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Umwanderung der gesamten Stadt Zürich


Published by Bergamotte Pro , 1 May 2011, 19h47.

Region: World » Switzerland » Zürich
Date of the hike:30 April 2011
Hiking grading: T1 - Valley hike
Waypoints:
Geo-Tags: Albiskette - Höhronen   CH-ZH 
Time: 13:00
Height gain: 940 m 3083 ft.
Height loss: 950 m 3116 ft.
Route:55km
Access to start point:cff logo Zürich Tiefenbrunnen
Access to end point:cff logo Stadtgrenze
Maps:Stadtplan in Teilblättern (1:20'000), evtl. LK 1091

Vorbereitung
Eine gründliche Routenplanung ist essentiell, denn zeitlich und nervlich liegen weder permanentes Kartenstudium noch „Verlaufer“ drin. In einer Marschtabelle hab ich deshalb die gesamte Route im Detail beschrieben, im Nachhinein ergänzt mit Durchgangszeiten. Aber selbst mit gründlicher Vorbereitung und besten Stadtkenntnissen komme ich nicht drum rum, während der Tour regelmässig die Karte zu konsultieren und die Routenwahl neu zu beurteilen.
Bei der Routenwahl hab ich relativ konsequent folgende Regeln angewendet:
1)      Ich marschiere so nahe der Stadtgrenze wie möglich, egal auf welcher Seite der Grenze. Dies gilt auch dann, wenn es offensichtlich schnellere oder schönere Alternativen gibt.
2)      Ich marschiere auf vorhandenen Strassen und Wegen, d.h. nicht querfeldein.
 
Ausrüstung / Verpflegung
  • Leichter Bike-Rucksack
  • 2l Wasser im CamelBak
  • Proviant für den ganzen Tag
  • Offizieller Stadtplan in Teilblättern (Orell Füssli, besonders empfehlenswert ist die alte Auflage im handlichen Kleinformat, welche jedoch nicht mehr erhältlich ist)
  • Wanderschuhe (ideal wären vermutlich Laufschuhe)
  • Wandershirt, Thermoshirt, leichter Windstopper, Regenjacke, Wanderhose

Man bewegt sich zwar in urbanen Gefilden, dennoch sind die Verpflegungsmöglichkeiten an der Stadtgrenze begrenzt. Brunnen sind vor allem auf dem zweiten Streckenabschnitt relativ häufig zu finden. Folgende Liste sollte relativ umfassend sein:
  • Spuntino beim Bahnhof Tiefenbrunnen
  • Restaurant Trichtenhauser Mühle
  • Convenience Shop beim Bahnhof Stettbach
  • Restaurant Aubrugg (direkt unter der Autobahn!)
  • Restaurant Waldegg an der Glatttalstrasse
  • Restaurant beim Katzensee
  • Denner & Restaurant an der Frankentalstrasse
  • Tankstellenshop an der Gasometerstrasse
  • Restaurant bei der Station Uitikon-Waldegg
  • Restaurants auf dem Uetliberg (besonders empfehlenswert: Uto Staffel)
  • Tankstellenshop bei der Sihlquerung
  • IBIS Restaurant an Zürichstrasse (Adliswil)
  • Restaurant im Camping Seebucht
 
Quartiere (Kreise) - chronologisch
  • Riesbach
  • Witikon
  • Hottingen
  • Schwamendingen
  • Seebach
  • Affoltern
  • Höngg
  • Altstetten
  • Albisrieden
  • Friesenberg
  • Leimbach
  • Wollishofen

Grenzgemeinden - chronologisch
  • Zollikon (1.9km Grenze)
  • Maur (0.8km)
  • Fällanden (1.4km)
  • Dübendorf (8.7km)
  • Wallisellen (3.2km)
  • Opfikon (2.9km)
  • Rümlang (5.0km)
  • Regensdorf (4.3km)
  • Oberengstringen (3.4km)
  • Schlieren (5.0km)
  • Urdorf (<0.1km)
  • Uitikon (6.0km)
  • Stallikon (4.6km)
  • Adliswil (3.4km)
  • Kilchberg (3.4km)

