Oberhasli September 2018, 1|2: Vorder Gärstenhorn


Published by Felix , 14 February 2019, 23h29. Text and phots by the participants

Region: World » Switzerland » Bern » Oberhasli
Date of the hike:11 September 2018
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Mountaineering grading: PD
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS   CH-BE 
Time: 7:00
Height gain: 1100 m 3608 ft.
Height loss: 1100 m 3608 ft.
Route:Grimselpass, Parkplatz (nördlich Hotel Alpenrösli) - P. 2170.0 - Plänggerli - P. 2386 - (P. 2481) - Hütte auf P. 2539 - Nägelisgrätli - P. 2661, Grätlisee - Gärstengrat (nordöstlich von P. 2940) - Vorder Gärstenhorn - Gärstengrat - (westlich von P. 2751) - Nägelisgrätli > Grimselpass (Hotel Grimsel Passhöhe - Parkplatz Hotel Alpenrose)
Access to start point:PW via Huttwil - Ufhusen - Ettiswil, Autobahn|-strasse Sursee - Lungern, Brünigpass - Meiringen und Innertkirchen nach Grimselpass
Maps:1250 - Ulrichen, 1230 - Guttannen

Unsere erste, lange und etwas anstrengende, Tour in der Grimselregion beginnen wir bei (ganztägig) schönstem Wetter nahe des Totesees auf dem Grimselpass. Vom Parkplatz hinterm Alpenrösli folgen wir Wegspuren, dann dem BWW, bis zum lieblichen, mit Wollgras geschmückten, namenlosen Seelein. Erst flacher, danach steiler, überwindet dieser einen ersten Geländerücken hinauf zum Plänngerli - den Rummel am Grimselpass hinter uns lassend; wir werden bis zur Rückkehr nur ein einziges Paar Wanderer am Grätlisee antreffen, ansonsten uns alleine in der hehren Stille, Anmut und Wildheit der Bergwelt bewegen.

Ein weiterer Anstieg durch ausserordentlich schönes, vom Gletscherschliff gestaltetes Terrain mit grünen Graspolstern und -flächen leitet uns zu einer Flachpassage. Hier kommen die kunstvoll angelegten Wege und -bauten besonders gut zur Geltung.

 

Abwechslungsweise flachere und eher ansteigende Abschnitte erfreuen uns - zu der bereits hier herrlichen Aus- und Weitsicht - während des Fortschreitens zur (Militär?)-Hütte bei P. 2539, oberhalb des Remersees; bereits ist inzwischen auch unser Gipfelziel - zwar noch weit entfernt und auf den ersten Blick abweisend wirkend - auf den Plan getreten.

In herrlicher Bergwelt wandern wir - stets unschwierig - auf dem Nägelisgrätli weiter und höher; zuletzt einmal steiler zum Nägelisgrätli, P. 2641.

 

Ein beschauliches Wandern folgt nun bis zum Grätlisee; herrlich wie hier der Galenstock ins Blickfeld tritt und sich im lauschigen Seelein spiegelt!

Nun wechselt jedoch Szenerie und Ambiance mächtig: wie wir am Nordende des Gewässers in Geröll und Fels übergehen, sind wir nun für längere Zeit gefordert - im Suchen der (sub)optimalen Durchstiegs- und Aufstiegsmöglichkeiten; mal erheben sich vor uns grössere Felsbalkone, dann (und dies vielfach) lange Geröllhalden oder einzelne kraxlige Felsstufen. So steinig dieses Vorfeld (nur bis zum Einstieg in den Aufstieg zum Grat) auch ist - so „lebendig“ ist es oft auch …

Nun, endlich nähern wir uns der lange herbei gewünschten Steilrinne zum Grat; auch sie gelegentlich rutschig, instabil und mit kurzen Kraxeleinlagen - ist sie doch auch mit gewisser Freude (und Vor- auf den Grat?) zu durchsteigen.

Oben (nordöstlich des Felszackens P. 2940) angelangt ändert sich der Charakter unserer Bergreise insofern, als die Felsblöcke mächtiger werden - und ein erster Einblick in den (langen) Grat keinen exponierten Charakter aufweist.

 

Nach der (wie während der gesamten Gratroute) nordwestseitig verlaufenden noch unschwierigen Umgehung einer Gratschneide erreichen wir die steil aufragende Platte, welche sich dank eines (neueren) Fixseiles doch angenehm und leicht kletternd erklimmen lässt. Der nun sich länger hinziehende Grat erfordert doch einigen Spürsinn für die bestmögliche Routenwahl; nur sehr selten meinen wir schwächste Spuren zu erkennen, gelegentlich weisen uns kleine Steinmännchen auf die Richtigkeit unseres Kurses hin.

