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Der 100.: Vom Riffelriss über den Stölpserzieher auf Deutschlands Höchsten


Published by Kris , 26 September 2017, 01h20.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Wetterstein-Gebirge und Mieminger Kette
Date of the hike: 4 July 2017
Hiking grading: T4- - High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Via ferrata grading: PD
Waypoints:
Geo-Tags: D   A 
Time: 4:30
Height gain: 1450 m 4756 ft.
Route:Riffelriss - Wiener Neustädter Hütte - Stöpselzieher - Zugspitze.
Access to start point:mit der Zugspitzbahn bis Riffelriss
Access to end point:mit der Zugspitzbahn nach Garmisch
Accommodation:Wiener Neustädter Hütte, Münchner Haus
Maps:DAV Zugspitze

Der 100. Bericht auf Hikr muss natürlich eine gewisse Ehrung enthalten, daher soll es diesmal um die höchste Erhebung Deutschlands gehen - was für ein Zufall handelt es sich dabei gleichzeitig um die 100. Hikr Besteigung der Zugspitze - so schließt sich der Kreis.

Natürlich ist hier auf der Plattform fast alles über diesen Berg gesagt, das Gute, das Schlechte, das Schöne, das Hässliche, das Leichte und das Schwere. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich häufiger und seltener begangene Wege auf den Gipfel. Am liebsten wäre mir ohnehin die Eisenzeit oder der Jubi-Grat gewesen, oder zumindest das Höllental im Alleingang. Die ersten beiden wurden dabei vom fehlenden Führer (ohne war mir mit dem Jubi unwohl und an die Eisenzeit schon allein der Routenführung wegen nicht zu denken..). Das letztere scheiterte in meinen Gedanken dann an den fehlenden Steigeisen und D-Bergschuhen, da ich nur meine Sportiva Boulder Zustiegsschuhe mit nach Garmisch brachte. Was bleibt da noch? Der lange Anstieg über die Knorrhütte bspw. Verwegene Wege wie die Riffelwandspitzen .. oder eben der Stöpselzieher. Somit fiel die Wahl also auf Letzteren. Allerdings in einer zumindest leicht angepassten Variante, vom Riffelriss aus.

Hierfür fuhr ich mit der Garmischer Zugspitzbahn gen Riffelriss, wo man quasi um die Sitzplätze kämpfen kann mit ganzen Armaden von "Besteigern". Die Äuglein wurden dann aber schnell groß, als ich als Einziger am Riffelriss der Bahn entschwand - da im ersten Waggon schon halb im Tunnel gelegen, der Richtung Platt führt. Schlagartig ist man nun allein - und das diese Variante des Stöpselziehers seltener begangen ist merkt man dann schnell anhand der fehlenden Markierung und kaum vorhandenen Trittspuren. Man läuft aber direkt auf die großen Seilbahnpfeiler der Tiroler Zugspitzbahn zu. Zuerst an einer Hütte am Riffelriss vorbei, dann am rechten Rand ein großes Schuttfeld nach unten und etwas später einen weglosen, sanften Wiesenhang nach unten zu einer Senke, die den Wanderweg beherbergt.

Diesem folgt man nun Richtung Wiener Neustädter Hütte, das man richtig liegt sieht man auch an den alten "Grenzschildern" Richtung Österreich. Dabei ist die angegebene Wegezeit von (wenn ich mich recht erinnere) 3h dann doch arg übertrieben, was mich zuerst aber naturgemäß etwas verunsicherte. Durch den steigt man leicht an bis zu einer erneuten Abzweigung die nun über Latschen und weite Schuttfelder emporführt. Die besagten Seilbahnpfeiler rücken nun langsam näher und im Rückblick kann noch den Riffelriss sowie den klaren Eibsee erspähen. Da es zunehmend anwärmt, lege ich eine erste kurze Rast ein und trinke ein paar Schlucke um dann alsbald an die ersten Herausforderungen des Tages zu gelangen. Da ich mich nicht wirklich über den Part vom Riffelriss zur Wiener Neustädter Hütte informiert hatte auch ein kleiner Blindflug. Für alle Fälle sowohl für hier als auch den Stöpselzieher hatte ich das KS-Set eingepackt.

