Fleischbank über Schneeloch und Westpfeiler


Published by frehel , 30 August 2015, 22h28.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Kaiser-Gebirge
Date of the hike:30 August 2015
Hiking grading: T5- - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: IV (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Height gain: 1200 m 3936 ft.
Height loss: 1200 m 3936 ft.
Access to start point:Mautstraße zur Grieseneralm

Nach dem motivierenden Bericht von Yeti69 über den Klassiker Fleischbank Nordgrat, hatte ich ihn für heute ins Auge gefasst. Auf Grund der großen Hitze und meiner Neugierde, einmal zum einzigen Kargletscher im Kaiser, dem sogenannten Schneeloch, aufzusteigen, habe ich dann doch alternativ den Fleischbank Westpfeiler (auch bekannt als Nordwestpfeiler) gemacht. Auf jeden Fall eine schattige selten begangene Angelegenheit, was mir im natürlich sonst total überlaufenen Gebiet am Schönwetterwochenende einen in weiten Teilen vollkommen einsamen Tag gebracht hat. Die letzten Seillängen bin ich dann auf den wunderbaren Nordgrat in die Sonne gewechselt.
Um es gleich vorwegzunehmen: Der Westpfeiler, erstbegangen von Aschenbrenner und Weinberger 1937, ist eher Murks meiner Meinung nach: Er bietet weder besonders schöne Kletterei, die Schlüsselstelle (IV) ist ein schmieriger Kamin, der mich free-solo auf jeden Fall an meine Grenzen gebracht hat, noch eine interessante Linie. Außer dem Einstiegskamin mit der Schlüsselstelle, gibt es noch eine weitere passable Kletterstelle, das sogenannte Kanonenrohr (III), ein kurzer Kamin im oberen Teil. Für alle die es trotzdem angehen wollen, gibts unten eine Routenbeschreibung; zum Nachschlagen kann ich den Panico-Kletterführer und den alten AV-Führer Kaisergebirge (Ausgabe 1990 oder älter) empfehlen.



Routenbeschreibung:
Los gehts an der Grieseneralm um 8:30 Uhr. Es sind bereits viele Leute auf dem Weg zum Stripsenjochhaus unterwegs und ständig muss man zum Überholen ansetzen. Kurz vor dem Stripsenjochhaus geht es links vom Weg ab am oberen Ende des Kares Wildanger. Eine genaue Routenbeschreibung zum nun folgenden Zustieg ins Schneeloch findet man z.B. im AV-Führer Kaisergebirge (Ausgabe 1990 oder früher). Man quert grob gesprochen im Auf und Ab oberhalb der prallen Felswände des Wildangers (und der Latschen) nach links bis unter die Platten mit den vielen Wasserrillen, die sich unterhalb des Schneelochs befinden. Die Platten durchsteigt man von ganz links unten nach rechts oben. Die genialen Wasserrillen auf den Platten hatten mich so in den Bann gezogen, dass ich zu weit rechts (im Aufstiegssinne) hoch bin, was die Sache etwas schwrieriger gemacht hat, normalerweise ist es höchstens eine II-. Unterhalb des Schneeloch kommt man übrigens ganz nah an der sehr beliebten Via Classica vorbei. Dort stauen sich heute die Seilschaften, es geht nur im Schneckentempo voran. Zum Glück für mich, denn dadurch bin ich als erstes am Gipfel und habe ihn ganz für mich.

Jetzt betritt man das Schneeloch etwas oberhalb des Eisfelds/Gletschers. Dieses versteckt sich im Spätsommer großteils unter Geröll bzw. wurde vom Klimawandel aufgegessen. Der Permafrost im Hang südlich oberhalb des Eisfelds scheint seine besten Tage auch hinter sich zu habe. Dort kommen ständig Steine runter; der im AV-Führer beschriebene Anstiege vom Schneeloch zur Winklerscharte dürften heutzutage ziemlich unangenehm sein.

Der Westpfeiler wird von der Fleischbank durch die Schlucht getrennt, die vom Wildanger hochzieht. Zum Westpfeiler gehts vom Schneeloch links hoch auf den oberen der beiden Grasabsätze (II+). Hier Einstieg bei Klebehaken. In der zweiten Seillänge geht es in den Kamin des Westpfeilers rein und richtig zur Sache. Ein durch mehrere Blöcke versperrter enger, teils schmieriger Kamin muss überwunden werden (IV). Danach flacht sich der Kamin etwas ab (III) und man kommt schließlich auf einer grasigen Schulter raus. Jetzt weiter geradeaus (Gehgelände,I). Teils in der Fortsetzung besagter Schlucht, teils auf der Fortsetzung des Pfeilers (beide wenig ausgeprägt). Irgendwann steigt man dann durch das sogenannte Kanonenrohr (III) nach links in Schrofen hinauf. Jetzt entweder direkt zum Nordgrat (hab ich gemacht) oder im Zickzack weiter direkt Richtung Gipfel. Für den gesamten Aufstieg habe ich vier Stunden gebraucht.

Die Beschreibung des Abstiegs über den Herrweg spare ich mir. Nur ein Hinweis für Preußianer_innen: Ich bin fast den kompletten Weg ohne Abseilen abgeklettert (Stellen III), was teilweise ziemlich heikel ist, wenn man sich nicht auskennt. Von oben kann man praktisch nicht erkennen, wo der einfachste Weg langgeht und ein paar mal habe ich mich in ziemlich heikeles Gelände verstiegen. Die Markierungen leiten leider nur zu den Abseilstellen und nicht zu den Abkletterstellen. Schließlich gehts durch die Steinerne Rinne runter ins Kaiserbachtal.
 

Hike partners: frehel


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Comments (4)


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Nic says:
Sent 31 August 2015, 00h23
Klasse Tour! Gratulation! Seilfrei gehen das wohl nur Top Kletterer. Nachdem es von Algi lange nichts mehr zu lesen gibt, trittst du nun seine Nachfolge an. Weiter so!

VG Nico

frehel says: RE:
Sent 31 August 2015, 20h16
Danke, aber für mich ist das wirklich eine ziemliche Ausnahme im vierten Schwierigkeitsgrad alleine unterwegs zu sein.

Bei der Tour müsste man halt für maximal zwei kurze Seillängen bei 1200 Metern Aufsteig einiges zum Sichern mitnehmen. Abgesehen von jeweils einem Klebehaken an den ersten Ständen, gibt es vielleicht noch zwei alte rostige Haken im Kamin (laut Topo), die ich nicht wahrgenommen habe.

Yeti69 says:
Sent 31 August 2015, 21h27
Servus Moritz,

das ging ja flugs mit der Fleischbank-Tour... der Westpfeiler hat's dir wohl (leider) nicht so angetan - ich kenn die Route gar nicht. Den Herrenweg ohne Seil runter ist wirklich nicht easy... unübersichtlich und teils mit Abbrüchen. Bist dann unten rechts durch die Schlucht raus, oder?

VLG Markus

frehel says: RE:
Sent 1 September 2015, 17h47
Servus Markus,

nach den tollen Touren diesen Sommer bin ich wohl etwas verwöhnt und überkritisch. :)

Sehr interessant sah übrigens die Leuchsführe in der Totenkirchl Ostwand gegenüber aus. Dass man da mit einer III hochkommt, ließ sich aus der Ferne kaum erahnen; es soll sogar schöne Kletterstellen im oberen Teil geben.

Man konnte beim Abstieg ganz rechts am obersten Ende gut in die Schlucht runtersteigen. Das Hauptproblem war davor der erste Abbruch, der wirklich super unübersichtlich von oben ist.

BG,
Moritz


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