Immerhin ist der Gang durch die meist festen Felsblöcke nie echt ausgesetzt, so dass wir uns doch auch daran freuen können - und uns mit fortschreitender Zeit doch wünschen, endlich mindestens den Gipfel erblicken zu können.

Und endlich: da erhebt er sich vor uns - unnahbar (nur) beim ersten Hinschauen; leitet doch eine nur leicht kraxlige und rutschige Spur auf einem bandähnlichen Fels“weg“ um des Gipfelaufbaus südliche Seite herum. Wenige Steinmänner geben Hinweise auf den möglichen Schlussanstieg auf des Gipfels Schattenseite; es gilt nun diesen zu finden …

Einen Versuch über eine ausgesetzte, „mutzgriffig-abschüssige“ Platte brechen wir ab; endlich gelingt uns der Zugang zum Gipfel des Vorder Gärstenhorns mittels eines engen Durchschlupfes (den Rucksack muss ich dazu abziehen) - die letzten Meter sind von Glücksgefühlen geprägt: was für eine phänomenale Aus- und Rundumsicht! (Bereits unser Bergfreund gero ist in seinem Bericht (nach langer „Plackerei“) hier oben des Lobes voll J

Das Matterhorn in weiter Ferne, Finsteraar-, Lauteraar- und Schreckhorn etwas näher, Sidelhorn über Tote-, Grimsel- und Räterichsbodesee, Rhonegletscher mit dem dominierenden Galenstock, sowie das  Gross Muttenhorn - und Rheinwaldhorn / Adula, letzteres ebenfalls nur noch knapp erkennbar, versetzen uns in köstliches Staunen - lange verweilen wir hier, bei sehr angenehmen Wind- und Temperaturverhältnissen.

 

Der Abstieg vom Gipfel erfolgt erst auf ungefähr identischer Route; hingegen umgehen wir die seilgesicherte Stelle (neugierig auch auf die Variante) kurz vor dem Verlassen des Grates einige Meter weiter nordwestseitig. Noch da gilt es, über einige Platten kraxelnd abzuklettern - doch einfacher, leicht weniger steil als die im Aufstieg begangenen.

Die Steilrinne hinunter ins „endlose“ Block- und Geröllfeld bewältigen wir unaufgeregt; danach jedoch suchen wir uns eine alternative „Weg“-Variante für den weiteren Rückweg: dabei orientieren wir uns erst an einem grösseren Steinmann in der Nähe der Kantonsgrenze, und wählen dann erst weglose Abschnitte - in oft sehr attraktiver Felslandschaft - schliesslich eine alte Weganlage zum Abstieg in ungefähr südlicher Richtung. Das Gelände zeigt sich nun zunehmend wieder mit grünen Flächen durchsetzt und zunehmend sanfter, so dass wir, schliesslich auf dem Flachstück (unterhalb von  Nägelisgrätli) bei der Weggabelung auf 2616 m angekommen, hier ein kurze Rast einschalten.

Anschliessend folgen wir einer nicht markierten, recht deutlichen Wegspur, weiter nordwestlich und näher am Einschnitt des zum Remersee leitenden Tälchens, bis wir auf 2563 m wieder auf den BWW treffen.  Der abschliessende Gang bringt uns an der Hütte auf P. 2539 vorbei wieder auf dem faszinierenden Gletscherschliffgelände zurück zum Totesee; an dessen Ufer, auf der Terrasse des vorzüglichen, umgebauten, Hotels Grimsel Passhöhe lassen wir uns nieder, gönnen uns leckere Belohnungen für die eben begangene Tour, bevor wir am Grimselpass wieder zum Auto zurück finden.

 

▲ 1 ¼ h bis Steinmann bei Hütte (P. 2539)

 

▲ 3 h 10 min (inkl. ¼ h Pause)

 

▼ 1 h 50 min bis Weggabelung (2616 m)

 

▼ 1 h


Hike partners: Ursula, Felix


Minimap
0Km
Click to draw, click on the last point to end drawing

Gallery


Open in a new window · Open in this window


Comments (2)


Post a comment

D!nu says: Wau!
Sent 15 February 2019, 19h21
Eine tolle Tour, bestens beschrieben und mit wunderschönen Photos unterstrichen. Jetzt bin ich froh, einen solch tollen Bericht als Vorbereitung für dieses Projekt zu haben, Danke Felix!
Grüessli Dinu

Felix says: RE: Wau!
Sent 15 February 2019, 20h32
freut mich :-)
viel Spass dann!

lg Felix


Post a comment»