Zwölfer - Elfer - Liechel: Die klassische Überschreitung


Published by frmat , 28 July 2018, 20h06. Text and phots by the participants

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike:25 July 2018
Hiking grading: T5+ - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A   D 
Time: 7:00
Height gain: 1500 m 4920 ft.
Height loss: 1500 m 4920 ft.
Access to start point:Durch das Kleinwalsertal zum Parkplatz am Eingang des Gemsteltales

Die klassiche Gratüberschreitung vom Zwölfer über den Elfer zum Liechelkopf gehört zu den schönsten Weglostouren im Kleinwalsertal und sollte von jedem ernsthaften Steilgrasfan mindestens einmal gemacht worden sein. Wie in meinem *Bericht von 2016 beschrieben gibt es diverse Möglichkeiten, sich der Elfer-Westflanke zuzuwenden. Wir sind heute beide als Wiederholungstäter unterwegs und entscheiden uns für die gesamte Westrippe ("Rüzlar Schünar"), die wir für die beste der verschiedenen Routen halten.

Schwierigkeit:
  • Parkplatz - Einstieg: T1
  • Einstieg - Grat zwischen Zwölfer und Elfer: bis T5+, oft T4 im häufigen Absturzgelände, zwei Aufschwünge im Gras kurz bis 60°
  • Gratverlauf Zwölfer - Elfer: T3 und eine Stelle I
  • Gratverlauf Elfer - Liechelkopf: T5+ beim Abstieg von den Runden Köpfen und eine Stelle II+ am Liechelkopf
  • Liechelkopf - Schönesbodenalpe: T4, unten T3
  • Schönesbodenalpe - Gemstel-Schönesbodenalpe: T2
  • Gemstel-Schönesbodenalpe - Parkplatz: T1

Ausrüstung: Stöcke, Pickel, Helm, Schuhe mit harter Sohle

Vom Parkplatz Gemsteltal, 1170m, starten wir gemütlich in einen herrlichen Bergtag. Breite Wege machen den Auftakt zum idealen Terrain, den Körper auf Temperatur zu bringen. Nach einer knappen halben Stunde passieren wir die Tonisgemstelalpe und erreichen kurz darauf den Einstieg in die "Rüzlar Schünar" beim großen Tobel (T1, 30Min).
Nun geht's links über die Wiese einige Meter bergan, den Bacheinschnitt als Leitlinie nutzend (auf der anderen Seite dieses Tobels verläuft der Steig zur Schönesbodenalpe) bis zum Beginn des Gestrüpps. Oberhalb sieht man den gar nicht mal so kleinen Wasserfall der sich wildrauschend über eine Kaskade ergießt. Im Gebüsch leiten linker Hand schwache Spuren steil bergauf, zwischendurch muss man sich hier und da mit den Händen ein wenig gegen das Geäst wehren, es ist aber alles nicht besonders schlimm und mutmaßlich kein Vergleich etwa zum Latschenkampf an der Großen Schlicke oder am Rauhenhalsgrat. Das Gebüsch geht in Nadelwald über, wo wir auf deutliche Wegspuren, unterbrochen von schrofendurchsetzten Graspassagen, treffen. Einige Ansitze passierend leitet der Pfad bald nach rechts, wir bleiben jedoch konsequent der Rippe treu und treffen oberhalb des Waldgeländes auf die nun freien Wiesen der Westrippe (bis T4, 1h). Wir befinden uns nun auf ca. 1600m. Auf der Westrippe stehen zwei Baumgruppen (auf ca. 1650m und 1750m), die in etwa auch die Schlüsselstellen dieses Anstiegs darstellen. Auf breiten Absätzen lässt es sich herrlich pausieren und die farbenprächtige Vielfalt unserer unmittelbaren Umgebung genießen. Rechts der unteren Baumgruppe gärtnern wir uns pickelbewaffnet durch beinahe 60° steiles Gras hinauf, schnaufen oberhalb kurz durch und peilen gleich die nächsten Fichten an. Auch forthin muss ab und an nochmal ordentlich zugelangt werden, danach legt sich die Steilheit deutlich zurück (bis T5+, 30Min). Ab gut 1800m verläuft die Route meist direkt auf der Kante der Westrippe und wird durch komfortable Tritte erheblich vereinfacht. Von kurzen Verschnaufpausen unterbrochen steigen wir die Rippe bis kurz vor den Vereinigungspunkt mit dem Grat hinauf, traversieren nach links und erreichen über einfaches Gehgelände den kreuzlosen Zwölfer, 2224m. Vom nördlichen Vorgipfel genießt man einen unglaublichen Tiefblick ins Kleinwalsertal (T4 und T3, 1h).
Nach kurzer Gipfelrast nehmen wir den höchsten Punkt des Tages ins Visier. Ein splittriger Aufschwung leitet zum Vereinigungspunkt mit der Westrippe, dann weiter am etwas ausgesetzten Grat zur Kletterstelle und über diese mühelos und einfach (I) auf die weitläufige Wiese des Elfergipfels, 2387m (T3, I, 30Min). Manch einer scheint mindestens wöchentlich hier zu sein, wenn man sich das Gipfelbuch anschaut. So flachsen auch wir über die Motivation der Dauergäste, sich jedesmal diese Wiesentortur aufs neue anzutun, denn die übersäuerten Waden sind mittlerweile auch ordentlich insektenzerstochen. Trotzdem ein herrliches Platzerl hier oben und alle Mühen wert!
Vor uns liegt der heikelste und gleichsam eindruckvollste Part der Tour: Die Runden Köpfe und der Aufschwung zum Liechel. Die auch als Elfertürme bezeichneten Grasbuckel werden ausgesetzt auf dem Grat überschritten. Der anschließende Abstieg (in Gehrichtung rechts, hinter dem ersten Buckel) stellt eine der Schlüsselstellen dar. Das bröselige Gras-Schrofen-Gelände erfordert umsichtiges Steigen und verzeiht keine Schnitzer. Dennoch ist das Terrain keine wirkliche Herausforderung für erfahrene und trittsichere Steilgraspiloten. Der Liechelkopf wird nach Überkletterung eines ersten Blocks (II-) angegangen: Vor dem senkrechten Aufschwung wenige Meter nach rechts, dann eine bröselige Rinne mit herablodderndem Stahlseil links hinauf zur Crux. Der etwas abdrängende Senkrechtaufschwung erfordert ein, zwei kurze Züge (II+), dann leiten splittrige Schutthänge unschwierig zum Liechelkopf, 2384m, mit Signalstange und Buch (T5+, II+, 1h).
Der Abstieg gestaltet sich insgesamt recht einfach, aber stellenweise etwas unübersichtlich. Zunächst über Wegspuren das schuttige Gipfeldach hinab in die Liechelkopfscharte und weiter über unangenehme, rutschige Stufen die obersten Meter nach der Scharte Richtung Gemsteltal hinab. Der in vielen Karten eingezeichnete Pfad existiert so nicht, bestenfalls sind hier und da schwache Pfadspuren zu erkennen. In gemütlichem Tempo, teilweise Schuttreißen nutzend, treffen wir bald auf die Wiesen bei der Schönesbodenalpe (T4 und T3, 1:15h) und gehen auf deutlichem Steig gleich weiter zur Gemstel-Schönesbodenalpe (T2, 30Min). Nach Speckbrot, Ziegenkäse und Radler legen wir den Weg zum Parkplatz (T1, 45Min) zufrieden grinsend zurück und freuen uns über einen entspannten und genussreichen Bergtag.

Hike partners: frmat, quacamozza


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