Strecke
Kurz nach 5 Uhr starte ich noch im Dunkeln beim Tauchsportzentrum Zürich an der Grenze zu Zollikon. Die ersten 30 Minuten führen mich durch privilegierte Gefilde. Linkerhand befindet sich das Quartier Riesbach, welches sich in den letzten Jahren zur beliebtesten Wohngegend der reichen und schönen Zürcher gemausert hat. Rechterhand liegt die altehrwürdige (und steuergünstige) Seegemeinde Zollikon. Bloss der Morgenkanon der Singvögel vermag die Ruhe zu durchbrechen. Kurz nach Überqueren der Forchstrasse, der wichtigen Ausfallachse ins Zürcher Oberland, folgt ein erster Höhepunkt: das wildromantische Werenbacher Tobel. Während tagsüber Biker und Fussgänger hier verbittert um Vortritt streiten, hört man im Morgengrauen nur das Rauschen des Bachs.
 
Vorbei an der Trichtenhauser Mühle gelange ich nach Witikon. Das Quartier hat nichts gemein mit dem trendigen Riesbach, wirkt verstaubt und weist den tiefsten Ausländeranteil der Stadt auf, brilliert jedoch mit seiner ruhigen, erhöhten Lage. Dann bebt urplötzlich die Erde: Es ist 6 Uhr, die grossen Flieger aus Asien setzen zur Landung an. Im Minutentakt donnern die Maschinen wenige 100m über Wald und Wohngegenden. Es ist unüberhörbar, ich befinde mich in der berüchtigten Südschneise.

Grösstenteils durch Wälder setze ich meinen Weg fort, treffe zunächst auf zahlreiche Rehe. Auf die Tiere folgen später die Morgen-Jogger. So passiere ich die Kleingemeinden Maur und Fällanden sowie das Quartier Hottingen. Hottingen - zusammen mit Fluntern auch als "Züriberg" bekannt - gilt als Wohnort des alteingessenen Geldadels. Ich passiere Gockhausen, einen verschlafenen Ortsteil von Dübendorf, der grössten Grenzgemeinde von Zürich. Ein weiterer Naturhöhepunkt ist das Sagenbachtobel, welches mich runter nach Schwamendingen bringt, dem Fernsehzuschauer bekannt als Wohnort der Kunstfigur Harry Hasler.

Nach der langen Waldetappe beginnt für mich hier der aufregende Teil durch die verkannten Arbeiterquartiere Zürichs. Mancheiner verbindet die Quartiere Schwamendingen, Seebach und Affoltern ausschlieslich mit Lärm und Gestank. Tatsächlich sind Verkehr, Autobahn und Industrie allgegenwärtig. Selbst die Glatt, deren Ufer ich 20 Minuten folge, ist in grauen Beton gezwängt. Doch auch hier finden sich grüne Flächen und wer nicht in der Finanzindustrie arbeitet, schätzt den günstigen Wohnraum in alten Reihenhäuschen und grossen Wohnüberbauungen. Letzteres gilt auch für Wallisellen, Opfikon und Rümlang, welche jedoch einen besseren Ruf geniessen.

Nach gut fünf Stunden Wanderzeit ringe ich mir die erste Pause ab. Der anschliessende Aufbruch fällt schwer, die Beine schmerzen bereits wieder und der Uetliberg, der in der Ferne thront, wäre selbst in direkter Luflinie meilenweit entfernt. Die dringend benötigte Motivationsspritze erhalte ich im Naturschutzgebiet Katzensee, welches sich Affoltern und die Gemeinde Regensdorf teilen. Vor allem der Strandbadi wegen pilgern im Sommer Hundertschaften an das Seelein, doch heute ist's noch ruhig und ich geniesse ich die ungezähmte Natur.

