Lichtbrenntjoch (1961 m) - Ursprüngliches in den Ammergauer Alpen


Published by 83_Stefan Pro , 23 September 2019, 19h30.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Ammergauer Alpen
Date of the hike:31 August 2019
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 7:30
Height gain: 1100 m 3608 ft.
Height loss: 1100 m 3608 ft.
Access to start point:Von Reutte oder via Schloss Linderhof zum Plansee; Parkgelegenheiten am Straßenrand nahe des Hotels "Seespitze".
Maps:AV-Karte 4/1 - Wetterstein- und Mieminger Gebirge West.

Oft wird geklagt, dass die Ammergauer Alpen völlig überlaufen seien. Sicherlich gibt es stark besuchte Berge, wie das nunmal auch in anderen Gebirgsgruppen vorkommt. Aber der Kenner weiß auch von den vielen ruhigen Gipfeln, die das Ammergebirge bietet. In diese Kategorie fällt beispielsweise das hier vorgestellte Lichtbrenntjoch. Es ist technisch unschwierig zu erreichen, aber der Weg ist weit und auch bei der Routenwahl muss man ab und zu zwei Mal hinschauen. Noch dazu ist das Lichtbrenntjoch von deutlich höheren Bergen umgeben - beste Voraussetzungen also für eine ruhige Wanderung in ursprünglicher Natur. Von den Ausblicken zum wilden Danielkamm und hinunter zu Plansee und Heiterwanger See wird man jedenfalls begeistert sein.

Die Wanderung beginnt am Hotel Seespitze, gelegen am nordwestlichen Ende des Plansees. Auf einer hölzernen Brücke überschreitet man den breiten Auslauf (Kleiner Plansee) und hält sich am anderen Ufer links. Dem breiten Wanderweg folgt man nun entspannt am Ufer des Sees nach Süden zum Verbindungskanal zwischen Plansee und Heiterwanger See. Man zweigt links ab, überquert den Kanal auf einer Brücke und hält sich auf der anderen Seite rechts. Am Heiterwanger See entlang wandert man weiter nach Süden, wobei der breite Schuttstrom des Pitzebachs gequert wird. An einer Verzweigung am Südostrand des Heiterwanger Sees geht man links weiter und erreicht nach wenigen Metern den Abzweig des Steigs ins Pitzetal.

Man folgt dem Steig aufwärts, der im dichten Wald in weiten Kehren an Höhe gewinnt und anschließend in nordöstlicher Richtung hinüber ins Pitzetal quert. Er biegt nach Südosten um und leitet hoch über dem Bach ins Tal hinein, dabei müssen einige Schuttreißen überquert werden. Der Steig ist in gutem Zustand, trotzdem muss man stets aufpassen, denn die Hänge sind recht steil. Man gelangt schließlich ins Tal des Kaltwasserbachs - ein Seitental des Pitzetals - und wandert in südlicher Richtung, bis der Bach unschwierig überquert werden kann; kurz davor hält man sich an der Verzweigung links.

Auf der anderen Seite des Kaltwasserbachs leitet der Steig wieder hinüber ins Pitzetal, wobei man immer wieder hübsche Ausblicke hat. Der abwechslungsreiche Wegverlauf macht wirklich Spaß. Entlang des Pitzetal geht es nach Westen, man überquert einen Bach an einem Wasserfall und gelangt schließlich zur herrlich gelegenen Pitze-Hirtenhütte, einem idyllischen Kleinod inmitten herrlicher Bergumrahmung. Hier lässt es sich hervorragend rasten, das Panorama und frisches Wasser gibt es gratis im Überfluss dazu.

Der offizielle Steig endet an der Hütte. Man folgt deutlichen Spuren hinunter zum Pitzebach, der sich hier gutmütig durch ein Kiesbett schlängelt. Wo die Spuren im Kies enden, quert man den Bach und trifft ziemlich direkt auf der anderen Seite auf ihre Fortsetzung. Sie leiten in diesem Abschnitt nur schwach ausgeprägt direkt neben einem kleinen Graben aufwärts, bis sie nach links zu einer kleinen Jagdhütte führen. Hier hat man den nächsten Meilenstein erreicht.

