Trekkingtour durch das Storsteinsfjellet und Schwedisch Lappland


Published by heluka , 9 September 2017, 21h48.

Region: World » Norway
Date of the hike:11 August 2017
Waypoints:
Geo-Tags: S   N 
Time: 6 days
Route:Katterat - Hunddalen - Cunojavri - Hoiganvaggi - Riksgränsen
Access to start point:Oslo-Hardstadt Evenes-Narvik, anschl. mit dem Zug nach Katterat


Ich stehe am Bahnhof in Narvik und werde gleich in den Zug einsteigen, der mich nach Katterat bringt, einem Bahnhof im Nirgendwo den ich als Startpunkt für meine fünfte Trekkingtour in Norwegen ausgewählt hatte. Der Wetterbericht hat für den ersten Tag Regen vorausgesagt – und er sollte Recht bekommen.

Die Fahrt auf der legendären Eisenerzlinie dauert nur zwanzig Minuten. In Katterat steigt mit mir noch ein belgisches Ehepaar aus dem Zug,  das über den Rallarvegen zurück nach Narvik wandern will. Einen kurzen Moment warte ich noch im Trockenen, in der Hoffnung der Regen würde aufhören. Schliesslich ziehe ich die Regensachen an und starte bei Nieselregen meine Tour. Der Tourenstart ist etwas ungewöhnlich. Beim Bahnhof müssen nämlich zuerst die Geleise überquert werden, von wo aus man über eine Leiter auf den „Wanderweg" gelangt. Der offizielle Weg ins Hunddalen geht eigentlich einer Fahrstrasse entlang. Diesen möchte ich meiden und gehe den eher beschwerlichen Weg der gleich zu Beginn schlecht zu finden ist. Markierungen sind bis zur Hunddalshytta nicht vorhanden. Meist geht es weglos, was mir aber lieber ist als die ausgetretenen „Autobahnen“.

Nach gut einer Stunde hört der Regen auf und die Sicht wird besser. Vom Hunddalstoppen auf dem ich gerade stehe, sollte man eigentlich bis zum Meer sehen können. Heute wird daraus leider nichts. In Richtung Schweden sieht man dafür schön die geschwungene Linie der Eisenerzbahn. Von Kiruna aus fahren täglich 8 Züge die das Eisenerz in den auch im Winter eisfreien Hafen von Narvik bringen.
Vorbei an Langryggen und Langvatnet wandere ich weiter ins Hunddalen und bald kann ich die Ebene und die noch verschneiten Berge sehen. Als ich ziemlich nass bei den Hunddalshyttene ankomme, drücken ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken. Es ist niemand anwesend in den vier Hütten. Ich habe den Schlüssel des DNT bei mir und schliesse die Hütte auf, die von jedermann genutzt werden kann. Ich geniesse es, die Hütte für mich allein zu haben. Noch vor zwei Tagen war es zu Hause gegen dreissig Grad. Hier werde ich jetzt den Ofen einheizen, da es draussen wohl um die 5 Grad ist. Schnell wird es gemütlich warm und ich kann meine Sachen zum Trocknen aufhängen und geniesse noch die Aussicht aus dem grossen Fenster. Es ist auch jetzt noch bis etwa 11:30 Uhr hell.
 
Der nächste Morgen beginnt vielversprechend mit Sonne und das Hunddalen zeigt sich von seiner schönsten Seite. Die Berge mit den Restschneefeldern und der blaue Himmel geben ein schönes Bild ab. Beizeiten starte ich meine etwa 20km Etappe zum Cunojávri. Das Wetter ist bedeutend besser als gestern, auch wenn die Sonne nur zeitweise scheint und ein kalter Wind weht. Kurz vor der Hütte bei Oallavagge treffe ich auf die ersten Rentiere. Als ich zur Hütte will, versperrt mir ein Bach den Weg und als ich auf die Karte schaue merke ich, dass ich die letzten Km bereits nicht mehr richtig ging. Die Markierungen sind, falls vorhanden, sehr spärlich. Ebenso die Wegspuren. Auch nach längerem Suchen finde ich keine Stelle, um den Bach überqueren zu können. Also suche ich nach einer flachen Stelle um den Bach furten zu können. Das Wasser ist eiskalt und ich bin froh am anderen Ufer die Füsse wieder trocknen zu können. Jetzt sind es nur noch wenige Meter zur Oallavagge Schutzhütte, wo ich eine Pause einlegen werde. Diese Hütte ist unverschlossen, da es nur eine Schutzhütte ist. Auch sie verfügt über einen Ofen und zwei Betten. Falls man sie benutzt, muss ebenfalls der Beitrag an den DNT entrichtet werden.