Eine längere Waldstrecke bringt mich über den Hönggerberg. Höngg, ein typisches Wohnquartier für den Mittelstand, wird aufgrund seiner Hanglage und Exposition für den Weinbau genutzt, genau wie die Nachbargemeinde Oberengstringen. Das Quartier reicht bis runter an die Limmat, welcher ich 20 Minuten flussabwärts folge, um dann das Gaswerkareal zu durchschreiten. Das Grenzgebiet zwischen Schlieren und dem Quartier Altstetten ist keine Augenweide: Kantonsstrasse, Geleise, Industrie, Autohändler, Tankstellen, Discounter. Doch bereits nach wenigen Minuten ist der Spuk vorbei und ich befinde mich auf der langen Schlussetappe, welche grösstenteils durch Wälder führt.

Doch die Motivation ist nach mehr als 9.5h unterwegs auf einem Tiefpunkt angelangt. Seit Stunden plagen mich Druckstellen an den Füssen und die Muskeln schmerzen. Und bevor ans Ende zu denken ist, müssen die 475Hm zum Uetliberg zurückgelegt werden. Der mir gut bekannte Pfad an der Grenze zwischen dem Quartier Albisrieden und dem privilegierten Uitikon kann kaum Ablenkung bieten, viel eher die Aussicht auf ein Gipfelbier. Letzterem ist es wohl zu verdanken, dass ich trotz meinen Beinen den Wettlauf gegen die Wegweiser-Zeit gewinne.

Die Rundumsicht vom Uto Kulm (869.2m) ist bei gutem Wetter schlicht phänomenal: der See, die Stadt, Glarner und Innerschweizer Alpen. Das haben natürlich auch schon andere gemerkt. So herrscht auf dem Zürcher Hausberg, welcher bequem per Bahn zu erreichen ist, immer ein (zu) reges Treiben. In wenigen Minuten steige ich in direkter Linie zum Uto Staffel ab, wo auf der Seeterrasse des gleichnamigen Restaurants das verdiente Bier wartet und das Panorama in Ruhe genossen werden kann.

30 Minuten später zieht's mich weiter. Für wird einmal die Routenfindung nebensächlich, denn die Stadtgrenze verläuft direkt auf dem langen Gratweg der Albiskette, eingeklemmt zwischen dem Quartier Friesenberg und der Gemeinde Stallikon. Auf der Höhe Balderen erfolgt der steile, aber kurze Abstieg nach Leimbach, dem unbekannten Quartier. Leimbach ist selbst bei Stadtzürchern kaum bekannt und sorgt regelmässig für Nasenrümpfer. Das Quartier verfügt über keinen Tramanschluss, kaum Gewerbe und Ausgehmöglichkeiten und ist durch Grünflächen von der restlichen Stadt getrennt - Eigenschaften übrigens, die es mit Witikon verbinden. Doch wo gibt's schon eine solche Aussicht auf den Glärnisch!?

Nach Überquerung der Sihl passiere ich Adliswil, die Kleinstadt im unteren Sihltal. Abschliessend folgt das ungleich mondänere Kilchberg, aufgrund seiner Seesicht ein nicht ganz günstiges Pflaster, auch wenn es bezüglich Sonnenexposition von den Gemeinden am rechten Zürichseeufer gerne belächelt wird. Im Quartier Wollishofen findet meine lange Reise dann den ersehnten Abschluss direkt am Wasser.

Marschzeit (inkl. Fotopausen): 13:00
Zeit unterwegs: 14:30
 
Fazit
Fantastische Entdeckungsreise rund um Zürich, die je zur Hälfte über offenes Gelände und durch Wälder führt. Idealerweise teilt man die Tour in kürzere Etappen auf, ÖV-Anschlüsse finden sich die ganze Strecke entlang. Lohnend ist die Route auch als MTB-Tour. Und wer die Herausforderung mag, perfektioniert meine Stadtumrundung, indem er die Wassergrenze schwimmend absolviert.

