Rawilpass, Mittaghorn (2686 m) und Rawilseeleni ab Iffigenalp


Published by Schubi , 24 September 2021, 14h09.

Region: World » Switzerland » Bern » Simmental
Date of the hike: 8 September 2021
Hiking grading: T3+ - Difficult Mountain hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BE   CH-VS 
Height gain: 1273 m 4175 ft.
Height loss: 1273 m 4175 ft.
Route:14,3 km
Access to start point:Wander-Parkplatz an der Iffigenalp, Dorthin führt ein schmales Strässchen, dessen Befahrung aber nur innerhalb von 15 Minuten pro Stunde und Richtung erlaubt ist: hoch von Minute 30 bis 45, herab von 00 bis 15. Auch eine Busverbindung ab Lenk Bahnhof gibt es.
Access to end point:s.o.
Accommodation:Berghaus Iffigenalp

Am Tag drei des Aufenthalts mit Nik in Zweisimmen gingen wir getrennte Touren: Nik ambitionierter, ich  entspannter. Auf der Topo-Karte entdeckte ich ein langgezogenes Hochtal nahebei, das sich dafür anbot: die Gegend um den Rawilpass südlich von Lenk, durchgehend über 2400 m gelegen und damit in einer Höhe, wo die Vegetation schon deutlich zurücktritt, Gestein und Schutt wohl dominieren. Solche Übergangsbereiche finde ich immer interessant und also war ich gespannt auf das Landschaftsbild, das mich dort erwarten würde. Praktischerweise liess sich auch ein schnell machbarer Gipfel mit einbinden: das Mittaghorn (Tachaigne, 2686 m). In Nachbarschaft von höheren Kollegen liegend ist es wohl eher selten besucht. Karges Ambiente verlangt nach minimalistischer Instrumentierung, weswegen ich diesmal  Min by von Bugge Wesseltoft als Soundtrack empfehle.

Ich starte vom Parkplatz der schön gelegenen Iffigenalp (dorthin gibt es eine Zufahrts-Regelung, siehe Beschreibung oben). Auf dem Richtung Rawilpass und Wildstrubelhütte markiertem Pfad geht es südlich steil herauf: hier wurde mit bewundernswertem Wegebau-Wissen ein Steig durch die Felswand geschlagen, der sich im Zickzack heraufwindet und viele prächtige Tiefblicke bietet. Teils wird es auch mal schmaler, aber nie dramatischer als T3, z.B. bei der Querung einer Runse. Nach der Blattihütte schiebt sich nicht nur die warme Morgensonne, sondern auch mein heutiges Hauptziel ins Bild: das Mittaghorn (allerdings mit seiner abweisend-schroffen Flanke). Ich erreiche die Senke Stiereläger (P. 2278) mit Weggabelung und gehe rechts/westlich weiter in Richtung Rawilpass, auf dem linken Weg (er führt weiter zur Wildstrubelhütte) komme ich später dann zurück. Die Baumgrenze nun schon lange hinter mir bin ich jetzt in kargem Terrain unterwegs, aber am Boden blüht es hier stellenweise fleissig. Zusammen mit den verbliebenen Grasflächen sind das schöne Farbsprengsel in dieser steinigen Landschaft, die von den Gipfeln Rothorn, Rohrbachstein und Mittaghore/Mittaghorn/Tachaigne begrenzt wird. Am Rawilpass (2428 m), öffnet sich der Blick nun über eine interessante Schwemmebene hinweg auch nach Westen, von dort schimmert der Wildhorngletscher herüber. Während bis zum Pass die Flanke des anvisierten Mitagshore als nicht recht geeignet zum Hochsteigen erscheint, ergibt sich nun ein möglicher, wahrscheinlich gar nicht so anstrengender Zustieg von der Westflanke. So wie es Kik in ihrem *hilfreichen Bericht auch beschrieben hat, dafür Danke. Sinnvoll ist es, sich ca 400 m westlich vom Pass einen Grasrücken zu suchen, der oben nicht zu steil in den Schieferschutt übergeht, aus dem das Mittaghorn fast auschliesslich zu bestehen scheint. Man visiere danach P. 2570 an, dort trifft man auf eine Steinmann und Trittspuren, die nun durch den Schiefer den Westrücken des Mittaghorns recht moderat heraufführen. Nur kurz vorm Gipfel müssen die Hände ggf. mal kurz ran. Rechts geht's dabei mittelprächtig herab, auf den rutschigen Schieferplatten der letzten Meter sollten die Tritte deswegen bedächtiger gesetzt werden (T3+-/I), bei weniger Steilheit lässt sich auf dem Zeug aber prima gehen. Ankunft auf dem Mittaghorn (2686 m) kurz nach Zwölf, rechtzeitig also zum Mittagessen ;-) Oben steht ein Gestänge, das wohl zur Vermessung dient. Der Rundumblick ist prächtig, von Südwest winkt sogar der Mont Blanc herüber. Nach Norden und Osten bricht das Mittaghorn steil ab, beeindruckend die Tiefblicke. Und südlich unter mir das für den Aufstieg genutzte Hochtal mit Schwemmebene nun in Gänze. Prägnant darin die wellig geformten Erosionsrinnen, die das Schmelzwasser hier wohl regelmässig aufschwemmt und einfräst.

Jetzt wieder herab, circa auf gleicher Route runter zum Pfad und nochmal rüber zum Rawilpass. Dort rechts/beschildert in Richtung der Rawilseeleni. Diese erreiche ich über eine kurzweilige Passage durch Schrofen mit erneut etwas blühender Vegetation sowie netten Begegnungen mit der Bergfauna. Die Seen selbst liegen dann wiederum in karg-geröllig-schuttigem Ambiente. Kurzes Veschper mit Blick zum vorhin bestiegenen Mittaghorn und Auffüllen der Trinkflaschen in einem Bachlauf, dessen erfrischend kühles Wasser einem der Firnfelder im Hang des Rohrbachsteins entspringt. Sehr eindrücklich finde ich hier auch die Vielfalt der Gesteinsfarben. Ein paarmal setzt sich ab jetzt die militärisch genutzte Seilbahn zum Wisshore in Bewegung, teils mit mysteriösen Leerfahrten ... Nun auf weiterhin markiertem Steig wieder herab Richtung Iffigenalp: ich treffe bald am P. 2278 auf meinen Hinweg und stiefle darauf, nochmals die tolle Pasage durch die Fluh des Blattihubels geniessend, zurück zum Ausgangspunkt, wo mein Wagen wartet. Gemeinsam mit ihm wiederum warte ich noch gemäß der Zufahrtsregelung die volle Stunde ab, um dann zurück nach Zweisimmen zu rollen.

Fazit: abwechslungsreiche Runde mit vielen interessanten Eindrücken plus Abstecher zu einem eher unbekannten Gipfel. Aber auf übersehene Berge bin ich ja eh immer neugierig ... T3+/I nur am Gipfel Mittaghore, Rest T3. Das Hochtal um den Pass mit seinem kargem Ambiente ist ein faszinierender Naturraum und beeindruckt auch mit seiner Stille. Lediglich auf dem ersten Teil des Wegs (der auch zur Wildstrubelhüte weiterführt) traf ich morgens eine Handvoll Wanderer, sowie bei der ersten Ankunft am Rawil-Pass. Danach nur noch eine Begegnung, und zwar mit einem Murmeli.

Hike partners: Schubi


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