Durch das schöne Oallavaggi-Tal geht es weiter, vorbei am grossen Sealggajávri-See (die Namen sind hier noch ungewöhnlicher als sonst in Norwegen). Langsam macht sich mein knapp 23kg schwerer Rucksack bemerkbar und ich bin froh, als ich den grossen See (Cunojávri) sehe. Vorher muss noch eine gut gesicherte, aber sehr wacklige Hängebrücke überquert werden. Auch die Cunojávrihytta ist geschlossen. Das heisst ich bin auch hier alleine. Ich bin bereits zwei Tage unterwegs und bisher noch niemandem begegnet.

Mein ursprünglicher Plan war eine Tour von Katterat nach Abisko. Gerade noch rechtzeitig las ich vom Fjällräven-Classic,  das dieses Jahr genau zu dieser Zeit stattfindet und der Weg auf dem letzten Teilstück des Kungsleden zusammengetroffen wäre. Deshalb änderte ich mein Ziel von Abisko auf Riksgränsen ab. Dies war eine sehr gute Entscheidung.

Am nächsten Morgen trommelt der Regen an die Fensterscheiben der Hütte. Das heisst Regen und Wind bei einer Temperatur von etwa 3 Grad. Kurz überlege ich, ob ich diesen Tag in der Hütte aussitzen will. Schliesslich packe ich dann aber doch meinen Rucksack und starte meine dritte Etappe in Richtung Unna Allakas, eine Hütte die bereits in Schweden liegt. Der Boden ist rund um den See noch tiefer als sonst schon und lässt mich nur langsam vorankommen. An der schwedisch-norwegischen Grenze mach ich kurz Halt, obwohl es stürmt und windet. Danach nehme ich meine ersten Meter auf schwedischem Boden unter die Füsse. Gegen Mittag erreiche ich Unna Allakas und entschliesse mich, eine kurze Pause einzulegen um mich etwas aufzuwärmen. Als Mitglied des DNT Norwegen muss ich für den Kurzaufenthalt während des Tages in der schedischen Hütte (STF) nichts bezahlen. Die Hütte ist bedient und hat eine Hüttenaufsicht. Kochen müsste man aber selbst. Es hat hier ein „Hjälptelefon“ für Notfälle und einen kleinen „Kiosk“ wo man ein paar Lebensmittel wie Suppe oder Schokolade kaufen könnte.

Halbwegs trocken gehe ich bei wechselhaftem Wetter weiter. Mal im Regen, mal bei Sonne und zeitweise vorbei unter herrlichen Regenbogen. Fast kitschig wirken die Rentiere die unter einem Regenbogen nahe einem See grasen. Nach gut 18 km beginne ich Ausschau zu halten nach einem geeigneten Platz für das Zelt. Das ist im Fjell nicht immer ganz einfach, obwohl es Platz genug hat und man dies auch darf. Die ebenen Flächen sind häufig mit Gebüsch, Stauden oder Steinen übersäht. Ich finde schliesslich ein ebenes Plätzchen mit Wasser in der Nähe (dies sollte es auch haben). Nach einer warmen Mahlzeit verkrieche ich mich ziemlich müde in meinen Schlafsack und schlafe trotz Regen recht gut. Eigentlich liebe ich sogar das Geräusch des Regens auf dem Zelt, wenn nur der Morgen danach nicht wäre…
 
Das Wetter am Morgen  ist aber gar nicht so schlecht und das Zelt trocknet recht gut ab. Es hat runtergeschneit und die nahen Gipfel sind weiss gezuckert. Ich habe zwei paar nasse Socken und ich ziehe eines davon an, um in die kalten und ebenfalls nassen Schuhe zu steigen. Kein angenehmes Gefühl. Das dritte Paar Socken will ich aber trocken behalten und lasse es im wasserdichten Packsack im Rucksack. Es ist heute kalt, aber trocken. Die Schuhe können nicht trocknen, da man ständig Wasser von den Büschen abstreift, die in den Weg ragen. In Schweden hat es zwar auffällig viele Holzstege, die über die Sumpfpassagen führen. Dies findet man in Norwegen weniger. Als ich in Rovvidievvá (Samen-Siedlung) ankomme, treffe ich die ersten Leute seit meinem Hüttenbesuch in Unna Allakas. Das Wetter ist besser geworden. Unterdessen scheint sogar die Sonne und ich geniesse die Sonnenstrahlen während einer Pause. Dafür schwirren jetzt die „Myggs“ um meinen Kopf und sind magisch angezogen von meiner heissen Suppe.

