Mondhörner und etwas Keramik


Published by Henrik , 29 September 2012, 14h30.

Region: World » Switzerland » Jura
Date of the hike:16 September 2012
Hiking grading: T1 - Valley hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-JU   CH-SO 
Time: 4:00
Height gain: 530 m 1738 ft.
Height loss: 530 m 1738 ft.
Route:Bärschwil - Wasserberg - Pierreberg - Delémont
Access to start point:ÖV
Access to end point:ÖV
Maps:map wanderland

 
... im Bahnhof SBB in der Schalterhalle (vor dem Umbau)  gibt es nach den Umbauten ziemlich mehr Platz (wurden eliminiert und reduziert bzw. deplatziert) [jetzt kommt wenigstens das Grossgemälde besser zu Geltung, aber wer schaut heute denn schon auf, wenn das Smartphone alles beinhaltet...] durch die Verschiebung der Mobilien, mehr Boxen für Fahrscheine fallen mir nicht auf. Die am Boden eingebrachten Führungslinien für Sehbehinderte erfuhren eine Farberneuerung und das Mobiliar auf den Perrons hat sich auch gewandelt. Neue Sitzgelegenheiten aus Beton und Holzbänken in Rot, mehr Infotafeln, nicht zwingend übersichtlicher. Platz für noch mehr Pendler ist damit nicht geschaffen worden - lächerlich, ein paar Bemühungen beim Westeingang durch das Streichen der Zeitungsboxen oder auf der Passarelle (der geneigte Beobachter wird sich fragen, was die Info-Türme im Gehfluss da zu suchen haben) verschwanden die beiden Postomaten, da sich dort die Wartenden genau im Winkel mit dem Pendlerstömen aufhielten. Bei einem prognostizierten Zuwachs im Bahnbereich bis 2020 in doppelter Höhe ... kein Kommentar!
 
... an Gleis 16 steht eine einzige S-Bahn-Komposition da, mitten am Vormittag, am Sonntag, gestossen voll von Ausflüglern. Bikes, Kinderwagen, Jung und Alt mit Rucksäcken samt Stöcken, die meist ungeschickt befestigt sind und so der Umgebung fast in die Augen stechen oder dem Nachbarn die Nase aufschlitzen könnten – der Packumfang liesse vermuten, dass deren Träger auf Mehrtagestouren aus sein könnten. Auch Eingeschränkte mit Gehhilfen und Flaneure, die mit vollen Einkaufstaschen andere behindern (es ist ja Sonntag und die RailCity verspricht Einkaufsgenuss). Rege genutzt wird dann auch noch die Toilette – ein Schieben, Stossen, Ellbögeln, Nase rotzen und anderweitige olfaktorische Genüsse – man kommt sich ziemlich nahe. Aus Solidarität fahre ich heute 2. Klasse!
 
... ganz ärgerlich sind die Menschen, die zu spät und nicht gewohnt sind Bahnzufahren. Die stehen meist heftig gestikulierend am Perron und wollen auf die schnelle einen Fahrschein generieren, wenn der Zug oder die S-Bahn eigentlich wegfahren möchte – es wird ein Bein zwischen die Türen gehalten oder die Hälfte des Körpers, man verdonnert die, die drinnen sind zum Warten und die Leitstelle der Bahn zu einem unvorhergesehenen Halt. Schliesslich gibt es die Situation, dass die eine Hälfte der Gruppe das Ticket triumphierend in den Händen hält und zusteigt, die andere noch lange nicht fertig ist – Ergebnis: man muss sich trennen...den Rest kann sich jeder selbst ausdenken. Im Tram ertappe ich mich schon mal, dass ich da ausrufe.
 
... in Laufen steigen wir um, der Postbus nach Bärschwil steht am Bahnhofsplatz. Das Littering in Laufen scheint die SBB nicht zu stören – eine Visitenkarte ist das aber nicht. Laufen ist ab 2013 nicht mehr mein Arbeitsplatz! Das Poschti bringt uns via Grindel (Basel-Land) nach Bärschwil (Kanton Solothurn) – wir steigen aus an deren Endstation, Hölzlirank, und kommen da schon zu Beginn unseres Ausfluges ins Staunen. Hier findet sich der pure Gegensatz zum eben wahrgenommenen Littering in Laufen, Bärschwil macht dies vorbildlich, eine private Initiative, von der Gemeinde unterstützt, wie wir vom Chauffeur erfahren, Chapeau! 


