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Tristkopf 2361m im Regen und Kröndlhorn 2444m Speed


Published by alpensucht , 7 October 2017, 13h13.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Kitzbüheler Alpen
Date of the hike: 3 October 2017
Hiking grading: T4- - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Time: 4:45
Height gain: 1300 m 4264 ft.
Height loss: 1300 m 4264 ft.
Route:Bamberger - Tristkopf - Bamberger - Kröndl - Bamberger - ca. 15km

Nach der langen Überschreitung am Vortag vom Schafsiedel zum Fünfmanndling bei Kaiserwetter schlafen wir uns wegen schlechter Prognose erst einmal richtig aus. Den Tristkopf haben wir uns für den Schlechtwettertag aufgehoben. Die durchwegs markierte und trassierte Tour würde nicht lange dauern, so dass wir nach Rückkehr schnell wieder trocknen und aufwärmen können.

Tristkopf bei Regen und starkem Wind  T3,  3h
Um 9:30 Uhr beginnen wir unsere Tour gemeinsam mit dem wirklich schlechten Wetter. Denn bis dahin war es nur bedeckt und feucht, nun aber regnet es zunehmend stark. Macht uns heute aber nichts aus. Dennoch schlendern wir etwas verhalten über die Brücke und den völlig durchweichten markierten Wanderweg hinauf zur Streitfeldenalm. Frank geht vorn, da ich unten noch schnell die neue Regenhose anziehen musste, die leider nicht über die Bergschuhe drüber gezogen werden kann. So überhole ich ihn unterhalb der Alm, weil er einen markierten Abzweig vom breiten Fahrweg übersehen hat.

Der Steig von da zum Joch bleibt ähnlich matschig wie unten, nur dass es nun langsam kälter und windiger wird. Der Wind pfeift in Böen meistens von rechts hinten heran - wir freuen uns auf den Abstieg...

Zwischendurch halte ich Frank an, endlich mal etwas wasserdichtes über seine Sofshelljacke und Kapuze und Handschuhe anzuziehen. Er ist noch leicht erkältet und will wenige Tage später die Tour de Tirol laufen (1. Tag 10km, 2. Tag 42km 2400Hm, 3. Tag 23km)! Nach einer Stunde gelangen wir an das Joch und nach weiteren 45 unangenehmen Minuten zum Gipfel. 11:30 Uhr.
Ich sehe Frank kaum 30m hinter mir im Nebel fast nicht mehr. Er hält vor dem letzten Aufschwung nochmal an. Nachdem auch er beim Kreuz war, steigen wir bis zu einer windgeschützten Stelle ab. Frank steigt weiter etwas langsamer als ich ab. Ich trinke in Ruhe einige wohltuende Schlucke Tee aus der Thermoskanne und esse einige Stücken Schokolade. Danach versuchen wir möglichst nahe beieinander abzusteigen um uns nicht aus den Augen zu verlieren. Frank schätzt den Wind um die 80km/h, ich eher 40-60km/h. Subjektivität. Wir haben keine Ahnung, wie stark er wirklich weht.

An der Streitfeldenalm pausieren wir kurz in einem trockenen Stall und nehmen nun den längeren flachen Fahrweg hinab. Um 12:50 Uhr kehren wir zurück zur Hütte und wärmen uns gut auf. Die kostenlose warme Dusche kann keiner von uns verweigern.

Am Nachmittag koche ich mir gerade eine Nudelsuppe, als es endlich aufhört zu regnen. Auf das Abkühlen der Suppe wartend, stichelt Frank ich wollte doch unbedingt noch auf das Kröndlhorn gehen. Er müsse ja regenerieren und ich könne mich ja am Wochenende ausruhen. Eine gute Idee: das Wetter wird auch laut Prognose zum Abend hin besser, noch über drei Stunden bis zum Abendbrot und endlich mal auf Tempo OHNE Gepäck auf einen einfachen Gipfel laufen. Gesagt getan. Zwei Gels, zwei Riegel (Angst vor Hungerast) und 0,5l Magnesiumwasser (Angst vor Krampf und Kater), Regenjacke, Handy, Kompaktkamera, Stöcke, Bergstiefel - los geht's! Die Suppe muss eben warten...

