Herbstliche Wanderwoche im Val Müstair


Published by Zaza , 6 October 2013, 10h29. Text and phots by the participants

Region: World » Switzerland » Grisons » Val Müstair
Date of the hike:30 September 2013
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: Münstertaler Berge   CH-GR   I   Starlex-Terza-Gruppe 
Time: 5 days
Accommodation:Zahlreiche Hotels im Val Müstair. Empfehlenswert ist z.B. das Central in Valchava.

Die hintersten Zipfel des Bündnerlandes sind für die meisten Schweizer recht weit von zuhause entfernt. So wählen wir nach dem Puschlav im Vorjahr diesmal das Münstertal für eine herbstliche Wanderwoche aus. Das Tal, geprägt von zahlreichen Cologna-Fanplakaten, ist ein wahres Wanderparadies am Rande des Schweizer Nationalparks, mit Ausflügen ins nahe Südtirol oder ins Unterengadin stehen aber auch gute Optionen für Schlechtwetter oder für Ruhetage zur Wahl. Hinzu kommt natürlich das alte, von Karl dem Grossen begründete Kloster San Jon, dessen Besuch sehr zu empfehlen ist. 

Wir quartieren uns im Hotel Central in Valchava ein. Die Zimmer sind sehr schön und mit Arvenmöbeln ausgestattet, das Essen ist ausgezeichnet und von regionalen Spezialitäten geprägt und die kleine Sauna bietet eine gute Gelegenheit zur Entspannung nach dem Wandern. Da das Haus mittlerweile unter Wanderern einen guten Ruf hat, ist eine genügend frühe Reservation anzuraten (auch im Winter). 

Unser Wochenprogramm: 

30.9.: 
Wegen des bescheidenen Wetters verzichten wir auf Wanderungen und machen einen Ausflug nach Meran. Auf die gleiche Idee kommen allerhand andere Leute, die derzeit irgendwo im Südtirol Ferien machen, denn für einen Montagmorgen ist ganz schön viel Betrieb in der Stadt. Auf dem Rückweg machen wir einen Stopp im schönen Städtchen Glurns (Glorenza), das noch eine durchgehende Stadtmauer aufweist. 

1.10.: 
Das Wetter ist zwar immer noch bedeckt, aber abgesehen von gelegentlichen Nieseltropfen ist es trocken. Wir fahren mit dem Bus nach Lü und gehen zunächst auf die weite Ebene beim Pass de Costainas. Danach durch menschenleeres Gebiet, das an Schottland oder Skandinavien erinnert, bis zum Sassalb-Pass. Obwohl ab 2700 m etwas Neuschnee vom Vortag liegt, machen wir einen Abstecher zum Piz Terza (Urtirolaspitz). Das Spuren ist keine grosse Sache und die Aussicht ins Vinschgau ist sehr interessant. Danach steigen wir gemütlich ab nach Lü. 

2.10.
Heute ist stabiles Wetter angesagt, so entschliessen wir uns, einen Ausflug zum östlichsten Punkt der Schweiz zu machen, zum Piz Chavalatsch. Dazu starten wir in Sielva, am Rande von Santa Maria, und folgen dem bestens markierten Pfad, der zunächst durch einen schönen Wald und später über weites Alpgelände zum Gipfel führt. Unterwegs bietet sich noch eine gute Gelegenheit, um Heidelbeeren zu sammeln. 

Auf dem Gipfel ist es eher kühl, aber ein Gebäude bietet einen praktischen Windschutz. So können wir zur Mittagspause das schöne Panorama, das natürlich vom Ortler dominiert wird, geniessen. Im Abstieg halten wir uns zunächst auf den breiten Pfad, der einst vom Militär angelegt wurde und zur Rifairscharte führt. Von hier geht es wieder zurück ins Münstertal, zunächst in einem schönen Bogen zur Rifair-Alm und dann auf einem steilen Pfad durch den Wald nach Puntweil bei Taufers, dem Geburtsort des Extremskipioniers Heini Holzer. 

3.10.: 
Hochnebel ist eine ungewöhnliche Sache im Münstertal. Während zweier Tage liegt aber das Tal nun unter einer zähen Nebeldecke (wie die gesamte Alpensüdseite). Doch man muss gar nicht so weit gehen, um an die Sonne zu kommen. Heute machen wir uns an den langen Weg von Valchava via Val Vau (bis hier fährt gelegentlich auch ein Kleinbus) und Laj da Rims zum Piz Umbrail. Diese Tour ist heute immerhin mit einem bequemen Abstieg zu verbinden, denn am Donnerstag fährt im Herbst ein Postauto von Müstair zum Umbrailpass (letztmals am 10. Oktober). 

Die obersten 200 Höhenmeter sind eingeschneit, aber der Weg ist bereits gut gespurt. Vom Gipfel geniessen wir bei ausserordentlich milden Temperaturen und quasi ohne Wind die Aussicht mit den unterschiedlichen Nebelmeeren - etwa bis 2000 Meter im Vinschgau, etwa bis 2700 m im Veltlin. Doch nach und nach nähern sich die Nebelmeere an, so dass wir beim Abstieg zum Umbrailpass im dichten Nebel landen. Aber da noch genug Zeit bleibt, folgen wir einfach noch dem alten Militärpfad zum Piz da las Treis Linguas, von wo in Kürze das legendäre Stilfserjoch erreicht ist. Der Trubel hier oben ist recht amüsant - alles, was man von den Strassenpässen kennt, findet sich hier in konzentrierter Form - von den Wurstständen über die Souvenirläden bis zu den Velo- und Töfffahrern, die sich mit dem Strassenschild fotografieren lassen. Speziell ist am Stilfserjoch, dass weiter oben ein Sommerskigebiet lockt, welches offensichtlich Sportler aus allen möglichen Nationen anzieht - wir sehen unter anderem Kleinbusse aus Litauen, Tschechien und Schweden. 

4.10.: 
Das Münstertal liegt nach wie vor unter einer sehr dicken Nebeldecke, doch kurz vor dem Ofenpass kommen wir an die Sonne. Wir gehen von Buffalora aus auf dem heute erstaunlich stillen Wanderweg bis zum Munt la Schera, der einen sehr interessanten Tiefblick zum Lago di Livigno bietet. Weil wir feststellen, dass es in Livigno keinen Nebel hat, entschliessen wir uns, diesem interessant gelegenen Ort noch einen Besuch abzustatten, auch wenn wir keinen Bedarf am günstigen Einkauf von Zigaretten, Schnaps oder Benzin haben. Die Idee ist zunächst, von Punt la Drossa aus den Bus zu nehmen und auf dem Rückweg durch die Spölschlucht abzusteigen. Doch beim Tunneleingang warten wir am falschen Ort auf den Bus, der mit Volldampf direkt in den Tunnel fährt - man warte nicht dort, wo die Haltestelle angeschrieben ist, sondern stelle sich direkt am Tunneleingang auf! 

Da der nächste Bus erst in zwei Stunden fahren würde, steigen wir halt durch den oberen Teil der schönen Spölschlucht auf bis zum Staudamm. Von dort geht es per Autostop bis Livigno, wo wir einen kurzen Augenschein nehmen können, bevor wir mit dem Bus wieder zurück in die Schweiz fahren. 


Hike partners: Zaza, stretta


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