... im Unterstand an dieser Haltestelle erfährt der Wandergeselle und seine Begleiterin Erhellendes über Geologie, Plakate über Verbote und Hinweise zum redlichen Genuss im Grünen. Der Geologie-Pfad beginnt hier. Wir sind alleine und begegnen ab jetzt bis Delémont nur einer Handvoll Wanderern und Bikern. Am Südfuss des Landsbergs, der sich wuchtig über Bärschwil-Wiler erhebt, führen zwei Wege hinauf zum Wasserberg, fast ausschliesslich durch den Wald, langsam ansteigend. Statt Waldtieren zu begegnen, erleben wir die Wucht der Sonne, die durchs Geäst bricht, mit Strahlenskraft, die nächtliche Feuchte vertreibend. In der Ferne ein Traktor, der mit einem Anhänger rumpelnd durch den Wald rattert. Vom Wasserberg aus, weitet sich der Blick nach Norden und N-Westen: Liesberg, der Bueberg und auch der Gempen (wieder Kt. Solothurn) wie auch weit in den angrenzenden Jura. Nur einige versprengte Meter weiter findet sich eine Flur, wo sich Jura, Basel-Land und Solothurn treffen – auf der Wiese der entsprechende Grenzstein, Punkt 785. Jetzt befinden wir uns im Kanton Jura – nicht etwa im Tal folgt die Sprachgrenze, sondern auf dem Grat bzw. unterhalb des Retemberg! Am Flecken Horniberg vorbei, mit weidenden Kühen. Der Pierreberg ist in Reichweite. Hier haben wir schon mehrmals gegessen.
 
... wir treffen auf einen offenen Platz, der Pierreberg fungiert als Berggasthaus mit angrenzendem Wirtschaftbetrieb. Im Winter, Dank Abgeschiedenheit, bei durchaus übler Witterung eine Herausforderung – ich bin auch im Range Rover schon hierher gefahren, im schweren Schnee. Jetzt setzen wir uns an einen Langtisch, an die Sonne.  Wir Carnivoren entscheiden uns auch hier für dies: Entrecôtede boeuf ou cheval accompagnée au choix de sauce morille, sauce poivre vert ou sauce café de Paris. Gerade sind wir mit unseren leckeren Tellern fertig, füllt sich die Terrasse – der Pierreberg hat wie ja schon vermerkt Anschluss an die Strasse im Val Terbi (das niemand so richtig zu kennen scheint, das aber auch mit unzähligen Perlen aufwarten kann), nach Courroux.
 
... im letzten Abschnitt nach Delémont sind wir gänzlich alleine unterwegs. Zuerst noch zur Flur beim Punkt 787 (Vadry samt Capanne und Feuerstelle), eine Aussichtsplattform mit Gesamtsicht aufs Val Terbi, dann den Mont Raimeux und dahinter Oberdörferberg, schliesslich die Stallflue. Sogar der Chasseral winkt aus dem Dunst. Der Abschnitt von hier bis hinunter zur Birs hat schon Freiberger Jura-Charakter – es fehlen die Pferde, aber ansonsten fühlt man sich dorthin versetzt. Es gibt auch die Variante auf dem Grat zu verbleiben, hierbei kommt man am Roc de Courroux vorbei, wo seit Jahrzehnten nach Kulturspuren des Menschen geforscht wird: Auf dem Roc de Courroux über der Klus entdeckte Quiquerez die Überreste einer Siedlung aus der Bronzezeit. Bei einer systematischen Erforschung fand man im 20. Jh. ausserordentlich viele und schöne Keramiken, die auf eine wirtschaftlich und kulturell blühende Siedlung hinweisen sowie kultische Gegenstände, die den Mond huldigten – die Mondhörner (Seite 29).Wir streifen den prägnanten Felssporn lediglich.
 
...beinahe im direkten Fall rennen wir in den Hang hinunter zur Mündung (Beschrieb unserer Wanderung in der Gegenrichtung) der Sorne in die Birs, die wir auf einer alten Konstruktion queren, vom Stadtrand entlang der Sorne gelangen zum Bahnhof. Dort rege Uusestuehlete, die im Boden eingelassenen Wasserfontänen vor dem Bahnhofsgebäude erinnern bewusst an die Bundeshauptstadt.   

... für die Rückkehr entscheiden wir uns für die 1. Klasse – ab Delémont führt die SBB immerhin am Sonntagabend eine „Zweier-Kombination“ – sehr zu recht, denn ab Laufen ist die Bahn ausgelastet. In Basel das totale Gewusel und die beklemmende Enge auf der Passarelle...tritt man auf den Centralbahnplatz löst sich dies schlagartig und die Schritte verlangsamen sich, wir blicken auf das historische Gebäude,  mit seiner reichen Ornamentik. Und dem Glanz des einstigen Reisens, das sich nur wenige um das vorletzte Millennium leisten konnten....  


Hinweis: sollten zwei Links nicht funktionieren...Häkchen anbringen, dann öffnet sich das Bild...

 
Im Anhang ein pdf. mit Links zur Kulturgeschichte des Menschen – Keramik und Mondhörner! 



Wanderung mit Claudia 





Hike partners: Henrik


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Comments (1)


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CarpeDiem says: Da hast du...
Sent 30 September 2012, 21h31
...ja wieder mal stundenlang gegoogelt um all die interessanten Links hier reinzustellen...

LG, Anne-Catherine


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