Kröndlhorn Speed - Leistungscheck Kurzstrecke  T4-  1h 38min
Das völlig durchweichte Gelände (T2) liegt um 15:40 Uhr zu meinem Start vor mir. Lustvoll aber noch vorsichtig in der Tempofindung laufe ich los. Die Steilheit des kürzesten Wegs zur Streitfeldenalm spüre ich nun bei erhöhtem Tempo erst richtig. Erinnerungen an die vielen Trainingseinheiten im heimischen 20-Etagen-Treppenlauf kommen auf. Nur - hier draußen ist es ernst, glitschig, kalt und - - tausendmal schöner in der Umgebung. Dort zieren hässliche Sprüche die eng drängenden kalten Wände, hier fliegen die guten Gedanken so weit umher, wie man blicken kann.

Die Wolkendecke reißt langsam auf. Licht bricht sich Bahn. Die Muskulatur fordert kleinere Schritte und eine geringere Trittfrequenz. Die Pumpe macht gut mit, auch wenn jeder Atemzug bis zum Anschlag genutzt wird. 13-15Hm pro Minute zeigt die Suunto in der ersten halben Stunde an. Ich ahne, dass ich das Tempo mangels Trainings der letzten Wochen nicht würde durchhalten können.
Je steiler, desto mehr gehe ich an die Grenze. Sobald es flach ist,  bleibe ich im Tempo, kann aber durchatmen.

Nach 19min passiere ich die Streitfeldenalm und nach exakt 30min das Nadernachjoch. Dass ich einen kleinen Umweg gemacht habe, bemerke ich erst im Abstieg. Zwischendurch nehme ich das zweite Gel mit Quellwasser ein. Auf der flachen Passage am Joch fasse ich Mut und setze innerlich die ersten möglichen Zielzeiten (Gipfel und Hütte). Zwischen Laufen, Rechnen und Atmen bemerke ich dankbar das Privileg, gesunde Beine haben zu dürfen und hier, bei sich besserndem Wetter und sich bessernder Sicht unterwegs sein zu können. Die sehr steilen letzten 300Hm zum Gipfel führen mich über schöne Wiesen, felsige Aufschwünge und kurze, weiche Schneefelder (T3+).

Der unbedingte Wille keimt auf, den Gipfel in einer Stunde zu packen. 700Hm in einer Stunde - das habe ich schon zwei Jahre zuvor (Bericht noch ausstehend), aber mit (8-10kg) Gepäck in viel besserem Trainingszustand gepackt! Ich lege mich nochmal voll ins Zeug, gehe nahe an meine Grenze im Wissen, dass mein Körper nach dem kurzen Rückweg wieder regenerieren kann. Viel mehr als 11-12Hm pro Minute gehen nun aber nicht mehr.

Nach 58min erreiche ich das Joch zwischen den Kröndln (-berg und -horn) und nach 61min den Gipfel. Glücklich über die Rundsicht, erstaunt über das Totenhäuschen und in Vorfreude über den bevorstehenden Lauf, genieße ich 4min Ruhe. Kurz lockt mich noch der westliche Nebengipfel. Doch die Lust am Abwärtslaufen packt mich bereits im Abstieg von den Gipfelfelsen (T4-).

Nach wenigen Metern gerate ich dermaßen in den Flow und rase sicheren Schritts mit bis zu 26Hm pro Minute hinab. Eine Flut an Adrenalin und wohl auch verschiedene Glückshormone überschütten mich. Maximaler Fokus und minimaler Gedankenfluss lassen die Klarheit über die nächsten Schritte rasend schnell vorbeirauschen. Die Stöcke und das Sohlenprofil leisten enormes. Die Bergstiefel, so gar nicht zum Rennen konzipiert, geben große Sicherheit auf rutschigem Tritt und im seitlichen Halt. Ihr Gewicht zieht mich förmlich hinab ohne die Kontrolle zu verlieren. Zwischendurch muss ich etwas langsamer werden, damit meine Oberschenkel nicht kollabieren. Die zweite Hälfte des Magnesiumvorrats findet seine Bestimmung, während ich in Bewegung bleibe.

Nach rauschenden 33min laufe ich um 17:18 Uhr an der einsam wirkenden Hütte ein. Eine freundliche junge Bedienstete pausiert gerade in der Schönheit der abendlichen Stille. Wir kommen ins Gespräch über unsere Alltage, während sich meine Körpertemperatur langsam reguliert.

Dass ein eigentlicher Schlechtwettertag bei entsprechender Flexibilität zu einem unvergesslichen Bergtag werden kann, zeigt uns ein weiteres Mal das Beispiel von heute. Wir essen abends reichlich und haben allerlei informativen Austausch mit dem Hüttenwirt Thomas Pletzer und einem anderen Gast mit Ironman-Erfahrungen.
Am Folgetag erwartet uns wieder gutes Wetter und der Paradegipfel für Wanderer in der Gegend.


Hike partners: alpensucht


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