Wie sich herausstellt, sind die folgenden Passagen gar luftiger als der eigentliche West-Anstieg auf die Zugspitze. Beginnend mit einer steinschlaggefährdeten, schuttigen Rinne - die man allerdings nur kurz berührt und schnell den Markierungen folgend nach rechts verlässt - erreicht man schnell die ersten Versicherungen, die eine breite Rampe nach oben führen. Dann über ein paar Stufen und eine luftige Ecke nach oben und über eine erdige Querung wieder in leichteres Gelände (T4-) Unsichere Geher können sich hier schon absichern, ich ließ das KS aus Bequemlichkeit noch im Rucksack. Über einen grasig-schuttigen Hang erreicht man in einigen Kehren bald den normalen Westanstieg, der von der Tiroler Zugspitzbahn her nach oben kommt.

Hier raste ich ein zweites Mal und genieße den Blick über Ehrwald hinweg u.a. zum Daniel. Von diesem Wegweiser aus ist die Wiener Neustädter Hütte nicht mehr allzu weit. Dafür passiert man nochmals kurze, versicherte Passagen und ist immer wieder im "hautnahen" Kontakt mit den von Weiten sichtbaren Seilbahnpfeilern. Blicke von den Passagieren sind garantiert. Zu querend sind auch ein paar kleine Holzbrücken, die nicht jeder vertrauenswürdig findet. Passt aber alles. Um eine weitere Ecke herum erreicht man dann die Wiener Neustädter Hütte. Mit mir laufen nun vom Normalanstieg kommend immer wieder weitere Bergsteiger. Bis zum vorangegangen Wegweiser war ich allein. Auffallend dabei eine Gruppe, mit der ich mit Unterbrechungen eigentlich immer wieder am gesamten Anstieg aufeinandertraf. Diese 3 wohl Einheimischen machten den Aufstieg auf jeden Fall unterhaltsam: der "Anführer" der Gruppe versprach seinen Mitgehern quasi bei jedem Schritt es wär "nur noch ne Viertelstd." - selbst drei Schritte vorm Münchner Haus. 

Direkt nach der Wiener Neustädter Hütte war noch ein Altschneefeld zu queren, bei bedachtem Schritt aber keinerlei Problem. Über weiteren Schutt erreicht man ca. nach 15min ab der Hütte dann den Einstieg zum Stöpselzieher den ich zu einer letzten Pause vor dem Gipfel nutzte wobei ich mir dann auch das KS-Set anlegte. Ist das notwendig? Nein, nicht unbedingt. Wer sich im T4-Gelände wohlfühlt, kann auch ohne aufsteigen. Wer aber gerne sicherer unterwegs ist, verliert auch nicht allzu viel Zeit durch das Sichern, da a) ohnehin nicht durchgängig versichert und b) man gerade in einfachen Passagen zur Not mit einem Karabiner ohne Redundanz beim Umhängen arbeiten kann (natürlich NIE an schweren Stellen!) Gerade im Stöpselzieher kann es aufgrund der höhlenartigen Struktur auch mal nassen Fels trotz gutem Wetter geben daher nimmt die Sicherung auch etwas das Unberechenbare heraus.

Gerade der Anfang des Stöpselziehers ist auch auf jeden Fall sehenswert! Die genannte höhlenartige Rinne, die man durchschreitet hat man nun nicht alle Tage. Hier warten auch die schwersten Stellen (B) Nach ein paar Fotos und auch nassen Stellen steigt man wieder ins Freie und muss weitere , steile Meter erklimmen. Danach wird es abwechselnd flacher, dann wieder steiler und immer wieder auch Gehgelände. Jede Einzelheit zu beschreiben, überfordert mein Erinnerungsvermögen und wäre sicher auch nicht zielführend. Wichtig nur noch einmal der Hinweis, das es KEINE durchgängige Sicherung gibt. Je nach Routenführung kann man dann auch mal einen 1er kraxeln. Wobei das Gelände durchaus an den Widderstein im Allgäu erinnert, erreicht dessen Schwierigkeitsgrad aber nicht ganz. Durch die Hangneigung der Flanke ist es auch nie richtig ausgesetzt, wie gesagt - weniger als vom Riffelriss kommend. Meines Erachtens ein oberes T3 bis unteres T4.

