturm rüberführt. Selbst am Seil hätte ich wohl grösste Mühe ihn zu begehen. Der Abstieg zurück durch die schrofige Nordflanke erfolgt grösstenteils in der bewährten "Hosenboden"-Technik...

In der Annahme, die grössten Schwierigkeiten überstanden zu haben, folge ich dem Wanderweg Richtung Lötzlialpsattel, um anschliessend die steile Südflanke (zuerst Gras, dann Schrofen)  unterhalb dem Verbindungsgrat zwischen mittlerem und westlichem Turm hochzusteigen. Auch hier ist das Gelände steil, aber aufgrund der Exposition furztrocken. Das von Vorgängern erwähnte 3m Wändli umgehe ich rechts, was mir einfacher scheint. Anschliessend über die oberste Grasrampe nach rechts direkt auf den Gipfelgrat und in wenigen Metern zum Hauptpfeiler der Altenalptürm (2033m). "Schöner kann Bergsteigen nicht sein", denke ich während meiner ausgiebigen Mittagsrast bei sommerlichen Temperaturen.

Im Schrofengelände fühl ich mich wohl, aber scharfen Gratpassagen misstraue ich. So wird der Abstecher zum westlichen Vorgipfel (P. 2019) zur unerwartet haarigen Angelenheit. Am angenehmsten sind noch die Ausflüge in die Nordflanke, wo das Terrain zurzeit glücklicherweise trocken ist. Bei den direkten Gratpassagen hingegen rutscht mir mehr als einmal das Herz in die Hose, wenn ich mich reitend oder kriechend fortbewege. Langsam werde ich zu alt für soviel Luft unter den Füssen, auch wenn die technischen Schwierigkeiten bescheiden sind (T6). Für eine ausgiebige Lektüre des Gipfelbuchs von 1972 fehlt mir dann die Muse, schliesslich steht noch der Rückweg bevor. Irgendwann ist es überstanden und ich mach mich konzentriert, aber nun wieder in meinem Element an den Abstieg durch die Südflanke.

Zurück auf dem Wanderweg besuch ich noch rasch den Lötzlialpsattel (1900m), um den Westturm fotografisch festzuhalten. Anschliessend wegloser Abstieg in den Steckenbergsattel (1751m), von wo ich den weitläufigen Rückweg via Seealpsee nach Wasserauen in Angriff nehme. Ab Chobel treffe ich wieder auf Heerscharen von Ausflüglern von der Ebenalp.


Zeiten
1:10  Äscher
1:30  Schäfler (mit Umwegen)
0:45  Altenalpturm Ost
1:00  Altenalpturm Mitte
0:25  Altenalpturm West (und retour)
1:30  Wasserauen

Tourengänger: Bergamotte


Galerie


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Kommentare (2)


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marmotta hat gesagt:
Gesendet am 9. November 2015 um 20:55
Herzliche Gratulation zur Besteigung aller drei Altenalptürm! Interessant finde ich, wie unterschiedlich die Empfindungen hinsichtlich der einzelnen Passagen sein können: Ich z.B. habe den Auf- und vor allem Abstieg durch die brüchige Schrofenflanke im oberen Abschnitt des Östlichen Turms als wesentlich unangenehmer empfunden als den Gratabschnitt zwischen Mittlerem und Westlichem Turm!

Wenn Dir luftige Reitgrate Angst machen, kannst Du vis à vis der Altenalptürm -sozusagen als Konfrontationstherapie- am Hängetengrat ein wenig üben... :-)

Vor dem Altenalptürm-Reitgrat habe ich übrigens auch gekniffen...

G.
marmotta

Bergamotte Pro hat gesagt: Herzlichen Dank
Gesendet am 10. November 2015 um 09:18
Sali marmotta

T6 ist einfach unberechenbar. Deine Berichte hatte ich vorgängig natürlich gelesen. So war ich ganz schön positiv überrascht, als ich ohne grösseres Nervenflattern den Ostturm erreichte. "Jetzt wird es nur noch einfacher", dachte ich mir. Denkste... :-)) So hat halt jeder seinen Schwachpunkt.
Und sprich mir nicht vom Hängeten... Hatte die Berichte im Nachhinein studiert. Da muss nun zuerst etwas "Gras" drüber wachsen.

Beste Grüsse


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