Von der Hütte führen deutliche Spuren nach Westen zu einem Unterstand für die Wildbeobachtung - dieser Pfad ist sehr verführerisch, aber falsch. Stattdessen steigt man an der Jagdhütte direkt weniger stark ausgeprägten Spuren folgend den Hang hinauf. Diese leiten zunächst auf einem Rücken, dann in der Flanke aufwärts. Man trifft auf Spuren, die von Westen herüber kommen und hält sich rechts (links wurden die Spuren zur besseren Orientierung mit Ästen zugedeckt). Man quert auf deutlichem Pfad nach Osten hinüber, an einer Felswand findet sich sogar ein alter roter Punkt. Bald nach der Felswand verzweigen sich die Spuren wieder, man hält sich scharf links (recht ist der Steig erneut durch Äste abgedeckt). Zunächst im Wald, später durch Latschen leiten die Spuren hinauf zu einer kleinen Wiese am Kamm, von wo aus sich das Ziel erstmals markant präsentiert.

Der Eindruck täuscht - es ist noch erstaunlich weit bis zum Lichtbrenntjoch. Man folgt dem Kamm ein kurzes Stück nach Osten, dann leitet der Pfad in der Südflanke im Latschengelände etwas abwärts um den Gratabschnitt zu umgehen. Nach der Querung geht es wieder hinauf zum Gipfelaufbau (Vorsicht - nicht auf deutlichen Spuren weiter, die auf der anderen Seite des Grats nach Norden queren!); die markante Wiese durchschreitet man deutlich ansteigend, wobei sich die Spuren hier kurzzeitig fast verlaufen. Jenseits prägt sich wieder ein Pfad aus, dem man ziemlich direkt durch die Latschen nach oben folgt; dabei muss man ab und zu im innigen Latschenkontakt schon mal Hand anlegen. Zum höchsten Punkt ist es nun aber nicht mehr weit und die Aussicht entschädigt für die Strapazen.

Am Gipfel gibt es dann ein Aha-Erlebnis: Weite Bereiche der Ammergauer Alpen zeigen sich aus besonders hübscher Perspektive und auch der Blick über den Plansee bis in die Tannheimer Gruppe lässt keinerlei Wünsche offen. Die Zugspitze und die Berge des Danielkamms setzen weitere Akzente. Am Gipfel findet sich ein großer Steinmann, sonstige Zeugnisse menschlicher Existenz wird man dort vergeblich suchen.

Am Aufstiegsweg geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt, wobei sich an der herrlichen Hirtenhütte noch eine ausführliche Pause anbietet - was für ein schöner, entschleunigter Ort. Überlaufene Ammergauer Alpen? Von wegen...! Der restliche Abstieg geht auf dem offiziellen Steig erstaunlich flott von der Hand.

Schwierigkeiten:
Vom Plansee zur Pitze-Hirtenhütte: T3 (einige Stellen, sonst T2; guter Steig, der durch steile Hänge führt).
Gipfelanstieg zum Lichtbrenntjoch: T3 (vereinzelt kurze Stellen; meist brauchbare Pfadspuren, aber trotzdem muss man gut aufpassen, nicht versehentlich den falschen Spuren zu folgen).

Fazit:
Eine eindrucksvolle 4*-Wanderung, die mit zwei Seen, einem wildromantischen Tal, der herrlich gelegenen Hirtenhütte sowie ursprünglichen Jagd- und Almpfaden und einem recht exklusiven Gipfel glänzt. Man kann hier unvergessliche Stunden in abwechslungsreicher Landschaft verbringen. Eine Wanderung der leisen, aber ausgesprochen harmonischen Töne.

Mit auf Tour: Francesca.

Kategorie: Ammergauer Alpen.

Hike partners: 83_Stefan


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