Da man in dieser Flanke immerhin fast 600 Hm nimmt, kann das ständige Gekraxel auch an der Kondition zehren, so gesehen bei einem älteren Ehepaar das ich vorm Ausstieg traf. Der Herr blieb alle 2 Schritte stehen und musste durchpusten, also bitte konditionell nicht gar zu sehr unterschätzen! Die alte, abgebrannte Bahnstation will auch überhaupt nicht näher kommen. Oben verändert sich das Gestein nochmal und wird orange-farben. Ab hier wird es weniger fest, schuttig und etwas unangenehmer. Bald aber erreicht man nach etwas Quälerei dann doch die gespenstische alte Bahnstation - hat für mich irgendetwas von Shining (Stephen King). Daran vorbeiziehend ist der Ausstieg nicht mehr weit und der Blick öffnet sich auf das Zugspitzplatt und die dahinterliegenden Berge, der Trubel ist nicht zu übersehen. Ebenfalls auffällig: nachdem man die Tiroler Zugspitzbahn nun hinter sich gelassen hat, die bisher den Aufstieg begleitete, ist es nun die vom Platt kommende Bahn die Schaulustige beinhaltet.


Der folgende Aufstieg ist dem von der Knorrhütte kommenden gleich und somit leichter. Auch wenig ausgesetzte Passagen sind hier noch versichert (mit viel Willen max. T3) Man nimmt die letzten Sporen zusammen und erreicht alsbald die Treppen die nach oben, endgültig zurück in die Zivilsation leiten. Wie surreal stolpert man nun an gefühlt Hunderten vorbei, vorbei am Münchner Haus, den Einstieg zum Kreuz suchend. Den findet man dann mit deutlichem Warnhinweis (hochalpin nur mit Erfahrung!), was natürlich die meisten einen feuchten Kehricht schert. Somit ist der Anstieg zum Kreuz erwartungsgemäß völlig überfüllt. Man kann sich das Ganze etwas verkürzen in dem man links der ersten Stellen klettert (Stelle II). Spätestens bei der Leiter komm ich dann aber ohne nicht mehr hoch und warte mir einen Wolf. Nach 20 "Aspiranten" platzt mir dann etwas der Kragen und ich schiebe mich schnell dazwischen.

Auch auf dem nun erreichten Plateau und vorm Schlussaufstieg stehend kommen immer wieder weitere Absteigende. Hier kann man ebenfalls links umgehen, I. Skurril ist es dann aber doch, wenn Damen sich hier trotz Hilfe keinen Schritt vor und zurück trauen, mit Glitzschuhen ohne Profil ausgestattet. Auch wenn man es vorher weiß, in Realität schüttelt man dann trotzdem den Kopf. Am eigentlichen Gipfel gibt es dann doch noch ein paar ruhigere Stellen, wenn man sich nur nah genug an den Abgrund traut. Die folgende Rast ist eine ausgiebige, die mit vielen Fotos und etwas Jause einhergeht. Leider ist die Sicht eingetrübt, seit ich den Ausstieg am Stöpselzieher erreichte. Daher blitzt bspw. die Wildspitze nur kurz hervor. Nach ca. 45min reiße ich mich los und nehme den Abstieg in Angriff, der nun mit etwas weniger Stau vonstatten geht. 
Im Münchner Haus möchte ich nicht einkehren, sondern schaue mir noch alle Plattformen an finde aber keine aufgerissenen Wolkendecken. Um der Knie wegen wähle ich nun die schonende Variante, gerade nach meiner schmerzhaften Tour am Wank ein paar Tage zuvor. Am Platt ein paar letzte Fotos, und rein in die Bahn.

In Garmisch angekommen ist man dann irgendwie befreit, befreit von den Massen, von diesem Bergschauspiel. Aber trotzdem, ich werde wiederkommen, die schönen Anstiege über Höllental, Eisenzeit und Jubi-Grat warten noch auf mich. Du, Zugspitze, mit deinen Anstiegen, bist zu schade, als man dich aufgrund des Ansturms den reinen Bahnfahrern überlässt..


KONDITION 4/5
ORIENTIERUNG 2.5/5
TECHNIK 3/5
EXPONIERTHEIT 2.5/5



Hike partners: Kris


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Comments (1)


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scan says:
Sent 26 September 2017, 10h56
Gratulation zur einer solch schönen Tour! Der Stopselzieher ist wirklich ein schöner Steig, mein KS hatte ich damals auch nicht benutzt, unverzichtbar ist jedoch der Helm. Die Variante von der Riffelriss kannte ich noch nicht, schaut aber wesentlich interessanter aus, als der triste Aufstieg durch das Geröllfeld von der Seilbahnstation aus.



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