Eine geballte Ladung Speer


Published by Bergamotte Pro , 7 July 2013, 19h05.

Region: World » Switzerland » St.Gallen
Date of the hike: 6 July 2013
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: Speerkette   Speer-Mattstock   CH-SG   Zürcher Hausberge 
Time: 9:15
Height gain: 2200 m 7216 ft.
Height loss: 2200 m 7216 ft.
Route:30km
Access to start point:cff logo Nesslau-Neu St. Johann, auch Gratisparkplätze
Access to end point:dito
Maps:1114 / 1134 (R. 432, 432a, 433, 435, 437, 441, 443, 447)

Majestätisch thront der Speer über der Linthebene und zieht so jedes Jahr mehrere Tausend Wanderer an. Um endlich die verschiedenen Facetten des Nagelfluhkönigs und seiner Trabanten zu erkunden, breche ich heute zu einer grossen Rundtour auf, die konditionell durchaus was her gibt.

Die Tour lässt sich thematisch in drei Abschnitte unterteilen. Ersterer und letzterer bilden gemeinsam die "Ijentaler Rundtour". Man bewegt sich über sanfte Gratrücken und geniesst - inbesondere auf der Ostseite - malerische, teils verwunsche Voralpenidylle. Die Kleingipfel Bläss Chopf, Speermürli und Bremacher Höchi können nach Belieben mitgenommen werden. Den Höhepunkt bildet für uns Alpinwanderer aber zweifellos der mittlere Teil, welcher ganz dem Speer und seinen Ausläufern gewidmet ist. Den Speer überschreitet man zwei Mal (auf vier verschiedenen Routen!), Grappenhorn und Chli Speer je einmal.


Teil I: Nesslau - Bläss Chopf - Speermürli - Schilt (T3, 3:15)

Der Aufstieg ab Bahnhof Nesslau (759) beginnt sanft und auf Asphalt. Nur ein alter Wegweiser stiftet mit seinen Zeitangaben etwas Verwirrung... Kurz nach Egg (873m) dann setzt der Bergwanderweg ein, der zunehmend steil zur Alphütte Windpläss (1195m) hochführt. Mein erster Gipfel, der Bläss Chopf (1458m), wirkt von hier wie eine harmlose Weidekuppe. Doch der NW-Abbruch ins Ijental ist jäh und eindrücklich.

Nun folgt die meditative Passage über den sanften Gratrücken der Heumooserhöchi. Ohne viel Höhenmeter durchschreitet man einsame, verwunschene Wälder - wenn da nur dieser Schlamm nicht wäre! Nach ausgiebigen Regenfällen dauert es wohl knapp eine Woche, bis die schattige Passage angenehm trocken ist. Noch vor Vorder Elisiten steige ich zum Grat hoch und folge ihm durchgehend bis zum Speermürli (1746m). Abgesehen von einem Nagelfluhblock, welcher den Weg versperrt (T3), bilden Stacheldrahtzäune die einzige Schwierigkeit. Das gilt ebenso für den Abstieg über den Südgrat nach Schilt (1637m).

Teil II: Schilt - Speer - Grappenhorn - Furggen - Speer - Chli Speer - Bützalpsattel (T5 ,4:10)

Der Weiterweg via Leiterli in die Speer Südflanke verläuft unspektakulär. Verzeinzelt gibt es noch Schneefelder zu queren. Bei P. 1771 hat die Traverserei endlich ein Ende und ich kann Höhenmeter vernichten bis hoch zum Speer (1951m). Die Gipfelterrasse lädt nicht zum Pausieren ein, so mach ich's mir auf dem Ostgrat gemütlich. Doch während im Flachland schönstes Sommerwetter herrscht, vollführt Petrus am Speer den ganzen Tag Wolkenspektakel. Ob er sich von den Zürchern und ihrem Zürifäschtspektakel düpiert fühlt?

Nun folgt der absolute Höhepunkt des Tages. Zunächst führt ein markierter Weg über den SW-Grat. Doch sobald dieser in die Nordflanke abbiegt, unbedingt auf dem Grat bleiben. Was folgt ist Gratkraxelei vom Feinsten. Teils auf Gamsspuren, teils frei bewegt man sich über eine Mischung aus Gras und Nagelfluh. Die auf hikr viel diskutierte Schlüsselstelle - die Umgehung eines Aufschwungs über ein Band in der Nordflanke - erlebe ich als absolut unproblematisch (T5). Klar, nach Regenfällen sollte man es bleiben lassen, doch der erfahrene T5-Gänger wird sich hier kaum unwohl fühlen. Das Band ist ziemlich breit und Gamsspuren helfen. Auf dem Grappenhorn (1741m) angekommen kann ich guten Gewissens sagen: Ich habe soeben eine der schönsten Alpinwanderrouten der Ostschweiz absolviert.

Der Abstieg vom Gipfelkopf des Grappenhorns kann es ja nach Routenwahl durchaus in sich haben. Am einfachsten geht es, wenn man ca. 30m dem Südgrat folgt und dann absteigt. (Ich selber wähle oben eine direktere Variante, was kurz die T6 berührt.) Nun in möglichst direkter Linie zur Furggen (1669m). Der Übergang im Grat Federispitz-Speer ist unbedeutend, bildet aber immerhin des Kulminationspunkt meiner Runde. Eine weitere Furggen (1604m) später befinde ich mich bereits im Wiederaufstieg zum Speer durch die SW-Flanke. Der Weg führt mich auf den (bereits bekannten) SW-Grat. Zumindest heute wird diese Variante viel weniger begangen als die Südflanke.

Auf dem Speer (1951m) herrscht mittlerweile komplettes Whiteout, deshalb gleich Abstieg über den Klettersteig. Die Nässe hält sich hier erstaunlich lange, doch die Drahtseile entschärfen die Angelenheit. Die anschliessende Überschreitung des Chli Speer (1713m) bereitet mehr Vergnügen als erwartet. Der Wall aus Legföhren im Schlussaufschwung von Süden kann auf einem freigeschnittenen Pfad überwunden werden. Erstaunlich gut gefülltes Gipfelbuch.

Im Abstieg halte man sich zuerst einige Hm gegen Westen (die Nordflanke bricht jäh ab), um dann gegen Norden ziehen zu können. Die folgende Querung zum Bützalpsattel (1592m) verläuft zwar ohne grosse Höhenmeter, zieht sich aber mehr als nötig.

Teil III: Bützalpsattel - Bremacher Höchi -  Nesslau (T2, 1:50)

Einen Katzensprung später stehe ich bereits auf der Bremacher Höchi (1641m), welche vom Wanderweg rechts liegengelassen wird. Der Hügelzug auf der Westseite des Ijentals weist nicht mehr den gleichen Charme auf wie die Kette auf der gegenüberliegenden Seite (Teil I). Das hilft nicht, um die müden Beine zu motivieren. Erst vor Ober Schwand (1298m) gewinnt die Umgebung wieder an Lieblichkeit. Über sanfte Alpweiden ziehe ich talwärts, das ganze kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit. Unten angekommen überquert man die Thur vor dem ARA (schönes Badeplätzchen unter der Brücke!) und erreicht wenig später den Ausgangspunkt Bahnhof.


Zeiten
1:45  Bläss Chopf
1:20  Speermürli
1:00  Speer
0:45  Grappen
1:20  Furggen - Speer
0:40  Chli Speer
0:40  Bremacher Höchi
1:45  Nesslau

Hike partners: Bergamotte


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