Hike partners: Bergamotte


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Comments (13)


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Pfaelzer says: Genial...
Sent 1 May 2011, 20h36
...diese Tour, der Bericht und die stimmungsvollen Bilder.
Da wäre ich sofort mitgegangen.

Viele Grüsse,
Wolfgang

maawaa says: Super !
Sent 1 May 2011, 20h46
Ein toller Bericht, solche Projekte liebe ich ! Und es zeigt sich, das man zur Abwechslung auch mal ( fast... ) ohne Berggipfel auskommen kann ! Grosses Kompliment !

Viele Grüsse..
Marco

Bergamotte Pro says: RE:Super !
Sent 1 May 2011, 22h37
Besten Dank, auch an Pfaelzer. Ich bin sonst auch eher gipfelgeil, aber bezüglich Abwechslung und Eindrücken kann es der Marsch durch die verschiedenen Quartiere mit jeder Bergtour aufnehmen.

Henrik says: ...das ist ein absoluter Tipp
Sent 1 May 2011, 23h23
...die hikrs haben mit dir eine neue Vorgabe: Stadtgrenzenwanderungen (verbunden mit ev. TuT).

GENIAL!

Danke und Ciao

silberquäki

Bergamotte Pro says: RE:...das ist ein absoluter Tipp
Sent 1 May 2011, 23h46
Du lachst jetzt, aber meine Gedanken sind bereits in Bern... Merci merci

Alpin_Rise says: Round Downtown Switzerland
Sent 2 May 2011, 11h04
Ciao Bergamotte!

Schöner Bericht, ein Vergnügen zu lesen! Lustigerweise ist mir genau vor einer Woche auch die Idee gekommen, Zürich zu Umrunden, als Alternative zum ewigen bergauf- bergab. Jetzt habe ich eine sehr gute Vorlage, vielen Dank!
G, Rise

Pfaelzer says: RE:Round Downtown Switzerland
Sent 2 May 2011, 12h15
Also wenn du nicht alleine gehen willst....

Gruss,
Wolfgang

Mel says:
Sent 2 May 2011, 13h11
das ist ja mal eine witzige idee!
vielleicht werde ich dir das mal nachmachen, einfach mit bern statt zürich. dürfte etwas weniger als 13h benötigen...

Tobi says: Gratulation zu...
Sent 2 May 2011, 13h24
...der genialen Idee
...der genauen Planung
...den fotographisch festgehaltenen Momenten
...dem detailierten Bericht
...und natürlich zur Leistung!

Du bringst mich auf Ideen...

Gruss Tobi

Sent 2 May 2011, 17h03
Danke Euch allen. Somit steht Bern als nächste Destination fest... Dann vielleicht Basel, Genf, Lausanne oder Luzern. Ich bin gespannt, wer's zuerst packt, am spannendsten beschreiben können wohl die Einheimischen.

Tobi says: Umrundung Stadt Luzern...
Sent 2 May 2011, 17h19
...aber mit einem geschwommenen Abstecher zur "Exklave" am Bürgenstock ;-)
Mit solchen Stadtumrundungen sollte man sich im Übrigen beeilen: es sind wohl nicht nur in Luzern grenzverlängernde Fusionspläne mit den Agglomerationsgemeinden vorhanden.

Weiterhin tolle Touren, Gruss Tobi

Bergamotte Pro says: RE:Umrundung Stadt Luzern...
Sent 2 May 2011, 21h11
Studier grad Deine Rigi Runde. Wahnsinn, die Stadtumrundung Luzern hättest Du wohl noch vor dem Frühstück erledigt. Gratuliere.

Johnboy says: Online Karte
Sent 7 July 2016, 19h35
Wir haben die Stadtumwanderung letztes Wochenende gemacht und ich kann dieses tolle Erlebniss wärmstens empfehlen!
Unter diesem Link habe ich den Weg eingezeichnet. Weil wir in Witikon wohnen, haben wir ein bisschen abgekürzt und haben uns den Start in Tiefenbrunnen geschenkt.

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Viel Spass
Johnny


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