Auf meinem Weiterweg in Richtung Abisko treffe ich auf weitere Leute. Spätestens bei der Alesjaurestugorna (Hütte) wäre ich auf den Kungsleden getroffen und damit wohl auf ganze Horden von Trekkern, die das Fjällräven Classic unter die Füsse genommen hatten mit Ziel Abisko Turist Station. Bereits ohne diese Veranstaltung ist diese Hütte (eher Hotel) nichts für mich. Der Kungsleden ist zu einem Modeweg verkommen. Schade um diesen landschaftlich sehr schönen Weitwanderweg. Ich werde diesen Trail sicher nicht im Juli oder August unter die Füsse nehmen.
 
Ich ziehe es vor, über Hoiganvaggi, ein gut zwanzig km langes Tal,  ohne Markierungen und Wege nach Riksgräsen, einem schwedischen Grenzort zu wandern. In zwei Tagen begegne ich hier zwei Personen unterwegs und bei der Hütte Stuor Kärpel einer schwedischen Familie, die die Hütte in Beschlag genommen hat. Eine Schutzhütte die für die fünköpfige Familie wohl gerade gross genug war. Ich stelle mein Zelt ein paar hundert Meter von der Hütte auf. Kurz davor war ich auf nassen Steinen ausgerutscht und wieder auf meine bereits lädierte Hand gefallen (ich war bereits 2015 bei meiner Rondane-Tour gefallen). Die Hand wid schnell geschwollen und ich habe während der Nacht ziemliche Schmerzen. Das Abbrechen des Zeltes, Packen und Anziehen des Rucksackes am nächsten Morgen ist alles andere als einfach. Auch das Wetter lädt nicht zum Verweilen, was ursprünglich mein Plan gewesen wäre. Ich bin froh, dass ich nur noch 10km vor mir habe und kann mit der linken Hand kaum den Treckingstock halten. Es bleibt auf den letzten km wenigsten mehr oder weniger trocken. Ziemlich müde und auch etwas enttäuscht, schon wieder gestürzt zu sein, komme ich in Katterjokk an, wo ich für umgerechnet 90 Franken für eine Nacht eine kleine Ferienwohnung gönne. Die warme Dusche ist eine Wohltat für Körper und Seele und anschliessend geniesse ich eine riesige Portion Tortelini mit Tomatensauce – und ein schwedisches Bier. Bald darauf verfalle ich in einen komatösen Schlaf.
 
Fazit:
Keine leichte Tour die bei schlechtem Wetter sehr anspruchsvoll werden kann. Landschaftlich aber umso reizvoller – vor allem das Hunddalen und über das Tal Hoiganvaggi. Zelt und genügend Proviant im Rucksack sind ein Muss. Karte lesen sollte man können. Wer mit der Einsamkeit zurechtkommt, kann eine wunderbare Tour geniessen und die Natur in vollen Zügen geniessen. Lappland ist traumhaft schön. Bleibt zu hoffen, dass es gerade 6wegen dem rauhen und wechselhaften Wetter nicht zu einem Ort des Massentourismus verkommt.
 

 

Hike partners: heluka


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Comments (1)


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Henrik says: Unvermeidlich!
Sent 10 September 2017, 11h41
> Ort des Massentourismus

Mit den Hypes wird in vielen Regionen der Welt der Tourismus nicht nur zur Segnung: z.B. auch in Norwegen sind die Lofoten am Limit, oder Preikestolen oder Trolltunga, die zur Kloake verkommen und wo täglich das Rote Kreuz zur Rettung hinaus muss.... üblerweise wird der Hype noch gesteigert durch die Selfiemanie und bei der Rettung wird auch noch diese auf Instagram oder youtube tausenfach verbreitet!

In Island stehen 1.5 Millionen Besucher 364 000 Einheimischen gegenüber... Tendenz steigend...

Welche Karten hast Du verwendet... hier noch online!

Narrativer Bericht - Danke.


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