Piz Linard (3410m) via S-Flanke


Published by أجنبي , 18 June 2015, 20h44.

Region: World » Switzerland » Grisons » Basse Engadine
Date of the hike:12 June 2015
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Mountaineering grading: PD
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Snowshoe grading: WT3 - Demanding snowshoe hike
Waypoints:
Geo-Tags: Piz Linard-Gruppe   CH-GR 
Height gain: 1980 m 6494 ft.
Height loss: 1980 m 6494 ft.
Route:Lavin – P. 1618 – P. 1698 – God Laret – P. 1961 – P. 2139 – Chamanna dal Linard CAS – Glims – Piz Linard – retour auf gleicher Route
Access to start point:Auto bis Lavin (ab Dorfmitte führen Täfelchen „PP CAS“ zum Parkplatz am Dorfrand. Zurzeit ist dort allerdings eine Baustelle)
Access to end point:Auto ab Lavin
Accommodation:Chamanna dal Linard CAS
Maps:LK 1:25.000: 1198 Silvretta

Dass der Piz Linard, der höchste Gipfel des Unterengadin, einem üblen Geschirrladen gleicht, ist auch in der Zentralschweiz bekannt. Dem Piz Linard bei winterlichen Bedingungen einen Besuch abzustatten, erschien uns daher als sinnvoll. Die Idee, die wir quasi am Vorabend der Tour wieder aus der Schublade holten, bot zudem Vorzüge, die wir immer wieder gerne schätzen: Eine (zurzeit) unbewartete Hütte und grösstmögliche Einsamkeit.

 

Wir starteten am oberen Dorfende von Lavin, etwas oberhalb der Umfahrungsstrasse. Der Zustieg zur Chamanna dal Linard ist bestens ausgeschildert und führt lange Zeit mit angenehmer Steigung durch den Wald. Bei P. 1961, wohin man auch mit dem Mountainbike gelangen könnte, lichtet sich dieser. In schöner Umgebung und noch etwas weniger steil als bisher führt der Weg in den Kessel, in welchem schon bald die Chamanna dal Linard CAS zu sehen ist. Wir erreichten die Hütte nach zwei Stunden, deponierten unser Gepäck und spazierten noch bis auf ca. 2500m in die Höhe, um uns die Verhältnisse in der S-Flanke des Piz Linards anzusehen, einen Eindruck über die erste Wanderstunde zu gewinnen (am nächsten Morgen würden wir dort mit Stirnlampen unterwegs sein) und uns ausgiebig an den überaus neugierigen und verhältnismässig wenig scheuen Murmeltieren zu ergötzen.

 

Vor der Linardhütte, in deren perfekt ausgerüsteten Küche und dem vorzüglichen Schlafraum verbrachten wir den Rest des Tages und die kurze Nacht. Bereits um 3 Uhr klingelte der Wecker, denn wir wollten so früh und schnell wie möglich auf dem Gipfel sein, um im Abstieg durch die S-Flanke ja nicht in Nassschneeprobleme zu geraten. Früh los und möglichst schnell sein, lautete also unsere Devise. Kurz nach 4 Uhr traten wir ins Freie, knipsten unsere Lampen an und stapften los. Bei den Seelein im Gebiet Glims mehrte sich der Schnee. Wir wichen ihm, wo immer möglich, aus. Leider, doch erwartungsgemäss, war er auf dieser Höhe in der Nacht nicht gefroren. Selbst am Einstieg ins erste Couloir, den wir nach eineinhalb Stunden erreichten, war der Schnee noch weich, was erste Zweifel aufkommen liess. Die Hoffnung auf gefrorenen Schnee in den heiklen Passagen weiter oben blieb allerdings. Wir trafen den Entscheid, das erste Couloir mal zu durchsteigen und danach umzukehren, falls der Schnee danach nicht gefroren sein würde.

 

Am Einstieg zum Couloir deponierten wir unsere Schneeschuhe, die wir für den Abstieg mitgeschleppt hatten, und wechselten auf Steigeisen und Pickel. Und siehe da: Schon nach wenigen Minuten im Couloir wurde die Unterlage härter – und unsere Hoffnungen auf einen Gipfelerfolg stiegen. Von einem Laviner hatten wir am Vortag den Tipp erhalten, das erste Couloir vollständig zu durchsteigen und es nicht nach zwei Dritteln (bei einem grossen Steinmann nach rechts der Sommerroute folgend) zu verlassen, sofern genügend Schnee lag. Wir kamen dem Hinweis nach und empfehlen ihn weiter.

 

Nach dem ersten Couloir erreichten wir das grosse, zunächst 30° und später 35-40° steile Schneefeld. Die Sonne beschien – sehr zu unserer Freude – zu diesem Zeitpunkt (6.15 Uhr) einzig die Ostwand, nicht aber die S-Flanke. Nach dem Schneefeld wählten wir eine etwas direkte Route durch mehrere Rinnen (teils wohl um die 45°) zum Grat hoch (unsere Auf- und Abstiegsroute siehe hier), weil wir uns dort ein angenehmeres Vorwärtskommen erhofften. Die Variante funktionierte einwandfrei, doch auf dem Grat versanken wir im Bruchharsch. Dass wir früher auf dem Grat landeten hatte überdies zur Folge, dass wir einen kleinen Felskopf ein paar Meter abklettern mussten. Der restliche Anstieg zum Gipfel gestaltete sich zwar etwas steil und mühsam, jedoch einfach. Kurz nach 7 Uhr, genau drei Stunden nach Abmarsch bei der SAC-Hütte, erreichten wir den Gipfel.

 

Obschon wir unserem Zeitplan deutlich voraus waren, verweilten wir nur wenige Minuten auf dem Piz Linard. Es blies ein unangenehmer, starker Wind und mittlerweile schien die Sonne auch in die S-Flanke. Wir begaben uns deshalb schnell wieder in den Abstieg. Diesmal wählten wir eine andere Rinne, nämlich jene, die direkt zum grossen Schneefeld in der Bergmitte hinunter zieht. Gerade als wir ins untere Couloir einbogen, stieg uns ein Einzelgänger entgegen. Und siehe da: Es war jener Einheimische, der uns tags zuvor einen Tipp gegeben hatte. Er machte sich unsere Spur zunutze für einen kurzen Ausflug auf den Piz Linard. Diesen erreichte er – ab Lavin! – in 2h 40min, wie er uns später erzählte. Chapeaux!

 

Unser restlicher Abstieg durch die Rinne gelang problemlos. Etwas später schnallten wir die Schneeschuhe an und zogen sie erst bei den drei Seelein wieder ab. Im Nachhinein fragten wir uns, ob die Schneeschuhe wirklich nötig waren. Auch sonst waren wir ziemlich overequipped: Da wir nicht so recht wussten, was uns am Piz Linard erwarten würde (Schneemenge, Steilheit, Eis), hatten wir auch noch ein Seil, ein paar Schlingen und sogar zwei Eisschrauben dabei. Gebraucht hatten wir nichts davon...

 

Bei der Hütte holten wir etwas Schlaf nach, genossen die Sonne und Ruhe, räumten auf und stiegen erst um den Mittag nach Lavin ab. Für den sehr angenehmen Abstieg benötigten wir lediglich 1h 15min.


Hike partners: أجنبي


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